Amarcord
Filmdaten
Deutscher Titel Amarcord
Produktionsland Italien
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 1973
Länge 127 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Federico Fellini
Drehbuch Federico Fellini
Tonino Guerra
Produktion Franco Cristaldi
Musik Nino Rota
Kamera Giuseppe Rotunno
Schnitt Ruggero Mastroianni
Besetzung
  • Magali Noël: Gradisca
  • Pupella Maggio: Miranda, Tittas Mutter
  • Bruno Zanin: Titta Biondi
  • Armando Brancia: Aurelio, Tittas Vater
  • Nando Orfei: Lallo, Bruder Mirandas
  • Ciccio Ingrassia: Teo, Bruder Aurelios
  • Gianfilippo Carcano: Don Baravelli
  • Josiane Tanzilli: Volpina
  • Maria Antonietta Beluzzi: Tabakhändlerin
  • Giuseppe Ianigro: Tittas Großvater
  • Stefano Proietti: Tittas Bruder
  • Luigi Rossi: Advokat und Erzähler

Amarcord ist ein Film des italienischen Regisseurs Federico Fellini aus dem Jahr 1973. Der Name des Films ist italienisch, im Dialekt der Emilia-Romagna für „Ich erinnere mich“. Dargestellt wird Fellinis Heimatstadt Rimini zur Zeit seiner Jugend, den dreißiger Jahren.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Der Film behandelt episodenhaft ein Jahr im Leben des 16-jährigen Titta in der provinziellen Adriastadt Rimini zu Zeiten des italienischen Faschismus zwischen dem Frühjahr 1933 und dem Frühjahr 1934. Der Film wurde in Cinecittà gedreht, wo das Rimini dieser Zeit als altes Dorf aufgebaut wurde.

Der Film beginnt mit einer Frühlingsfeier auf der zentralen Piazza, wo alle Hauptgestalten kurz eingeführt werden, vor allem Titta mit seiner Familie und seinen Schulfreunden sowie Gradisca, die städtische Schönheit, die auch von Titta von weitem immer wieder bewundert wird. Die folgende Episode führt in die Schule Tittas. Anlässlich eines Fototermins versammelt sich die gesamte Klasse mit den Lehrern im Hof der Schule. Die folgenden Unterrichtsszenen der sehr unterschiedlichen und eigentümlichen Lehrer sind dabei zumeist sehr skurril.

Inzwischen ist der Vater Tittas, ein kleiner Bauunternehmer, auf seiner Baustelle am Meer zu sehen, wo auch die Volpina auftaucht, eine verrückte Prostituierte, die am Strand lebt. Die Angestellten Aurelios nutzen die Gelegenheit, um ein kurzes kritisches Gedicht aufzusagen, doch Aurelio belehrt sie, dass auch er einmal klein angefangen habe und sich durch seinen Fleiß hochgearbeitet habe.

Beim anschließenden Mittagessen findet sich Tittas Familie vereint am Tisch. Die Stimmung ist angespannt, der Großvater versucht mit dem Dienstmädchen zu flirten, die Mutter ist gereizt und bedient allein ihren Bruder, der mit im Haus lebt, zuvorkommend, wodurch auch der Vater zunehmend aggressiver wird. Als dann noch ein Streich Tittas bekannt wird, eskaliert die Situation.

Im nächsten Abschnitt ist wieder das ruhige Kleinstadtleben zu spüren. Im abendlichen Rimini sind alle Menschen auf den Straßen, um zu sehen und gesehen zu werden. Auch das örtliche Bordell nutzt die Stunde, um mit einer Kutschenfahrt der Prostituierten Werbung für sich zu machen.

Die pubertären Probleme und Freuden Tittas und seiner Schulfreunde werden anlässlich einer Beichte in den nächsten Episoden beschrieben. Dem Pfarrer ist es vor allem wichtig, dass sich die Knaben nicht „berühren“, was aber bei der Fülle der erotischen Reize nicht leicht ist.

Das unbeschwerte Kleinstadtleben ist aber trügerisch, wie sich bei einem Besuch Mussolinis in der Stadt zeigt. Fast alle Einwohner sind zu seiner Ankunft am Bahnhof versammelt und jubeln ihm zu. Die Schüler müssen vor einem riesigen Mussolinibild eine Parade abhalten. Doch am Abend ertönt von einem Kirchturm herab die Internationale. Die Faschisten sind verwirrt und schießen wild um sich. Die Musik stammt nur von einem Grammophon. Der Schuldige aber soll unbedingt gefunden werden und so wird auch Tittas Vater, angeblich verdächtig als Kommunist, mitten in der Nacht zum Verhör geholt.

