Bebenhausen
Bebenhausen
Universitätsstadt Tübingen
Das 1948 der damaligen Gemeinde Bebenhausen verliehene Wappen
Koordinaten: 48° 34′ N, 9° 4′ O48.5605555555569.0602777777778369Koordinaten: 48° 33′ 38″ N, 9° 3′ 37″ O
Höhe: 369 m ü. NN
Fläche: 13,37 km²
Einwohner: 337 (30. Juni 2010)
Eingemeindung: 1974
Postleitzahl: 72074
Vorwahl: 07071
Karte

Lage von Bebenhausen in Tübingen

Bebenhausen Ortsansicht (April 2005)
Bebenhausen von Norden
Klosterkirche Bebenhausen
Im Kloster von Bebenhausen
Kloster Bebenhausen am 3 Oktober 1854 – Aquarell von General Eduard von Kallee
Jagdschloss Bebenhausen um 1900
Das Zeughaus in Bebenhausen

Bebenhausen ist (nach der Einwohnerzahl) der kleinste Stadtteil der Universitätsstadt Tübingen. Das gesamte Ortsbild steht unter Ensembleschutz.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Bebenhausen liegt drei Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Tübingen an der Landesstraße L1208 am Rande eines weiten Talkessels am Zusammenfluss von Goldersbach und Seebach. Bebenhausen ist der einzige Ort innerhalb des Naturparks Schönbuch. Südlich von Bebenhausen wurde 1977 von der Eberhard Karls Universität Tübingen ein geologischer Lehrpfad am Kirnberg eröffnet, bei dem die Keuperschichten auf mehreren Schautafeln erläutert werden und einen guten geologischen Überblick der umliegenden Landschaft liefern.

Der Ort ist seit 1974 mit seinen rund 350 Einwohnern ein Stadtteil von Tübingen.

Das Kloster ist mit den ÖPNV durch die Buslinien 754 Tübingen Hauptbahnhof – Bebenhausen, WaldhornDettenhausenWeil im SchönbuchHolzgerlingenBöblingen, der Linie 826 Tübingen Hauptbahnhof – Bebenhausen, WaldhornDettenhausenWaldenbuchSteinenbronnLeinfelden und 828 Tübingen Hauptbahnhof – Bebenhausen, WaldhornDettenhausenWaldenbuchSteinenbronnEchterdingenFlughafen Stuttgart zu erreichen. Die Busse verkehren im Stundentakt.

Geschichte des Klosters

Siehe Hauptartikel: Kloster Bebenhausen

Das Kloster Bebenhausen wurde um 1183 von Pfalzgraf Rudolf von Tübingen am Ort vermutlich einer älteren Burg als Familiengrablege gegründet und mit Prämonstratenser-Chorherren besiedelt. Die Prämonstratenser verließen jedoch den Ort bald wieder.

Um 1189/90 wurden Zisterzienser aus dem Kloster Schönau herangezogen, um die Klostergründung fortzuführen. Sie richteten sich in den von den Prämonstratensern begonnenen Gebäuden ein und bauten das Kloster zügig aus. Die strengen Regeln der Ordens wurden allerdings übertreten, da der Ort nicht in der nötigen Abgeschiedenheit lag und Pfalzgraf Rudolf weiterhin in seiner Gründung bestattet werden wollte. Hier hatten aber die Mönche aus Schönau, das Grablege der Heidelberger Pfalzgrafen war, schon einschlägige Erfahrungen.

Am Ende des 13. Jahrhunderts umfasste der Konvent bereits über 60 Mönche, dazu 130 Konversen. Seine Wirtschaftskraft stieg durch zahlreiche Zuwendungen, so dass es 1301 Stadt und Burg Tübingen kaufen und für kurze Zeit innehaben konnte. Im Lauf des 14. Jahrhunderts kam die Vogtei über das Kloster an das Reich, mit dem Verkauf der Herrschaft Tübingen durch den Tübinger Pfalzgrafen 1342 gingen jedoch landesherrliche Rechte über das Kloster von Tübingen an Württemberg über, das diese Rechte Zug um Zug erweiterte und die alte Reichsfreiheit schließlich beseitigte. Seit 1498 hatte der Abt einen Sitz im württembergischen Landtag.

