Moskwitsch


Moskwitsch
Moskwitsch 400 (erste Generation)
Moskwitsch 403 (zweite Generation)

Москви́ч (russisch für Moskauer) war eine sowjetische, später russische Automarke. Im Deutschen wurde der Name auf mindestens zwei verschiedene Weisen transliteriert:

1. Moskwitsch, diese Schreibweise lässt sich bis zum Modell 412 nachweisen; auf der Abbildung findet sich auch die später in Deutschland verwendete Schreibweise am Kennzeichen des abgebildeten Wagens[1][2]

2. Moskwich, diese Schreibweise tragen spätere Modelle ab Herstellerwerk an der Heckklappe[3]

Eine weitere verwendete Schreibweise ist Moskwitch, eine Transliteration des Herstellerwerkes.[4]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Mitte 1946 brachte die Sowjetunion die gesamten Fertigungsanlagen des Opel-Kadett (Modell K38 = Modellstand 1938) als Reparationsleistung von Rüsselsheim nach Moskau.[5] Zuvor gab es bereits Versuche, den Kadett zu kopieren, die Modelle KIM 10-50 (Limousine) und KIM 10-51 (Cabriolet) wurden jedoch nur in etwa 500 Exemplaren gefertigt.[6]

Die Moskauer Firma MZMA (Moskowskij Sawod Malolitraschnich AwtomobilejMoskauer Fabrik für kleinmotorige Automobile) wurde beauftragt, auf der Basis des Kadett ein Automobil zu bauen, das auf dem sowjetischen und internationalen Markt angeboten werden konnte. Im Jahre 1947 liefen die ersten Exemplare des Moskwitsch 400 vom Band. Weitere Typen waren der Moskwitsch 401 und der 402, die aber nur in der Sowjetunion angeboten wurden. Der Export begann erst 1950 mit der Lieferung des Modells 400 nach Finnland.

Mitte der sechziger Jahre wurde die MZMA in AZLK (Awtomobilnij Sawod imeni Leninskogo KomsomolaAutomobilfabrik „Leninscher Komsomol) umbenannt. Gleichzeitig erfolgte eine äußerliche Modernisierung des Moskwitsch, der nun unter der Modellbezeichnung 408 mit einer Viergang-Schaltung, größeren Fensterflächen, höheren Front- und Heckscheiben sowie 13- oder 15-Zoll-Rädern ausgestattet wurde. Einen weiteren technischen Sprung machte das Moskauer Automobilwerk mit dem Typ 412, der einen 1,5-Liter-OHC-Leichtmetallmotor und eine Knüppelschaltung bekam. 1975 bekam der Typ 412 neben einer äußerlichen Modernisierung eine verbesserte Bremsanlage und hieß dann Typ 2140.

In der DDR hatte sich der preislich etwas unterhalb des Wartburg angesiedelte Moskwitsch bereits Mitte der siebziger Jahre einen ausgezeichneten Ruf als Taxi, Fahrschul- und Dienstfahrzeug erworben und wurde vielfach eingesetzt. Anfang 1970 gab es in der DDR für Privatleute kaum ein besser motorisiertes Fahrzeug als den Moskwitsch 412 mit seinem 1500-cm³-Motor und der Leistung von 75 PS. Größere Motoren waren zu dieser Zeit nur beim Wolga zu finden, der in der Regel aber für Privatleute nicht erhältlich war. Erst Mitte der 1970er Jahre kam in Form des Lada 2103 (Lada 1500) ein vergleichbar motorisiertes Fahrzeug in die DDR, abgesehen von wenigen Polski-Fiat-Modellen. Ab dieser Zeit kam der Lada in der Käufergunst durch seine gefälligere Karosserie und seine modernere Bauweise besser weg. Trotzdem blieb der Moskwitsch ein begehrtes Auto, bis ab dem Jahr 1979 die Sowjetunion keine Fahrzeuge des Typs mehr an die DDR lieferte. Auch alle späteren Modelle wurden in die DDR nicht mehr eingeführt. In der Nachwendezeit konnte sich der „Mossi“ in der DDR bzw. den neuen Bundesländern, der zumindest in dieser Zeit im Volksmund auch „Rostquietsch“ genannt wurde, nicht mehr gegen westliche Gebrauchtwagen behaupten.[7]

Für den West-Export wurde mit Beginn der achtziger Jahre die Luxusvariante des 2140, der Typ 1500 SL, eingeführt. Weil aber Lada eine wesentlich überzeugendere Produktpalette anbieten konnte, sahen nur wenige Käufer einen Sinn darin, den mittlerweile technisch veralteten Moskwitsch zu kaufen. Der Export von Moskwitsch-Fahrzeugen beschränkte sich aber nicht nur auf europäische Staaten. So sind selbst nach 30 Jahren noch Modelle vom Typ 412 oder 2140 im Irak, in der Mongolei, in afrikanischen Staaten und natürlich auf Kuba zu finden.

