Wirtschaftssektor
Regionale Unterschiede in der Beschäftigungsstruktur nach Wirtschaftssektoren am Beispiel Deutschland

In Wirtschaftssektoren werden in der Wirtschaftswissenschaft Industrie und Gewerbe eingeteilt. Sie finden ihre Grundlage in der Drei-Sektoren-Hypothese der Volkswirtschaftslehre.

Inhaltsverzeichnis

Primärsektor (Urproduktion)

Dieser Sektor wird auch Urproduktion genannt. Die Urproduktion liefert zumeist die Rohstoffe für ein Produkt. Zu diesem Sektor gehören z. B. der Anbau und die Ernte landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die Holzernte in der Forstwirtschaft, der Fischfang, das Erlegen von Wild bei der Jagd, das Schlachten von Vieh, die Nutzung von Wasserkraft. Die Einordnung des Bergbaus in den Primärsektor ist umstritten, obwohl auch dieser Sektor unverfeinerte Rohstoffe liefert. Es kann zwischen einer engen Definition und einer weiten Definition des Primärsektors unterschieden werden. Gemäß der engeren Definition der Branchenstruktur würden nur Land-, Forstwirtschaft und Fischerei dem Primärsektor zugeordnet. Nach weiterer Definition jedoch auch der Bergbau. In den meisten Entwicklungsländern ist der Anteil der Bevölkerung, der im primären Wirtschaftssektor arbeitet, wesentlich höher als in den Industrienationen. Es gibt grundsätzlich eine inverse Korrelation zwischen dem Anteil der Beschäftigten im Primärsektor und dem Entwicklungsstand eines Staates. Der Primärsektor stellt die Grund- bzw. Rohstoffe her, die der sekundäre Sektor weiterverarbeitet.

Siehe auch: Agrargesellschaft

Sekundärsektor (Industrieller Sektor)

Der Sekundärsektor umfasst das produzierende Gewerbe einer Volkswirtschaft, d. h. den Sektor, der für die Verarbeitung von Rohstoffen zuständig ist. Dazu zählen etwa das verarbeitende Gewerbe, die Industrie, das Handwerk, die Energiewirtschaft, die Energie- und Wasserversorgung, zumeist auch das Baugewerbe. Als Synonym wird der Begriff des industriellen Sektors verwendet. Der Bergbau wird ebenfalls teilweise dem Sekundärsektor zugeordnet.

Charakteristisch für den Sektor ist die Weiterverarbeitung von Gütern aus dem Primärsektor, wodurch er materialintensiv ist. Durch den Produktionsprozess mittels Einsatz von Investitionsgütern ist er kapitalintensiv.

Siehe auch: Industriegesellschaft

Tertiärsektor (Dienstleistungssektor)

Der Tertiärsektor oder auch Dienstleistungssektor umfasst alle Dienstleistungen, die in eigenständigen Unternehmungen oder durch den Staat sowie in anderen öffentlichen Einrichtungen erbracht werden.[1] Ihm gehören unter anderem folgende Wirtschaftszweige an:

Im klassischen tertiären Sektor befinden sich solche Dienstleistungen wie Reinigung, Reparatur oder Transportdienste.

Charakteristisch für den Sektor ist die Produktion durch Einsatz von Arbeit, dadurch ist der Sektor personalintensiv.

Aufgrund der volkswirtschaftlich bedeutenden Tätigkeit werden gewisse Zweige des Tertiärsektors oft separat aufgeführt. Dies betrifft in der Regel die Bereiche Handel, Verkehr und öffentliche Haushalte. Sinnvoll ist diese Untergliederung insbesondere für dienstleistungsintensive Standorte: Städte wie Frankfurt am Main, London oder Paris erwirtschaften um die 90 % ihrer Bruttowertschöpfung im Dienstleistungsbereich.

Siehe auch: Dienstleistungsgesellschaft, Dienstleistung

Quartärsektor (Informationssektor)

Es gibt unterschiedliche Definitionen für den quartären Sektor (auch Quartärsektor oder Informationssektor), meist wird die Wirtschaft jedoch nur in drei Sektoren eingeteilt. Jean Gottmann definierte 1961 die in diesen Sektor fallenden Tätigkeiten als Tätigkeiten aus dem Bereich des tertiären Sektors, die besonders hohe intellektuelle Ansprüche stellen und ausgeprägte Verantwortungsbereitschaft erfordern.[2][3]

Hierunter fallen insbesondere:

Mitunter werden unter dem Begriff Quartärer Sektor auch alleine die zurzeit rasch expandierenden Informationsdienstleistungen subsumiert, also alle Branchen, die sich mit Erstellung, Verarbeitung und Verkauf von Informationen (Daten und Wissen) beschäftigen. So gehen einige Wirtschaftsforscher auch davon aus, dass sich die westlichen Dienstleistungsgesellschaften zu Informationsgesellschaften entwickeln.

Eine weitere Definition sind für den quartären Sektor Dienste, die im Bereich Freizeit und Unterhaltung erbracht werden und somit trägt es dem rasch wachsenden Wirtschaftssektor besonders Rechnung.

Hans Linde verstand unter dem quartären Sektor 1977 Dienstleistungen, die nicht durch marktwirtschaftliche Prinzipien gelenkt, sondern politisch reguliert werden (Staatliche Dienstleistungen).[2]

Quintärsektor

Gelegentlich wird dieser Begriff für die Entsorgungswirtschaft verwendet. Zu diesem Sektor gehören die Bereiche: Müllabfuhr, Schrottplätze, Kläranlagen und Recyclinganlagen.

Tourismus, Freizeitgestaltung, Wellness und Gesundheit werden manchmal auch als Quintärer Sektor geführt.

Beide Gruppen werden sonst aber dem Dienstleistungssektor zugerechnet.

Aktuelle Zahlen

Ausgewählte, aktuelle Zahlen aus dem Fischer Weltalmanach 2008.[4]

Anteil der Erwerbstätigen der Sektoren
Land Primärsektor Sekundärsektor Tertiärsektor
Deutschland 000000000000002.20000000002,2 % 25,8 % 71,9 %
Österreich 000000000000000.80000000000,8 % 26,3 % 69,1 %
Schweiz 000000000000001.50000000001,5 % 34,0 % 64,5 %
USA 000000000000001.60000000001,6 % 21,0 % 78,0 %
Japan 000000000000004.40000000004,4 % 28,0 % 66,0 %
Guatemala 000000000000039.000000000039,0 % 20,0 % 38,0 %
Botswana 000000000000002.00000000002,0 % 53,0 % 45,0 %

Siehe auch

Literatur

  • G. Danielli, N. Backhaus, P. Laube: Wirtschaftsgeografie und globalisierter Lebensraum. Zürich, 2002

Fußnoten

  1. Danielli, 2002, S. 294
  2. a b Heinritz Emde: Der tertiäre Sektor als Forschungsgebiet der Geographie. In: Praxis Geographie H.1, 1990, S. 6–12
  3. Jean Gottmann: Megalopolis or the Urbanization of the Northeastern Seaboard. 1961
  4. Der Fischer Weltalmanach 2008. Frankfurt a. M. 2007

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