Georg Thiele

Georg Thiele

Korvettenkapitän Georg Max Thiele (* 11. Mai 1880; † 17. Oktober 1914 vor der holländischen Küste bei der Insel Texel)[1] war ein deutscher Marineoffizier in der Deutschen Kaiserlichen Marine.

Thiele war im Ersten Weltkrieg Befehlshaber der VII. Torpedoboot-Halbflottille, die aus den fünf Torpedoboote S 115 bis S 119 bestand, und Kommandant des Torpedobootes S 119. Bei einer Minenlegeoperation in der Nordsee kam es vor der holländischen Küste bei der Insel Texel im Herbst 1914 zu einem Gefecht mit überlegenen britischen See-Streitkräften. Dabei wurde sein Boot versenkt und er selbst kam dabei ums Leben.

Inhaltsverzeichnis

Genauer Ablauf der Seeschlacht

Am 17. Oktober 1914 liefen die vier Torpedoboote S 115, S 117, S 118 und S 119 von Borkum Rede aus, um vor den Downs und der Themsemündung Seeminen zu legen. Die Boote ware älteren Baujahrs (1903), ausgelegt für eine Geschwindigkeit von maximal 26 Knoten und den modernen englischen Zerstörern mit ihren drei kleinen 5,0 cm /L/40 TK [2] hoffnungslos unterlegen .

Während dieser Mission wurden die Boote vor der Insel Texel vom englischen Leichten Kreuzer HMS Undaunted und vier Begleitzerstörern (Lance, Lennox, Loyal und Legion) gesichtet und gestellt. Obwohl die deutschen Torpedoboote sofort beidrehten, war es ihnen nicht möglich, den schnelleren englischen Zerstörern zu entkommen, da sie lediglich auf 18 Knoten beschleunigen konnten. Korvettenkapitän Thiele, Befehlshaber der VII. Halbflottille, befehligte selbst S 119 und übermittelte abends den Funkspruch: "Bin im Kampf mit feindlichen Streitkräften".

Im Verlauf des Kampfes, bei dem auch Thiele ums Leben kam, wurden alle deutschen Torpedoboote versenkt. Nach amtlichen englischen Berichten wurden von den insgesamt 258 Mann Besatzung 34 deutsche Offiziere und Seeleute gerettet und nach England gebracht. Am folgenden Tag wurden zwei weitere deutsche Schiffbrüchige von einem neutralen Fischerboot gerettet.

Auswirkungen des Gefechts

Der deutschen Admiralität war bekannt, dass die Zugänge zum Kanal von den Engländern stark gesichert wurden. Trotzdem liefen die Torpedoboote ohne Begleitschutz aus. Ein Staatssekretär kritisierte nach der Versenkung, dass man zumindest modernere Boote einsetzen hätte sollen. Die Vernichtung einer Halbflottille ist ein Beleg dafür, wie bedenkenlos menschliches Leben geopfert wurde.

Der Verlust der gesamten VII. Halbflottille führte zur Einstellung der operativen Minenoperationen durch Überwasserschiffe vor der englischen Ostküste und zur Intensivierung der Suche nach Alternativen.[3]

Eine weitere, der deutschen Seite erst nach dem Krieg bekannt gewordene Tatsache war, dass am 30. November ein britischer Fischdampfer einen Safe von S 119 aus der Nordsee fischte, in welchem sich das Verkehrsbuch (VB) der Kaiserlichen Marine befand. Dies wurde benutzt, um Nachrichten an Marine-Attachés, Botschaften und in Übersee stationierte Kriegsschiffen zu verschlüsseln. Die Abteilung Room 40 des britischen Marine-Nachrichtendienstes konnte mit dessen Hilfe, so wie weiteren Dokumenten - dem Signalbuch der Kaiserlichen Marine (SKM) -, vom Kleinen Kreuzer SMS Magdeburg, den Funkverkehr der deutschen Marine und des Auswärtigen Amtes entziffern.

Ehrungen

Fußnoten

  1. Gefallenenverzeichnis der deutschen Kaiserlichen Marine
  2. TK = Abkürzung für Torpedobootskanone. Eine Schnellladekanone mit besonders schmaler Lafette, die durch ihre Bauform auch auf den schmalen Decks von Torpedobooten montiert werden konnte
  3. Darstellung der Schlacht

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