Pfälzischer Erbfolgekrieg


Der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697), auch Orléansscher Krieg oder Neunjähriger Krieg genannt, wurde durch den Tod des Kurfürsten von der Pfalz Karl II., Sohn von Karl I. Ludwig, ausgelöst. Der Krieg fand in der Region der Kurpfalz sowie großen Teilen Südwestdeutschlands statt und gehört zu den französischen Reunionskriegen, mit denen die französische Politik im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts eine aggressive militärische Expansion zu betreiben suchte, daher auch die früher übliche Bezeichnung „Raubkriege“. Er wird von Historikern zu den Kabinettskriegen gezählt.

Kampfgebiete im Pfälzer Erbfolgekrieg 1688/89, visualisiert auf den heutigen deutschen Grenzen

Inhaltsverzeichnis

Anlass

Kurfürst Karl I. Ludwig, der Sohn Friedrichs V., des Winterkönigs, hatte ursprünglich beabsichtigt, das politische Verhältnis zum angrenzenden Frankreich durch die Hochzeit seiner Tochter Elisabeth Charlotte (Liselotte von der Pfalz) mit Herzog Philipp von Orléans, dem Bruder des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV., zu stabilisieren.

Frankreich sah einen strategischen Vorteil darin, dass Kaiser und Reich im Türkenkrieg gebunden waren. Klares Kriegsziel war die Sicherung und der Ausbau französischer Gebiete auf Reichsboden und die Gewinnung der Rheingrenze.

Um die finanziellen Belastungen des Wiederaufbaus nach dem Dreißigjährigen Krieg zu bewältigen, hatte Kurfürst Karl Ludwig 1657 einen Freundschafts- und Subsidienvertrag mit Frankreich geschlossen, den der französische König Ludwig XIV. als politischen Hebel im Reich benutzen wollte. Zwar wurde dieser Vertrag schon 1660 nicht mehr verlängert, doch war der Kurfürst schon 1663 wieder auf französische Hilfe angewiesen, um seine Rechte im Wildfangstreit 1664 bis 1666 mit den Nachbarn im Reich durchzusetzen.

Im Zusammenhang mit dem Ziel der französischen Politik, die Kurpfalz enger an Frankreich zu binden, ist auch das Heiratsprojekt zwischen Karl Ludwigs Tochter Elisabeth Charlotte und dem Bruder Ludwigs XIV, dem Herzog Philippe von Orleans, zu sehen. Das Projekt geht auf die Vermittlung Anna Gonzagas, der Schwägerin des Kurfürsten, und ihre Verbindungen zum französischen Hof zurück. Ludwig XIV. beabsichtigte damit eine enge politische Verbindung mit der Kurpfalz einzugehen, um seinen Einfluss im Reich zu wahren; dass der Sohn des Kurfürsten seiner Schwester an Vitalität erheblich nachstand und sich von daher gewisse Chancen auf ein Erbe eröffneten, mag unzweifelhaft eine Rolle gespielt haben. Der Ehevertrag sah zwar den Verzicht der pfälzischen Braut auf ihre territorialen Ansprüche im Reich vor, aber die allodialen Besitzungen blieben davon ausgenommen.

Schon die folgenden Jahre sollten dem französischen König zeigen, dass Karl Ludwig keineswegs der feste und unverbrüchliche Bündnispartner und Sachwalter französischer Interessen war, den er sich erhofft hatte. In der sich anbahnenden Auseinandersetzung des Holländischen Kriegs konnte es für den Kurfürsten keine wirkliche Entscheidung zu Gunsten Frankreichs geben, so dass er sich auf die Seite des Kaisers schlug.

