Bad Rodach
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Rodach
Bad Rodach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Rodach hervorgehoben
50.33333333333310.783333333333320
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Coburg
Höhe: 320 m ü. NN
Fläche: 77,65 km²
Einwohner:

6.351 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 82 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96476
Vorwahl: 09564
Kfz-Kennzeichen: CO
Gemeindeschlüssel: 09 4 73 158
Stadtgliederung: 14 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
96476 Bad Rodach
Webpräsenz: www.bad-rodach.de
Bürgermeister: Gerold Strobel (FW)
Lage der Stadt Bad Rodach im Landkreis Coburg
Callenberger Forst-West Gellnhausen Landkreis Haßberge Coburg Landkreis Kronach Landkreis Lichtenfels Weitramsdorf Weidhausen bei Coburg Untersiemau Sonnefeld Rödental Bad Rodach Niederfüllbach Neustadt bei Coburg Meeder Lautertal (Oberfranken) Itzgrund Grub am Forst Großheirath Ebersdorf bei Coburg Dörfles-Esbach Ahorn (Landkreis Coburg) Seßlach Landkreis Bamberg ThüringenKarte
Über dieses Bild
Rathaus
ev. Johanniskirche
ev. Salvatorkirche
Jagdschloss

Bad Rodach ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Coburg. Seit 1999 ist die Stadt als Heilbad mit der wärmsten Thermalquelle Nordbayerns anerkannt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Bad Rodach liegt im Norden Bayerns im Landkreis Coburg, unweit der Grenze zu Thüringen. Es befindet sich rund 18 Kilometer nordwestlich von Coburg zwischen den Langen Bergen im Osten und den Gleichbergen im Westen am Fluss Rodach.

Stadtgliederung

Bad Rodach hat noch folgende Stadtteile:

  • Altmühle
  • Breitenau
  • Carlshan
  • Elsa
  • Mährenhausen
  • Neumühle
  • Niederndorf
  • Oettingshausen
  • Roßfeld
  • Rudelsdorf
  • Schweighof
  • Sülzfeld

Geschichte

Die Anfänge des Ortes (Rodach), der im Frühmittelalter als Radaha oder Rotaha bezeichnet wurde, reichen bis in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts zurück. Die erstmalige urkundliche Erwähnung fällt ins Jahr 899 in einem Dokument, das Arnulf III. am 11. März in Regensburg unterzeichnet hat. In jenem Dokument gab Arnulf III. einige seiner Gebiete an seinen Diener Pippo zurück, der ehemals König dieser Gebiete war, um sein Seelenheil zu retten. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortsteils Grattstadt erfolgte in einer Schenkungsurkunde vom Jahr 815 oder 823. Hierin schenkt ein Erluuin ("Erwin") seine Güter in Grezzistat (Grecestetten, Grazzestadt) im Grabfelde dem Stift Fulda.[2]

1362 bekam Rodach die Stadtrechte verliehen. Um 1300 wurde eine städtische Siedlung rund um den Marktplatz gegründet, die 1386 mit einer Stadtmauer umgeben wurde und 1425 die eigene Gerichtsbarkeit erhielt. Mit der Reformation wurde auch in Rodach die evangelische Konfession eingeführt. Ab 1531 wurde Rodach zur Landesfestung ausgebaut. Die Steine für den Festungsbau stammten aus dem nach 1550 abgebrochenen Kloster Georgenberg.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1632 zerstört und brannte bis auf wenige Häuser nieder. 1634 wurde die Stadt erneut von kaiserlichen Truppen geplündert und erlebte 1635 eine Hungersnot, bei der 808 Menschen starben. Die Stadt wurde jedoch wieder aufgebaut und im frühen 19. Jahrhundert entstanden die ersten Industriebetriebe. 1825 wurde die westliche Stadtmauer abgebrochen und zum Wiederaufbau der kurz zuvor abgebrannten Häuser am Marktplatz verwendet. Im Jahre 1857 wurden auch die restliche Stadtmauer, das Coburger Tor und der Torturm abgebrochen.

