Erika Fuchs
Gedenkplakette der D.O.N.A.L.D. am ehemaligen Wohnhaus von Erika Fuchs in Schwarzenbach

Johanna Theodolinde Erika Fuchs, geborene Petri, (* 7. Dezember 1906 in Rostock; † 22. April 2005 in München) war eine deutsche Übersetzerin. Von 1951[1] bis 1988 übersetzte sie im Auftrag des Verlags Ehapa die amerikanischen Comic-Geschichten für das deutsche Micky-Maus-Heft.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit

Erika Fuchs war das zweite der insgesamt sechs Kinder von Auguste geb. Horn (1878–1964) und August Petri (1873–1954). Auguste Horn stammte aus München, war ausgebildete Sängerin, arbeitete als Volksschullehrerin und hatte in Augsburg unterrichtet. Sie lernte den aus dem Land Lippe-Detmold stammenden August Petri in einem Studentencorps kennen, wo man gegenüber der emanzipierten Auguste leichte Vorbehalte hatte.[2] Bald nach Erikas Geburt zog die Familie in das damalige Reichenbach in Schlesien, von dort im Jahr 1912 nach Belgard (das heutige Białogard) an der Persante. August Petri hatte dort den Posten eines Direktors der Überlandwerke (vergleichbar den Elektrizitätswerken) für Hinterpommern, der heutigen Woiwodschaft Westpommern, inne. Sein Beruf erlaubte es der Familie, in einigem Wohlstand zu leben; so besaßen die Petris das einzige Auto im Ort und die Kinder wuchsen in einem großen Haus mit Dienstboten auf. Zum Personal der Familie gehörten ein Kinder- und ein Stubenmädchen; auch eine Köchin und ein Gärtner arbeiteten im Haushalt.

Von ihrem Vater wurden die Kinder sehr streng erzogen; Erika Fuchs berichtet später: „Bei uns daheim wurde nicht argumentiert und nicht ausdiskutiert. Da wurde befohlen und gehorcht“; da die sechs Kinder aber altersmäßig nur neun Jahre auseinander lagen, führten sie ein ziemlich eigenständiges und ungebundenes Leben, über das Frau Fuchs sagt: „Jedenfalls hatten wir einen ganz ungeheuren Auslauf.[3]

Im Elternhaus spielte Musik eine wichtige Rolle, die Mutter hatte regelmäßig Gäste zu Besuch, die sie beim Gesang begleiteten, und auch bei der Haus- und Küchenarbeit wurde gern gesungen.

Schule und Studium

Erika Fuchs besuchte drei Jahre die Volksschule in Belgard, danach ab Ostern 1913 die Höhere Töchterschule, über die sie urteilte: „Wir trieben viel Unsinn und lernten wenig. Vom geistigen Reichtum in der Welt erfuhren wir erst, als wir eine richtige Studienrätin für Deutsch und Geschichte bekamen“.[4] Diese Lehrerin lud die Schülerinnen regelmäßig zu sich nach Hause ein und machte sie mit den Werken bedeutender Künstler bekannt. Begeistert von dem, was sie bei ihrer Lehrerin an Wissenswertem erfuhren, das nicht in der Schule gelehrt wurde, beschlossen Erika Fuchs und ihre Freundin Asta Hampe im Jahr 1921, dass sie das Gymnasium besuchen wollten. Erikas Vater unterstützte sie in diesem Ansinnen, allerdings gab es in Belgard kein Mädchengymnasium, so dass eine Abstimmung im Stadtrat nötig wurde, um den beiden Mädchen den Besuch des Knabengymnasiums zu ermöglichen. Der Stadtrat stimmte zu und Erika und ihre Freundin wurden zunächst für ein Jahr vom Schulunterricht freigestellt, um den nötigen Lehrstoff in Griechisch und Latein nachzuholen. Da Asta Hampe nach Hamburg umzog, war Erika Fuchs schließlich das erste Mädchen, das im örtlichen Knabengymnasium den Unterricht besuchte. Im Jahr 1926 schloss sie ihre Schulzeit mit dem Abitur ab.

