Archilochos

Archilochos (griechisch Ἀρχίλοχος; * um 680 v. Chr. in Paros; † um 645 v. Chr.) war ein griechischer Lyriker und Krieger und zeitlebens sehr arm. Archilochos beschreibt sich selbst als Sohn einer armen Sklavin.[1] Möglicherweise war sein Vater Telesikles der Gründer der parischen Kolonie auf Thasos. Zeitlebens zog er unstet umher. Der Überlieferung nach fand er den Tod im Krieg zwischen Paros und Naxos. Archilochos gilt als der erste griechische Lyriker der Gefühle, aber auch des Hasses.

Archilochos' Lebensdaten sind umstritten, da sie nicht direkt überliefert sind, sondern nur umständlich rekonstruiert werden können. Jedoch lässt sich die Gründung der Kolonie auf Thasos auf etwa 660 v. Chr. datieren. Ebenso ist von Archilochos die Beschreibung einer Sonnenfinsternis überliefert,[2] womit wahrscheinlich jene am 6. April 648 v. Chr. über Thasos gemeint ist.[3] Da Archilochos etwa 645 v. Chr. als aktiver Krieger im Kampfe fiel, ist davon auszugehen, dass er nicht viel älter als 40 wurde.[4]

Inhaltsverzeichnis

Werk und Bedeutung

Ein umfangreiches Fragment in der Papyrussammlung Köln (P. Köln II 58)

Die Reste seiner Dichtung, von der nur knapp 500 Verse und kein Gedicht vollständig erhalten sind, lassen erkennen, dass er sich deutlich von seinen Vorgängern Homer und Hesiod unterschied. Auch inhaltlich wandte er sich entschieden gegen Homers heroisierende Menschendarstellung. Als erster Grieche bringt er persönliche Gefühle und Erlebnisse in seine Gedichte ein und wird somit zum Begründer der persönlichen Lyrik. So beschreibt er sich sowohl als Diener des Kriegsgottes Ares als auch als Freund der Musen, wobei allerdings seine poetische Neigung im Zweifel den Vorrang hat: In einem Gedicht erzählt er, wie er im Kampf seinen Schild verlor, ohne, dass er dies übermäßig bedauere; das Leben sei ihm wichtiger und er könne sich jederzeit einen neuen Schild besorgen – ein krasser Gegensatz zur archaischen Heldenethik. Er soll auch Sparta besucht haben, von dort aber wegen seiner unkriegerischen Haltung und seiner Spottgedichte verbannt worden sein. Den Tod soll er im Krieg gegen Naxos gefunden haben, als ein Kalondas von Korax ihn erschlagen haben soll, der daraufhin vom Orakel verflucht worden sei, weil er einen Diener der Musen erschlagen habe.

Bekannt wurde er vor allem durch seine Schmäh- und Spottgedichte, durch die er die neue Literaturgattung des Jambus begründete (Schmäh- und Spottgedichte in jambischen Versen). Gemäß antiker Tradition werden bei Jamben (und Trochäen) zwei Versfüße als ein Versmaß (= Metrum) gezählt, so dass der Trimeter sechs Versfüße aufweist.

Eine zweite Neuschöpfung des Archilochos war der tanzartige, trochäische Tetrameter.

Archilochos übte starken Einfluss auf die Dichtung der Antike aus, besonders auf die römischen Dichter Catull und Horaz.