Am 1. Juli 1892 erhielt die Stadt eine Eisenbahnverbindung mit Coburg. 1911 wurde das städtische Elektrizitätswerk in Betrieb genommen. 1920 wurde der gesamte Freistaat Coburg an Bayern angeschlossen. Im Eingliederungsvertrag wurde vereinbart, dass Rodach eine kreisfreie Stadt bleiben sollte. Erst am 1. April 1940 wurde die Stadt unter Missachtung des Eingliederungsvertrages in den Landkreis Coburg eingegliedert. Am 10. April 1945 eroberte die US-Armee nach einem Artilleriebeschuss Rodach, das fortan zur amerikanischen Besatzungszone gehörte. Über 40 Jahre lang trennte die innerdeutsche Grenze die Stadt Rodach von ihrem Thüringer Hinterland.

Entwicklung zum Kurbad

Am 1. März 1972 wurde Nordbayerns wärmste Thermalquelle (34 °C) in 652 Meter Tiefe erschlossen. Sie begründete die Entwicklung der Stadt zum Kurbad. Zur Nutzung dieser Thermalquelle wurde ab 1973 ein Thermal-Bewegungsbad erbaut und am 5. Juni 1976 eingeweiht. 1981 folgte die staatliche Anerkennung Rodachs als Erholungsort und 1999 die Anerkennung als Heilbad.

Am 18. November 1989 wurde die innerdeutsche Grenze geöffnet und die Straße zum Südthüringer Nachbarort Adelhausen für den Durchgangsverkehr wieder freigegeben. In den 1990er Jahren entstanden der Kurpark (1989), das erweiterte Thermalbad (1996), ein Klinikum (1997) und ein Seniorenzentrum (1998). Am 29. Januar 1999 erfolgte die Namensänderung in Bad Rodach.[3]

Religionen

Die Rodacher Stadtkirche St. Johannis wurde 1350 zur Pfarrkirche erhoben und gehört seit der Reformation zur Evangelisch-Lutherischen Kirche. Weitere evangelisch-lutherische Kirchen gibt es in den Ortsteilen Breitenau, Elsa, Gauerstadt, Grattstadt, Heldritt, Oettingshausen und Roßfeld. Seit 1957 gibt es in Rodach auch eine römisch-katholische Kirche, heute existiert außerdem noch eine neuapostolische Kirche.

Eingemeindungen

Ehemalige
Gemeinde
Einwohner
(1970)
Datum Anmerkung
Breitenau 204 1. Mai 1978
Elsa 310 1. Mai 1978
Gauerstadt 581 1. Mai 1978
Grattstadt 269 1. Juli 1971 Zusammenschluss mit Heldritt zu Langenbergen
Heldritt 665 1. Juli 1971 Zusammenschluss mit Grattstadt zu Langenbergen
Langenbergen - 1. Mai 1978
Lempertshausen 138 1. Januar 1975
Mährenhausen 157 1. Januar 1972
Oettingshausen 126 1. Januar 1975
Roßfeld 305 1. Juli 1971
Rudelsdorf - 1. Januar 1970
Schweighof - 1. April 1928 Eingemeindung nach Elsa
Sülzfeld 84 1. Januar 1972

Politik

Stadtrat

Die Kommunalwahl 2008 führte zu folgender Sitzverteilung im Stadtrat:

Wappen

Beschreibung: In Gold ein rot bewehrter schwarzer Löwe.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kino und Theater

  • Waldbühne Heldritt mit 800 überdachten Zuschauerplätzen in Heldritt. Jährlich werden von Juli bis August ein Kinderstück und ein Lustspiel des Heimatvereins Heldritt aufgeführt, sowie eine Operette der Coburger Sommeroperette.
  • Das etwas andere Kino KUhLISSE, verwaltet vom Verein Bad Rodach begeistert, bringt jeden Mittwoch abend einen Film.

Nachtwächter

Seit 1982 gibt es in (Bad) Rodach wieder Nachtwächter. 2007 konnten sie ihr 25-jähriges Jubiläum feiern. Bad Rodach ist die Wiege der Europäischen Nachtwächter- und Türmerzunft, die 1987 im dänischen Ebeltoft gegründet wurde.

