Albrecht Haushofer

Albrecht Georg Haushofer (* 7. Januar 1903 in München; † 23. April 1945 in Berlin; Pseudonyme: Jürgen Dax, Jörg Werdenfels) war ein deutscher Geograph, Diplomat und Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Denkmal Albrecht Haushofers vor dem Innenministerium in Berlin

Albrecht Haushofer war einer von zwei Söhnen des Geographen und Generals a. D. Professor Dr. Karl Haushofer (1869–1946) und dessen Frau Martha (geborene Mayer-Doss) (1877–1946).[1]

Nach dem Abitur am humanistischen Theresien-Gymnasium in München studierte er Geschichte und Geographie und promovierte 1924 über Pass-Staaten in den Alpen. Danach war er Assistent von Albrecht Penck sowie von 1928 bis 1938 Generalsekretär der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin und zugleich Herausgeber deren Zeitschrift.

Ab 1933 war er auf Empfehlung von Rudolf Heß Dozent an der Hochschule für Politik in Berlin. Daneben beriet er die Dienststelle Ribbentrop als freier Mitarbeiter und unternahm als solcher verschiedene geheime politische Missionen nach Großbritannien, Südosteuropa und Japan. 1938 nahm er als Mitarbeiter Ribbentrops an der Münchner Konferenz teil. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs war Haushofer zeitweilig Mitarbeiter der Informationsstelle I des Auswärtigen Amts. Die dort gemachten Erfahrungen entfremdeten ihn dem nationalsozialistischen Regime, und er nahm Kontakt zum Widerstand auf, so zum Kreisauer Kreis, zur Gruppe um Carl Friedrich Goerdeler und zu Mitgliedern der Roten Kapelle. 1940 erfolgte seine Berufung zum Professor für Geographie an die Auslandswissenschaftliche Fakultät der Berliner Universität.

In seiner schriftstellerischen Arbeit, die weitgehend unbekannt blieb, bemühte sich Haushofer um eine kritische Deutung des politischen Zeitgeschehens vor allem in historischen Dramen, von denen in den 1930er Jahren einige aufgeführt wurden: "Scipio" (1934), "Sulla" (1938) und "Augustus" (1939).

Nach Rudolf Heß' Englandflug am 10. Mai 1941 wurde Haushofer wegen des Verdachts der Beteiligung an den Vorbereitungen für mehrere Wochen verhaftet und aus der Informationsabteilung des Auswärtigen Amts entlassen. Auch danach blieb er unter Aufsicht der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Bis 1943 verfasste er die Dramen "Die Makedonen" und "Chinesische Legende".

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 flüchtete er nach Bayern. Er wurde am 7. Dezember 1944 verhaftet und im Zellengefängnis Lehrter Straße in Berlin-Moabit inhaftiert.Kurz vor der Befreiung Berlins, in der Nacht zum 23. April 1945, wurde er zusammen mit ausgewählten Gefangenen wie Klaus Bonhoeffer und Rüdiger Schleicher beim Marsch vom Gefängnis zum Prinz-Albrecht-Palais in der Nähe des Gefängnisses auf den Trümmern des ULAP-Geländes an der Invalidenstraße von der SS ermordet.[2]

Eines der Zitate aus Albrecht Haushofers „Moabiter Sonette“
in der Gedenkstätte Zellengefängnis Lehrter Straße:
„Von allem Leid, das diesen Bau erfüllt, ist unter Mauerwerk und Eisengittern ein Hauch lebendig, ein geheimes Zittern“

Bei dem Toten fand sein Bruder Heinz Haushofer (1906-1988), der seinerseits ab 25. August 1944 viele Monate inhaftiert gewesen war, eine Sammlung während der Haftzeit entstandener Gedichte, die 1946 unter dem Titel Moabiter Sonette veröffentlicht wurden.

Werke

Literatur

  • Ernst Haiger, Amelie Ihering, Carl Friedrich von Weizsäcker: Albrecht Haushofer. 2. Auflage. Langewiesche-Brandt, Ebenhausen 2008, ISBN 3-7846-0179-0.
  • Henning Heske: Goethe und Grünbein, Aufsätze zur Literatur. Bernstein, Bonn 2004, ISBN 3-9808198-5-X, S. 29–33.
  • Rainer Hildebrandt: Wir sind die Letzten. Aus dem Leben des Widerstandskämpfers Albrecht Haushofer und seiner Freunde. Michael, Neuwied und Berlin o.J. (1949).
  • Ursula Laack-Michel: Albrecht Haushofer und der Nationalsozialismus. Ein Beitrag zur Zeitgeschichte. In: Kieler historische Studien. Band 15, Klett, Stuttgart 1974, ISBN 3-12-905250-X.
  • Heinz Haushofer, Adolf Roth: Der Haushof und die Haushofer. In: Schriften des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde e.V. Heft 8, Laßleben, München und Kallmünz 1939.
  • Herbert Kosney: The Other Front. In: Erich H.Boehm (Hrsg.): We Survived. Fourteen Histories of the Hidden and Hunted in Nazi Germany. Westview, 2005, S. 36–51.

Weblinks

 Commons: Albrecht Haushofer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Albrecht H. äußert sich in 2 Sonetten über seinen Vater und dessen Bezug zum Nationalsozialismus. Siehe Christoph Lindenberg: Die Technik des Bösen. Zur Vorgeschichte und Geschichte des Nationalsozialismus. Freies Geistesleben, Stuttgart 1978, S. 10f. Demnach war der Vater an der Macht interessiert, die der NS ihm und seinen Gedanken (Geopolitik) verlieh. Dort auch die Notiz, dass der Vater sich erst auf Drängen Außenstehender hin „wegen der Familienehre“ bereit erklärte, einen Rechtsbeistand für den Verhafteten zu besorgen; er selbst hielt Albrecht für einen „Verräter“. ebd. S. 12 mit Anm. 10
  2. Vgl. Joachim Fest: Staatsstreich. Der Lange Weg zum 20. Juli. Berlin 1994, ISBN 3-88680-539-5, S. 320.

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