Nach dem Tod des Kurfürsten 1680, dem kinderlosen Tod seines Sohnes, des gerade 34jährigen Kurfürsten Karl II., 1685 und dem Regierungsantritt des Herzogs Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg als Kurfürst in Heidelberg änderte sich die politische Lage für Frankreich. Der neue Kurfürst trat bereits 1686 der Augsburger Allianz bei, in der sich die Niederlande, der Kaiser, König Karl II. von Spanien und Herzog Viktor Amadeus von Savoyen gegen die französische Reunionspolitik verbündet hatten. Auch sonst machte er, besonders in seiner Heiratspolitik, keinen Hehl aus seiner antifranzösischen Haltung. Seine Tochter Maria heiratete 1687 König Peter II. von Portugal, ihre Schwester Maria Anna König Karl II. von Spanien. Das musste für Ludwig XIV. wie eine Neuauflage der habsburgisch-spanischen Koalition des 16. Jahrhunderts wirken.

Dazu kam, dass der Kaiser seit dem Sieg über die türkischen Belagerer von Wien 1683 in Ungarn große militärische Erfolge errang und über kurz oder lang Frankreich vor erhebliche Probleme stellen konnte. Zudem hatte Ludwig XIV. durch seine Einmischung in den Kölner Bistumsstreit erhebliche Sympathien im Reich verloren. Eine militärische Auseinandersetzung, um die Reunionen auf dem linken Rheinufer zu sichern, war also gewissermaßen das Gebot der Stunde.

Anlass für die französische Politik war der Anspruch auf das Erbe der Liselotte von der Pfalz, das im Heiratsvertrag nur unzureichend umschrieben war. Kurfürst Karl Ludwig hatte zwar Verfügungen in Geld und Naturalien in seinem Testament anerkannt, während Kurfürst alle Ansprüche in seinem Testament wiederum abgelehnt und Liselotte enterbt hatte, aber Ludwig XIV. ließ dieses Testament durch das Pariser Parlament für nichtig erklären. Da es dem König nur vordergründig um das pfälzische Erbe ging, war es hier nur notwendig, die Auseinandersetzung selbst am Laufen zu halten.

