Atlantis (Hilfskreuzer)
Atlantis
Hilfskreuzer Atlantis.jpg
p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
andere Schiffsnamen
  • Goldenfels
Schiffstyp Hilfskreuzer
Reederei DDG „Hansa“
Bauwerft Bremer Vulkan
Baunummer 736
Stapellauf 16. Dezember 1937
Indienststellung 27. Januar 1938
als Hilfskreuzer: 30. November 1939
Verbleib Am 23. November 1941 selbstversenkt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
155 m (Lüa)
Breite 18,7 m
Tiefgang max. 8,7 m
Verdrängung 17.600 tdep1
Vermessung 7.862 BRT
 
Besatzung 351 Mann
Maschine
Maschine 2 × 6-Zyl.-Diesel
Maschinen-
leistung
7.600 PS (5.590 kW)
Geschwindigkeit max. 16 kn (30 km/h)
Propeller 1
Bewaffnung

Die Atlantis war ein zum Hilfskreuzer umgerüstetes deutsches Handelsschiff im Zweiten Weltkrieg. Unter der Tarnung eines scheinbar harmlosen zivilen Frachters führte sie Handelskrieg gegen die Schifffahrt der Alliierten. Bei der Seekriegsleitung wurde die Atlantis unter den Decknamen Handelsstörkreuzer 2 bzw. Schiff 16 geführt. Bei der Royal Navy war sie als Raider C bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das 7.862 BRT große Frachtschiff war 1937 unter dem Namen Goldenfels für die Reederei DDG „Hansa“ in Bremen gebaut worden. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges transportierte es Stückgüter von Indien, Persien, Ceylon sowie Burma nach Europa.

Nach Kriegsbeginn wurde unter anderem auch die Goldenfels von der Kriegsmarine für besondere Zwecke beschlagnahmt. Die Umrüstung zu einem bewaffneten Hilfskreuzer erfolgte bei der Deschimag-Werft in Bremen. Nach nur 99 Tagen war das Schiff einsatzbereit. Kommandant wurde Kapitän zur See Bernhard Rogge.

Kaperfahrt

Am 11. März 1940 lief der Hilfskreuzer Atlantis von Kiel aus durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach Wilhelmshaven. Dort wartete man den endgültigen Befehl zum Auslaufen ab und begann das Schiff zu tarnen. Am 31. März 1940 lief die Atlantis dann, als norwegisches Motorschiff Knute Nelson getarnt, zu ihrer Kaperfahrt aus. Sie wurde zunächst von den Torpedobooten Leopard und Wolf gesichert. In der Dänemarkstraße übernahm U 37 das Geleit, nachdem die Torpedoboote in ihre Häfen zurückkehrten.

Nach dem geglückten Durchbruch in den Atlantik konnte das Schiff am 3. Mai 1940 mit der Versenkung des britischen Frachters Scientist den ersten Erfolg seiner Kaperfahrt erzielen.

Aufgrund der Besetzung Norwegens und Dänemarks durch das Dritte Reich wurden die Pläne aber dahingehend geändert, dass Schiff 16 britische Kräfte im Südatlantik binden sollte. In der Zeit von Mai bis Dezember 1940 wurden nun im Südatlantik und im Indischen Ozean zehn Schiffe versenkt. Außerdem wurden noch drei weitere Schiffe durch Prisenkommandos besetzt und nach Frankreich, Japan sowie in das von Italienern besetzte Somalia entlassen. Die 92 mitgeführten Minen wurden bereits im Mai 1940 vor dem südafrikanischen Kap Agulhas gelegt.

Unter den versenkten Schiffen war auch der Frachter Automedon, zu dessen Ladung wichtige britische Dokumente gehörten. Diese Beute war der größte Erfolg der Atlantis. Dem Kommandanten Rogge wurde dafür vom japanischen Kaiser Hirohito als Auszeichnung ein Samuraischwert geschenkt.

Zwischenzeitlich erfolgte die erste komplette Überholung der Maschinen mit Bordmitteln. Die Schiffsführung arbeitete eng mit den mittlerweile in diesen Gebieten operierenden Handelsstörkreuzern (Pinguin und später auch Orion) zusammen, auch der Schwere Kreuzer Admiral Scheer operierte zu dieser Zeit in dem Seegebiet um Südafrika und es kam zu einigen Treffen mit der Atlantis. Die Atlantis versorgte bei einem Treffen die von der Admiral Scheer aufgebrachte British Advocate mit 500 t Öl, um deren Fahrt nach Frankreich zu ermöglichen.

Am 17. April 1941 wurde der ägyptische Passagierdampfer Zam Zam versenkt und 317 Personen an Besatzung und Passagieren aufgenommen. Unter ihnen befand sich auch der amerikanische Reporter David E. Sherman vom Time-Life Magazin. Während der kurzen Zeit, in der sich die Passagiere auf der Atlantis befanden, konnte er einige Fotos von dem Schiff machen. Nach der Abgabe an einen deutschen Blockadebrecher gelang es ihm sogar, eine Seitenansicht von der Atlantis zu fotografieren. Dieses Bild erschien Monate später in jenem Magazin und zeigte der Welt das Aussehen des deutschen Raiders. Weitere Versenkungen folgten. Anschließend unternahm die Atlantis noch einen relativ erfolglosen Abstecher in den Pazifik. Dort konnte am 10. September 1941 ein letztes Schiff aufgebracht werden. Es handelte sich um den norwegischen Frachter Silvaplana, der von der deutschen Prisenbesatzung erfolgreich nach Frankreich gebracht werden konnte.