Moskwitsch versuchte den Absatz mit dem AZLK 2141 Aleko wieder anzukurbeln, jedoch kamen von diesem Modell nur etwa 400 Stück nach Deutschland. Der Aleko war so schlecht verarbeitet und rostanfällig, dass es heute so gut wie keine Fahrzeuge dieses Typs mehr gibt.

Mit Schulden von rund 700 Millionen Euro wurde Moskwitsch im Frühjahr 2006 endgültig von einem russischen Gericht für insolvent erklärt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Hersteller mehr als vier Millionen Fahrzeuge produziert.

Modelle

Moskwitsch 408 (dritte Generation)
Moskwitsch 427 (dritte Generation)
Moskwitsch 2140
Moskvich 2137
Heck des Moskwitsch 2140 (vierte Generation)
Moskwitsch 2141 (fünfte Generation)
  • 1940–1941: KIM 10-50 (Limousine)
  • 1940–1941: KIM 10-51 (Cabriolet)

Erste Generation: Der erste Moskwitsch war ein Nachbau des Opel Kadett der Jahre 1937 bis 1940. Die erforderlichen Produktionsanlagen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistungen von Rüsselsheim nach Moskau verbracht.

  • 1947−1954: Moskwitsch 400/420
  • 1949−1952: Moskwitsch 400/420A (Cabrio-Limousine)
  • 1949−1954: Moskwitsch 400/420M
  • 1949−1954: Moskwitsch 400/422 (Lieferwagenversion des 400/420)
  • 1954−1956: Moskwitsch 401/420
  • 1954−1956: Moskwitsch 401/420M
  • 1954−1956: Moskwitsch 401/422 (Lieferwagenversion des 401/420)

Zweite Generation: 1956 bekam der Moskwitsch eine neue Karosserie in Pontonform.

  • 1956−1958: Moskwitsch 402
  • 1957–1958: Moskwitsch 410 (Allradversion des 402)
  • 1957–1958: Moskwitsch 423 (Kombiversion des 402)
  • 1958−1963: Moskwitsch 407
  • 1958−1961: Moskwitsch 410N (Allradversion des 407)
  • 1958−1961: Moskwitsch 411 (Kombiversion des 410N)
  • 1958−1963: Moskwitsch 423N (Kombiversion des 407)
  • 1958−1963: Moskwitsch 430 (Lieferwagenversion des 407)
  • 1962−1965: Moskwitsch 403
  • 1962−1965: Moskwitsch 424 (Kombiversion des 403)
  • 1962−1965: Moskwitsch 432 (Lieferwagenversion des 403)

Dritte Generation: Eine modernere Karosserie mit Heckflossen. Der 408 behielt den bisherigen Motor, der 412 bekam einen völlig neuen Motor mit 1500 cm³ und 75 PS.

  • 1964−1969: Moskwitsch 408
  • 1969–1975: Moskwitsch 408 IE
  • 1966−1975: Moskwitsch 426 (Kombiversion des 408)
  • 1966−1975: Moskwitsch 433 (Lieferwagenversion des 408)
  • 1967−1969: Moskwitsch 412
  • 1969–1975: Moskwitsch 412 IE
  • 1967−1975: Moskwitsch 427 (Kombiversion des 412)
  • 1967−1975: Moskwitsch 434 (Lieferwagenversion des 412)

Vierte Generation: Kein völlig neues Modell, nur eine Überarbeitung des 408/412.

  • 1975−1988: Moskwitsch 2138 bzw. Moskwitsch 1360
  • 1975−1988: Moskwitsch 2136 (Kombiversion des 2138)
  • 1975−1988: Moskwitsch 2733 (Lieferwagenversion des 2138)
  • 1975−1988: Moskwitsch 2140 bzw. Moskwitsch 1500
  • 1982−1988: Moskwitsch 2140SL bzw. Moskwitsch 1,5SL
  • 1975−1988: Moskwitsch 2137 (Kombiversion des 2140)
  • 1975−1988: Moskwitsch 2734 (Lieferwagenversion des 2140)

Fünfte Generation: Der Moskwitsch 2141 ist ein neu entwickeltes Fahrzeug mit Frontantrieb und einer Schrägheckkarosserie, das weitgehend vom Simca 1307 inspiriert wurde. Der Motor ist längs vor der Vorderachse eingebaut.

