Slowenische Sprache
Slowenisch (slovenščina)

Gesprochen in

Siehe unter „Offizieller Status“, des Weiteren in Italien (Friaul-Julisch Venetien), Ungarn (Komitat Vas), Österreich (Kärnten, Steiermark), Kroatien
Sprecher 2,2 Millionen
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von SlowenienSlowenien Slowenien
Friuli-Venezia Giulia-Flag.png Friaul-Julisch Venetien (Italien)
Flag of Kärnten.svg Kärnten (Österreich)
Europaische UnionEuropäische Union Europäische Union
Sprachcodes
ISO 639-1:

sl

ISO 639-2:

slv

ISO 639-3:

slv

Slowenisch (slovenščina) ist eine Sprache aus dem slawischen Zweig (siehe südslawische Sprachen) der indogermanischen Sprachen. Historisch ist sie im Fürstentum Karantanien entstanden, das unter Karl dem Großen mit der Awarenmark als Grenzmark gegen die Awaren geschützt wurde. In Karantanien herrschten die später so bezeichneten Alpenslawen und eine Zeitlang vermutlich auch Awaren, die restliche Bevölkerung setzte sich aus den eingewanderten slawischen Volksstämmen, romanisierten Kelten (Noriker) und zugezogenen Römern zusammen. Zum einen findet man in verschiedenen slowenischen Dialekten Überbleibsel dieser Spracheinflüsse. Zum anderen lässt sich durch die an Karantanien angrenzende Awarenmark – und spätere Spaltung der südlichen Westslawen durch die Ungarn (Trennung der südlichen Westslawen in Tschechen, Slowaken und Slowenen) – auch eine gewisse Verwandtschaft mit den westslawischen Sprachen Tschechisch und Slowakisch herleiten. Siehe auch Literaturhinweis.

Die Sprache wird mit einer eigenen Variante des Lateinischen Alphabets (latinica), dem Slowenischen Alphabet, geschrieben.

Die Wissenschaft, welche sich mit dem Slowenischen befasst, nennt sich Slowenistik.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung

Die Sprecher bezeichnen sich selbst als Slovenci, ihre Sprache als slovenščina, was nicht verwechselt werden sollte mit Slovenčina, der Eigenbezeichnung der slowakischen Sprache. Die slowakische Bezeichnung für das Slowenische ist Slovinčina, die slowenische für das Slowakische Slovaščina.

Die frühere, wertneutrale deutsche Bezeichnung lautete Windisch, doch ist dieser Begriff heute auf Grund seines Missbrauchs in den letzten hundert Jahren (siehe auch Windischentheorie) umstritten.

Sprachverwandtschaft

Die slowenische Sprache und der kajkavische Dialekt der kroatischen Sprache ähneln sich in vielerlei Hinsicht, da es sich beim kajkavischen kroatischen Dialekt um einen offensichtlichen und fließenden Übergang des Slowenischen in das Kroatische handelt.

Vermutlich lässt sich durch Karantanien und die Awaren (6.-8. Jhd.) auch eine gewisse Verästelung mit dem Slowakischen herleiten (das Reich Samos: Heutiges Gebiet Mähren, Niederösterreich und Südwestslowakei). Auch findet man im Slowenischen und Slowakischen ähnliche Elemente des Altslawischen. Oft werden die Wörter für „Slowenisch“ und „Slowakisch“ verwechselt: die Slowenen nennen ihre Sprache „Slovenščina“, die Slowaken ihre „Slovenčina“. Auf Slowenisch: „Jaz govorim slovensko“ bedeutet ‚Ich spreche slowenisch‘, wobei „Slovensko“ auf Slowakisch ‚Slowakei‘ bedeutet. Während und nach der Zeit Karantaniens und der Awarenmark (Alpenslawen) nannten die Slawen sich selbst „Slovani“ oder „Slovanci“, worin die Ursache dieser Ähnlichkeiten liegen könnte.

