Hauptmann (Offizier)

Der Hauptmann ist ein militärischer Offiziersdienstgrad.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In den Heerhaufen des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit war der Feldhauptmann ganz allgemein der Anführer (das Haupt), der entweder von den Männern des Verbandes gewählt wurde oder aber als Militärunternehmer die Truppe selber aufgestellt hatte. Die Größe des Verbandes konnte stark variieren. Die Hauptleute wurden auf Latein capitaneus („Anführer“, abgeleitet von caput, „Haupt“) genannt, wovon die noch heute im romanischen, slawischen und angelsächsischen Sprachraum bei den Landstreitkräften gebräuchliche Dienstgradbezeichnung Kapitän herrührt.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Verwendung der französischen Bezeichnung Capitaine auch im deutschen Sprachraum gebräuchlich, da die französische Sprache zu dieser Zeit Verkehrssprache in militärischen Kreisen Europas war und das französische Heerwesen hohes Ansehen genoss.

Als Stabskapitän bezeichnete man in den damaligen Armeen einen Offizier, der sich im Rahmen der Kompaniewirtschaft keine eigene Kompanie leisten konnte und darum als Stellvertreter eines Kompanieinhabers fungierte. Gewöhnlich wurden die Kompanien der drei Stabsoffiziere eines Regiments (Major, Oberstleutnant, Oberst), die durch andere Aufgaben von der unmittelbaren Führung ihrer Kompanie abgehalten waren, von solchen Stabskapitänen kommandiert. Sie rangierten vor den Leutnants, jedoch hinter den „wirklichen“ Hauptleuten und bezogen auch weniger Sold als diese.

Daraus entwickelte sich die in einigen deutschen Armeen (z. B. in Bayern) noch im 19. Jahrhundert gebräuchliche Abstufung zweier Hauptmannsdienstgrade (z. B. Hauptleute/Kapitäne „1. und 2. Classe“).

Bei der Kavallerie nannte man den einem Hauptmann entsprechenden Dienstgrad bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Rittmeister.

Nationales

Deutschland

Dienstgrad­abzeichen am Gesellschafts­anzug (Heer)
Dienstgrad­abzeichen am Dienstanzug (Heer)

Hauptmann (Abk.: Hptm / in Listen: H) ist ein Dienstgrad in der Bundeswehr. Es ist der dritte Offizierdienstgrad. Bei der Deutschen Marine heißt dieser Dienstgrad Kapitänleutnant. Im Sanitätswesen der Bundeswehr (also vor allem im Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr) sind ranggleich der Stabsarzt, Stabsapotheker und Stabsveterinär.

Soldaten in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen Mannschaften, Unteroffizieren ohne Portepee, Unteroffizieren mit Portepee und Leutnanten Befehle erteilen.

Hauptleute werden häufig als Kompaniechef oder in Stäben von Verbänden ab Stufe Bataillon verwendet. Sie werden nach der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) mit A 11 oder A 12 (bei einer Verwendung als Kompaniechef) besoldet und haben den NATO-Rangcode OF-2. Stabsapotheker, Stabsärzte und Stabsveterinäre sind in der Besoldungsstufe A 13 eingeordnet.

Die Beförderung zum Hauptmann kann frühestens nach fünfeinhalb Jahren Dienstzeit als Offizier vollzogen werden. Bei besonderen Verwendungen auch schon nach fünf Jahren. Als besondere Altersgrenze für Hauptleute wurde die Vollendung des 56. Lebensjahres festgesetzt (§45 (2) Nr. 4 SG).

Nach Abschluss eines zivilen Studiums mit der ersten Staatsprüfung oder mit einem universitären Masterabschluss kann man als Truppendienstoffizier mit wissenschaftlicher Vorbildung direkt mit dem Dienstgrad Hauptmann eingestellt werden.

Österreich

Hauptmann des Österr. Bundesheeres

Auch bei der österreichischen Polizei und dem österreichischen Bundesheer gibt es den Dienstgrad Hauptmann.

Außerdem wird die Bezeichnung Hauptmann für zivile, leitende Beamte (E1) der Exekutive in Österreich, dazu gehören Bundespolizei und Justizwache, verwendet, die lediglich nach militärischem Muster organisiert sind. Ein direkter Vergleich mit den Dienstgraden des Bundesheeres ist nicht möglich.

Bei den Freiwilligen Feuerwehren hatten bis zur Verwendung der heutigen Dienstgrade die Kommandanten einer Feuerwehr den Dienstgrad eines Hauptmannes.

Schweiz

Gradabzeichen Hauptmann der Schweizer Armee

In der Schweizer Armee ist ein Hauptmann (frz. capitaine, ital. capitano) entweder in der Funktion eines Kompaniekommandanten oder in einer Stabsfunktion eingesetzt (ab Stufe Bataillon und höher). In Auslandeinsätzen entspricht er dem NATO-Rangcode OF-2.

Der Armeeseelsorger trägt auch den Grad eines Hauptmanns.

Englischsprachiger Raum

US-Captain

In englischsprachigen Landstreitkräften, z. B. der US Army oder der British Army, ist das Äquivalent des „Hauptmanns“ der Captain. Er hat den NATO-Rangcode OF-2.

Dieser ist nicht mit dem maritimen Captain (Kapitän zur See) der englischsprachigen Marinen, z. B. der US Navy oder der Royal Navy, zu verwechseln, dessen Äquivalent der Colonel (Oberst) darstellt.

Bei der englischsprachigen Polizei werden Revierleiter oder vergleichbare Führungsränge der Kriminalpolizei häufig ebenfalls als „Captain“ bezeichnet. Dieser Rang ist in etwa mit einem deutschen Polizei-/Kriminalhauptkommissar oder einem Ersten Polizei-/Kriminalhauptkommissar vergleichbar.

In den USA ist bei den Police Departments (nicht bei den Sheriff's Departments) ein Captain der Revierleiter – somit ist ihm nicht ein Deutscher Polizeihauptkommissar, sondern ein Polizeirat/Polizeioberrat gleichzusetzen. Deshalb ist der Polizeihauptkommissar nicht wie sonst ein Hauptmann (Captain), sondern ein Police-Lieutenant = Stellv. Revierleiter / Abteilungsleiter.

Türkei

In der türkischen Armee heißt der entsprechende Dienstgrad traditionell Yüzbaşı, eine Bezeichnung, die übersetzt so viel wie „Herr von Hundert“ oder „Hundertschaftsführer“ (analog dem römischen Centurio) bedeutet und dem deutschen Lesepublikum in der eindeutschenden Schreibweise Jüsbaschi aus verschiedenen Büchern Karl Mays bekannt ist.

Sonstige Länder

Mehrheitlich lautet die einem deutschen „Hauptmann“ entsprechende Dienstgradbezeichnung auch in anderen Sprachen wie im Englischen „Kapitän“, z. B.: frz. Capitaine, span. Capitán, ital. Capitano, port. Capitão, ndl. Kapitein, dän. Kaptajn, schwed. Kapten, norw. Kaptein, finn. Kapteeni, russ. und poln. Kapitan.


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