Schellack

Schellack
Schellack

Schellack, Tafellack, Plattlack oder Lacca in tabulis ist eine harzige Substanz, die aus Gummilack gewonnen wird. Gummilack selbst wird aus Ausscheidungen der Lackschildlaus Kerria lacca (Pflanzenläuse, Familie Kerridae) nach ihrem Saugen an bestimmten Pflanzen gewonnen.

Der Begriff „Schellack“ ist dabei abgeleitet von niederländisch Schellak, zu Schel, „Schuppe“[1].

Inhaltsverzeichnis

Gewinnung

Hauptsächlich in Süd- und Südostasien und hier speziell in Indien und Thailand wurde früher Schellack in großen Mengen gewonnen. Die Jahresproduktion belief sich auf etwa 50.000 Tonnen. Um ein Kilogramm Schellack zu ernten, benötigt man rund 300.000 Lackschildläuse.

Auf Bäumen wie Pappelfeigen lebende Lackschildläuse ernähren sich von den Pflanzensäften dieser Bäume. Sie stechen den Baum an, nehmen seinen Saft auf und scheiden die harzartigen Substanzen desselben wieder aus, die dann die Laus umschließen. Die jungen Läuse entwickeln sich geschützt in dieser Harzblase und bohren sich nach einiger Zeit durch das Harz. Diese Harzabscheidung ist das Ausgangsprodukt für die Schellackgewinnung.

Die harzig umkrusteten Zweige werden abgeschnitten, gesammelt und das Harz vom Holz getrennt. Der Rohstoff wird gemahlen und gewaschen und in der Sonne getrocknet.

Nach Meyers Konversations-Lexikon von 1888 wurde der Schell-Lack (damals noch so geschrieben) in Indien gewonnen, indem der rohe oder durch Auswaschen mit Wasser vom Farbstoff befreite Gummilack in Säcken auf etwa 140 °C erhitzt wurde und das abfließende Harz auf Bananenblättern oder Tonröhren in einer dünnen Schicht erstarrte.

Der Schellack kam in kleinen, dünnen, eckigen, tafelartigen Bruchstückchen, aber auch in Form von Kuchen (Kuchenlack) oder Klumpen (Klumpenlack) in den Handel. Eine weitere Form waren meist runde, einige Linien dicke, wenig durchscheinende, braunrote, sehr glatte Tafeln von reiner Masse (Blut-, Knopfschellack).

Schellack kann gebleicht werden, indem man ihn in Sodalösung löst, mit Chlorkalk gemischt dem direkten Sonnenlicht aussetzt, durch Salzsäure fällt und gut auswäscht.

Eigenschaften

Das rein natürliche Granulat ist biologisch abbaubar und physiologisch unbedenklich. Durch verschiedene Verarbeitungsverfahren lässt sich die Helligkeit der Farbe des Lackes variieren. Für besondere Anwendungen wird außerdem der natürliche Wachsgehalt von 3 % bis 5 % fast vollständig herausgefiltert.

Schellack ist in der Kälte und bei Zimmertemperatur sehr spröde und brüchig, ziemlich hart, geruch- und geschmacklos. Er schmilzt beim Erhitzen und verbreitet bei höherer Temperatur einen angenehmen Geruch. Er brennt mit hell leuchtender Flamme. Schellack ist unlöslich in Wasser, quillt aber bei Kontakt mit Wasser und ist daher nicht wasserfest. Er ist löslich in Ethanol (bis auf das beigemengte Wachs), Borax, Ammoniak und Alkali-Carbonaten und in einer Mischung von 1 Teil Wasser und 10 Teilen Aceton, jedoch nicht in wässrigen Säuren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Moleküle des Harzes Carbonsäuren enthalten, die in basischen Lösungen zu Ionen deprotoniert werden. Das vorher unpolare und hydrophobe organische Molekül wird dadurch polar genug, um von Wasser gelöst zu werden.

Schellack ist je nach Sorte farblos, gelb bis bernsteinfarbig und nimmt beim Kneten und Ausziehen einen seidenartigen Glanz an.

Verwendung

Schellackplatte der Deutschen Grammophon-Aktiengesellschaft: Der Harem auf Reisen von Rudolf Nelson mit dem Tanz-Orchester Godwin.

Frühere Verwendungen

Heutige Verwendungen

Schellack ist in zahlreichen Anwendungen eine natürliche Alternative zu synthetischen Harzen. In vielen Bereichen hat er sich bis heute behauptet oder sogar Anteile zurückgewonnen. In der Farben- und Lackindustrie werden jährlich über 5 000 t Farben auf Schellackbasis produziert.[2] Hervorzuheben ist außerdem die Unbedenklichkeit in Nahrungsmitteln und Pharmazeutika.

Schellack bietet sich als abbaubarer Ersatz für erdölhaltige Lacke in der Holzverarbeitung an und ist dementsprechend als Streichlack oder als Politur im Handel erhältlich. Er ist gesundheitlich in der Verarbeitung und im Gebrauch nicht gefährlich. Der Einsatz als Politur ist arbeitsaufwendig, als Streichlack lässt er sich dagegen wie andere Lacke verarbeiten.

Ausstellung

  • 2011: Schellack in Mainz, Stadthistorisches Museum, Mainz[4]

Siehe auch

Literatur

 Wikisource: Ursprung des Schellacks – von Eduard Aßmuß, in Die Gartenlaube (1866), Heft 29, S. 464

Weblinks

 Commons: Schellack – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wissen.de: Schellack
  2. VdL 2003
  3. N Pearnchon, A Dashebsky, J Siepmann, R Bodmeier - STP pharma sciences, 2003: Shellac used as coating material for solid pharmaceutical dosage forms: understanding the effects of formulation and processing variables
  4. Schokoladenkugeln statt Schallplatten in FAZ vom 5. August 2011, Seite 52

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