Asfa-Wossen Asserate
Asfa-Wossen Asserate bei der Präsentation seines Buches „Ein Prinz aus dem Hause David“ im Oktober 2007 in Graz

Asfa-Wossen Asserate (* 31. Oktober 1948 in Addis Abeba, Äthiopien) ist ein äthiopisch-deutscher Unternehmensberater und Autor, der vor allem durch sein 2003 erschienenes Buch Manieren bekannt wurde. Er ist ein Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie, Urenkel der Kaiserin Menen II. und Sohn des ehemaligen Gouverneurs (und daher Vizekönigs) von Eritrea Li’ul Ras Asrate Kasa (eigentlich Asrate-Maryam Kasa).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Lij (‚Prinz‘) Asfa-Wossen besuchte die deutsche Schule in Addis Abeba, die er mit dem Abitur abschloss, und studierte anschließend in Tübingen und Cambridge Jura, Volkswirtschaft und Geschichte. Er folgte einer Anregung von Paulus von Stolzmann, des deutschen Botschafters in Addis Abeba, und schloss sich der Studentenverbindung Corps Suevia Tübingen an; damit konnte er gleichzeitig dem Wunsch seines Vaters entsprechen, vor der Universität ein College zu besuchen. Da Asfa-Wossen Asserate als Angehöriger eines sogenannten Herrschenden Hauses nicht fechten durfte, erhielt er die Schleife des Corps Suevia. In seiner 2007 erschienenen Autobiographie ist seiner Zeit als Corpsstudent ein ganzes Kapitel mit dem Titel „Gaudeamus igitur“ gewidmet.[1]

1978 wurde Asfa-Wossen Asserate bei Eike Haberland in Frankfurt am Main mit einer historischen Arbeit zu einem Aspekt der äthiopischen Geschichte promoviert.

Mit Beginn der kommunistischen Revolution in Äthiopien 1974 wurde sein Vater ohne Gerichtsverhandlung hingerichtet und seine Familie arretiert, Asfa-Wossen selbst hingegen wurde dazu gezwungen, in der Bundesrepublik zu bleiben, wo er seitdem lebt, und deren Staatsbürgerschaft er seit 1981 besitzt. Jahrelang wurden seine Mutter und die meisten seiner Geschwister ohne Kontakt zur Außenwelt und unter häufiger Bedrohung gefangen gehalten. Asfa-Wossen Asserate konnte bis zum Sturz des Mengistu-Regimes 1991 nicht in sein Heimatland zurückkehren, bemühte sich jedoch in dieser Zeit um Möglichkeiten, seinen inhaftierten Verwandten zu helfen.

Von 1980 bis 1983 war er Chef der Presseabteilung der Messegesellschaft Düsseldorf. Er ist seitdem als selbständiger Unternehmensberater zu Afrika und dem Nahen Osten tätig.

Seit dem Ende der kommunistischen Herrschaft 1991 bemüht er sich auch um die Verbesserung der außenwirtschaftlichen Kontakte seines Geburtslandes und setzt sich für die Achtung der Menschenrechte ein. 1994 gründete er die Gesellschaft Orbis Aethiopicus, die u. a. wissenschaftliche Tagungen zur Äthiopistik veranstaltet. Asfa-Wossen engagiert sich zudem für den Erhalt der deutschen Äthiopistik; ihr institutioneller Bestand sei in ganz Europa gefährdet[2].

Titel und Anrede

Den äthiopischen Titel „Lij“ (‚Infant‘, ‚Prinz‘) erhielten bis zum Sturz des Kaiserhauses 1974 Nachfahren der salomonidischen Dynastie. Der Name des Vaters (transliteriert als Asserate oder Asrate) folgt den äthiopischen Namensregeln gemäß dem ersten, eigentlichen Namen. Es gibt in Äthiopien keine Einteilung in Vornamen und Familiennamen.

Da Asfa-Wossen Asserate deutscher Staatsbürger ist und in Deutschland seit Abschaffung der Adelsprivilegien durch die Weimarer Reichsverfassung lediglich die ehemaligen deutschen, nicht aber ausländische Adelstitel als Namensbestandteil (nicht als Titel) geführt werden dürfen, ist die Anrede „Prinz“ obsolet. Die vollständige Anrede ist Dr. Asfa-Wossen Asserate. Sofern man jedoch internationalen Adelskonventionen folgen will, hat Dr. Lij Asfa-Wossen Asserate Anspruch auf die Anrede „Kaiserliche Hoheit“.

Auszeichnungen

Schriften

Rezeption von „Manieren“

Asfa-Wossen Asserates im Oktober 2003 auf der Frankfurter Buchmesse vorgestelltes Buch Manieren, das sich mit europäischen und speziell deutschen Umgangsformen beschäftigt, wurde innerhalb kurzer Zeit ein Bestseller. Es ist zuerst in der von Hans Magnus Enzensberger herausgegebenen Reihe Die Andere Bibliothek erschienen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien ein vielbeachteter Vorabdruck.

