Generalleutnant

Der Generalleutnant ist ein hoher Offiziersdienstgrad, dessen Stellung in der Hierarchie im Laufe der Geschichte wechselte. International ist der Generalleutnant meist in der Ebene Armeekorps zu finden. Bei den Abbildern werden die Rangabzeichen, Dienstgradabzeichen oder Rangschlaufen des Generalsrangs als Dienstgrad gezeigt, die zumeist als Schulterklappe, aber auch als Kragenpatte, getragen werden.

Inhaltsverzeichnis

Deutschland

17. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert war im Deutschen Reich der Generalleutnant der höchste militärische Dienstgrad der Reichsarmee als Stellvertreter (lieutenant, heute Leutnant) des Kaisers, der als oberster Kriegsherr den Titel General führte. Die Oberbefehlshaber in den einzelnen Reichskreisen führten dagegen den Titel

1625 erlangte Wallenstein den für ihn geschaffenen Titel eines „unumschränkten Oberbefehlshabers der kaiserlichen Armada“ als General der Generale und somit eines Generalissimus, ein Rang der unter dem des Generals, also des Kaisers stand, aber höher war als Generalleutnant.[1]

Preußische Armee

Wehrmacht

In der preußischen Armee wurde der unterste Generalsdienstgrad im Laufe des 18. Jahrhunderts von Generalwachtmeister in

Reichsheer, Reichswehr und Wehrmacht

Mit der Reichsgründung 1871 wurden die Dienstgrade des preußischen Heeres auf das Reichsheer übertragen, die von Reichswehr und Wehrmacht übernommen wurden. Eine typische Führungsverwendung für Generalleutnante war die eines Divisionskommandeurs.

Nationale Volksarmee der DDR

In der Nationalen Volksarmee, beziehungsweise den Grenztruppen der DDR, war der Generalleutnant der zweitniedrigste Dienstgrad in der Gruppe der Generale, oberhalb des Generalmajors. Das entsprechende Gegenstück bei der Volksmarine war der Vizeadmiral. Über dem Generalleutnant standen der Generaloberst und der Armeegeneral.

Bundeswehr

Bundeswehr (Aufzieh­schlaufe für Feldanzug)

In der Bundeswehr ist der Generalleutnant (Abk.: GenLt / in Listen: GL) der zweithöchste Generalsrang nach dem General. Die Reihenfolge (absteigend) ist dabei:

Gleichrangige Dienstgrade sind der Vizeadmiral bei der Marine sowie der Generaloberstabsarzt und der Admiraloberstabsarzt im Sanitätsdienst. Der Dienstgrad General- bzw. Admiraloberstabsarzt ist der höchste Dienstgrad im Sanitätsdienst der Bundeswehr.

Generalleutnante sind in der Bundeswehr die Befehlshaber/Leiter vom Heeresführungskommando, Luftwaffenführungskommando sowie Kommandierende Generale von Korps (in den mittlerweile ausschließlich noch vorhandenen multinationalen Korps als "Commander (COM)" bezeichnet).

Generalleutnante und Vizeadmirale sowie die entsprechenden Dienstgrade der Sanität erhalten gemäß Bundesbesoldungsordnung (BBesO) ein Grundgehalt der Besoldungsgruppe B9. Seit 1. Januar 2011 beläuft sich das Grundgehalt in B9 auf 9.410,04€. Gemäß Personalhaushalt des Einzelplanes 14 des Entwurfes des Bundeshaushaltsgesetzes 2012[2] sind 27 Planstellen für die Soldaten der Besoldungsgruppe B9 vorgesehen. Davon entfallen acht auf das Bundesministerium der Verteidigung und 19 auf die Streitkräfte (nachgeordneter militärischer Bereich).

Für eine Liste der aktiven Generalleutnante siehe: Militärische Spitzengliederung der Bundeswehr

Österreich

Österreich

Im österreichischen Bundesheer ist der Generalleutnant der zweithöchste Dienstgrad.

Schweiz

Schweiz

In der Schweizer Armee entspricht dem Generalleutnant der Grad des Korpskommandanten.

Die Korpskommandanten - normalerweise Drei - sind Kommandanten des Heeres und der Luftwaffe. Der Chef der Armee (CdA) bekleidet ebenfalls den Rang eines Korpskommandanten.

Der Rang des Korpskommandanten (KKdt) ist in Friedenszeiten der höchste Rang in der Schweizer Armee. In einer Verteidigungssituation wählt die vereinigte Bundesversammlung der Schweiz einen General, der in Folge die Armee kommandiert.

Frankreich

Frankreich

Frankreich kennt im Vergleich zum Generalleutnant den „Général de corps d'armée“.

Dieser steht über dem „Général de division und unter dem „Général d’Armée“. Er führt zumeist ein „corps d'armée“, also ein Armeecorps.

Das Pendant zum deutschen Dienstgrad eines Generaloberstabsarztes ist der Dienstgrad Médecin Général des Armées (MGA).

Sowjetunion

UdSSR

Hauptartikel: Sowjetische Generalsränge

In der Roten Armee der Sowjetunion wurden am 7. Mai 1940 die Generalsränge wieder eingeführt. Generalleutnant war der zweitniedrigste Dienstgrad in der Gruppe der Generale. Die Reihenfolge Sowjetischer Generalsränge war dabei seit 1940 bzw. 1943:

  • Generalmajor, davor Brigadekommandeur
  • Generalleutnant, Divisionskommandeur (Kom Div)
  • Generaloberst, davor Korpskommandeur
  • Armeegeneral, davor Armeekommandeur 2. Ranges
  • Hauptmarschall (ab 1943), davor Armeekommandeur 1. Ranges

USA

USA

Die United States Army, die US Air Force und das US Marine Corps kennen den Dienstgrad eines Lieutenant General. In der Hierarchie steht dieser über dem Major General und unter dem General. Die US-Soldstufe ist O-9, der NATO-Rangcode jedoch OF-8.

Ein Lieutenant General führt bei Bedarf operativ als größten Kampfverband der US Army ein Korps mit zwei oder mehr Divisionen. Ansonsten wird ein Lieutenant General als Kommandeur oder dessen Stellvertreter in Regionalkommandos und hohen Funktionalkommandos eingesetzt.

Andere Bedeutungen

In Neufrankreich wurde der oberste Vertreter des französischen Monarchen auch als Generalleutnant (fr.: Lieutenant général) bezeichnet.

Einzelnachweise

  1. Hellmut Diwald: Wallenstein, Goldmann Sachbuch, München/Esslingen 1981, S. 286 f.
  2. Datenblatt Entwurf Haushaltsgesetz 2012. In: www.bundestag.de. 12. August 2011, abgerufen am 13. November 2011 (deutsch).

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