Heilsarmee
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Die Heilsarmee ist eine christliche Freikirche mit ausgeprägter sozialer Tätigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Auftrag und Tätigkeit

Straßeneinsatz

Die Heilsarmee ist eine internationale Bewegung mit den Arbeitsbereichen Sozialarbeit und christliche Verkündigung, die eng miteinander verbunden sind. Sie ist eine christliche Kirche mit protestantisch-freikirchlicher Prägung und Theologie. Ihre Wurzeln liegen im Methodismus.

Die praktische soziale Tätigkeit umfasst unter anderem Obdachlosenfürsorge, Heime für Kinder, Alte, Alkoholkranke und Behinderte, AIDS-Prävention, Schulen, Krankenhäuser, Katastrophenhilfe, Gefängnisfürsorge und den Internationalen Suchdienst der Heilsarmee für vermisste Familienangehörige. Bekannt sind auch die Brockenhäuser (Gebrauchtwarenläden), deren Einnahmen den Wohlfahrtseinrichtungen zugute kommen.

Die Heilsarmee selbst definiert ihren Auftrag so: Die Heilsarmee ist eine internationale Bewegung und Teil der universalen christlichen Kirche. Ihre Botschaft gründet sich auf die Bibel. Ihr Dienst ist motiviert von der Liebe zu Gott. Ihr Auftrag ist es, das Evangelium von Jesus Christus zu predigen und menschlicher Not ohne Ansehen der Person zu begegnen.[1]

Die Heilsarmee ist in den USA eine anerkannte NRO-Hilfsorganisation, vergleichbar z. B. dem Arbeiter-Samariter-Bund. Ihre ersten Einsätze waren nach dem Galveston-Hurrikan (1900) und San-Francisco-Erdbeben von 1906. Als Hilfsorganisation nimmt sie auch am dortigen BOS-Funk teil.

Ziele und Glauben

Die Heilsarmee versteht ihre Aufgabe in der Verbreitung des Evangeliums unter allen Menschen. Ihr Ziel ist, die ganze Welt unter die Herrschaft Jesu zu stellen. Es ist die Folge ihres Verständnisses des Alten und Neuen Testaments. Der Gründer William Booth glaubte, dass viele Christen ihr Heil in Ritualen und nicht in einer Beziehung zu Gott suchten. Deshalb entschloss er sich, die Sakramente (besonders Taufe und Abendmahl) wegzulassen. Es ist aber den Mitgliedern frei gestellt, diese in anderen Gemeinschaften zu praktizieren.

Kirchliches Leben

Neben der bekannteren sozialen und evangelistischen Tätigkeit gibt es in der Heilsarmee auch ein kirchliches Leben mit Sonntagsgottesdienst, Seelsorgedienst, kirchlichen Handlungen, kirchlichem Unterricht (etwa vergleichbar dem Konfirmandenunterricht), Bibelstudium und Gebetszusammenkünften.

Die Heilsarmee hat ein Glaubensbekenntnis auf evangelikaler Grundlage. Ihre uniformierten Mitglieder, die Heilssoldaten und Offiziere, verpflichten sich unter anderem dazu, nach christlichen Maßstäben zu leben, auf Alkohol, Tabak, Drogen, Pornographie und übermässige Medikamenteneinnahme zu verzichten und sich aktiv in der sozialen und evangelistischen Tätigkeit zu engagieren.

Die Heilsarmee tauft nicht und feiert auch kein Abendmahl. Säuglinge werden – auf Wunsch der Erziehungsberechtigten – bei einer Kindersegnung „geweiht“ (wobei die Erziehungsberechtigten öffentlich versprechen, das Kind „für Gott“ zu erziehen), Jugendliche werden – auf eigenen Wunsch – eingesegnet.