Inzwischen ist es Sommer geworden. Das alte Grand-Hotel der Stadt ist eng mit der Geschichte der Einwohner verbunden. Die Gradisca hat durch ein nächtliches Erlebnis in einer Suite des Hotels ihren Spitznamen bekommen, und auch Biscein, ein armer Händler, kann von sinnlichen Erfahrungen mit den Haremsdamen eines orientalischen Fürsten, der mit seinem gesamten Hofstaat hier übernachtet hat, berichten. Auch die Freunde um Lallo, den nichtsnutzigen Bruder Mirandas, bevölkern das Hotelrestaurant, um stupide Touristinnen mit ihrem Gigolocharme zu verführen.

Tittas Familie unternimmt schließlich noch eine Kutschenfahrt mit dem Bruder des Vaters, Teo, der in einer psychiatrischen Anstalt lebt. Eigentlich ist Teo sehr umgänglich, doch einen unbeaufsichtigten Moment nutzt er aus, um auf einen Baum zu klettern und seinen verzweifelten, für den Film leitmotivischen Wunsch in die Welt zu brüllen: „Voglio una donna!“, „Ich will eine Frau!“.

Die nächste Episode sieht wieder alle Bewohner der Stadt vereint. Sie streben zum Meer, auf das Wasser hinaus, denn sie wollen alle von möglichst nahe die Rex sehen, das riesige Schiff, das irgendwann die Stadt passieren soll. Vereint auf dem Meer, vereinzelt in ihren Booten, warten sie auf das Ereignis, wobei ihre Gedanken abschweifen in die Ferne.

Der Herbst äußert sich in der Gegend vor allem durch dichten Nebel, der den Großvater direkt vor dem Haus in die Verirrung treibt, so dass er sogar glaubt, schon gestorben zu sein. Auch der gewöhnliche Schulweg verwandelt sich durch die graue Undurchdringlichkeit in eine mystische Reise.

Ein Autorennen dient den Jungen dann als Projektionsfläche ihrer Träume, Titta sieht sich selbst als erfolgreichen Rennfahrer, der die Gradisca einladen kann, mit ihm zu kommen. Die Wirklichkeit sieht anders aus, sein erstes erotisches Abenteuer erlebt er mit der äußerst fülligen Tabakhändlerin. Ein Erlebnis, das ihn wahrhaft mitnimmt, und so sehen wir Titta in der nächsten Einstellung fieberkrank im Bett liegen. Die Mutter, obwohl selbst krank, pflegt ihn.

Inzwischen ist es Winter geworden, der erste Schnee fällt und entgegen den Erwartungen bleibt er nicht nur liegen, sondern wird immer mehr und mehr, so dass die Piazza schließlich von riesigen Schneebergen bedeckt ist. Während Titta wieder gesund ist und seine Streiche ausführt wie bisher, liegt seine Mutter nun im Krankenhaus. Mitten in der Nacht, die ganze Familie ist schon vereint, muss Titta erfahren, dass seine Mutter gestorben ist.

In der Schlussszene ist es wieder Frühling. Gradisca hat nun doch endlich einen Ehemann gefunden, einen Offizier der Carabinieri, und heiratet. Auf einem Feld haben sie ihre Hochzeitstafel aufgestellt, auch Titta und seine Freunde sind da, um sie zu verabschieden, denn Gradisca wird mit ihrem Mann die Stadt verlassen. Doch Titta hat schon einen Trost gefunden.

Auch wenn Fellini keine Autobiographie verfilmt hat, so ist es doch wahrscheinlich, dass er Erfahrungen aus seiner Kindheit und Jugend in Rimini für den Film verwendet hat. Ein Anschluss bietet sich mit dem allerdings schon ein Jahr vorher fertiggestellten Film Roma, der in der anfänglichen Beschreibung der Kleinstadt mit sehr ähnlichen Figuren arbeitet und dann die Reise eines jungen Mannes nach Rom und seine ersten Erfahrungen dort, auch dies ähnlich dem Lebenslauf Fellinis, erzählt.

Fellini stand dem provinziellen Kleinstadtleben eher kritisch gegenüber, was sich in seinen Filmen auch immer wieder mit der Orientierung zur Großstadt wie in Roma oder dem Aufbruch überhaupt wie in I Vitelloni (Die Müßiggänger) äußerte. Doch von dieser Kritik ist in Amarcord relativ wenig zu spüren, da auch die kritischen Punkte hier durch ihre skurrile Überzeichnung eher komisch und sogar liebenswert erscheinen.