Anschließend studierte sie Kunstgeschichte im Hauptfach, daneben Archäologie und mittelalterliche Geschichte. Im ersten Sommersemester war sie in Lausanne, das Wintersemester 1926/27 verbrachte sie in München, das dritte und vierte Semester in London, um dann von 1928 bis zum Examen im Wintersemester 1931/32 wieder in München zu studieren. Während des Studiums reiste sie viel ins Ausland; sie verbrachte einige Monate in Florenz und fuhr nach Holland, England, Italien und in die Schweiz. Am 17. Juli 1931 folgte die Promotion über den Barock-Bildhauer Johann Michael Feichtmayr (1709–1772) mit dem Titel: „Johann Michael Feichtmayr: Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Rokoko“. Ihre Arbeit, für die sie umfangreiche Recherchen in Kirchenarchiven durchgeführt hatte und die mit 160 eigenen Fotografien illustriert war, wurde mit Summa cum laude bewertet. Sie erschien erst 1935 im Druck, noch unter dem Geburtsnamen.

Ihren Mann, Dipl.-Ing. Günter Fuchs (1907–1984), einen Fabrikanten und Erfinder, seit 1973 Honorar-Professor der Technischen Universität München, hatte sie bereits während des Studiums kennengelernt. Sie heirateten im Jahr 1932 und hatten zwei Söhne. Seit 1933 lebte das Paar in Schwarzenbach an der Saale. Günter Fuchs baute im Haus alles bis hin zu den Möbeln selbst; die Möbel befinden sich heute im Münchner Stadtmuseum. Wenn es um technische Dinge in den Comic-Geschichten ging, befragte Erika Fuchs ihren Mann: „Was er real und vernünftig macht, verwurschtle ich wieder, damit es ein bißchen verrückt wird“ erläuterte sie im Jahr 1978. Ihr Mann war aber nicht nur in technischen Dingen bewandert, er war auch ein Spezialist für Klassiker-Zitate.[5]

Erika Fuchs starb am 22. April 2005 im Alter von 98 Jahren in München. Ihre Beisetzung fand, neben ihrem 1984 verstorbenen Mann Günter Fuchs, auf dem Friedhof von Schwarzenbach an der Saale, Landkreis Hof statt.[6]

Übersetzertätigkeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie als Übersetzerin, zuerst für die deutsche Ausgabe des Reader's Digest, bevor sie weitere Anstellungen zum Übersetzen bei anderen amerikanischen Zeitschriften führten. 1951 schließlich wurde sie Chefredakteurin der neu gegründeten deutschen Micky Maus, bei deren Gestaltung sie in den nachfolgenden Jahren viel Einfluss hatte. 1988 trat sie in den Ruhestand.

Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Übersetzungen der amerikanischen Disney-Comics, insbesondere der Geschichten von Carl Barks rund um die Familie Duck. Ihre Übersetzungen enthielten – anders als die englischen Vorlagen – zahllose versteckte Zitate und literarische Anspielungen. So war sie, als hervorragende Literaturkennerin, der festen Überzeugung, man könne als Übersetzerin von Comics nicht gebildet genug sein. Die Nähe zur deutschen Klassik scheint etwa auf, wenn Tick, Trick und Track sich angelehnt an Schillers Version des Rütlischwurs versprechen: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr.“ Auch der fast immer als ihre Schöpfung bezeichnete Spruch: „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“ ist keine eigene Erfindung, sondern eine Abwandlung der ersten Zeile des Ingenieurlieds von Heinrich Seidel (1842–1906), veröffentlicht 1889 im Glockenspiel („Dem Ingenieur ist nichts zu schwere …“). Von den auf den Wortstamm verkürzten Verben, mit denen nicht nur, wie zuvor bekannt, Geräusche (Onomatopoesie) beschrieben werden (z. B. „schluck“, „stöhn“, „knarr“, „klimper“), sondern auch lautlose (psychische) Vorgänge markiert werden (z. B. „grübel“, „zitter“), rührt der Ausdruck Erikativ.

Einfluss auf die deutsche Sprache

Ihr Einfluss im alltäglichen Sprachgebrauch und in der Popkultur ist bis heute enorm. [7]

Erika Fuchs hat in den Augen ihrer Bewunderer mit ihren eigenschöpferischen Übersetzungen eine eigene Welt erschaffen, die in der sogenannten „Donaldistik“ Ausdruck findet. Unter anderem im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine Zeitung erscheinen regelmäßig von Erika Fuchs stammende Donald-Duck-Zitate in schöngeistigem Zusammenhang – vornehmlich als Titelzeilen und Bildunterschriften.

Ehrungen

1994 wurde sie mit der Morenhovener Lupe ausgezeichnet. 2001 erhielt sie den Sonderpreis zum Heimito von Doderer-Literaturpreis und den Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim.

