Blätter

Blätter, dienen den Pflanzen nicht allein zum äußern Schmuck, sondern sind auch zu deren Erhaltung unumgänglich nöthig, da jedes Gewächs hauptsächlich in seinen Blättern lebt. Wurzel, Stamm und Zweige sind nur als Träger der Pflanzenlebenstheile zu betrachten, während Blüthe und Frucht Uebergänge zur neuen Belebung bilden. In welch enger Beziehung das Leben der Blätter mit der ganzen Pflanze steht, geht aus dem Umstand hervor, daß keine Pflanze, der man die Blätter gewaltsam genommen hat, fortkommt, Blüthen und Früchte treibt. Bei dem größten Theil der Pflanzen höherer Ordnung dauert das Leben fort, wenn sie auch ihre Blätter im Herbst verlieren. Sie kehren dann periodisch, oder vielmehr aus eignen Anschwellungen der mit seinem Stamm vereint gebliebenen Zweige im Frühjahr wieder, erst als Blätterknospe, dann als Blätter. Das Abfallen geschieht im Herbst, in Folge der aufgehobenen Vereinigung zwischen ihnen und den Zweigen, welche durch die Gefäße und Fasern bewirkt worden ist. Wenn die Wurzeln den stark ausdünstenden Blättern im Herbst nicht mehr Säfte genug liefern, vertrocknen sie, hören auf zu wachsen und fallen endlich ab. Die Farbe der Pflanzenblätter ist mit wenigen Ausnahmen grün in verschiedenen Abstufungen. Kurz vor dem Abfallen, unter dem Welken verlieren sie ihre ursprüngliche Farbe, werden erst gelb, dann roth und braun. Pflanzen niederer Art, wie Moose, behalten ihr Blätterleben auch im Winter beim stärksten Frost, ebenso mehrere Nadelhölzer, deren Laub lederartig ist, und viel harzige Säfte enthält. Sonst hört alle Blättervegetation während des Winters in unserm nördlichen Klima auf, und nur die Südländer erfreuen sich auch im Winter des Anblicks grün belaubter Bäume und Büsche. Kein Pflanzentheil bietet eine so große Mannichfaltigkeit hinsichtlich der Form als die Blätter. Im Allgemeinen unterscheidet man einfache und zusammengesetzte, häutige, fleischige, flache und zusammengezogene; ferner Wurzel-, Stengel- und Samenblätter. Diese zerfallen jedoch wieder in unzählige Abarten. Außer dem Schutze, den die Blätter Menschen, Thieren und Pflanzen gegen brennende Sonnenstrahlen, Regen und Wind gewähren, dienen sie auch manchen Thieren zur Nahrung, allem Vieh zur Streu, selbst manchmal zur Feuerung. Auch wurden Baumblätter vor Erfindung anderen Schreibmaterials vielfach benutzt, und noch jetzt bedienen sich mehrere indische Völker derselben zum Schreiben.

L. M.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Blatter — Blat ter, v. i. [imp. & p. p. {Blattered}.] [L. blaterare to babble: cf. F. blat[ e]rer to bleat.] To prate; to babble; to rail; to make a senseless noise; to patter. [Archaic] The rain blattered. Jeffrey. [1913 Webster] They procured . . .… …   The Collaborative International Dictionary of English

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