Altes Rathaus (Dirmstein)
Altes Rathaus

Das Alte Rathaus in der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Dirmstein ist ein denkmalgeschütztes[1] Gebäude, das in früheren Zeiten meist allein als Rathaus, mitunter auch zusätzlich als Schulhaus genutzt wurde. Seit 1997 dient es als „Haus der Vereine“.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Alte Rathaus liegt im Ortszentrum gegenüber der Laurentiuskirche im Übergangsbereich der Straßen Mitteltor und Affenstein. Die Rückseite des Gebäudes bildet den südöstlichen Abschluss des Schlossplatzes. Benachbart sind weitere historische Anwesen, z. B. St.-Michael-Apotheke, Haus Marktstraße 1, Spitalhof.

Gebäude

Das Gebäude besteht aus zwei Vollgeschossen mit Walmdach, der Dachboden wird nicht genutzt. Der quaderförmige Bau erstreckt sich in West-Ost-Richtung mit der Hauptfassade nach Süden, während die Rückseite zum Schlossplatz zeigt. Dort befindet sich heute auch, über eine mehrstufige Sandsteintreppe erreichbar, unter einem kleinen Vordach der Haupteingang; früher hatten ein breiter und ein schmaler zur Kirche hin gelegen. Die Rückfront, hinter der das Treppenhaus liegt, besitzt nur zwei hohe Rechteckfenster, die östliche und die westliche Giebelwand jeweils drei. Dagegen ist die Südfassade durch zahlreiche Fenster – allein neun im Obergeschoss – gegliedert. Das Haus empfängt auf diese Weise viel Licht, obwohl auf der anderen Straßenseite die hohe Kirche vorgelagert ist.

Von den beiden alten Eingängen im Süden ist der breitere rechte von unten herauf vermauert und oben zu einem Fenster umgestaltet; der schmale linke ist noch vorhanden, aber ständig verschlossen. Über dessen Rundbogen weisen ein farbiges Fresko mit dem Gemeindewappen und die Umschrift „Altes Rathaus“ auf die Funktion hin. Ganz rechts, in der südöstlichen Ecke des Erdgeschosses, liegt die Tür des nachträglich eingebauten Kerkers; er ist durch zwei lückenlose Innenwände vom übrigen Bau abgeteilt und nur durch eine Außentür von der Straße Mitteltor her zugänglich. Die Stilelemente des Gebäudes, z. B. umlaufender Stockwerksgurt, unten Rundbogen-, oben Rechteckfenster, belegen das Barock als Entstehungszeit. Die Renovierung durch die örtlichen Vereine wurde 1997 mit dem Außenanstrich in den früheren Originalfarben – weißer Putz, roter Sandstein an Mauerkanten und Fenstern, grüne Holz-Klappläden oben – abgeschlossen.

Baugeschichte

Erbaut wurde das Alte Rathaus von 1714 bis 1718 und spätestens 1721 in Betrieb genommen. Zeitweise wurde es als Schulgebäude für beide Konfessionen genutzt. Immer aber – bis 1990 die Gemeindeverwaltung ins benachbarte Sturmfedersche Schloss umzog – diente es als Rathaus.

Seit 1997 hat das Gebäude eine neue Funktion als „Haus der Vereine“. Vor allem konnte ein Jugendraum eingerichtet werden, der in Eigenarbeit unter Federführung der örtlichen Landjugend nach Art eines Internet-Cafés gestaltet wurde. Weitere Räume werden von den beiden örtlichen Karnevalsvereinen, vom Männergesangsverein und vom Kulturverein genutzt.

Im nur von außen zugänglichen Kerker wurden noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Inhaftierte festgesetzt. Später wurde er durch die Gemeindeverwaltung als Lagerraum genutzt, bis er gemäß Beschluss des Gemeinderates vom 27. Mai 2009 zu einer behindertengerechten öffentlichen Toilette umgebaut wurde[2].

Literatur

Einzelnachweise

  1. Georg Peter Karn, Ulrike Weber: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz (s. Literatur)
  2. Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Frankenthaler Zeitung, 5. Juni 2009

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