Nach der Einführung der Reformation 1535 durch Herzog Ulrich von Württemberg wurde der Konvent vertrieben, konnte jedoch nach dem Augsburger Religionsfrieden nochmals für kurze Zeit zurückkehren. 1556 richtete Herzog Christoph von Württemberg im Kloster eine evangelische Klosterschule unter Leitung eines evangelischen Abts ein. Der katholische Konvent verließ 1560 endgültig das Kloster. Das Kloster blieb als selbständiger Wirtschaftsbereich bis 1807 bestehen, als Schule und Klosterverwaltung aufgelöst wurden. Die Wirtschaftsgebäude nahmen das Oberforstamt Tübingen auf, die Konventsgebäude dienten als königliches Jagdschloss. Hier wohnten nach seiner Abdankung als König Herzog Wilhelm von Württemberg und seine Frau.

1946–1952 tagte im Kloster der Landtag des Bundeslandes Württemberg-Hohenzollern.

Geschichte des Schlosses

König Friedrich löste 1806 die Klosterschule auf und nutzte Bebenhausen für fürstliche Hofjagden. Dazu ließ er sich das ehemalige Abtshaus des Klosters zum Jagdschloss umbauen. Unter seinem Nachfolger Wilhelm I. geriet Bebenhausen in Verfall, erst der dritte Württembergische König, Karl nutzte Bebenhausen wieder als Jagdschloss, indem er das ehemalige Gästehaus des Klosters neu einrichten ließ. Sein Nachfolger, Wilhelm II. ließ weitere Umbauten folgen und weilte häufig zur Jagdsaison in Bebenhausen.

König Wilhelm II. von Württemberg verfasste 1918 in Bebenhausen seinen Thronverzicht und lebte dort bis zu seinem Tode 1921. Auch seine Gemahlin, Herzogin Charlotte blieb in Bebenhausen bis zu ihrem Tode 1946.

Von 1946 bis zur Gründung des Landes Baden-Württemberg 1952 war Bebenhausen Sitz des Landtags von Württemberg-Hohenzollern.

Nach Sanierung und Restaurierung durch das Staatliche Hochbauamt Reutlingen wurden 1986 die wieder eingerichteten ehemaligen königlichen Repräsentations- und Wohnräume als Museum wiedereröffnet.

Berühmte Persönlichkeiten

  • Johann Valentin Andreae (1586–1654), Theologe, war von 1650 bis 1654 Abt der evangelischen Klosterschule
  • Karl Philipp Conz (1762–1827), Dichter und Schriftsteller, Schüler der evangelischen Klosterschule in Bebenhausen
  • Friedrich Wilhelm Joseph Ritter von Schelling (1775–1854), Philosoph, Schüler der evangelischen Klosterschule in Bebenhausen
  • Karl Friedrich Kielmeyer (1765–1844), Naturforscher
  • Kurt Georg Kiesinger (1904–1988), Politiker, verbrachte seine Ferien und Wochenenden in Bebenhausen
  • Hedwig Pfizenmayer, Malerin, lebte mehrere Jahre dort
  • Friedrich Sieburg (1893–1964), Romancier, lebte von Kriegsende bis 1946 dort
  • Christiane Nüsslein-Volhard (* 1942), Nobelpreisträgerin, lebt dort
  • Luise Walther, Malerin
  • König Wilhelm II. (1848–1921), nutzte das Jagdschloss im Ort und wohnte nach seiner Abdankung 1918 bis zu seinem Tod 1921 hier.
  • August Heißmeyer (1897–1979), der ehemalige SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, tauchte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Bebenhausen unter, wo er bis zu seinem Tode lebte.[1]
  • Gertrud Scholtz-Klink (1902-1999), Reichsfrauenführerin im nationalsozialistischen Deutschen Reich.

Sonstiges

Laut Baedeker zählt die Klostersiedlung Bebenhausen „zu den schönsten und besterhaltenen Anlagen ihrer Art in Deutschland“.[2]

Einzelnachweise

  1. Nazi-Zeit auf TÜpedia.
  2. Baedeker-Redaktion: Deutschland 2000; 5. Aufl., Ostfildern (Karl Baedeker) 2000, S. 783, ISBN 3-89525-976-4.

Literatur

  • Nikola Hild, Katharina Hild: Bebenhausen. Kloster und Schloss. Silberburg-Verlag, Tübingen 2006, ISBN 3-87407-716-0.
  • Mathias Köhler, Rainer Y, Carla Fandrey: Kloster und Schloss Bebenhausen. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03113-8 (Staatliche Schlösser und Gärten – Führer).

Weblinks


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