Geschichte

Gustaf Cederström: Die Heilsarmee (1886) – Das Bild zeigt Katie Booth, Tochter von William Booth, in einer Pariser Kneipe.
Flagge der Heilsarmee

Der methodistische Pfarrer William Booth lebte im Londoner Eastend und war erschüttert über das Elend in den dortigen Slums der Frühindustrialisierung. Am 2. Juli 1865[2] gründete er mit Freiwilligen aus verschiedenen Kirchen die Christliche Erweckungsgesellschaft (englisch: Christian Revival Association), die in den darauffolgenden Jahren den Namen mehrmals wechselte. So wurde dann die Ostlondoner Christliche Mission (englisch: Eastlondon Christian Mission) daraus und ab 1870 die Christliche Mission, die sich mit dem bis heute gültigen Motto „Suppe, Seife, Seelenheil“ daran machte, zu helfen. Im Jahr 1878 wurde der bisherige Name fallen gelassen, und die Bewegung nannte sich offiziell Die Heilsarmee (englisch: The Salvation Army). William Booth wurde ihr erster General. Der Kampf der Heilsarmee gegen das Elend und ihre Organisationsform wurden straff militärisch strukturiert – dazu gehörte die Einführung von Rängen, Uniformen und Symbolen.

Die Entwicklung der Bewegung wurde wesentlich von Booths Ehefrau Catherine Booth unterstützt. Sie war die intellektuelle Führung der Bewegung. Sie vertrat ihren erkrankten Mann monatelang in der Leitung, organisierte Armenspeisungen, war als ausgezeichnete Predigerin bekannt und setzte sich für verbesserte Arbeitsbedingungen, besonders der Frauen, ein. Schon in der Gründungsakte der Christian Mission wurde festgelegt, dass Frauen die gleichen Rechte (Predigen, Führungspositionen und so weiter) haben wie Männer. So bestand die Heilsarmee schon im 19. Jahrhundert darauf, dass Frauen in allen intellektuellen und gesellschaftlichen Beziehungen Männern gleichgestellt sein sollten. Bis heute haben Frauen in der Heilsarmee den gleichen Status wie Männer.

Binnen zweier Jahre nach ihrer Umbenennung breitete sich die Heilsarmee auch im Ausland aus. Seit 1882 ist sie in der Schweiz, seit 1886 in Deutschland tätig.

Organisation

Ausbreitung der Heilsarmee in der Welt
Sitz in Hannover

Die uniformierten Mitglieder werden Salutisten genannt. Die meisten sind ehrenamtliche Heilssoldaten, einige sind Angestellte der Heilsarmee. Die ausgebildeten Geistlichen der Heilsarmee werden Offiziere genannt.

Außerdem gibt es eine wachsende Zahl von hauptberuflichen Angestellten der Heilsarmee, die aber nicht zu ihren Mitgliedern zählen.

Die oberste Leitung hat ein General, dem ein Beirat zur Seite steht. Das Internationale Hauptquartier (IHQ) befindet sich in London. Die internationale Heilsarmee-Arbeit ist in Territorien aufgeteilt, die jeweils ein nationales Hauptquartier haben. Das Hauptquartier für Deutschland, Litauen und Polen befindet sich in Köln, das für die Schweiz, Österreich und Ungarn in Bern.


Heute arbeitet die Heilsarmee in 124 Ländern. Weltweit hat sie etwa 1,7 Millionen Mitglieder, davon 1,1 Millionen Heilssoldaten, der Rest sind Rekruten und Mitglieder der Freundeskreise. In 16.330 Gemeinden, rund 1.900 Schulen, 3.600 Sozialinstitutionen und 460 Krankenhäuser beschäftigt sie 26.032 Offiziere und 107.902 Angestellte [3]

In Deutschland ist die kirchliche Verkündigungsarbeit der Heilsarmee in zwei Divisionen aufgeteilt (NordOst und SüdWest), die jeweils von einem „Divisionsoffizier“s-Ehepaar (mit eigenem „Divisionshauptquartier“) geleitet werden. Jeder Divisionsoffizier betreut die Leiter der Ortsgemeinden innerhalb seiner Division. Die Ortsgemeinden der Heilsarmee werden als „Korps“ bezeichnet, deren Leiter als „Korpsoffiziere“. Die Sozialarbeit der Heilsarmee in Deutschland (das sogenannte „Sozialwerk“) wird zentral von der „Sozialabteilung“ in Köln geleitet.

Die offizielle Zeitschrift der Heilsarmee in Deutschland heißt „Heilsarmee-Magazin“ (bis 31. Dezember 2007 „Der Kriegsruf“). In der Schweiz heisst die entsprechende Zeitschrift "trialog" (de-ch) und "trialogue" (fr-ch). Die Mitgliederzeitschrift der Heilsarmee in der Schweiz ist der "Dialog" / "dialogue".

