Bodenburg
Bodenburg
Wappen von Bodenburg
Koordinaten: 52° 2′ N, 10° 1′ O52.02583333333310.009444444444148Koordinaten: 52° 1′ 33″ N, 10° 0′ 34″ O
Höhe: 148 m ü. NN
Einwohner: 2.030
Postleitzahl: 31162
Vorwahl: 05060

Bodenburg ist ein ehemaliger Flecken, heute ein südlicher Ortsteil von Bad Salzdetfurth, Landkreis Hildesheim in Niedersachsen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Flecken Bodenburg befindet sich im Ostfälischen sowie Niedersächsischen Berg- und Hügelland. Er liegt am zur Riehe hin geneigten Westhang der Ohe und des Rhoden. Der westliche Horizont ist vom Sackwald begrenzt und nordwestlich beginnt der Hildesheimer Wald mit den Tosmarbergen.

Die Hanglage Bodenburgs und die vielen Quellen in der Umgebung machten den Ort zu einem günstigen Siedlungsgebiet, zumal sich der Ort aufgrund der ihn umgebenden Teiche, Wälle und Hecken auch gut verteidigen ließ.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung Bodenburgs erfolgte 1142 durch Nennung in einer Urkunde des Hildesheimer Bischofs. Die dort ansässige Familie von Bodenburg war sehr einflussreich und besaß Einkünfte aus dem Handel mit Salz aus Salzdetfurth und dem Zehnten der ihr gehörenden Ländereien. Gelegentlich überfielen die Ritter von Bodenburg als Raubritter auch Kaufleute und raubten sie aus. Daher waren sie regelmäßig in Fehden verwickelt und befanden sich deswegen oft in finanziellen Schwierigkeiten.

Am 15. Juni 1359 begab sich die Familie von Bodenburg in den Dienst der Braunschweiger Herzöge und lag ab diesem Zeitpunkt mit den Hildesheimer Bischöfen in ständigem Streit. Dies führte dazu, dass Handel und Gewerbe, die neben den geringen Erträgen aus dem Ackerland die einzige Erwerbsquelle waren, durch Beschränkungen und doppelte Konzessionszahlungen erheblich erschwert wurden. Die Mehrzahl der Äcker gehörte dem Bodenburger Gut, sodass den Bürgern lediglich eine Grundversorgung ermöglicht wurde. 1675 erhielt Bodenburg das Marktrecht und wurde seitdem „Flecken Bodenburg“ genannt[1].

In den Jahren 1836, 1841, 1844 und 1867 brannten große Teile des damaligen Ortes ab.

Die Freiwillige Feuerwehr Bodenburg wurde 1872 von einigen Männern gegründet und zählt damit zu den ältesten Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Hildesheim. Der Anlass für das Entstehen der Wehr im Flecken Bodenburg bleibt im Dunkeln. Ortsheimatpflegerin Sylvia Köneke vermutet, dass neben einer Feuersbrunst 1867 die Anschaffung der ersten Dampfmaschine in der Beuleckeschen Gerberei zu Bodenburg 1871 ein Auslöser für die Gründung gewesen sei. Darüber hinaus ist bekannt, dass es im Herzogtum Braunschweig, zu dem Bodenburg als Exklave gehörte, bereits die ersten Freiwilligen Feuerwehren gegeben hatte. In den umliegenden, zum Bistum Hildesheim gehörenden Ortschaften erfolgte die Organisation der Freiwilligen Feuerwehren erst später (beispielsweise in Bad Salzdetfurth 1892). Der Bodenburger Feuerwehr stand bereits im Gründungsjahr eine Handdruckspritze zur Verfügung. Schon 1874 gründeten elf Kameraden eine Blaskapelle.[2]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte Bodenburg 1063 Einwohner[3].

Noch bis 1941 gehörte Bodenburg zusammen mit Östrum zum Land Braunschweig und wurde dann in die preußische Provinz Hannover umgegliedert. [4].

Durch die Trennung von Bürgern und Gutsabhängigen ergab sich eine Zweiteilung des Ortes, woraus zwei Kirchen sowie zwei Schulen entstanden. Die Mehrheit der Einwohner ist evangelisch-lutherischer Konfession.

Zur Entwicklung des Postwesens in Bodenburg siehe: Postroute Braunschweig–Göttingen.

Politik

Bei der Kommunalwahl am 10. September 2006 wurde Ute Hoppe (SPD) zur Ortsbürgermeisterin gewählt. Dem Ortsrat gehören fünf SPD- und drei CDU-Angehörige an.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Der historische Ortskern wird von einem Wasserschloss aus dem 11. Jahrhundert und zwei in T-Form angeordneten Reihen von Fachwerkhäusern gebildet.