Ein 2005 veröffentlichtes Papyrusfragment aus dem ägyptischen Oxyrhynchos enthält das bislang längste Fragment der Elegeia des Archilochos.[5] Bereits zuvor waren einige kürzere Fragmente dieses Werkes gefunden worden.[6] Die Übersetzung des neuen Fragments lautet (Prosa-Übersetzung aus dem Englischen):

„Wenn er unter dem Zwang eines Gottes geschieht, darf man einen Rückzug nicht Schwachheit und Feigheit nennen: nein, wir kehrten uns um, um schnell zu flüchten: manchmal ist es notwendig zu fliehen. So wie einmal Telephus aus Arkadien die mächtige Armee der Argiver in die Flucht jagte, und sie flohen – in der Tat, so gewaltig wütete der Schicksalsspruch der Götter gegen sie –, obwohl sie machtvolle Speerträger waren. Der schönströmende Fluss Kaïkos und die Ebene Mysiens waren übersät mit den Leichen der Gefallenen. Und geschlagen von den Händen des mitleidlosen Mannes (Telephus), wendeten die wohlgerüsteten Achäer sich in kopfloser Hast zur Küste der vieltönenden See. Glücklich schifften die Söhne der Unsterblichen und Brüder, die Agamemnon zum heiligen Ilium bringen wollte, um Krieg zu führen, sich ein auf ihren flinken Schiffen. Bei dieser Gelegenheit gerieten sie an diese Küste, denn sie verloren sich auf ihrem Weg. Sie landeten nahe der lieblichen Stadt des Teuthras, und dort, Wut mit ihren Pferden schnaubend, geriet ihr Geist in Verwirrung. Denn sie glaubten, die hochgetürmte Stadt von Troia anzugreifen, doch in Wahrheit traten ihre Füße das weizentragende Mysien. Und Herakles trat ihnen entgegen, wie er seinem löwenherzigen Sohn Telephus zubrüllte, der, grimmig und mitleidslos in grausamer Schlacht, zur unglücklichen Flucht die Danaer anzustiften sich bemühte, um bei dieser Gelegenheit seinen Vater zu befriedigen.“ (Independent)

Rezeption

Archilochos ist auch die Hauptfigur in Friedrich Dürrenmatts Komödie Grieche sucht Griechin, wobei der Name Archilochos hierbei vom Schimpfwort Arschloch abgeleitet wird.

Ausgaben und Übersetzungen

Literatur

Allgemeines, Einführungen

  • Andreas Bagordo: Archilochos. In: Bernhard Zimmermann (Hrsg.): Handbuch der griechischen Literatur der Antike, Band 1: Die Literatur der archaischen und klassischen Zeit. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-57673-7, S. 138–148
  • Paul Barié: Sappho und Archilochos. Zauber des Anfangs. Ursprünge der europäischen Lyrik. Sonnenberg, Annweiler 2008, ISBN 978-3-933264-54-1 (Exemplarische Reihe Literatur und Philosophie. 27)
  • Herbert D. Rankin: Archilochus of Paros. Park Ridge (NJ) 1977, ISBN 0-8155-5053-7

Literatur zu einzelnen Fragen

  • Alan Blakeway: The Date of Archilochus. In: Cyril Bailey (Hrsg.): Greek poetry and life (Festschrift Gilbert Murray), Oxford 1936, S. 34-55.
  • Felix Jacoby: The Date of Archilochus. In: The Classical Quarterly 35, 1941, S. 97-109.
  • Nikolaos M. Kontoleon: Zu den neuen Archilochosinschriften. In: Philologus 100, 1956, S. 29ff.
  • Herbert D. Rankin: Archilochus' Chronology and some possible Events of his Life. In: Eos 65, 1977, S. 5-15.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Claudius Aelianus, Varia historia 10,13 = Archilochos Fragment 295 West
  2. Johannes Stobaios IV 46,10 = Archilochos Fragment 122 West; auch P.Oxy. XXII 2313 Fr. 1(a).
  3. Fred Espenak and Jean Meeus: Five Millennium Canon of Solar Eclipses: -1999 to +3000, NASA Technical Publication TP-2006-214141
  4. Jacoby (1941).
  5. P.Oxy. LXIX 4708. Dazu auch Péter Mayer: Krieg aus Versehen? Zur Funktion und Aussage der Telephos-Geschichte im neuen Archilochos (P. Oxy. 4708, fr. 1), in: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 157, 2006, S. 15–18.
  6. P.Oxy. VI 854, P.Oxy. XXX 2507.

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