Kriegsverlauf

Zeittafel

1688
  • 24. September: Französische Truppen besetzen Köln
  • 19 Oktober: Französische Truppen besetzen Mainz
  • 29. Oktober: Einnahme von Philippsburg durch französische Truppen
  • Oktober/November: Belagerung von Koblenz, die Stadt konnte aber nicht eingenommen werden
  • Ende Dezember: Jakob II. von England flieht nach seiner Absetzung nach Frankreich
1689
  • 22. März: Jakob II. landet in Irland
  • 21. April: Marie II. und Wilhelm III. werden zu Königin und König von Großbritannien und Irland gekrönt
  • 11. Mai: Französischer Seesieg in der Schlacht in der Bucht von Bantry
  • 12. Mai: Allianz zwischen den Vereinigten Niederlanden und Kaiser Leopold I.
  • Mai: Französische Truppen dringen in Katalonien bis Gerona vor.
  • Juni: Verwüstung der Pfalz durch französische Truppen
  • 10. September: Französische Niederlage bei Mainz, Rückeroberung der Stadt durch kaiserliche Truppen
  • 10. Oktober: Französische Niederlage bei Bonn
1690
  • 1. Juli: Der Marschall von Luxembourg erringt bei Fleurus einen Sieg
  • 10. Juli: Französischer Seesieg am Cap Béveziers (Beachy Head)
  • 11. Juli: Niederlage Jakobs II. in der Schlacht am Boyne
  • 18. August: Marschall de Catinat schlägt den Herzog von Savoyen in der Schlacht von Staffarda
1691
  • 25. März: Marschall de Catinat bemächtigt sich der Stadt Nizza
  • 8. April: Ludwig XIV. nimmt Mons ein
  • Mai – August: Tourville patrouilliert zum Schutz der Küsten Frankreichs
  • 16. Juli: Tod von Louvois
  • 3. Oktober: Endgültige Niederlage der Jakobiten bei Limerick (Irland)
1692
  • 19 Mai: Seeschlacht bei La Hogue
  • 29. Mai – 3. Juni: Die bei La Hogue eingeschlossene französische Flotte erleidet schwere Verluste durch die britisch-niederländische Flotte. Die Schlacht von La Hogue ist die entscheidende Seeschlacht während des Kriegs
  • 30. Juni: Französische Einnahme von Namur
  • 3. August: Marschall de Luxembourg schlägt Wilhelm III. in der Schlacht von Steenkerke
  • 17. September: Marschall de Lorges schlägt den Herzog Karl von Württemberg bei Pforzheim
1693
  • 22. Mai: Französische Truppen nehmen Heidelberg ein und zerstören die Stadt
  • 9. Juni: Marschall de Noailles nimmt Rosas in Katalonien ein
  • 26-29. Juni: Tourville schlägt den englischen Admiral George Rooke in der Schlacht von Lagos an der portugiesischen Küste
  • 29. Juli: Marschall de Luxembourg schlägt Wilhelm III. in der Schlacht von Neerwinden
  • 4. Oktober: Marschall de Catinat schlägt den Herzog von Savoyen und den Prinzen Eugen bei La Marsaille
  • Im Alter von 55 Jahren und nach 43 Jahren im Krieg verzichtet Ludwig XIV. darauf, persönlich den Krieg zu führen.
1694
  • Mai: Offensive des Marschalls de Noailles in Katalonien
  • 18. Juni: Britische Truppen versuchen bei Camaret, in der Nähe von Brest, zu landen
  • Ende Juni: Jean Bart bemächtigt sich eines niederländischen Konvois bei Texel
  • August: Marschall de Luxembourg riegelt die französische Nordgrenze ab.
1695
  • 4. Januar: Tod des Marschalls de Luxembourg
  • August: Briten beschießen Dunkerque
  • 14.-15. August: Marschall de Villeroy beschießt Brüssel, die Stadt brennt ab
  • September: Wilhelm III. von Oranien erobert Namur zurück
1696
  • Juni: Jean Bart kapert niederländische Handelsschiffe an der Dogger Bank
  • 29. August: Friede von Turin zwischen Frankreich und Savoyen
1697
  • 3. Mai: Französische Truppen nehmen Cartagena ein (in Neu-Granada/ Kolumbien)
  • 10. August: Der Herzog de Vendôme und Admiral d'Estrées nehmen Barcelona ein
  • September – Oktober: Der Friede von Rijswijk beendet den Krieg

Deutschland

Frankreich versuchte seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, indem es 1688 in die Pfalz und das linksrheinische Gebiet einfiel.

Schon im Verlauf der ersten Kriegswochen ergaben sich die Festungen Philippsburg, Mainz und Mannheim den Angreifern, auch Heidelberg wurde kaum verteidigt und den Franzosen übergeben. Französische Truppen griffen weit darüber hinaus bis Ulm und Mergentheim aus, um das Land auszuplündern und Kontributionen einzutreiben. So wurden Heidelberg, Mannheim, Speyer, Worms und weitere Orte verwüstet. Bei dem Versuch, die Kaiserdome in Speyer und Worms zu zerstören, brannte der Wormser Dom völlig aus und der Speyerer Dom wurde so stark beschädigt, dass das westliche Langhaus einstürzte und der Westbau teilweise abgetragen werden musste.

Bei den militärischen Operationen in Deutschland kam es zu keiner einzigen Feldschlacht. Das Ziel der Franzosen war vielmehr, den Gegner durch gezielte Zerstörungen unter Druck zu setzen. Ziel der Reichsarmee war es, den Franzosen ein weiteres Vordringen auf deutsche Gebiete (Schwaben, Franken) unmöglich zu machen, was teilweise auch gelang. Eigene offensive Aktionen auf linksrheinische Gebiete fanden dagegen nicht statt.

