Asala
Die Flagge der Asala

Die Armenian Secret Army for the Liberation of Armenia - Asala (zu deutsch etwa Armenische Geheimarmee zur Befreiung Armeniens) war eine terroristische Untergrundorganisation mit Wurzeln in der armenischen Diaspora, die auch unter den Namen Orlygruppe und Organisation des 3. Oktobers operierte. Die Gruppe bekannte sich zum Marxismus-Leninismus. Der letzte der Asala zugerechnete Anschlag erfolgte im Sommer 1997 in Belgien.[1] Die Gruppe gilt heute als aufgelöst.

Geschichte

Sie wurde am 20. Januar 1975 in Beirut von Diaspora-Armeniern im Libanon gegründet. Erklärtes Ziel der Asala waren Reparationszahlungen als Wiedergutmachung des durch den Genozids an den Armeniern erlittenen Leids sowie die "Befreiung der armenischen Gebiete" von der Türkei. Diese Gebiete waren den Armeniern nach dem Ersten Weltkrieg von den Siegermächten im Vertrag von Sèvres als Staatsgebiet zugesprochen worden, der jedoch als Vertrag nie in Kraft trat, da sich die türkische Seite geweigert hatte ihn zu unterschreiben und sich ihrer Durchsetzung durch den türkischen Befreiungskrieg widersetzte. Er wurde schließlich durch den Vertrag von Lausanne ersetzt, welcher die heutigen Staatsgrenzen der Türkei festschreibt. Politisch war die Asala den Lehren des Marxismus-Leninismus verhaftet. Dennoch wird die Ideologie der Organisation auch als eine Art von Kompromiss zwischen Marxisten und armenischen Nationalisten angesehen.[2] Die Gruppe kennzeichnete ihre Gegner als „türkischer Imperialismus“, der durch „lokalen Reaktion“ und der „globale Imperialismus“ unterstützt sei. Dem entgegen wollte die Asala die „revolutionäre Gewalt“ stellen und beabsichtigte, das Sowjetarmenien zu einem Zentrum des Volkskrieges zu gestalten.

Die armenischen Attentäter verübten bis Mitte der 80er Jahre insgesamt 110 Anschläge, dabei handelte es sich in 70 Fällen um Terroranschläge mit Bomben, in 39 Fällen um Anschläge mit Schusswaffen und um eine bewaffnete Botschaftsbesetzung mit Geiselnahme, dabei wurden nach türkischen Quellen 64 Personen getötet und über 300 Menschen zum Teil schwer verletzt. Die Anschläge richteten sich gegen Zivilisten, hauptsächlich gegen türkische Diplomaten bzw. Angestellte der türkischen Vertretungen im Ausland.

Ein türkischer Staatsbürger armenischer Abstammung namens Artin Penik zündete sich am 10. August 1982 auf dem Istanbuler Taksimplatz aus Protest gegen die Terrorakte der Asala selbst an, sein Protest richtete sich im speziellen gegen den Terrorangriff der Asala auf den Esenboğa-Flughafen in Ankara mit 9 Toten und 82 Verletzten, welcher drei Tage vorher stattgefunden hatte. Er verstarb fünf Tage später im Krankenhaus an seinen schweren Verbrennungen.[3][4] Der von einem türkischen Nationalisten ermordete türkisch-armenische Journalist Hrant Dink hat in einem Interview vom 2. November 2005 in der türkischen Tageszeitung Vatan gesagt, dass man als türkischer Armenier während der Terrorzeit von der ASALA mit hängendem Kopf rumgelaufen ist.[5]

Während sich die Asala selbst als Guerillagruppe sah, hat unter anderen das Außenministerium Aserbaidschans,[6] das US-amerikanische Außenministerium[7] und das türkische Kulturministerium[8] Asala als terroristisch eingestuft.

  • Anführer:
    • Hagop Tarakdschijan, der die schwersten Verbrechen persönlich beging und Terrorakte verübte.
    • Ara Yenikomoushian
    • Hagop Agopjan, gestorben im Jahre 1981
    • Monte Melkonian (gestorben während des Krieges in Bergkarabach im Juni 1993)
    • Bedros Havanassjan alias Mihran Mihranian alias Hagop Hagopjan (getötet in Athen 1988)
  • Stärke
    • Einige hundert Mitglieder und Sympathisanten, hauptsächlich Diaspora-Armenier

İbrahim Şahin der einer der Verdächtigen im Ergenekon-Verfahren ist, hat in einer Aussage vor Gericht mitgeteilt das er die geheime Polizeispezialeinheit Polis Özel Harekat nach dem 1982 durchgeführten ASALA-Anschlag auf den Ankara Esenboğa Flughafen gegründet hat. Dabei sagte er weiter das diese Spezialorganisation zur Bekämpfung der ASALA gegründet wurde.[9]

Liste terroristischer Anschläge der ASALA

22. Oktober 1975 - Türkische Botschaft Wien

Der türkische Botschafter Daniş Tunaligil wurde von drei armenischen ASALA-Terroristen in seinem Arbeitszimmer getötet.[10][11]

24. Oktober 1975 - Türkische Botschaft Paris

Auf dem Weg zurück zur Botschaft werden der türkische Botschafter İsmail Erez und sein Fahrer Talip Yener während eines Attentats in Paris getötet. Am selben Tag noch bekennt sich eine Organisation mit dem Namen ASALA bei der Nachrichtenagentur AFP zum Anschlag.