Walter Kienel, nach Wolfgang Grosch der zweite Rodacher Nachtwächter, war von der Gründung der Zunft bis zum Jahr 2004 Zunftmeister dieser europäischen Gemeinschaft. Aus gesundheitlichen Gründen musste er das Amt aufgeben und ist nun Ehrenzunftmeister. Neuer Zunftmeister ist Johannes Thier.

Die Auftritte der Nachtwächter finden von Mai bis September immer am Mittwoch am Pulverturm an der Alten Schule statt. Um 20 Uhr gibt es die Möglichkeit, den Nachtwächterturm an der Stadtmauer zu besichtigen. Ab 20:30 Uhr spielt eine ortsansässige Musikkapelle zur Unterhaltung. Um 21 Uhr tritt der Nachtwächter auf, dessen Ehrenkodex es ist, jeden Auftritt mit neuen Versen zu gestalten. Die derzeit aktiven Nachtwächter sind Alfred Hahn, Karl-Heinz Engelhardt und Gudrun Thorwarth. Im September beginnt alles eine halbe Stunde früher.

„Hört ihr Leut, wir geben kund,
wir nehmen kein Blatt vor dem Mund,
alles was um uns passiert,
wird angebracht, gereimt und kommentiert.
Die Gäste all’ wir informieren,
das Gute und das Schlechte wir glossieren,
wir stehen ein für unsre Stadt,
die ein gut’s Thermalbad hat.“

Bäder

Waldbad in Bad Rodach
  • Waldbad Bad Rodach und das Thermalbad

Museen

  • Heimatmuseum

Musik

Der Rodacher Rückertkreis veranstaltet regelmäßig Konzerte und Vortragsveranstaltungen. Künstler wie Siegfried Jerusalem und Susanne Kessel sind regelmäßig Gäste in Bad Rodach. Der Verein ist im Besitz eines Flügels der Firma Steinway & Sons, dadurch werden viele international bekannte Künstler nach Bad Rodach gelockt.

Bauwerke

Das 1748 errichtete fürstliche Jagdschloss des Herzogs Franz Josias wird seit 1982 als Haus des Gastes und als Heimatmuseum genutzt. Im Jagdschloss war, bevor es zum Heimatmuseum umgestaltet wurde, ein Teil der Volksschule Rodach untergebracht.

Parks

  • Kurpark zwischen dem Thermalbad, der Kurklinik und dem Seniorenwohnheim. Er wurde 1989 angelegt.
  • Park am Wallgraben und entlang der alten Stadtmauer mit sehr altem Baumbestand.
  • Rückertweg an der Stadtmauer, zu Ehren Friedrich Rückerts angelegt. Entlang der Stadtmauer sind Bronzetafeln mit Gedichten des fränkischen Dichters angebracht.
  • Kleiner Kurgarten, oberhalb des Thermalbades. Dort findet jeden Sonntag morgen ein Blaskonzert statt.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Donnerstags: Jeden ersten Donnerstag im Monat findet auf dem Marktplatz und entlang der Heldburger Straße ein großer Krammarkt statt.
  • Juli: Immer am zweiten Sonntag im Juli findet die überregional bekannte Roesler-Boerse statt, die ihren Namen von der ehemaligen Feinsteingutfabrik Max Roesler herleitet. Das Thema dieser Börse ist Feinsteingut.
  • Juli: Jedes Jahr im Juli findet seit 2001 der Tag der Europäer in Bad Rodach statt.
  • Jedes Jahr wird am dritten Advent die Fränkische Weihnacht, der Weihnachtsmarkt der Stadt, abgehalten.

Wirtschaft und Infrastruktur

Bahnhof
Haba und Jakoo

Die Holz-, Kunststoff- und Spielwarenindustrie ist traditioneller Wirtschaftsschwerpunkt. Sie ist neben dem Tourismus immer noch ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Stadt weist 3300 Arbeitsplätze aus, 800 Beschäftigte pendeln aus und 1800 nach Bad Rodach.

Verkehr

Die bayerische Staatsstraße Nr. 2205 führt von Coburg nach Bad Rodach und zur Thüringer Landesgrenze.

