Alexander Dorner

Alexander Dorner (* 19. Januar 1893 in Königsberg; † 2. November 1957 in Neapel; vollständiger Name: Alexander Adalbert Dorner) war ein deutscher Kunsthistoriker, Hochschullehrer und einer der innovativsten und einflussreichsten Museumsdirektoren des 20. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach seiner aktiven Teilnahme am Ersten Weltkrieg (1914–1918) und seiner Promotion zum Dr. phil. im Jahr 1919 in Berlin war Dorner ab 1919 am Provinzialmuseum Hannover tätig, in den Jahren 1925 bis 1937 war er dessen Direktor. Von 1920 bis 1937 war er Privatdozent für Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule Hannover, 1928 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt. Von 1929 bis 1934 war er Präsident der Kestner-Gesellschaft in Hannover.

1936 trat Dorner als Museumsdirektor zurück und emigrierte im Sommer 1937 mit Unterstützung seines früheren Berliner Professors Adolph Goldschmidt in die (USA). Dort war er von 1937 bis 1941 Direktor des Museums der Rhode Island School of Design auf Rhode Island, von 1941 bis 1948 lehrte er als Professor für Kunstgeschichte und Ästhetik an der Brown University in Providence (Rhode Island) und seit 1948 am Bennington College in Vermont.

Dorner starb 1957 in Neapel, wurde aber auf dem Stadtfriedhof Stöcken (Abt. A 28) in Hannover-Stöcken beigesetzt.

Dorners entscheidende Leistung waren die zusammen mit Justus Bier als Leiter der Kestner-Gesellschaft seit 1930 aufgebauten Installationen zum neuen Raumverständnis der Moderne.[1] Dazu gehörten das Abstrakte Kabinett von El Lissitzky, nachgebaut im Sprengel-Museum, und der Raum der Gegenwart von Laszlo Moholy-Nagy.

Er rettete viele Gemälde des sowjetisch-russischen Konstruktivisten und Suprematisten Kasimir Malewitsch vor der Vernichtung durch die stalinistische und nationalsozialistische Diktatur.

Nach den Kösener Corpslisten 1930 wurde Dorner 1912 Mitglied des Corps Littuania.[2] Da er weder in Passauers Corpstafel der Littuania zu Königsberg (1935) noch in den Kösener Corpslisten 1960 aufgeführt ist, dürfte er Anfang der 1930er Jahre aus dem Corps ausgeschieden sein.

Schriften

  • Als Dorners Hauptwerk gilt das Buch The Way beyond "Art" - The Work of Herbert Bayer (New York 1949), Deutsche Übersetzung von Lydia Dorner (Überwindung der "kunst"), Hannover 1959.
  • 100 Jahre Bauen in Hannover. Zur Jahrhundertfeier der Technischen Hochschule. Edler & Krische, Hannover 1931.

Literatur

  • Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. 2 Bände. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11339-0 (zugl. Dissertation, Universität Hamburg, 1996).
  • Samuel Caumann: Das lebende Museum. Erfahrungen eines kunsthistorikers und Museumsdirektors. Fackelträger, Hannover 1958.
  • Monika Flacke-Knoch: Museumskonzeptionen in der Weimarer Republik. Die Tätigkeit Alexander Dorners im Provinzialmuseum Hannover. Jonas-Verlag für Kunst und Literatur, Marburg 1985, ISBN 3-922561-43-8 (Kulturwissenschaftliche Reihe. Bd. 3; zugleich Dissertation, Universität Hamburg, 1984).
  • Willibald Reichertz: Ostdeutsche als Dozenten an der Technischen Hochschule Hannover (1831–1956). In: Ostdeutsche Familienkunde. Zeitschrift für Familiengeschichtsforschung. ISSN 0472-190X, Bd. 18, 2007 (= Jg. 55), Heft 3, S. 109–120.
  • Ines Katenhusen: Ein Museumsdirektor auf und zwischen den Stühlen, in: Ruth Heftrig (Hrsg.): Kunstgeschichte im „Dritten Reich“. Theorien, Methoden, Praktiken, Akademie-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004448-4, S. 156–170.
  • Ines Katenhusen: 150 Jahre Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, in: Heide Grape-Albers (Hg.): Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover. Festschrift zum Jahr des Doppeljubiläums, Hannover: 2002, ISBN 3-929444-29-1, S. 18-94.

Einzelnachweise

  1. Justus Bier: Abstrakte Kunst in Hannover. In: Museumskunde, 1930, S. 71–73.
  2. KCL 1930, 88, 748

Weblinks


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