16. Februar 1976 - Beirut

Der Generalsekretär der türkischen Botschaft Oktay Cirit wird in Beirut von der ASALA getötet.

9. Juni 1977 - Rom

Der türkische Botschafter Taha Carım erliegt einem auf ihn verübten Mordanschlag.[12][11]

12. Juni 1978 - Madrid

Die Ehefrau des türkischen Botschafters Necla Kuneralp und der Botschafter a.D. Beşir Balcıoğlu werden in Madrid von der ASALA getötet.

12. Oktober 1979 - Den Haag

Ahmet Benler, der Sohn des türkischen Botschafters in den Niederlanden starb an den Folgen eines Schusswaffenanschlages. Zu diesem Anschlag bekannten sich sowohl die ASALA als auch das Armenische Gerechtigkeitskommando.[12][11]

22. Dezember 1979 - Türkische Botschaft Paris

Ein Mitarbeiter der türkischen Botschaft für 'Tourismus und Bekanntmachung', Yılmaz Çopan, wird getötet.

6. Februar 1980 - Bern

Die armenische Terrororganisation ASALA verübt einen Anschlag auf den türkischen Botschafter Doğan Türkmen. Türkmen überlebt den Anschlag.

17. April 1980 - Rom

Die ASALA verübt einen Anschlag auf den türkischen Botschafter Vecdi Türel. Türel und sein Leibwächter Tahsin Güvenç werden dabei verwundet.

31. Juli 1980 - Türkische Botschaft Athen

Galip Özmen, Verwaltungsattaché der türkischen Botschaft und seine 14 Jahre alte Tochter Neslihan Özmen starben bei einem Anschlag auf die Familie. Die Ehefrau Sevil Özmen und ihr gemeinsamer Sohn Kaan Özmen konnten verletzt entkommen. ASALA bekannte sich zu diesem Anschlag.[12][11]

26. September 1980 - Türkische Botschaft Paris

Der Pressesprecher der türkischen Botschaft Selçuk Bakkalbaşı wird bei einem Attentat der ASALA verwundet.

10. November 1980 - Rom

Bei zwei Anschlägen der ASALA auf ein schweizer Reisebüro und ein Büro der Swissair wurden 5 Menschen verletzt.[13][11]

17. Dezember 1980 - Sydney

Der Generalkonsul der türkischen Botschaft Şarık Arıyak und sein Leibwächter Engin Seven werden bei einem Anschlag getötet.

4. März 1981 - Türkische Botschaft Paris

Der Mitarbeiter der türkischen Botschaft Reşsat Moralı und der Religionsbeauftragte Tecelli Arı wurden Opfer eines Mordanschlags zweier Terroristen, als sie das Botschaftsgelände verließen und in ihre Autos steigen wollten. Moralı starb sofort und Arı an den Folgen des Anschlags in einem Pariser Krankenhaus. Auch zu diesem Anschlag bekannte sich die ASALA. Das war der dritte armenische Terroranschlag in Paris auf türkische Staatsbürger.[12][11]

9. Juni 1981 - Genf

Auf den Sekretär des Türkischen Konsulats Mehmet Savaş Yergüz wurde auf dem Heimweg ein Anschlag verübt, den Yergüz nicht überlebte. ASALA übernahm die Verantwortung für den Anschlag. Nach dem Anschlag wurde der libanesisch-armenische Attentäter Maridiros Camgozyan festgenommen und zu 15 Jahren Zuchthaus unter verschärften Bedingungen verurteilt.[12][11]

24. September 1981 - Türkische Botschaft Paris

56 türkische Botschaftsangehörige wurden von 4 armenischen Terroristen bei der Besetzung des Botschafts- und Kulturataché-Gebäudes als Geiseln genommen. Beim Versuch sich zur Wehr zu setzen kam der Sicherheitsbeamte Cemal Özen um. Der Konsul Kaya İnal wurde von den Terroristen verletzt. Im Gegenzug für die Freilassung der Geiseln forderten die Terroristen die Freilassung von 12 politischen Inhaftierten in der Türkei. Nachdem 15 Stunden vergangen waren und die Geiselnehmer realisierten, dass ihre Forderungen nicht erfüllt wurden, gaben sie auf. Auch dieser Anschlag ging auf das Konto von ASALA. Die Terroristen Vasken Sakosesilian, Kevrok Abraham Gözliyan, Aram Avedis Basmaciyan und Agop Abraham Turfanyan wurden zu 7 Jahren verurteilt.[12][11]

28. Januar 1982 - Los Angeles

Der türkische Generalkonsul Kemal Arıkan wird bei einem Anschlag getötet.