Ende der Kaperfahrt

Das Ende ereilte die Atlantis, nachdem Kommandant Rogge im Oktober 1941 Befehl erhielt, den Handelskrieg abzubrechen und als U-Boot-Versorger zu fungieren. Da die Briten beim Aufbringen von U 110 den Enigma-Schlüssel der U-Boote erbeutet hatten, konnten sie die Funksprüche an die U-Boote mitlesen und so den Treffpunkt in Erfahrung bringen. Die Funkschlüssel der Hilfskreuzer hatten sie nie dechiffrieren können, da diese zu selten funkten. Am 22. November 1941 schließlich wurde das Schiff bei der Versorgung von U 126, nordwestlich der Insel Ascension, vom britischen Schweren Kreuzer U-Boote U A, U 68, U 124, U 129 und die italienischen E. Tazzoli, G. Finzi, P. Calvi und L. Torelli nach Frankreich gebracht werden. Bis auf elf Mann erreichten alle die Heimat Ende Dezember des Jahres.

Die Kaperfahrt der Atlantis dauerte insgesamt 622 Tage. Dabei wurde eine Strecke von 102.000 Seemeilen zurückgelegt. Es war die längste ununterbrochene Fahrt eines Schiffes in der Geschichte. 22 gegnerische Schiffe (16 versenkt, sechs als Prise eingebracht), mit insgesamt 145.698 BRT, fielen ihr letztlich zum Opfer.

Versenkungen und Prisen des Hilfskreuzers Atlantis

22 Schiffe:

Name Typ Land Datum Tonnage in BRT Verbleib
Scientist Frachter Großbritannien 3. Mai 1940 6.200 versenkt
Tirranna Frachter Norwegen 10. Juni 1940 7.230 Prise
City of Bagdad Frachter Großbritannien 11. Juli 1940 7.505 versenkt
Kemmendine Frachter Großbritannien 13. Juli 1940 7.770 versenkt
Talleyrand Frachter Norwegen 2. August 1940 6.730 versenkt
King City Frachter Großbritannien 24. August 1940 4.745 versenkt
Athelking Tanker Großbritannien 9. September 1940 9.555 versenkt
Benarty Frachter Großbritannien 10. September 1940 5.800 versenkt
Commissaire Ramel Passagierschiff Frankreich 20. September 1940 10.060 versenkt
Durmitor Frachter Jugoslawien 22. Oktober 1940 5.620 erobert
Teddy Tanker Norwegen 9. November 1940 6.750 versenkt
Ole Jakob Tanker Norwegen 10. November 1940 8.305 Prise
Automedon Frachter Großbritannien 11. November 1940 7.530 versenkt
Mandasor Frachter Großbritannien 24. Januar 1941 5.145 versenkt
Speybank Frachter Großbritannien 31. Januar 1941 5.154 Prise
Ketty Brøvig Tanker Norwegen 2. Februar 1941 7.300 Prise
Zam Zam Passagierschiff Ägypten 17. April 1941 8.300 versenkt
Rabaul Frachter Großbritannien 14. Mai 1941 6.810 versenkt
Trafalgar Frachter Großbritannien 24. Mai 1941 4.530 versenkt
Tottenham Frachter Großbritannien 17. Juni 1941 4.760 versenkt
Balzac Frachter Großbritannien 22. Juni 1941 5.375 versenkt
Silvaplana Frachter Norwegen 10. September 1941 4.790 Prise

versenkte Tonnage: 145.960 BRT

Tage auf See: 655

Verfilmungen

  • Sotto dieci bandieri (Unter zehn Flaggen, Italien 1960, Regie: Duilio Coletti, mit Van Heflin in der Rolle von Kapitän zur See Bernhard Rogge)

Literatur

  • Brennecke, Jochen: Die Deutschen Hilfskreuzer im Zweiten Weltkrieg. 4. Auflage. Koehler, 2001, ISBN 3-782-20828-5
  • Frank, Wolfgang / Bernhard Rogge: Schiff 16. Tatsachenbericht. Die Kaperfahrten des schweren Hilfskreuzers Atlantis auf den 7 Weltmeeren. Genehmigte Taschenbuchausgabe. 10. Auflage. Heyne, München 1982, ISBN 3-453-00039-0, 251 S.
  • Hildebrand, Hans H. / Albert Röhr / Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Band 8: Schiffsbiographien von Undine bis Zieten, Mundus Verlag, Ratingen o. J. (Genehmigte Lizenzausgabe Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg, ca. 1990).
  • Hümmelchen, Gerhard: Handelsstörer. Handelskrieg Deutscher Überwasserstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg. 2. Verbesserte Auflage. J.F. Lehmanns, München 1967.
  • Mielke, Otto: Hilfskreuzer „Atlantis“. Der erfolgreichste Hilfskreuzer des 2. Weltkrieges. Stade, Kiel 2004, (Schiffe – Menschen – Schicksale, Schicksale deutscher Schiffe 125, ZDB-ID 1325248-3).
  • Moor, Ulrich / Arthur Sellwood: Atlantis – Kaperfahrt und 10 Flaggen. Heyne, München 1975, ISBN 3-453-00502-3.
  • Schmalenbach, Paul: Die deutschen Hilfskreuzer 1895–1945. Gerhard Stalling AG, Oldenburg, Hamburg 1977, ISBN 3-7979-1877-1.

Weblinks


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