Der Schwäbische Reichskreis fand mit seiner schwerfälligen Organisation nur langsam zum militärischen Widerstand, kursächsische Truppen konnten allerdings die Franzosen aus dem Neckartal und dem Odenwald wieder hinausdrängen. In dieser Situation, wo die französischen Truppen sich einer erstarkenden militärischen Kraft des Reichs gegenüber sahen, wurde der Plan einer systematischen Zerstörung der Pfalz umgesetzt, um das Aufmarschgebiet im Vorfeld der französischen Festungen für die Reichstruppen unbrauchbar zu machen.

Ab dem Januar 1689 wurden planmäßig 11 Dörfer des Oberamts Heidelberg südlich des Neckars niedergebrannt, nachdem die Bewohner vertrieben waren. Vor dem Widerstand kursächsischer Truppen bei Weinheim wichen die Franzosen zurück und legten unter Ausschreitungen gegen die Bevölkerung Handschuhsheim in Schutt und Asche. In Heidelberg wurden nur die Befestigungen von Schloss und Stadt gesprengt, der französische Stadtkommandant Graf Tessé begnügte sich seinen Oberen gegenüber mit einigen kleineren Feuern in der Stadt, die letztlich nur 34 Häuser zerstörten. Mannheim dagegen wurde als Festungsstadt dem Erdboden gleichgemacht.

Die französischen Truppen wandten sich daraufhin nach Süden und setzten ihr Zerstörungswerk am mittleren Oberrhein (Durlach und Pforzheim) und im Kraichgau (Bretten) fort.

Nachdem die verbündeten Reichstruppen im September 1689 Mainz zurückerobern konnten (siehe Belagerung von Mainz (1689)), gingen die Franzosen auch dazu über, das linksrheinische Gebiet nördlich einer Linie Philippsburg – Neustadt – Kaiserslautern – Mont Royal planmäßig zu zerstören, vor allem die pfälzischen Oberämter Oppenheim und Alzey, aber auch die Reichsstädte Speyer und Worms samt ihren romanischen Bischofskirchen. Der militärische Effekt der verbrannten Erde wurde allerdings durch einen ungeheuren Einbruch der öffentlichen Meinung zu Ungunsten Frankreichs und seines Zerstörungswerks erkauft.

Im vierten Kriegsjahr, 1692, als militärische Erfolge ausblieben, Ludwig XIV. allerdings auf einen „medienwirksamen“ Erfolg angewiesen war, wurden die Kampfhandlungen durch einen Vorstoß an den nördlichen Oberrhein wieder aufgenommen. Einerseits, um einen schnellen Erfolg verbuchen zu können, andererseits, um die Reichstruppen unter Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden über die taktischen Ziele im Unklaren zu lassen, wurde Heidelberg nach kurzer Belagerung am 22. Mai 1693 erneut eingenommen.

Die französischen und vor allem die jakobitischen Truppen, im Gefühl ihres schnellen und lang erwarteten Siegs, fielen stark alkoholisiert und durch ihre eigenen Offiziere kaum gehindert über die Heidelberger Bevölkerung her und richteten ein Massaker an, bei dem Brände ausbrachen, die schließlich binnen Kurzem die ganze Stadt in Schutt und Asche legten. Auch das 1689 nur an wenigen Stellen begonnene Zerstörungswerk am Schloss wurde vollendet.

Die antifranzösische Publizistik im Reich schöpfte vor allem aus den Berichten aus Heidelberg selbst und nannte den französischen König schlimmer als die Türken. Dieser, obwohl die flächige Zerstörung der Stadt so nicht beabsichtigt gewesen war, ließ die Eroberung und Zerstörung durch ein Te Deum und die Prägung einer Medaille mit der Aufschrift „Heidelberga deleta“ feiern.

In den folgenden Jahren zog sich der Krieg hin, Markgraf Ludwig Wilhelm, der „Türkenlouis“, konnte, vor allem durch die Verschanzung der Eppinger Linien, die Franzosen an einem weiteren Vordringen hindern. Zu kriegsentscheidenden Feldschlachten kam es nicht.

