Athaulf
Statue in Madrid (F. Castro, 1750-53).

Athaulf (auch Athavulf, lateinisch At(h)aulfus; † August 415 in Barcelona) war König der Westgoten von 410 bis 415.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Nach der Plünderung Roms 410 führte der Gotenkönig Alarich sein Volk zunächst südwärts in Richtung Straße von Messina, um von dort nach Sizilien überzusetzen. Vermutlich planten die Westgoten von Sizilien aus die Überfahrt und Niederlassung in Africa. Doch scheiterte dieses Unternehmen wegen des Mangels an Schiffen. Daraufhin wandten sich die Westgoten wieder nach Norden, wo noch im selben Jahr in Bruttium der Westgotenkönig verstarb.

Königtum

Die Nachfolge des verstorbenen Alarich trat aufgrund fehlender Erben sein Schwager Athaulf an. Dieser führte sein Volk aufgrund von Versorgungsschwierigkeiten 412 an der Küste des Tyrrhenischen Meeres entlang über die Alpen nach Gallien, wobei die Durchzugsgebiete, so berichtet Jordanes, den Eindruck hinterließen, von einer Heuschreckenplage befallen zu sein.

In Gallien angekommen, trat Athaulf in Verhandlungen mit dem römischen Kaiser Honorius. Die während der Plünderung Roms verschleppte Schwester des Kaisers Honorius, Galla Placidia, diente dabei als Faustpfand. Es kam zu einer Übereinkunft, wonach den Westgoten Korn und Land in Gallien zugesichert wurde, wenn sie im Gegenzug Galla Placidia aus ihrer Geiselhaft entlassen und den Usurpator Jovinus bekämpfen würden. Daraufhin belagerte Athaulf in Erfüllung der Abmachung 413 Jovinus in Valentia, nahm ihn gefangen und lieferte ihn an den praefectus praetorio des Honorius aus. Der Handel kam trotzdem nicht zustande, da der Westgotenkönig sich weigerte, Galla Placidia auszuliefern. Der Kaiser hielt das dringend benötigte Getreide zurück, so dass sich die Westgoten gezwungen sahen, Südgallien heimzusuchen. Trotz der Verwundung Athaulfs während der Belagerung von Massilia wurden die Städte Narbo, Tolosa und Burdigala erobert.

Im Januar 414 heiratete Athaulf zur Verwunderung von Goten und Römern gleichermaßen Galla Placidia in Narbo nach römischer Sitte. Mit dieser Heirat soll der Gotenkönig zu verstehen gegeben haben, dass er das Römische Reich nicht zu einem gotischen machen, sondern mit Hilfe seiner Goten erneuern wolle. Seine Frau, so berichtet Orosius, habe ihn zu dieser Erkenntnis gebracht. Noch im gleichen Jahr ging aus der Ehe ein Kind namens Theodosius hervor, welches noch vor Jahresende verstarb.

Da Placidia dem Heermeister Constantius III. versprochen war, begann dieser noch im Jahr der Vermählung den Kampf gegen Athaulf. Von Arles aus wurde eine Blockade der südgallischen Häfen organisiert, worauf Athaulf, wie schon Alarich zuvor, mit der Ausrufung des Priscus Attalus zum Augustus antwortete. Zudem ermöglichte er es dem Usurpator, in Burdigala Hof zu halten.

Trotzdem zwang ihn die Notlage seines Volkes, Südgallien Anfang 415 in Richtung Spanien zu verlassen. Dort ereilte ihn Ende des Sommers 415 in Barcino die Rache eines Gefolgsmannes des Sarus, eines Buccellarierführers, den Athaulf 412 getötet hatte.

Rezeption

Eine Gedenktafel für ihn fand Aufnahme in die Walhalla bei Regensburg.

Quellen

Literatur

Siehe auch die Literaturangaben im Artikel Goten.

Weblinks


Vorgänger Amt Nachfolger
Alarich I. König der Westgoten
410–415
Sigerich

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