Anfang 2004 wurden Zweifel geäußert, ob Asfa-Wossen Asserate das Buch wirklich selbst geschrieben habe. Asfa-Wossen Asserate selbst hat jedoch auf Nachfrage von Beginn an darauf verwiesen, dass das Buch von seinem Freund, dem Schriftsteller Martin Mosebach, redigiert worden sei.

Einige Rezensenten stellten Asfa-Wossen Asserates Buch in eine Reihe mit dem Knigge von 1788 und dem Schönfeldt von 1987[4], obwohl es sich streng genommen bei dem Buch um keinen verbindlichen Ratgeber der Manieren handelt. Gelobt wurde auch, dass der Autor auf internationalem Parkett bewandert sei, gesellschaftliche Erscheinungen anderer Völker und Kulturen sowie geschichtliche Entwicklungen einbeziehe. Asfa-Wossen Asserates Buch wurde in einigen Feuilletons als Angriff auf die Generation der „68er“ gewertet.

Die „Manieren“ sind kein Lehrbuch oder Leitfaden für gutes Benehmen. Vielmehr handelt es sich um soziologische und kulturgeschichtliche Betrachtungen des Verhaltens europäischer Menschen. Da jedoch zumeist auch die Meinung des Autors zu einem konkreten Problem anklingt, gibt das Buch durchaus Orientierung.

Im Januar 2004 wurde er für Manieren mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet, der an Autoren vergeben wird, die auf Deutsch schreiben, deren Muttersprache aber nicht das Deutsche ist.

Im April 2007 war ein Teil des Kapitels Die Ehre Bestandteil der Abiturprüfung in Baden-Württemberg.

Asserate war Schirmherr der im Dezember 2009 im Focke-Museum eröffneten Ausstellung Manieren. Geschichten von Anstand und Sitte aus sieben Jahrhunderten.

Anmerkungen zu „Ein Prinz aus dem Hause David“

Der Titel von Asfa Wossen Asserates LebenserinnerungenEin Prinz aus dem Hause David und warum er in Deutschland blieb“ will auf seine Abstammung von König David, dem antiken Herrscher des Königreiches von Israel und Juda und Vater Salomos, hinweisen (dies gründet sich allerdings mehr auf das historische Selbstverständnis der äthiopischen Kaiserdynastie als auf konkrete, historisch gesicherte Tatsachen). Nach einer Legende soll die sog. Salomonische Dynastie Äthiopiens zwar von Menelik, einem angeblichen Sohn von König Salomo und der Königin von Saba, abstammen; tatsächlich aber ist die Genealogie des Kaiserhauses erst ab dem Jahr 1270 n. Chr., also fast 2300 Jahre nach der Zeit Salomos, als einigermaßen gesichert zu betrachten, als in diesem Jahr die bis dahin regierende Zagwe-Dynastie von den Ahnen Asfa Wossen-Asserates abgelöst wurde.

Informationen zu „Draußen nur Kännchen“

Eine Tübinger Anekdote, die auf dem Marktplatz vor dem dortigen Café Pfuderer stattgefunden hatte, war titelgebend für sein neuestes Buch. Er hatte auf der Suche nach einer guten Tasse Kaffee das damalige Café Pfuderer am Marktplatz ausgemacht, das, so der Prinz, „für die Schönheit seiner Kellnerinnen bekannt war“.

„Draußen nur Kännchen!“, belehrte ihn damals eine der gastronomischen Schönheiten – und stieß den jungen Äthiopier damit mitten hinein in die fremdartigen Riten der deutschen Kaffehauskultur und Straßencafés.[5][6]

Sein im Herbst 2010 erschienenes Buch „Draußen nur Kännchen“[7] ist laut Eike Freese „ein liebevoll zusammengetragenes Kuriositätenkabinett der deutschen (Un-) Kultur – lustig, geistreich und interessant“. Es beschreibt unter anderem, wie ein äthiopischer Prinz lernte, sich mit deutschem Filterkaffee zu arrangieren. Prinz Asfa-Wossen Asserate zeichnet ein Porträt seiner Tübinger Wahlheimat, seiner Bewohner und deren Eigenheiten – ganz persönlich und aus vielen überraschenden Blickwinkeln, in unterhaltsamen Anekdoten und Ausflügen in die Geschichte.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. YouTube Video: Corpsstudent Prinz Asfa Wossen Asserate von Äthiopien
  2. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 161, 15. Juli 2009, Seite N3
  3. Zwei neue Ehrensenatoren der Universität Tübingen: Asfa-Wossen Asserate und Valdo Lehari jun., in: Informationsdienst Wissenschaft vom 25. November 2010
  4. Sybil Gräfin Schönfeldt: „1 x 1 des guten Tons: das neue Benimmbuch“ ; München, 1987, ISBN 3-570-03149-7
  5. Eike Freese: Melitta, Manieren - Asfa-Wossen Asserate las in den Tübinger Museumssälen, Tagblatt 18. September 2010.
  6. Artikelseite zu "Draußen nur Kännchen"
  7. Asfa-Wossen Asserate: Draußen nur Kännchen - Meine deutschen Fundstücke, Scherz, 2010, ISBN 3-502-15157-1.

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