Französische Unternehmungen gegen Großbritannien

Die Schlacht von Barfleur, 29. Mai 1692 von Richard Paton, gemalt im 18. Jahrhundert

Mit französischer Hilfe gelang es 1689 dem vormaligen englischen König Jakob II. (gestürzt 1688 durch Wilhelm von Oranien) zunächst, fast ganz Irland zu erobern. Diese Eroberungen gingen aber schnell wieder verloren, nachdem der als Wilhelm III. auf den Königsthron gekommene Oranier auf der irischen Insel landete. Jakob II. floh nach Frankreich.

1692 versuchten die Franzosen ein zweites Mal, Jakob II. auf den englischen Thron zurückzubringen. Diesmal sollten Truppen direkt nach England übersetzen, 30.000 Mann und eine große Transportflotte standen zur Verfügung. Es gelang aber den Engländern und Holländer in den Seeschlachten von Barfleur und La Hougue (28. Mai bis 2. Juni), die französische Flotte zu schwächen, womit ein Übersetzen nach England unmöglich wurde. Jedoch errang Admiral Tourville schon 1693 vor Lagos erneut einen Seesieg für Frankreich.

Italien

Relativ leichtes Spiel hatte Frankreich in Italien, da die Österreicher gegen die Türken gebunden waren. Es gelang hier in kurzer Zeit, ganz Savoyen zu erobern. Dieses Faustpfand hatte in den späteren Friedensverhandlungen aber wenig Wirkung, Frankreich musste auch diese Eroberung im Vertrag von Vigevano 1696 wieder aufgeben.

Niederlande

Schlacht von Fleurus

In den Niederlanden führte Frankreich gegen ein verbündetes Heer aus Deutschen (aus verschiedenen Reichsteilen, z. B. Brandenburg[1]), Engländern und Niederländern Krieg. Das französische Heer wurde von dem Marschall von Luxemburg geführt und errang drei Siege in Feldschlachten:

  • Schlacht von Fleurus am 1. Juli 1690 gegen die verbündeten Deutschen und Holländer unter dem Fürsten von Waldeck: Frankreich verlor 3.000 Mann, die Verbündeten 9.000
  • Schlacht von Steenkerke am 3. August 1692 gegen die verbündeten Truppen unter der Führung des englischen Königs Wilhelm III.[2]
  • Schlacht von Neerwinden am 29. Juli 1693, erneut gegen Wilhelm III.: Frankreich verlor 9.000 Mann, die Verbündeten 19.000.[3]

Auch auf diesem Schauplatz gab es keinen wirklichen Sieger. Den Verbündeten gelang es trotz ihrer militärischen Unterlegenheit, die Stellung weitestgehend zu behaupten und den Franzosen gelang es, weiterhin das Kriegsgeschehen auf Reichsgebiet auszutragen.

Seekrieg

Der Kampf zwischen Frankreich einerseits und England mit seinen Verbündeten Spanien und den Niederlanden andererseits fand hauptsächlich zur See statt. Schauplatz waren insbesondere der Ärmelkanal, aber auch Westindien (Eroberung von Cartagena durch die Franzosen 1697) und Neufundland.

In der französischen Geschichte hinterließen die Erfolge des Kaperkapitäns Jean Bart einen bleibenden Eindruck. Zusammen mit anderen Kaperkapitänen gelang es ihm zwischen 1692 und 1697, insgesamt über 4.000 Schiffe zu erbeuten.

Auf den Friedensschluss hatten diese Auseinandersetzungen zur See wenig Einfluss.

Friedensschluss

1697 wurde der Pfälzische Erbfolgekrieg durch den Frieden von Rijswijk beendet. Die ehemalige deutsche Reichsstadt Straßburg, Lothringen und das gesamte Elsass wurden endgültig französisch.