Geschichte

Slowenisches Sprachgebiet heute

Die frühesten slowenischen Textdokumente sind die „Brižinski spomeniki“ (Freisinger Denkmäler), die man im bayrischen Freising fand. Diese Mischung aus homiletischen und liturgischen Schriften war wahrscheinlich ein bischöfliches Handbuch. Man nimmt an, dass das Freisinger Denkmal aus der Zeit um 1000 n. Chr, stammt.[1]

Als Ursprung der Slowenen wird das Reich Karantanien genannt. Die genaue Lage des Samo-Reiches und Karantaniens Freisinger Denkmäler ist jedoch bis heute umstritten. Da für das heutige Tschechien und die Slowakei für einen Zeitraum von 150 Jahren (633/658 – 791) überhaupt keine schriftlichen Quellen verfügbar sind und auch Slowenen über Jahrhunderte nur als Winden oder Windische bezeichnet wurden, bleibt vieles nur Vermutungen überlassen. Als wahrscheinlichste These gilt, dass Mitte des 10. Jahrhunderts durch den Sieg des Königs und späteren Kaisers Otto I. in der Schlacht auf dem Lechfeld (bei Augsburg) der Weg frei wurde für die Ostkolonisation des Heiligen Römischen Reiches. Die zuvor das Gebiet um das heutige Slowenien, Süddeutschland und Italien unsicher machenden Ungarn ließen sich in der pannonischen Tiefebene nieder. Dadurch trennten sich die Stämme der südlichen Westslawen in Tschechen, Slowaken und Slowenen. Somit wurde das heutige Slowenien in das Deutsche Reich als Herzogtum Karantanien eingegliedert, das Mitte des 11. Jahrhunderts in die Provinzen Kärnten, Steiermark und Krain aufgespalten wurde. Slowenisch war lange Zeit eine zweitrangige Sprache in der Österreich-Ungarischen Monarchie. Bis 1918 dominierte die Deutsche Sprache in zahlreichen Bereichen wie Verwaltung und Wissenschaft.

Die Übersetzung des Neuen Testaments durch den Reformator Primož Trubar (veröffentlicht 1582) sowie der gesamten Bibel durch Jurij Dalmatin 1584 legten die Grundlage für die moderne slowenische Schriftsprache, die in den slowenischen Kernländern der Krain, Kärntens und der Steiermark kanonisch wurde. Dazu parallel entwickelten sich außerhalb dieser Länder auf Grundlage der jeweiligen örtlichen Mundart zwei weitere Schriftsprachen: das Prekmurische im Königreich Ungarn, das bis ins 20. Jahrhundert in Gebrauch stand, und das kleine, jedoch bis heute in Gebrauch stehende Resianische.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich eine puristische (Germanismen entfernende) Sprachform, wobei Wortschatzentlehnungen gezielt aus anderen slawischen Sprachen erfolgten. Der Revolutionär Ljudevit Gaj wollte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts alle Südslawischen Sprachen unter einer politischen Führung zusammenbringen, doch die große Mehrheit der slowenischen Intellektuellen lehnte diesen Illyrismus ab. In dieser Zeit erfuhr das Slowenische zudem eine literarische Blüte durch France Prešeren.

Die heutige Rechtschreibung mit den aus dem Tschechischen entlehnten Buchstaben č, š und ž wurde im Wesentlichen Mitte des 19. Jahrhunderts festgelegt. Die Kodifizierung der slowenischen Sprache erfolgte durch die Grammatiker Stanislav Škrabec und Fran Ramovš um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert.

Nach der Gründung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen wurde 1919 die Laibacher Universität gegründet. Die Sprachwissenschaftler Franz Xaver Ritter von Miklosich (slowenisch: Fran(c) Miklošič) und Jernej Kopitar (deutsch: Bartholomäus Kopitar) wurden zu Vätern der slowenischen Sprache. Andererseits gab es den Versuch, eine gemeinsame serbokroatisch-slowenische (jugoslawische) Schriftsprache zu schaffen. Als 1929 das Königreich Jugoslawien ausgerufen wurde, fürchteten die slowenische Intellektuellen um das Slowenische und gründete 1938 eine eigene slowenische Akademie der Wissenschaften.

Während der Besetzung Sloweniens im Zweiten Weltkrieg durch die Achsenmächte (Deutschland/Italien/Ungarn) 1941-1945 unterdrückten diese den Gebrauch der slowenischen Sprache.

Mit der Gründung des sozialistischen Jugoslawiens 1945 wurde Slowenisch – neben Mazedonisch und Serbokroatisch mit seinen beiden Schriftvarianten Kroatisch und Serbisch – erstmals zu einer gleichberechtigten Staatssprache. Seit der Unabhängigkeit Sloweniens 1991 ist es dessen alleinige Amtssprache.


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