Badische Landesbibliothek
Badische Landesbibliothek

Die Badische Landesbibliothek (BLB) ist eine große wissenschaftliche Universalbibliothek mit Sitz in Karlsruhe.

Zusammen mit der Württembergischen Landesbibliothek (WLB) in Stuttgart ist sie die Regionalbibliothek für Baden-Württemberg, wobei die BLB speziell für die Regierungsbezirke Freiburg und Karlsruhe zuständig ist. Zusammen mit der WLB hat sie auch das Pflichtexemplarrecht für Baden-Württemberg und ist damit Archivbibliothek.

Beide Bibliotheken erstellen und veröffentlichen gemeinsam die Landesbibliographie Baden-Württemberg. Unter dem Namen Baden-Württembergisches Online-Archiv sind darüber hinaus Internetseiten, die sich auf Baden-Württemberg beziehen, online archiviert.

Inhaltsverzeichnis

Bestände

(alle Zahlen sind Stand 2008)

  • Gesamtbestand 2.352.809 Medieneinheiten
  • 1.900.979 Bücher, Zeitschriften, Zeitungen (Bände)
  • 9.847 laufende Zeitschriften und Zeitungen (Papierausgaben)

Sonderbestände

Nibelungenlied, 1. Seite, (um 1220)

Nachlässe (Auswahl)

Handschriften

Lektionar Reichenau, 2. Drittel des 10. Jahrhunderts
Raimundus Lullus, Thomas le Myésier: Electorium parvum seu breviculum (nach 1321)

Zur umfangreichen Handschriftensammlung gehören neben den Beständen der alten markgräflichen Bibliothek auch durch die Säkularisation in den Besitz der Bibliothek übergegangene Werke, die in einzigartiger Weise die klösterliche Kultur des Oberrheingebiets repräsentieren. Handschriften aus den Verkäufen des Hauses Fürstenberg erweiterten die Sammlung in den letzten Jahren.

Zur alten markgräflichen Bibliothek gehörten das Stundenbuch des Markgrafen Christoph I. von Baden und Gebetbuch der Markgräfin Susanna von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach. Die wertvollen hebräischen und griechischen Handschriften, die der Humanist Johannes Reuchlin sammelte, gehörten ebenso dazu wie orientalische Handschriften, die während der Türkenkriege unter der Herrschaft des Türkenlouis in die Hände badischer Truppen fielen.

Zu den bedeutendsten Werken der Kloster- und Stiftbibliotheken zählen die Handschriften von Weltbedeutung des Klosters Reichenau auf der gleichnamigen Insel im Bodensee und spätromanische Prachthandschriften aus dem Hochstift Speyer und den Klöstern St. Blasien, St. Georgen und St. Peter im Schwarzwald.

Unter den Handschriften des Hauses Fürstenberg befand sich die Handschrift C des Nibelungenlieds aus dem Besitz des Joseph Freiherr von Laßberg, die seit 1855 in der Donaueschinger Bibliothek aufbewahrt wurde.

Handschriftenverkäufe geplant

Gesta Witigowonis Widmungsbild, Reichenauer Handschrift
Osmanische Weltgeschichte mit Porträts um 1595–1597, Bagdad

Am 20. September 2006 wurde bekannt, dass das Land Baden-Württemberg Verkäufe von Spitzenstücken aus der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Höhe von 70 Millionen Euro plant, um dem Haus Baden, das Eigentumsansprüche erhebt, entgegenzukommen.[1] Wissenschaftler und wissenschaftliche Organisationen aus aller Welt reagierten auf dieses Vorhaben mit großer Empörung.[2][3][4][5]

Geschichte

Die BLB hat ihren Ursprung in der um 1500 gegründeten Pforzheimer Schlossbibliothek der Markgrafen von Baden, deren ältestes erhaltenes Werk das in Paris um 1490 entstandene Stundenbuch des Markgrafen Christoph I. von Baden ist. Die Bibliothek zog 1565 mit der Teilung der Herrschaft zwischen den Linien Bernhard (Baden-Baden) und Ernst (Baden-Durlach) und der daraus resultierenden Verlegung der Residenz nach Durlach in die Karlsburg um. Die bernhardische Linie starb kurz nach der Überführung der Bibliothek von Baden-Baden nach Rastatt um 1767 aus und fiel somit an die ernestinische Linie zurück. Nach der Gründung Karlsruhes 1715 wurden die ehemals Durlacher Bibliothek 1765 im Karlsruher Schloss untergebracht und 1771 mit der geerbten zu einer etwa 20.000 Bände umfassenden Bibliothek vereint. 1770 erhielt die Markgräfisch-Badische Hofbibliothek ihre ersten Benutzerstatuten.

