Schoppe, Amalie Emerentia

Schoppe, Amalie Emerentia, die rühmlichst bekannte Jugendschriftstellerin, wurde am 9. October 1791 auf der dänischen Insel Fehmern geb., und erhielt von ihrem geist- und kenntnißreichen Vater, dem Doctor der Med. Weise, eine höchst sorgfältige Erziehung. Doch viel zu früh für ihre geistige Ausbildung starb der sorgliche Vater, und die Mutter sah sich nun genöthigt ihre Tochter zu einem entfernten Verwandten nach Hamburg zu schicken, der dort als Lehrer der französischen Sprache bekannt war, und es übernommen hatte, für Erziehung und Ausbildung des Mädchens zu sorgen. In einer beklagenswerthen Lage verbrachte Amalie mehrere ihrer schönsten Jugendjahre bei diesem Verwandten, der weder häuslich lebte, noch ihr human begegnete, sondern sie gänzlich sich selbst überließ. Doch das poetische Gemüth des Mädchens trug den Schmerz nicht allein mit Fassung, sondern es schuf sich selbst eine Welt des Traumes und der Phantasie, in der sie der kalten Wirklichkeit vergaß. Allein auch ein besseres äußeres Loos ward ihr zu Theil, als ihre Mutter nach Hamburg kam, und sich daselbst mit einem reichen Kaufmann zum zweiten Mal verheirathete. Sie trat nun nicht allein in ein glänzendes Leben über, sondern empfing auch den gediegensten Unterricht in allen Fächern des weiblichen Wissens, obwohl sich ihr Geist bald vorzugsweise zu den männlichen Studien hingezogen fühlte. Bald aber wurde sie auch wiederum aus dieser Lage geschleudert; große Verluste, welche die Handlung des Stiefvaters erlitt, machten eine Beschränkung seines Hauses nothwendig, und Amalie, damals kaum 15 Jahr alt, faßte deßhalb den Entschluß für sich selbst zu sorgen, und als Erzieherin ein Unterkommen zu suchen. Sie setzte diesen Plan auch sogleich durch, und trat als Gouvernante bei einer angesehenen Familie ein, – eine Stellung, die für ihr literarisches Wirken entscheidend war. Denn in dem neuen Kreise wurde sie mit Männern bekannt, die sich bereits einen Namen in der deutschen Literatur erworben hatten. Namentlich erwarb sie sich die Freundschaft von Justinus Kerner, welcher die junge Dichterin durch den »deutschen Dichterwald« in den Kreis deutscher Dichter einführte. – Durch Zeitereignisse veranlaßt verließ sie später ihre bisherige Stelle und begab sich nach ihrer Heimath, der Insel Fehmern, zurück, woselbst sie die erste weibliche Erziehungsanstalt gründete. Der reine, unverdorbene Geist der Insulaner faßte sogleich die hohe Wichtigkeit eines solchen Instituts. Man kam der Dichterin mit der ungeheucheltsten Liebe und Freundschaft entgegen; von Klein und Groß wurde sie fast durch Beweise ihrer Dankbarkeit erdrückt, und ihr Herz gründete sich das schönste Denkmal im Kreise dieser kräftigen Naturmenschen, indem sie mit Geist und Eifer auf alle ihre Schüler und Schülerinnen wirkte und ihre Bildung leitete. Daher folgte ihr auch der lebhafteste Schmerz, als sie nach mehrjährigem wohlthätigem Wirken 1811 Fehmern wieder verließ, um sich in Hamburg mit dem Doctor der Rechte, Schoppe, zu verheirathen. Als glückliche Gattin richtete sie nun ihr ganzes Augenmerk auf die Erfüllung ihrer neuen Pflichten. Der Freiheitskrieg unterbrach jedoch dieß angenehme Verhältniß; ihr Gemahl schloß sich nämlich den Freiwilligen an, und zog mit in's Feld. Seine Gattin begab sich zum andern Mal nach ihrer großartigen vom Meer umrauschten Heimaths-Insel, und in dieser Zeit der Muße und der Entledigung von allen häuslichen Pflichten gewann die frühere Neigung zur Poesie wieder Kraft, und brach schöner denn je hervor. Manche treffliche Arbeit entstand, wurde bekannt, und verbreitete den Namen der Verfasserin. Sie wurde Mitarbeiterin der besten Zeitschriften, und es mehrten sich die Freunde, welche sie sich im Publikum erworben hatte. – Nicht gar lange nach seiner Rückkehr starb ihr Gemahl, und nun gründete Amalie, welche schon seit Jahren für die Bildung und Erziehung ihrer drei Söhne allein gesorgt hatte, sich ihre bürgerliche Stellung durch sich selbst, durch ihre literarische Thätigkeit, mit der sie noch jetzt segensreich für die Jugend wirkt: denn nicht allein, daß bis jetzt von ihr gegen 120 Bände, zum großen Theil sehr trefflicher Erziehungs- und Jugendschriften, erschienen, so redigirt sie auch mit großer Umsicht zwei Journale: »Neue Pariser Modeblätter« und »Iduna,« welche letztere namentlich die große Sicherheit bekundet, mit der sich die Dichterin auf dem Felde der Pädagogik und der Heranbildung des Weibes zur Idealität geistreich bewegt.

E. J.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”