Charles Blagden
Charles Blagden

Sir Charles Brian Blagden (* 17. April 1748 in Wotton-Under-Edge, Gloucestershire; † 26. März 1820 in Arcueil) war ein britischer Arzt und Naturforscher.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Die Eltern der Tochter Mary Blagden (* 1745) und der vier Söhne John Blagden (Hale) (1740–1808),[1] Thomas Blagden (1742-1815), Richard Blagden of Uley (* 1749) und Charles Blagden waren (wahrscheinlich) John Blagden (1715–1750) und seine Ehefrau Elizabeth Phelps of Dursley.[2] Er studierte vom Jahre 1765 bis 1768 in Edinburgh Medizin. 1768 wurde er dort unter William Robertson mit einer Arbeit mit dem Titel Tentamen medicum inaugurale, de causa apoplexae: quod, annuente summo numine zum Doktor der Medizin promoviert. Er hörte Vorlesungen des Physikers und Chemikers Joseph Black und des Mediziners und Chemikers William Cullen, mit dem er befreundet war.[3] Nach seinem Studium praktizierte er in Gloucester.

Ab dem Jahre 1772 lebte er zunächst in London. Von 1772 an bis zum Jahre 1780 diente er als medizinischer Offizier der britischen Armee. So war er während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs (1775–1783) als Arzt zunächst auf dem Lazarettschiff HMS Pigot stationiert und später in den britischen Kolonien in Nordamerika. Im Jahre 1779 erhielt er von General Charles Cornwallis die Erlaubnis nach England zurückzukehren. Von 1780 an lebte er bei Plymouth und arbeite in einem Militärlazarett.

Dort aber vermisste er das wissenschaftliche Leben, deshalb zog er 1782 in die britische Hauptstadt und wohnte zunächst mit seinem Bruder John Blagden Hale (1740–1808) zusammen.[4][2] (dieser nahm den Zusatznamen Hale im Jahre 1784 nach der Heirat von Anne Hale of Alderley (1751–1814)[5] an). Dort praktizierte er auch weiterhin als Arzt. In London pflegte er einen engen Kontakt zu Henry Cavendish, dessen Sekretär und Assistent er wurde. Er stand im Kontakt zu der Royal Society und dem sogenannten Monday Club welcher sich im Kaffeehaus George & Vulture traf.[6] Seine Tätigkeit als Assistent von Henry Cavendish übte er von 1782 bis 1789 aus, er erhielt von Cavendish eine Rente und ein beträchtliches Erbe.

Schon von Juni bis August 1793 war er erstmalig in Paris. In dieser Zeit erlebte er Experimente von Antoine Lavoisier und Pierre-Simon Laplace. Er traf neben Lavoisier und Laplace, der Marquis de Condorcet, Jean-Baptiste-Gaspard Bochart de Saron (1730–1794), und César François Cassini de Thury und dessen Sohn Jean Dominique Comte de Cassini. Als er nach London zurückkehrte hinterließ er in Paris viele Freundschaften, mit denen er bis an sein Lebensende in Kontakt blieb. Blagden verbrachte einen Großteil seiner Zeit auf dem kontinentalen Europa, insbesondere in Frankreich, wo er viele Freunde unter französischischen Wissenschaftler und Naturforschern hatte, so etwa zu Claude-Louis Berthollet und den Mitgliedern der Société d’Arcueil. So wurde über ihn ab dem Juli 1807 in den Mémoires de Physique et de Chimie de la Société d’Arcueil als Mitglied der Société d’Arcueil berichtet.

Am 25. Juni 1772 wurde Bladgen zum Mitglied der Royal Society gewählt. Von 1784 bis 1797 war er als Sekretär der Royal Society tätig. Durch seine Unterstützung von Joseph Banks, der sich kritisch über die Zusammensetzung des Sekretariats der Royal Society äußerte, kam es zwischen beiden zu einen anhaltenden Austausch.[7]

1788 wurde Blagden mit der Copley-Medaille der Royal Society geehrt.[8] 1792 wurde er zum Ritter geschlagen.

Wissenschaftliche Leistungen

Seine Versuche über die Wirkung gelöster Stoffe auf den Gefrierpunkt des Wassers führte zu dem nach ihm benannten Blagden Gesetz, (Gefrierpunktserniedrigung) das besagt, das Salz den Gefrierpunkt von Wasser senkt. Dies geschieht in einem einfachen umgekehrten Verhältnis zur Menge des Wassers.

Blagden experimentiert auch mit der menschliche Temperaturregulationsfähigkeit. In seinem Bericht an die Royal Society aus dem Jahre 1775 erkannte er die Rolle des Schwitzens auf die Thermoregulation. Am 23. Januar 1774[9] führte Blagden zusammen mit George Fordyce (1736–1802) , Joseph Banks und sechs weiteren Männern eine Selbstexperiment in einer Wärmekammer durch. Die Wärmekammer bestand eigentlich aus drei Kammern mit jeweils unterschiedlichen Temperaturoptima. Die heißeste Kammer, mit einem kuppelförmigen Dach, wurde über im Boden liegende Heißluftkanäle und bei Bedarf mit zusätzlichen heißen Aufgüssen beheizt bzw. die Luftfeuchtigkeit geändert. Das Ziel des Experimentes war herauszufinden, welche Außentemperatur der menschliche Körper ertragen kann. Sie begannen zunächst mit 45° Celsius und steigerten sich sukzessive auf ca. 100° Celcius und später auf 127° Celcius. Zuerst wurde der Versuch über acht Minuten völlig bekleidet, in Straßenkleidern mit Handschuhen und Strümpfen, später auch teils nackt durchgeführt. Auch ein Hund wurde zeitweise mitgenommenn. Zeitgleich legte man auf einen Zinnrahmen ein Stück Fleisch. Nach etwa einer Dreiviertelstunde waren die Teilnehmer erschöpft, dehydriert und in Schweiß gebadet. Hingegen war das Steak nahezu völlig gegart. Den Unterschied zwischen dem "lebenden Fleisch" und dem beefsteak führte Bladgen auf eine Hitzeadaptation zurück. Somit beschrieb Blagden die Wirkungen der verschiedenen Arten von Hitzeinwirkung auf die Körperfunktionen (z.B. Schwitzen, Herfrequenz). Er untersuchte aber auch die wesentliche Funktion der Verdunstungskühlung und die unterschiedlichen Effekte von trockener und feuchter Hitze.