4. Mai 1982 - Boston

Der türkische Generalkonsul Orhan Gündüz wird getötet.

7. Juli 1982 - Lissabon

Der Verwaltungsattaché der türkischen Botschaft Erkut Akbay und seine Ehefrau Nadide Akbay werden bei einem Anschlag getötet.

7. August 1982 - Ankara

Beim ersten Anschlag der ASALA auf türkischem Boden im Flughafen von Ankara wurden 8 Menschen getötet und 72 Menschen verletzt.[13][12][11]

9. September 1982 - Burgas

Der Verwaltungsattaché des türkischen Generalkonsulats Bora Süelkan wird bei einem Attentat getötet.

27. Dezember 1982 - Ottawa

Der Militärattaché der türkischen Botschaft Oberst Atilla Altıkat wird bei einem Anschlag getötet.

9. März 1983 - Türkische Botschaft Belgrad

Der Botschafter Galip Balkar wird bei einem Anschlag getötet, sein Fahrer Necati Kaya schwer verletzt,

15. Juli 1983 - Türkische Botschaft Paris

Die ASALA verübte einen Bombenanschlag auf das Büro der Turkish Airlines im Pariser Flughafen Orly. Dabei kamen zwei Türken, vier Franzosen, ein US-Amerikaner und ein Schwede ums Leben. 63 Personen wurden bei dem Anschlag verletzt..[13][12][11]

27. Juli 1983 - Anschlag auf die türkische Botschaft in Lissabon

Armenische Terroristen stürmen die Türkische Botschaft und verletzen den Geschäftsträger Yurtsev Mıhçıoğlu und seinen Sohn, töten die Ehefrau Cahide Mıhçıoğlu sowie einen portugiesischen Polizisten.

27. März 1984 - Teheran

Die Türkische Botschaft wird gestürmt und die Angestellten verletzt.

8. April 1984 - Ottawa

Der Wirtschaftsberater der Türkischen Botschaft Kemalettin Kâni wird schwer verwundet - überlebt jedoch mit dauerhaften körperlichen Einschränkungen.

28. April 1984 - Teheran

Die Ehefrau des Sekretärs Sadiye Yönder der türkischen Botschaft in Tehran und der türkische Geschäftsmann Işık Yönder wurden Opfer eines Mordanschlags der ASALA.[12][11]

20. Juni 1984 - Wien

Der Vizeberater für Arbeit der Türkischen Botschaft Erdoğan Özen wird getötet.

19. November 1984 - Türkische Botschaft Wien

Der Türkische Direktor der Vereinten Nationen Evner Ergun wird in seinem Büro getötet.

12. März 1985 - Ottawa

Die Türkische Botschaft wird von Armenischen Terroristen gestürmt, ein kanadischer Sicherheitsbeamter wird getötet. Der Botschafter Çoşkun Kırca wird verwundet.

Quellen

  1. http://www.tkb.org/MoreGroupIncidents.jsp?groupID=258&sortBy=3&sortOrder=0&pageIndex=4 (Link nicht abrufbar)
  2. http://www.armenians.com/asala/index1.html
  3. Offizielle Webseite des Premierministers, Nachrichten, August 1982
  4. Nouvelles d'Armenie Armeniesche Nachrichten Seite
  5. Türkische Tageszeitung Vatan in einem Interview mit Dink, 2. Oktober 2005
  6. Armenian Aggression Against Azerbaijan
  7. US-amerikanisches Außenministerium
  8. Das Armenier-Problem, Behauptungen - Tatsachen
  9. Internetzeitung gazete5.com: Şahin Özel Harekat Dairesi'ni anlattı, abgerufen am 5. April 2011, (türkisch)
  10. Emergency-Management: Terroristische Aktivitäten Weltweit Chronologisch geordnet
  11. a b c d e f g h i j k Türkisches Kultur Ministerium: Terroranschläge der ASALA Chronologisch geordnet
  12. a b c d e f g h i Aydogan Vatandas: ASALA Operasyonlari aslinda ne oldu? (deutsch: Was war mit den ASALA Operationen?). Alfa Yayinlari, 1. Auflage, September 2005, ISBN 975-297-641-7
  13. a b c Emergency-Management: Terroristische Aktivitäten in der Luftfahrt

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