Der schließlich 1697 in Rijswijk geschlossene Friede kam nicht durch eine militärische Entscheidung am Oberrhein zu Stande, sondern durch Verhandlungen der Seemächte Großbritannien und der Niederlande mit Frankreich. Der Kaiser musste die ausgehandelten Bedingungen akzeptieren, und auch Kurfürst Johann Wilhelm konnte mit seinen Forderungen nach Ersatz der Kriegsschäden, vor allem für die Zerstörung von Mannheim, Heidelberg und Frankenthal, nicht durchdringen.

Frankreich konnte zwar seine Annexionen von 1648 im Elsass samt dem 1681 eingenommenen Straßburg behalten, musste jedoch seine Reunionen außerhalb des Elsass zurückgeben, auch das besetzt gehaltene Germersheim.

Im Zusammenspiel zwischen dem Kaiser, Frankreich und dem (katholischen) Kurfürsten wurde die sog. „Rijswijker Klausel“ in den Vertrag aufgenommen, die den von den Franzosen eingeführten konfessionellen Stand in den zurückgegebenen linksrheinischen Gebieten festschrieb. In ihr zeigte sich der gegenreformatorische Kurs des Pfalz-Neuburger Kurfürsten Johann Wilhelm.

Auswirkungen

Obwohl der Gewinn des Elsass mit einigen Unterbrechungen bis heute Bestand hat, war der Krieg für Frankreich kein Erfolg, denn es konnte keine weiteren territorialen Forderungen durchsetzen. Er belastete insbesondere den Staatshaushalt immens und einige in vorherigen Kriegen erworbene Ansprüche gingen verloren. Zeit zur Konsolidierung der Staatsfinanzen hatte Frankreich kaum, denn schon 1700 zog durch den Tod des spanischen Königs der nächste große Krieg, der Spanische Erbfolgekrieg, Europa in seinen Bann.

Großbritannien konnte hier den Grundstein für seine spätere Vorherrschaft zur See legen, da die französische Flotte nach der Seeschlacht von La Hougue (1692) geschwächt war und gleichzeitig auch die verbündeten Niederländer große Verluste hinnehmen mussten.

Das brutale und in der Kriegsgeschichte der Neuzeit beispiellose Vorgehen der französischen Armee in Deutschland (insbesondere die planvollen Zerstörungen des General Mélac) erzeugte antifranzösischen Unmut, der später Eingang in den deutschen Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts fand, insbesondere die Vorstellung einer „deutsch-französischen Erbfeindschaft“.[4]

Siehe auch

Literatur

Zum Landkrieg in Deutschland:

  • Georg Ortenburg (Hrsg.), Siegfried Fiedler: Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Kabinettskriege. Bernhard & Graefe Verlag, Augsburg 1986, ISBN 3-7637-5478-4.
  • Max Plassmann: Krieg und Defension am Oberrhein. Die vorderen Reichskreise und Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden (1693-1706). Duncker & Humblot, Berlin 2000, ISBN 3-428-09972-9.

Zum Landkrieg in Irland:

  • Michael McNally: Battle of the Boyne 1690 - The Irish campaign for the English crown. Osprey Publishing, 2005, ISBN 1-84176-891-X.

Zum Landkrieg in den Niederlanden:

  • John A Lynn: The French Wars 1667–1714 - The Sun King at war. Osprey Publishing, 2005, ISBN 1-84176-361-6.

Zum Seekrieg:

  • Helmut Pemsel: Seeherrschaft Band I. Bernhard & Graefe Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-89350-711-6.
  • Heinz Neukirchen: Seemacht im Spiegel der Geschichte. Transpress Verlag, Berlin 1982.

Zu Mélac

  • Michael Martin: Mélac! In: DIE ZEIT. 20/2004.

Weblinks

 Commons: Nine Years' War – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1. Garderegiment zu Fuß.
  2. http://blae.net/douglas/Battles/steinkirk.htm
  3. Battle of Landen. in der engl. Wikipedia
  4. M. Martin: Mélac! In: Die Zeit. 20/2004.

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Synonyme:

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