Schriften (Auswahl)

  • Tentamen medicum inaugurale, de causa apoplexae: quod, annuente summo numine. Edinburgh 1768. - Dissertation
  • Experiments and Observations in an Heated Room. In: Philosophical Transactions. Band 65, 1775, S. 111–123, DOI:10.1098/rstl.1775.0013.
  • Further Experiments and Observations in an Heated Room. In: Philosophical Transactions. Band 65, 1775, S. 484–494, DOI:10.1098/rstl.1775.0048.
  • On the Heat of the Water in the Gulf-Stream. In: Philosophical Transactions. Band 71, 1781, S.334–344, DOI:10.1098/rstl.1781.0042.
  • Proceedings Relative to the Accident by Lightning at Heckingham. In: Philosophical Transactions. Band 72, 1782, S. 355–378, DOI:10.1098/rstl.1782.0024. - mit Edward Nairne
  • History of the Congelation of Quicksilver. In: Philosophical Transactions. Band 73, 1783, S. 329–397, DOI:10.1098/rstl.1783.0022.
  • An Account of Some Late Fiery Meteors; With Observations. In: Philosophical Transactions. Band 74, 1784, S. 201–232, DOI:10.1098/rstl.1784.0019
  • Some Observations on Ancient Inks, with the Proposal of a New Method of Recovering the Legibility of Decayed Writings. In: Philosophical Transactions. Band 77, 1787 S. 451–457, DOI:10.1098/rstl.1787.0039.
  • Experiments on the Cooling of Water below Its Freezing Point. In: Philosophical Transactions. Band 78, 1788, S. 125–146, DOI:10.1098/rstl.1788.0011.
  • Sur le Refroidissement de l'eau au-dessous du terme de la Congelation. (Extrait de la premiere partie des Transactions Philosophiques by M. Adet). In: Annales de Chimie. Band 4, 1790, S. 229–248 (online).
  • Report on the Best Method of Proportioning the Excise upon Spirituous Liquors. In: Philosophical Transactions. Band 80, 1790, S. 321–345, DOI:10.1098/rstl.1790.0022.
  • Rapport sur la meilleure méthode de proportionner les droits sur les liqueurs spiritueuses. In: Annales de Chimie. Band 15, 1792, S. 37–82 (online).
  • Some Account of the Tides at Naples. In: Philosophical Transactions. Band 83, 1793, S. 168, DOI:10.1098/rstl.1793.0016.
  • Sur les parties constituantes du Tannin. In: Annales de Chimie. Band 55, 1805, S. 84–86 (online).
  • An Appendix to Mr. Ware's Paper on Vision. In: Philosophical Transactions. Band 103, 1813, S. 110–113, DOI:10.1098/rstl.1813.0017.

Literatur

  • Clara Anderson: Blagden Papers at the Royal Society. In: Notes and Records of the Royal Society. Band 61, 2007, S. 237–238, doi:10.1098/rsnr.2007.0177.
  • Charles Blagden: Letters from Sir Charles Blagden to Sir Joseph Banks on American Natural History and Politics, 1776–1786. In: Bulletin of the New York Public Library. Band 7, 1903.
  • Danielle M. E. Fauque: An Englishman abroad: Charles Blagden’s visit to Paris in 1783. In: Notes and Records of the Royal Society. Band 62, 2008, S. 373–390, doi:10.1098/rsnr.2008.0041.
  • Frederick Hutton Getman: Sir Charles Blagden, FRS. In: Osiris. Band 3, 1937, S. 69–87, (JSTOR).
  • B. Hill: In war and peace Sir Charles Blagden, M.D.Ed., F.R.S. (1748–1820). In: The Practitioner. Band 217, Nummer 1297, Juli 1976, S. 126–131, ISSN 0032-6518. PMID 792860.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. The National Archives: Hale Family of Alderley
  2. a b David Hale, Joan Hale: The Blagden Family of Alderley, Gloucestershire, genealogische Darstellung.
  3. Christa Jungnickel, Russell McCormmach: Cavendish. The Experimental Life. Bucknell, Pennsylvania 1999, S. 291.
  4. Jungnickel, Christa; McCormmach, Russell: Cavendish. The Experimental Life. Bucknell, Pennsylvania (1999), p. 293
  5. David Hale, Joan Hale: Hale Families Of Wiltshire, genealogische Darstellung
  6. Bryant Lillywhite: London Coffee Houses; a Reference Book of Coffee Houses of the Seventeenth, Eighteenth and Nineteenth Centuries. 1963.
  7. Banks, Joseph: The Scientific Correspondence of Sir Joseph Banks, 1765-1820.
  8. John Nichols: The Gentleman’s magazine and historical chronicle. Band 64, S. Urban, S. 1115.
  9. Blagden, Charles (1775). "Experiments and Observations in an Heated Room". Philosophical Transactions (1683-1775) 65: 111–123. doi:10.1098/rstl.1775.0013

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