Erika Fuchs war Ehrenmitglied der D.O.N.A.L.D. (Deutsche Organisation Nichtkommerzieller Anhänger des Lauteren Donaldismus). Mitglieder dieses Vereins, namentlich Patrick Bahners und Andreas Platthaus, schmückten zeitweise die Überschriften des ehrwürdigen FAZ-Feuilletons mit Fuchs'schen Sprachkleinodien, was sich aber oft nur dem Kenner erschloss. Im Wörterbuch der Verhaltensbiologie findet Erika Fuchs unter dem Stichwort Onomatopoietikon Erwähnung als die Urheberin der meisten deutschen Neuschöpfungen entsprechender Worte.[8]

Zudem wurde sie von dem bekennenden Disney- und Carl Barks-Verehrer Gottfried Helnwein 1991 für einen Gemälde-Zyklus (48 Portraits, Öl und Acryl auf Leinwand, jedes Bild 70 cm x 55 cm) fotografiert und gemalt, der unter dem Motto „Die 48 bedeutendsten Frauen des Jahrhunderts“ ausgestellt wurde,[9] Der Kunstsammler und Museumsgründer Peter Ludwig erwarb kurz darauf die 48 Portraits, die heute Bestandteil der Sammlung des Museum Ludwig in Köln sind.[10] Dies war die erste offizielle Ehrung für Erika Fuchs.

2005 widmete der deutsche Rockmusiker Farin Urlaub ihr sein zweites Soloalbum Am Ende der Sonne.

Literatur

  • Klaus Bohn: Das Erika-Fuchs-Buch. Disneys Übersetzerin von Donald Duck und Mickey Maus: Ein modernes Mosaik. Dreidreizehn, Lüneburg 1996, ISBN 3-929746-10-7
  • Peter Höpfner: Entenhausener Geschichte(n), Folge 112: Dr. Erika Fuchs (1906–2005) – Das Interview, in: Die tollsten Geschichten von Donald Duck, Heft 218. Egmont Ehapa, Berlin 2005, S. 33-36
  • Patrick Bahners: Berengar Bläulichs Griff zur Macht – Feuilleton der FAZ vom Samstag 7. Dezember 1996, Seite 37
  • Niklot Klüßendorf, in: Biographisches Lexikon für Mecklenburg (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Mecklenburg, Reihe A), Bd. 5, Rostock 2009, ISBN 978-3-7950-3746-8, S. 143-145.
  • Ernst Horst: Nur keine Sentimentalitäten: Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte, Blessing Verlag, München 2010, ISBN 978-3-89667-406-7

Filmdokumentation

  • Einblick: „Ächz, Stöhn, Keuch“ – Deutsch für Donald. Die Übersetzerin Dr. Erika Fuchs. Deutsche TV-Dokumentation, ZDF 1987, ca. 15 Minuten

Einzelnachweise

  1. Walt Disney: Micky Maus. Das bunte Monatsheft. Nr. 1/September 1951. Chefredaktion: Dr. Erika Fuchs. Ehapa, Stuttgart 1951.
  2. Klaus Bohn: Das Erika-Fuchs-Buch, Lüneburg 1996, Seite 9 f.
  3. Klaus Bohn: Das Erika-Fuchs-Buch, Lüneburg 1996, Seite 13f.
  4. Allein unter Jungen, in: Die Zeit vom 26. Juli 2001, Seite 67
  5. Klaus Bohn: Das Erika-Fuchs-Buch, Lüneburg 1996, Seite 30
  6. knerger.de: Das Grab von Erika Fuchs
  7. Nur keine Sentimentalitäten!: Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte [Gebundene Ausgabe, von Ernst Horst, Karl Blessing Verlag (11. Oktober 2010), ISBN 3-89667-406-4.
  8. Gattermann R (Hrsg.): Wörterbuch zur Verhaltensbiologie der Tiere und des Menschen. Elsevier, 2006 (2. Auflage), ISBN 3-8274-1703-1
  9. Sibylle Schatz: 48 berühmte Frauen – Gottfried Helnwein antwortet Gerhard Richter in der Galerie Koppelmann, Kölner Stadt-Anzeiger, 18. Dezember 1991
  10. Gottfried Helnwein, Werke, Mischtechnik auf Leinwand, 48 Portraits, 1991, www.helnwein.de

Weblinks


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