Kritiken

  • „Die Fotografie Giuseppe Rotunnos mit ihrem Sinn für Schönheit und Stimmungen legt über das ganze Werk einen magischen, ja visionären Glanz. Der Magier Fellini läßt den Zuschauer in eine Welt eintreten, die er als die seine erkennen kann und die doch durch den Blick der Erinnerung verfremdet ist. Die Grenzen zwischen mythischer Realität und gegenständlicher Sicht scheinen aufgehoben. Man glaubt sich in einer spezifisch poetischen Welt zu bewegen, dem filmischen Universum Fellinis.“ (film-dienst[1])
  • „Fellinis Komödie stößt in erfrischenden Momenten an die Grenzen des Geschmacks, wenn fleißig uriniert, masturbiert und Busenverehrung betrieben wird. Seine Stilmittel, die in Werken wie 'Casanova' (1976) manchmal allzu barock ausufern, sind hier zu reiner Poesie kanalisiert: fließende Kamerabewegungen, Pastellfarben und eine luftig künstliche Ausstattung.“ (1001 Filme - Die besten Filme aller Zeiten[2])

Auszeichnungen

1974

1975

  • Oscar - Bester fremdsprachiger Film
  • Golden Globe - nominiert in der Kategorie Bester ausländischer Film
  • Bodil - Bester europäischer Film
  • Kansas City Film Critics Circle Awards - Bester ausländischer Film
  • Kinema Junpo Awards - Bester ausländischer Filmregisseur

1976

  • Oscar - nominiert in den Kategorien Beste Regie und Bestes Originaldrehbuch

Einzelnachweise

  1. vgl. Ulrich, Franz: Amarcord. In: film-dienst 29/1967
  2. vgl. Schneider, Steven Jay (Hrsg.): 1001 Filme : die besten Filme aller Zeiten. Hombrechtikon/Zürch : Ed. Olms, 2005. ISBN 3-283-00525-7

Literatur

Primärliteratur

  • Fellini, Federico: Amarcord : Idee u. Drehbuch. Zürich : Diogenes-Verlag, 1974 (Diogenes-Taschenbuch 55 ; 5). - ISBN 3-257-20124-9
  • Fellini, Federico ; Guerra, Tonino: Amarcord. Milano : Rizzoli, 1973. (ital. Ausgabe)

Sekundärliteratur

  • Bondanella, Peter E.: The films of Federico Fellini. Cambridge [u.a.] : Cambridge University Press, 2002. - ISBN 0-521-57325-4 (engl. Ausgabe)
  • Bonnigal, Dorothée: "Fellini's Amarcord: Variations on the Libidinal Limbo of Adolescence." in: Burke und Waller (Hrsg): Federico Fellini: contemporary perspectives, 2002, SS. 137-154. (engl. Ausgabe)
  • Burke, Frank ; Waller, Marguerite R. (Hrsg.): Federico Fellini : contemporary perspectives. Toronto [u.a.] : University of Toronto Press, 2002. - ISBN 0-8020-0696-5 (engl. Ausgabe)
  • Ebert, Roger ; Corliss, Mary: The great movies II. New York : Broadway Books, 2005. - ISBN 0-7679-1950-5 (engl. Ausgabe)
  • Fellini, Federico ; Angelucci, Gianfranco ; Betti, Liliana: Il Film Amarcord di Federico Fellini. Bologna : Cappelli editore, Schriftenreihe Fellini Federico: dal soggetto al Film, Nr 48, 1974, 330 S.
  • Gaudenzi, Cosetta: Memory, Dialect, Politics: Linguistic Strategies in Fellini's Amarcord. in: Burke und Waller (Hrsg): Federico Fellini: contemporary perspectives, 2002, SS. 155-168. (engl. Ausgabe)
  • Gianetti, Louis: "Amarcord: Fellini & Politics." in: Cineaste, Band XIX/1, Nr. 92, 1976, SS. 36-43. (engl. Ausgabe)
  • Ledeen, Michael A.: "Amarcord." in: Society, Band 12, Nr 2, 1974, SS. 100-102. (engl. Ausgabe)
  • Marcus, Millicent J.: "Fellini's Amarcord: Film as Memory." in: Quarterly Review of Film and Video, Band 2, Nr 4, 1977, SS. 418-425. (engl. Ausgabe)
  • Pauletto, Franco ; Delitala; Marcella: Amarcord. Federico Fellini. Perugia: Guerra Edizioni, lingua italiana per stranieri, Schriftenreihe: Quaderni di cinema italiano per stranieri, 2008, 32 S. - ISBN 978-8855-70097-9 (ital. Ausgabe)
  • Price, Theodore: Fellini's penance : the meaning of Amarcord. Old Bridge, N.J. : Boethius Press [u.a.], 1977. (engl. Ausgabe)
  • Sciannameo, Franco: Nino Rota, Federico Fellini, and the making of an Italian cinematic folk opera, Amarcord. Lewiston, NY : Edwin Mellen Press, 2005. - ISBN 0-7734-6099-3 (engl. Ausgabe)

Weblinks


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