Die Bahnlinie zwischen Bad Rodach und Coburg wurde nach Stilllegungsplänen in den 1980er Jahren bis Juni 2011 wieder regelmäßig im 2-Stunden-Takt durch die Deutsche Bahn befahren. Seitdem bietet das private Eisenbahnunternehmen Agilis auf der Verbindung einen Stundentakt an und die Züge verkehren teils bis Lichtenfels oder über Bayreuth bis Weiden in der Oberpfalz.

Außerdem verkehrt eine Buslinie von Coburg über Bad Rodach nach Hildburghausen.

Ansässige Unternehmen

Mit mehr als 1500 Mitarbeitern ist die Firmengruppe HABA größter Arbeitgeber in der Stadt. Das Familienunternehmen wurde 1938 unter anderem von Eugen Habermaaß gegründet und produziert Spielzeug sowie Schul- und Kindergartenmöbel.

Die Valeo Klimasysteme GmbH, eine Tochtergesellschaft des Valeokonzerns, beschäftigt etwa 730 Mitarbeiter in ihrem Rodacher Werk (Stand:2007). Das Unternehmen stellt Heiz- und Klimaanlagen für die Fahrzeugindustrie her.
Ursprünglich stand auf dem Werksgelände an der Bahnstrecke Coburg–Bad Rodach die am 23. Juli 1894 von Max Roesler gegründete Max Roesler Feinsteingutfabrik, die 1910 etwa 350 Personen beschäftigte. 1919 verkaufte Roesler die Aktiengesellschaft an das Dresdner Bankhaus Gebrüder Arnhold. 1938 erwarben, nach Vermittlung durch den bayerischen Ministerpräsident Ludwig Siebert, die Siemens-Schuckertwerke das überschuldete Unternehmen, wobei der alte Firmenname noch bis 1943 beibehalten wurde. Die Siemens-Schuckertwerke Porzellanfabrik Rodach produzierte bis etwa Mitte der 1950er vor allem Porzellanisolatoren, danach folgte die Umstellung auf ein Kunststoffpresswerk. 1995 verkaufte Siemens das Werk an Valeo.

Daneben gibt es unter anderem die 1878 gegründete Christian Hofmann GmbH, die bewegliche und unbewegliche Figuren für Schausteller und Parks fertigt.


Bildung

Grundschule und Hauptschule sind vorhanden.

Persönlichkeiten

  • 1814 verbrachte der Dichter Friedrich Rückert einige Tage in Rodach und schrieb sein Gedicht Idylle Rodach.
  • Max Roesler, jahrelang leitender Geschäftsführer der Wächtersbacher Keramikmanufaktur, machte sich 1894 in Rodach mit über 50 Jahren selbständig und gründete eine bekannte Feinsteingutfabrik. Nach persönlichen Schicksalsschlägen verkaufte Roesler 1919 die Firma, die 1938 überschuldet von Siemens übernommen wurde.
  • Der Komponist Felix Draeseke (1835–1913) ist in Coburg geboren und in Rodach aufgewachsen. Sein Wohnhaus befindet sich hinter dem ehemaligen Jagdschloss der Coburger Herzöge.
  • Superintendent Christian Hohnbaum (1747–1825) war ein guter Freund von Friedrich Rückert und Gastgeber während dessen Aufenthalt in Rodach.
  • Helmut Markwort, Journalist, Verlagsmanager und ehemaliger Chefredakteur sowie Herausgeber des Nachrichtenmagazins Focus, verbrachte einen Teil seiner Jugend in Bad Rodach. Er kam mit seiner Familie hier während des Zweiten Weltkriegs unter und besuchte die Volksschule.


Bilder aus Stadtteilen

Literatur

  • Irmhild Tschischka: In der Chronik der Bad Rodacher Stadtteile geblättert - ein Stück Bad Rodacher Stadtgeschichte, Bad Rodach, 2005

Einzelnachweise

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Quartale (hier viertes Quartal, Stichtag zum Quartalsende) (Hilfe dazu)
  2. Guido Reinhardt: Geschichte des Marktes Gräfentonna, Langensalza 1892. Dieses Buch enthält den Vermerk zur Jahreszahl "(823 (nach anderen 815)"
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999

Weblinks

 Commons: Bad Rodach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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