  • Mittelalterliche Burganlage und späteres Wasserschloss mit Bergfried und Turmuhr, die im Dreißigjährigen Krieg zu drei Vierteln zerstört wurde. Restaurierung der Turmhaube 2008, Restaurierung des Schlosses geplant bis zum Frühjahr 2011
  • Schlosspark Bodenburg. Westlich und nördlich des Westflügels der ehemaligen Burganlage liegt der im Jahre 2006 restaurierte Landschaftspark, der nach englischem Vorbild gestaltet wurde. Seltene Gehölze gruppieren sich um einen zentralen Teich auf dessen Halbinsel historische Grabmalreliefplatten um eine zentrales Denkmal herum Aufstellung fanden.
  • Kunstgebäude auf dem Schlosshof von Bodenburg, erbaut um 1790 als Wirtschaftsgebäude der Familie von Steinberg
  • Werkstatt des Bildhauers Hans-Werner Kalkmann auf dem Schlossgelände mit einer Fassade aus COR-TEN-Stahl und Glas von 2007
  • Ehemaliger Schafstall des Schlosses Bodenburg mit Natursteinmauerwerk
  • Die ev.luth. Kirche St. Johannis mit Barockausstattung liegt vor dem Sehlemer Tor. Ihr Name mit dem Bezug auf Johannes der Täufer deutet auf die Erstellung ihrer Vorläuferkapelle im 9. Jahrhundert hin.
  • Die römisch-katholische Kirche St. Laurentius wurde 1826 im Stil des Klassizismus als evangelische Kirche am jetzigen Standort errichtet und 1974 der katholischen Kirche überlassen[5].
  • Auf dem Marktplatz erinnert ein Gedenkstein an die Verleihung des Marktrechts 1675 und an die Eingemeindung nach Bad Salzdetfurth 1974.
  • Ehemalige Grund- und Hauptschule als Klinker- und Fachwerkbau auf rotem Natursteinsockel von 1905, seit 1985 als Wohnhaus und Bürogebäude im Privatbesitz

Kunstgebäude auf dem Schlosshof Bodenburg

1998 wurde das Kunstgebäude auf dem Schlosshof in Bodenburg eingeweiht. Es handelt sich um ein bauhistorisch außergewöhnliches, etwa 200-jähriges, unter Denkmalschutz stehendes Gebäude, das 1999 den Preis für Denkmalschutz durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung verliehen bekam. Der erste Ausstellungszyklus mit internationaler Beteiligung widmete sich den Tierarten. 2004 begann ein zweiter Zyklus, der die fünf menschlichen Sinnesorgane, Mund, Ohr, Hand, Nase und Auge, thematisierte. Alle Ausstellungen wurden von dem Kurator Hans-Werner Kalkmann konzipiert und organisiert. Außerdem fanden Einzelausstellungen von Antoinette, Owusu-Ankimah, Susanne Ritter, Petrus Wandrey, Kurt Schwerdtfeger, Ingolf Timpner, Sacha Tröger, Hans-Oiseau Kalkmann und anderen statt. In der ausstellungsfreien Zeit finden im Kunstgebäude auch Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen statt.

Radweg zur Kunst

Der Radweg zur Kunst geht auf die Initiative des Bildhauers und früheren Lehrer Hans-Werner Kalkmann zurück. Er verbindet vom Abzweig Ruthe an der Innerstemündung die Orte Sarstedt, Gießen, Hildesheim, Bad Salzdetfurth, Bodenburg, Lamspringe und Bad Gandersheim, wo er wieder auf den Leine-Heide-Radweg trifft. Die fünf Teilwege tragen die Bezeichnungen Wasser-Kunst-Weg, Romanik-Weg, Kontakt-Kunst-Weg, Kunst-beWEGt.Weg und Skulpturen-Pfad.

Kontakt-Kunst-Weg

Auf dem Teilstück Kontakt-Kunst-Weg im Flecken Bodenburg entstand während der 27. Kontakt-Kunst-Aktion 1989 das Skulpturenensemble vor der St. Johannikirche (mit zwölf Apostelsteinen aus Vangagranit). 1990 wurden ergänzend zwei Evangelisten (Löwe für Markus und Adler für Johannes) aufgestellt. 1992 entstand dann in der 31. Kontakt-Kunst-Aktion die Skulptur Junia, der 13. Apostel ist eine Frau (Schirmherrin: Jutta Ranke-Heinemann) mit dem Labyrinthstein in der Mitte des Kirchplatzes.

