Oberstleutnant

Oberstleutnant, früher auch: Obristlieutenant, ist ein militärischer Dienstgrad. In der NATO hat der Oberstleutnant den Rangcode OF-4. Die französische Bezeichnung lautet Lieutenant-colonel, die englische Lieutenant Colonel, die spanische Teniente Coronel, die russische Podpolkovnik.

Inhaltsverzeichnis

Historisches

Der Name leitet sich ab von Oberst, vielfach auch Obrist, einem sehr alten Dienstgrad, und Leutnant, französisch lieutenant (Stellvertreter); der Oberstleutnant war also ursprünglich der Vertreter des Regimentskommandeurs, der den Rang eines Obersten hatte.

Deutschland (Bundeswehr)

Oberstleutnant des Heeres (Fernmelde­truppe)

Der Oberstleutnant (Abk.: Oberstlt / in Listen: OTL) ist der sechsthöchste Offizierdienstgrad eines Soldaten der Bundeswehr beim Heer und bei der Luftwaffe. Der äquivalente Dienstgrad bei der Marine lautet Fregattenkapitän. Im Sanitätsdienst der Bundeswehr sind der Oberfeldarzt/Flottillenarzt, Oberfeldapotheker/Flottillenapotheker, Oberfeldveterinär ranggleich.

Offiziere in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen Soldaten der Mannschaftsdienstgrade, Unteroffizieren ohne Portepee, Unteroffizieren mit Portepee und Offizieren bis zum Range eines Majors Befehle erteilen.

Der Oberstleutnant ist der zweithöchste Dienstgrad in der Verwendungsgruppe der Stabsoffiziere. Bezahlt wird er nach der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) A14 bzw. A15 (vergleichbar einem Oberregierungsrat bzw. Regierungsdirektor) plus einer Soldatenzulage. Die derzeit von der Personalführung der Bundeswehr zugesicherte Besoldungsgruppe für Berufsoffiziere ist A14. Der Dienstgrad Oberstleutnant ist frühestens nach zwölf Jahren Dienstzeit als Offizier (ab Beförderung zum Leutnant) erreichbar; bei besonderen Verwendungen bereits nach sechs Jahren. Als besondere Altersgrenze für Oberstleutnante wurde die Vollendung des 61. Lebensjahres festgesetzt (§45 (2) Nr. 2 SG).

Der Oberstleutnant trägt als Dienstrangzeichen silbernes Eichenlaub mit zwei silbernen Sternen.

Besonderheiten des Dienstgrades

Der Oberstleutnant wird zumeist als Bataillonskommandeur oder stellvertretender Regimentskommandeur bis hin zu den verschiedensten Stabsoffizierverwendungen auf allen höheren Führungsebenen (Brigade, Division, Korps, Amt, Ministerium oder in internationalen Stäben und Hauptquartieren) eingesetzt. Außerdem findet er Verwendungen als Hörsaalleiter oder Inspektionschef an Schulen der Bundeswehr.

Bundesgrenzschutz

Im Bundesgrenzschutz (BGS) fand die Bezeichnung bis zum Jahr 1981 Verwendung, wurde dann im Zuge der „Demilitarisierung des BGS“ durch „Polizeioberrat“ und „Polizeidirektor“ ersetzt.

NVA der DDR (1949–1990)

NVA

Analog zur Bundeswehr bezeichnete der Dienstgrad des Oberstleutnants (hier OSL) in der früheren NVA der 1990 aufgelösten DDR den mittleren Dienstgrad in der Gruppe der Stabsoffiziere. Sein maritimes Pendant war ebenfalls der Fregattenkapitän. Dieser Dienstgrad wurde in der Regel nur an Berufsoffiziere verliehen. Seine Verwendung entsprach in etwa der in der Bundeswehr. Das Dienstgradabzeichen bestand aus geflochtenen Schnüren, auf denen zwei Sterne angebracht waren.

Schweiz

Rangschlaufe Oberst­leutnant

In der Schweizer Armee steht der Oberstleutnant ebenfalls zwischen Major und Oberst und ist (in Friedenszeiten) der fünfthöchste Offiziersdienstgrad. Neben dem Grad Oberstleutnant gibt es den gleichrangigen Grad Oberstleutnant im Generalstab.

In Auslandseinsätzen wird er als Lieutenant Colonel bezeichnet (LTC/Lt Col). NATO-Code: OF-4.

Der Oberstleutnant führt als Kommandant ein Bataillon, eine Abteilung oder ein Geschwader. Als Stabsoffizier ist er für ein Fachgebiet im Brigadestab zuständig.

Ein Oberstleutnant im Generalstab (Oberstlt i Gst) führt im Brigadestab die Führungsgrundgebiete 2 (Nachrichten), 3 (Operation), 5 (Planung).

Österreich

Dienstgrad­abzeichen

Im österreichischen Bundesheer ist der zwischen Major und Oberst stehende Oberstleutnant ebenfalls der sechsthöchste Offiziersdienstgrad.

Außerdem wird die Verwendungsbezeichnung Oberstleutnant für Leitende Beamte (E1) der Exekutive in Österreich, dazu gehören Bundespolizei und Justizwache, verwendet. Da es sich bei den genannten Wachkörpern um zivile Körperschaften handelt, die lediglich nach militärischem Muster organisiert sind, handelt es sich jedoch nicht um „Polizeioffiziere“, sondern sie führen lediglich Offiziersränge als Verwendungsbezeichnung. Im Übrigen ist ein direkter Vergleich mit den Dienstgraden des Bundesheeres nicht möglich, da in der Bundespolizei Aufgaben, die im militärischen Bereich einem niedrigrangigen Offizier zukommen, von hochrangigen dienstführenden Beamten (E 2a), also Angehörigen der mittleren Laufbahnebene, wahrzunehmen sind.

Frankreich

Rangabzeichen

Frankreich kennt im Vergleich zum Oberstleutnant den Rang eines Lieutenant-colonel.

Der Lieutenant-colonel steht über dem Commandant und unter dem Colonel (Oberst).

USA

Rang­abz.

Die United States Army, die US Air Force und das US Marine Corps kennen den Dienstgrad eines Lieutenant Colonel. In der Hierarchie steht dieser über dem Major und unter dem Colonel. Die US-Soldstufe ist O-5, der NATO-Rangcode jedoch OF-4.

Ein Lieutenant Colonel führt operativ ein Bataillon oder eine Staffel mit zwei bis sechs Kompanien und damit 300–1.000 Soldaten.

Vereinigtes Königreich

Hier lautet der entsprechende Dienstgrad in der Royal Air Force "Wing Commander".


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