Seit 1985 wurden Heilsarmee-Offiziere aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Ungarn und der Schweiz in Basel in einem gemeinsamen Ausbildungszentrum ausgebildet. Seit Sommer 2005 steht die Schule neu unter der Leitung des Schweizer Territoriums. Sie strebt eine Validierung nach ECTS-Normen an. Der Ausbildungsgang ist weiterhin für ausländische Studenten offen. Die Ausbildung der deutschen Offiziere findet wieder in Deutschland statt.

Generäle der Heilsarmee

Hier eine Auflistung aller Generäle der Heilsarmee, in Klammern hinter dem Namen jeweils die entsprechende Amtszeit.

  • William Booth (Evangelist, Gründer und 1. General der Heilsarmee, 1865–1912)
  • Bramwell Booth (Ältester Sohn von William Booth, 1912–1929)
  • Edward J. Higgins (1929–1934)
  • Evangeline C. Booth (Tochter von William Booth, 1934–1939)
  • George L. Carpenter (1939–1946)
  • Albert W. T. Orsborn (1946–1954)
  • Wilfred Kitching (1954–1963)
  • Frederick Coutts (1963–1969)
  • Erik Wickberg (1969–1974)
  • Clarence Wiseman (1974–1977)
  • Arnold Brown (1977–1981)
  • Jarl Wahlström (1981–1986)
  • Eva E. Burrows (1986–1993)
  • Bramwell H. Tillsley (1993–1994)
  • Paul A. Rader (1994–1999)
  • John Gowans (1999–2002)
  • John Larsson (2002–2006)
  • Shaw Clifton (2006-2011)
  • Linda Bond (ab 2011)

Ökumene

Die Heilsarmee ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, im Deutschen Komitee des Weltgebetstags und in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. Sie beteiligt sich auch an den Aktionen und Zusammenkünften der Evangelischen Allianz. Sie war Mitglied des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK); die Mitgliedschaft ruht aber seit 1978, da die Heilsarmee die Unterstützung der militanten Befreiungsbewegungen in Südafrika ablehnte. In vielen Gremien und Projekten des ÖRK arbeitet die Heilsarmee aber mit.

Ähnliche Bewegungen

Der Erfolg der Heilsarmee führte zur Gründung ähnlicher Bewegungen innerhalb anderer Konfessionen, die sich in der Regel durch die militärische Terminologie und Organisation, sowie durch „Graswurzel“-Sozialarbeit auszeichnen:

Literatur

  • Robert Chevalley, Rosmarie Fullarton: Die Geschichte der Heilsarmee in der Schweiz / L'historie de l'Armée du Salut en Suisse. Die ersten 100 Jahre / Les 100 premières années. Die weiteren 25 Jahre / Les 25 années suivantes. Heilsarmee Hauptquartier / Fischer Münsingen BE, Bern 2009 (übersetzt von Ruth Burger, Crystel Müller, Pierre de Herdt, Denice Prince), ISBN 978-3-905656-15-2 (deutsch und französisch).
  • Richard Collier: Der General Gottes William Booth. Die Geschichte der Heilsarmee. 4. Auflage. Johannis, Lahr 1997 (1. Auflage 1981) (Originaltitel: The General next to God, übersetzt von Hermann Thiemke), ISBN 3-501-00110-X.
  • Catherine Booth: Das Recht der Frau zu predigen. Heilsarmee, Köln, ISBN 3-905499-26-6.
  • Uwe Heimowski: Die Heilsarmee. Practical Religion - gelebter Glaube, Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2006, ISBN 978-3-937896-29-8
  • Uwe Heimowski: Brunos Dankeschön - Geschichten von der Reeperbahn, Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2005, ISBN 978-3-937896-12-0 (Liebevoll gezeichnete Porträts gesellschaftlicher Randsiedler aus der Sicht eines Heilsarmee-Mitarbeiters)
  • Glenn K. Horridge: The Salvation Army (Origins and Early Days: 1865 - 1900) ISBN 1-869866-07-X
  • Trevor Yaxley: "William & Catherine Booth - Leben & Vermächtnis der Gründer der Heilsarmee", ADULLAM Verlag, Grasbrunn 2007, ISBN 978-3-931484-35-4

Weblinks

 Commons: Salvation Army – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Auftrag der Heilsarmee
  2. Informationsbroschüre über Arbeit und Geschichte der Heilsarmee
  3. The Salvation Army Year Book 2008, The Salvation Army, London

Wikimedia Foundation.

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