Margarethe die Große

Margarethe die Große, der die Geschichtschreiber den Namen der nordischen Semiramis, den sie jedoch mit Rußlands zweiter Katharina theilt, beilegen, war die Tochter König Waldemar's III. von Dänemark und der schönen Hedwig von Schleßwig. Schon früh berühmt durch Schönheit und Geist, wünschte ihr Vater sie mit Hakon VIII., dem jungen Könige von Norwegen, zu verloben, doch Erich, der Oheim desselben, und die Stände des Reichs, Waldemar's Herrschsucht fürchtend, widersetzten sich und bestimmten Hakon's Hand Elisabeth, der Schwester des Grafen von Holstein. Ein seltsames Geschick warf indeß während eines heftigen Sturmes das Schiff, welches die Braut ihrer Bestimmung zutrug, an Dänemark's Küste, und die Prinzessin ward eine Gefangene Waldemars. Dieser ließ dieß Ereigniß nicht unbenutzt und seine Tochter wurde im Jahre 1373, allen vorhergegangenen Hindernissen zum Trotz, Hakon's Gemahlin. Die ersten Jahre ihrer Ehe verschwinden als ein gewöhnliches Frauenleben vor dem Ruhme, den die spätere Zeit auf das Haupt der thatenkräftigen Margarethehäupte, denn schon 1387 bestieg sie, kaum 34 Jahr alt. nachdem der Tod ihr Vater, Gemahl und den einzigen Sohn Olaus geraubt hatte, den Thron der vereinten Königreiche Norwegen und Dänemark. Wohl sträubten sich anfänglich die Norweger, eine Frau als Herrscherin anzuerkennen, aber die umsichtige Fürstin kam ihren Anforderungen schlau zuvor, indem sie ihren fünfjährigen Neffen, den Prinzen Erich von Pommern, zum Nachfolger ernannte und während seiner Minderjährigkeit Regentin blieb. Mit starker Hand ergriff sie hierauf die Zügel der Herrschaft und setzte zuvörderst einen Krieg, den ihr Vater mit Schweden begonnen hatte, fort. Nach siebenjährigem hartem Kampfe, in dem sie wahre Feldherrentalente entwickelte, erlag der schwedische König Albrecht ihren siegreichen Waffen und verlor in der Schlacht bei Falköping Freiheit und Thron. Margarethe vereinte hierauf 1394 die Krone des Besiegten mit denen, die sie bereits trug, und berief, um die Vereinigung der drei nordischen Monarchien dauernd zu machen. 1397 die Stände derselben nach Calmar. Ein ihnen dort von der staatsklugen Königin abgewonnenes Gesetz, das diese Verbindung feierlichst bestätigt, ist die unter dem Namen der Calmarischen Union berühmt gewordene Urkunde, welche äußerst vortheilhaft für die Staaten erschien und ihnen doch später Unheil brachte. Margarethe selbst, deren hohe Geistesgaben durch eine mangelhafte Erziehung nur wenig zum wahrhaft Guten ausgebildet worden waren, hielt vieles von dem Versprochenen nicht, und gab namentlich den Schweden Anlaß zu gerechten Beschwerden. Nur klug, ohne gut zu sein, gab sie sich übrigens einem leichtsinnigen Lebenswandel hin, wußte aber immer die Menge durch ihre Frauenschönheit und ihren männlichen Heldensinn zu bestechen, indem zugleich reiche Geschenke Volk und Klerus günstig erhielten. Glänzende Feste und reiche Pracht zeichneten ihren Hof aus, und sie selbst war die höchste Zierde desselben. Die mächtige Margarethe starb 1412 im Hafen zu Flensburg an der Pest, und langwierige Kriege vernichteten nach ihrem Tode unter Erich's Regierung den Verein der drei Kronen, die sie mit so viel Ruhm getragen.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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