1993 arbeiteten Jens Kalkmann und Hans-Werner Kalkmann, unterstützt von Studentinnen und Studenten aus Polen, Ungarn, Rumänien und Deutschland an der Skulptur aus Carrara-Marmor mit dem Titel Der GRENZSTEIN – das Symbol des Trennenden als Zeichen der Verständigung. Gefördert wurde diese Aktion durch den früheren Bundesaußenminister Dr. Klaus Kinkel. Der Standort ist der ehemalige Bahndamm an der Gemarkungsgrenze zwischen Bodenburg und Sehlem.

Im Rahmen der 34. Kontakt-Kunst-Aktion (1995) schufen Hans-Werner Kalkmann und Jens Kalkmann aus griechischem Marmor unter der Beteiligung vieler Bürgerinnen und Bürger Hinter dem Hagen eine Wasserskulptur mit dem Namen Das Dritte Ohr. Dieser Brunnen ist die sechste Station des Ökologischen Wasserlehrpfades Bodenburg.

Im Zuge der notwendigen Erneuerung der Regenwasserleitung vom Wanneweg zum Kuckucksweg 1997 stellte sich heraus, dass sich vor dem Haus Kirchstraße 21 ein zugeschütteter Brunnen befand. In der 37. Kontakt-Kunst-Aktion entstand aus schwedischem Granit ein neuer Brunnen, der wegen seiner Form die Brunnen-Welle genannt wird.

2004 stand das Kontakt-Kunst-Zelt vor der Grundschule am Bruderstieg. Hier entstand in einer sechswöchigen Aktion aus Granit die MUND-SKULPTUR. Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 4 konnten in dieser Zeit Reliefs aus Sandstein arbeiten, auf denen sie die Sinnesorgane des Menschen: Augen, Nase, Ohr, Hand und Mund darstellten. Diese Steinplatten sind als Linie in das Pflaster vor der Schule eingelegt.

Ökologischer Wasserlehrpfad Bodenburg

Der Flecken Bodenburg befindet sich in einer geologischen Situation, die im Oberoligozän entstand. Ihr verdankt der Ort seinen Wasserreichtum. Der örtliche Bildhauer Hans-Werner Kalkmann griff die lokale Wassersituation auf und konzipierte den Ökologischen Wasserlehrpfad Bodenburg. Schirmherrin war die frühere Umweltministerin des Landes Niedersachsen Monika Griefahn, die den Pfad im Jahre 1995 einweihte. Der Pfad hat 17 Stationen und führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Jede Schautafel nimmt auf die Wassersituation des Standortes Bezug. Zum Pfad gibt es ein Begleitheft.

Verkehr

Von Bodenburg über die Landesstraße L 493 nach Bockenem und von dort zur Autobahnanschlussstelle 62 auf die A 7 (Hannover–Kassel) sind es 11 km. Nach Hildesheim auf der L 490 sind es 20 km.

Bodenburg war ein Nebenbahnknoten, an dem die Bahnstrecke Löhne–Bünde–Elze–Hildesheim–Bodenburg auf die Lammetalbahn traf. Heute besteht nur noch die Verbindung in Richtung Hildesheim.

Mit der Übernahme der Strecke Hildesheim–Bodenburg durch die EURO-Bahn und der Einrichtung eines neuen Haltepunktes am Solebad verbesserte sich die Verkehrssituation für diesen Raum erheblich.

Vereine

In Bodenburg bestehen mehrere Vereine, darunter ein Feuerwehr-Musikzug, bei dem es sich um einen der ältesten in Niedersachsen handelt. Weitere Vereine sind ein Spielmannszug, ein Schützenverein, die Freiwillige Feuerwehr Bodenburg, ein Männergesangverein, ein Turnverein, ein Kaninchenzuchtverein, ein Dartverein, ein Fußball- sowie ein Tischtennisverein. Der Verein „Freies Bad Bodenburg“ wurde gegründet, um die Schließung des Bodenburger Freibades zu verhindern.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Keil, Wilhelm: Neumanns Orts- und Verkehrslexikon, Leipzig 1905, S. 100.
  2. Vgl. Bodenburg und Oestrum – „Die gute alte Zeit“ ... fand nicht statt! – Eine Sozialgeschichte der Einwohner Bodenburgs und Oestrums, zusammengetragen und geschrieben von Sylvia Köneke, Giesecke, 1991; 125 Jahre Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Bodenburg, 2.–4. Juli 1999, o. O. 1999.
  3. Keil: Neumanns Orts- und Verkehrslexikon, wie oben.
  4. | Verordnung über Gebietsbereinigungen im Raume der Hermann-Göring-Werke Salzgitter
  5. Kalkmann, Hans-Oiseau: Die Lamme, Hildesheim 2010, S. 89.

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