Viele Werke der ehemals markgräflichen Sammlung gingen hauptsächlich im 17. Jahrhundert durch Kriegseinwirkungen oder durch Auslagerungen nach Straßburg, Basel und andere Orte verloren. Trotzdem blieben hervorragende Zeugnisse der Buchkunst daraus erhalten.

Durch die Säkularisation gingen 1803/06 die Bestände von 27 badischen Klöstern und Stiften in den Besitz der Hofbibliothek über, die heute den wertvollsten Teil der Sammlung darstellen. 1873 erfolgte ein Umzug in das großherzogliche Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz. Mit dem Thronverzicht des letzten Großherzogs Friedrich II. von Baden 1918 erfolgte die Umbenennung von Großherzogliche Hof- und Landesbibliothek in Badische Landesbibliothek. 1939 wurden die Handschriften, Inkunabeln und alten Drucke ausgelagert und überstanden somit in der Nacht vom 2. auf den 3. September 1942 einen Bombenangriff, bei dem der gesamte Bestand von etwa 360.000 Bänden bis auf 2700 Drucke vernichtet wurde. Im selben Jahr erfolgte der Umzug in das Generallandesarchiv, in dem sie bis zur Fertigstellung eines Neubaus am Nymphengarten 1964 blieb. Der Bestand überschritt 1982 die Millionengrenze und machte bald einen Neubau notwendig. Dieser wurde in der Erbprinzenstraße nach Plänen von Oswald Mathias Ungers erbaut, wo sich die Bibliothek noch heute befindet. 1987 wurde der erste und vier Jahre später der zweite Bauabschnitt bezogen. Heute (2006) umfasst der Bestand etwa 2,3 Millionen Medieneinheiten.

Wichtige Erwerbungen der letzten Jahre

Durch die Verkäufe des Hauses Fürstenberg wurden etwa 1225 Handschriften (1993) und Inkunabeln (1994) vom Land Baden-Württemberg erworben und zwischen den Landesbibliotheken in Stuttgart und Karlsruhe aufgeteilt. 1999 wurden Musikalien der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek zu Donaueschingen erworben. Die Landesbank Baden-Württemberg erwarb 2001 aus denselben Beständen die Handschrift C des Nibelungenliedes und stellte sie der BLB als Dauerleihgabe zur Verfügung. Bei der Versteigerung der Schlossbibliothek in Baden-Baden durch das Haus Baden 1995 ging die Schlossbibliothek mit rund 40.000 Bänden in den Besitz der BLB über. Der Erwerb wurde durch private Spenden und die Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg, die den überwiegenden Kaufpreis von 2,3 Millionen Mark der insgesamt 2,5 Millionen Mark übernahm, ermöglicht.

Einzelnachweise

  1. Archivalia: Werden Spitzen-Handschriften der Badischen Landesbibliothek verkauft?
  2. siehe u.a. Pressemitteilung der Deutschen Forschungsgemeinschaft vom 28. September 2006
  3. Offener Brief des Verbands Deutscher Kunsthistoriker e.V. vom 28. September 2006
  4. Offener Brief mit über 2500 Unterzeichnern aus der Fachwelt vom 28. September 2006
  5. Leserbrief von 19 internationalen Kunsthistorikern (u.a. von den Universitäten Harvard, Yale und Princeton) in der F.A.Z. vom 28. September 2006, Nr. 226 / Seite 44

Literatur

  • Finanzministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Die Badische Landesbibliothek Karlsruhe. Architekt Oswald Mathias Ungers. Hatje, Stuttgart 1992, ISBN 3-7757-0373-X.
  • Ludger Syré (Red.): Karlsruher Bibliotheksführer. Adressen – Bestände – Benutzung. Badische Landesbibliothek, Karlsruhe 2003, ISBN 3-88705-055-X (Online-Edition).
  • Ludger Syré: Die Badische Landesbibliothek im Zweiten Weltkrieg – Untergang und Neuanfang. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. 154 (2006), S. 493–516.
  • Emil Ettlinger: Die ursprüngliche Herkunft der Handschriften die aus Kloster-, Bischöflichen und Ritterschafts- Bibliotheken nach Karlsruhe gelangt sind. Groos, Heidelberg 1901 (Digitalisat).
  • Peter Michael Ehrle und Ute Obhof: Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek – Bedrohtes Kulturerbe? Casimir Katz Verlag, Gernsbach 2007, ISBN 978-3-938047-25-5.

Weblinks

 Commons: Badische Landesbibliothek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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