  • Moskwitsch 2141: Fließheck
    • 1986−1998: Moskwitsch 2141 1,6
    • 1992−1994: Moskwitsch 21411 1,8D (wurde von Lada für kurze Zeit auch nach Deutschland exportiert und dort als Lada Aleko angeboten)
    • 1986−1994: Moskwitsch 21412 1,5
    • 1994−1998: Moskwitsch 214122 1,7
    • 1996−1998: Moskwitsch 214123 1,8
    • 1986−19??: Moskwitsch 21419 (Rechtslenker)
  • Moskwitsch 2142: Stufenheck
  • Moskwitsch 2142S „Duet“: zweitüriges Coupé
  • Moskwitsch 2144: Stufenheck mit Allradantrieb
  • Moskwitsch 2335: zweitüriger Pickup
  • Moskwitsch 2901: Lieferwagen

Zweigwerk Ischmasch

IZH 21251, Fließheckversion des Moskwitsch 412

Seit 1966 wurde der Moskwitsch 408 auch im Zweigwerk Ischmasch in Ischewsk gefertigt. Ab 1967 produzierte Ischmasch den Moskwitsch 412 unter dem Markennamen Iž in teilweise abweichenden Karosserie- und Ausstattungsvarianten und anderer Nummerierung. Vom Moskwitsch 412 wurden in Ischewsk folgende Varianten und Ableitungen hergestellt:

  • 1966–1971: Iž 408 (Limousine)
  • 1969–1982: Iž 412 (Limousine)
  • 1982–1997: Iž 412-028 (Limousine)
  • 1968–1973: Iž 434 (Lieferwagen)
  • 1973–1982: Iž 2125 bzw Iž 1500 Kombi (ИЖ 1500 Комби) (Fließheck)
  • 1982–1997: Iž 21251 (Fließheck)
  • 1973–1982: Iž 2715 bzw Iž 1500GR (Hochdachkombi)
  • 1982–1997: Iž 2715-01 (Hochdachkombi)
  • 1973–1982: Iž 27151 bzw Iž 1500GR (Pickup)
  • 1982–1997: Iž 27151-01 (Pickup)
IZH 2126

Später stellte das Ischmasch-Werk mit dem Modell 2126 und seinen Ableitungen einen eigenen PKW her. Dieser basierte mechanisch teilweise auf dem Moskwitsch 2140, hatte aber eine modernere Karosserie. Als Markenname wurde jetzt außerhalb der Sowjetunion die englische Transkription IZH benutzt.

  • 1989–2004: IZH 2126 (in den Varianten Oda, Inka und dem Kombi Fabula)
  • 1990–2004: IZH 2717 (Van auf Basis des IZH 2126)
  • 1990–2004: IZH 27171 (Pickup auf Basis des IZH 2126)

Lizenzbauten

Ab 1967 wurde der Moskwitsch 408 auch in Bulgarien montiert und trug dort die Bezeichnung Rila 1400. Später wurden die Typen 412 und 2140 gefertigt, die teilweise unter der Bezeichnung Rila 1500 ausgeliefert wurden. Der Typ 2138 lief als Rila 1360 vom Band. Ein Teil der Fahrzeuge wurde mit in Lizenz gefertigten, britischen Perkins-Dieselmotoren ausgestattet, ansonsten entsprachen die Rila-Pkw ihren sowjetischen Originalen.[8]

Auch in Belgien wurden Moskwitsch-Varianten komplettiert und teilweise mit Perkins-Dieselmotoren ausgestattet. Diese Fahrzeuge wurden als Moskvich elite oder Scaldia vertrieben. Der in Belgien komplettierte Moskwitsch 408 wurde als Scaldia 1300 angeboten.[9] Kurzfristig wurde auch der AZLK 2141 Aleko bei Scaldia-Volga AS in Belgien montiert und mit einem Dieselmotor von Ford ausgestattet.

Weblinks

 Commons: Moskwitsch-Fahrzeuge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Prospektseite des Modells 408 auf www.Moskwitsch.de
  2. Prospektseite des Modells 412 auf www.moskwitsch.de
  3. Prospektseite des Modells 412 auf www.Moskwitsch.de
  4. Prospektseite des Modells 407 auf www.moskwitsch.de
  5. Deutsches Historisches Museum
  6. Michael Dünnebier, Eberhard Kittler: Personenkraftwagen sozialistischer Länder. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1990, ISBN 3-344-00382-8, S. 139.
  7. Zeit Online: R wie Rostquietsch vom 8. Juni 1990
  8. Michael Dünnebier, Eberhard Kittler: Personenkraftwagen sozialistischer Länder, transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1990, ISBN 3-344-00382-8, S. 19.
  9. Michael Dünnebier, Eberhard Kittler: Personenkraftwagen sozialistischer Länder. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1990, ISBN 3-344-00382-8, S. 145.

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