Arthur Lieberasch

Arthur Lieberasch (* 20. Oktober 1881 in Döbeln; † 10. Juni 1967 in Leipzig) war ein Kommunist und Abgeordneter des Sächsischen Landtages in der Weimarer Republik.

Leben

Arthur Lieberasch wurde am 20. Oktober 1881 im sächsischen Döbeln als Sohn eines Zigarrenarbeiters geboren. Nach dem Besuch der Volksschule machte er eine Schlosserlehre. Mit 20 trat er der Gewerkschaft bei und er wurde später für seine gewerkschaftliche Tätigkeit sachsenweit bekannt. Folgerichtig erfolgte 1905 der Eintritt in die SPD. 1917 trat Lieberasch zur neugegründeten USPD über. In den Revolutionstagen von 1918 gehörte er in führender Position dem Leipziger Arbeiter- und Soldatenrat an. Lieberasch ging bald den konsequenten Weg vieler sich zum Kommunismus hinwendenden Funktionäre.

1920 war er Delegierter auf dem als Spaltungsparteitag in die Geschichte eingegangenen Parteitag der USPD am 12. Oktober 1920. Lieberasch trat mit der linken USPD-Mehrheit der KPD bei, die sich daraufhin für ca. 2 Jahre VKPD nannte. Er besetzte in Sachsen nunmehr zunehmend für die KPD wichtige Positionen. 1921 wurde er Stadtverordneter in Leipzig, wo er ab 1927 auch die KPD-Fraktion leitete. Bei den Wahlen zum 2. Sächsischen Landtag 1922 erhielt Lieberasch ein Mandat als Abgeordneter, das er auch bei den Wahlen zum 3. Landtag behaupten konnte. Zu dessen erster Sitzung stellte die KPD ihn als Kandidaten für das Amt des 1. stellvertretenden Landtagspräsidenten auf, da die Partei als zweitstärkste Fraktion diesen Posten für sich beanspruchte. Die Kandidatur scheiterte jedoch an der bürgerlichen Mehrheit im Landtag. Lieberasch war innerhalb der KPD vor allem für Gewerkschaftsfragen zuständig. Zum rechten Flügel gehörend, war er 1928 einer der Wortführer bei den parteiinternen Flügelkämpfen in Sachsen. Aus der traditionellen Gewerkschaftsbewegung kommend, konnte Lieberasch nicht dem ultralinken Kurs der neuen Parteiführung folgen und stellte sich auch gegen die Sozialfaschismusthese. Zwangsläufig kollidierten seine Ansichten mit denen von bedeutenden sächsischen KPD-Funktionären wie Rudolf Renner oder Walter Ulbricht. Somit wurde Lieberasch im Januar 1929 aus der KPD ausgeschlossen. Er trat zur KPO über und wurde in Westsachsen einer ihrer Mitbegründer.

Im sächsischen Landtag bildete er ab dem 15. Januar 1929 mit vier weiteren Abgeordneten, darunter Robert Siewert und Paul Böttcher eine eigene KPO-Fraktion. Die nationalsozialistische Gefahr realistisch einschätzend, emigrierte er schon Anfang 1933 in die Schweiz nach Schaffhausen, einem wichtigen KPO-Anlaufpunkt. Lieberasch überdauerte unter großen Entbehrungen den Krieg und durfte erst 1948, als seine Frau bereits im Sterben lag, in seine sächsische Heimat zurückkehren. Er trat in die SED ein und beantragte die Anerkennung als „Kämpfer gegen den Faschismus“ (KgF). Nach dem ihm zunächst diese Anerkennung verweigert wurde, wurde Lieberasch nach seinem Einspruch im September 1949 doch noch als KgF anerkannt. Zu Beginn der 1950er Jahre wurden von der SED-Führung ehemalige KPO-Mitglieder in ihren Reihen massiven Überprüfungen und Repressionen ausgesetzt. Da Lieberasch von der KPO-Politik nicht abrückte, schloss man ihn 1952 aus der SED aus. Er bezeichnete die Bildung der KPO nicht als Fehler, sondern nur als Verstoß gegen die Disziplin. 1957 wurde Lieberasch dann im Zuge einer Entstalinisierung der SED wieder in diese aufgenommen und erhielt 1958 die Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus.

Quellen

Literatur

  • Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918–1945. Karl Dietz Verlag Berlin. 2. Auflage 2008

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