Bleibtreusee
Bleibtreusee
Aussichtsplattform im Hochspannungsmast oberhalb des Sees
Aussichtsplattform im Hochspannungsmast oberhalb des Sees
Geographische Lage Rhein-Erft-Kreis, Nordrhein-Westfalen
Größere Städte in der Nähe Brühl, Hürth, Erftstadt
Daten
Koordinaten 50° 50′ 0″ N, 6° 51′ 0″ O50.8333333333336.8595Koordinaten: 50° 50′ 0″ N, 6° 51′ 0″ O
Bleibtreusee (Nordrhein-Westfalen)
Bleibtreusee
Höhe über Meeresspiegel 95 m ü. NN
Fläche 74,2 ha[1]dep1f5
Volumen 5,1 Mio. m³[1]dep1f8
Maximale Tiefe 12,8 m[1]dep1f10
Mittlere Tiefe 6,9 m[1]dep1f11
Besonderheiten

Tagebaurestsee

Villeseen DE.png
Karte der Villeseen

Der Bleibtreusee ist einer der Restseen vom Braunkohleabbau im südlichen Rheinischen Braunkohlerevier in Nordrhein-Westfalen südwestlich von Köln in der Nähe der Städte Brühl, Hürth und Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Im mittleren Teil der Ville, wo vom 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts in kleineren Grubenfeldern die Braunkohle abgebaut wurde, entstand die heutige Ville-Seen-Platte, ein ca. 50 km² großes, ausgedehntes Gebiet mit Mischwäldern und über 40 Seen.

Der Bleibtreusee befindet sich westlich des in unmittelbarer Nähe gelegenen Brühler Ortsteils Heide und nördlich des Erftstädter Ortsteil Köttingen. Er ist über die B 265 (Luxemburger Straße) oder von der Brühler Ortsmitte über die L 184 (Theodor-Heuss-Straße) mit großzügig angelegten Parkplätzen erreichbar.

Name

Der Restsee ist nach Hermann Bleibtreu (1821-1881), einem der Pioniere der Braunkohlenindustrie im Brühler Raum, benannt, der 1874 erstmals ein Grubenfeld südlich von Heide aufschloss (später Gruhlwerk).[2]

Beschreibung

Im Zuge der Rekultivierungsmaßnahmen von Rhein-Braun und der Landschaftsbehörde des Rhein-Erft-Kreises wurde wieder eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt angesiedelt. Der Bleibtreusee als einer der mittelgroßen Seen in der Seenkette der Ville ist ein nährstoffarmes, kalkhaltiges Stillgewässer bei Brühl-Heide, nicht weit vom Heider Bergsee entfernt. Es handelt sich bei den Gewässern um künstliche, durch ehemalige Braunkohle-Tagebaue geschaffene Restseen mit Flachwasserzonen, umsäumt von forstlich genutzten größeren Waldflächen mit standorttypischen Mischgehölzen. So finden sich im Wechsel Pappeln, Kiefern, Roteichen, Lärchen, Erlen, Buchen, Robinien und Birken.

Der See hat eine Fläche von ca. 74 ha. Die kleine längliche Insel am Südrand des Bleibtreusees ist brütenden Vögeln vorbehalten und verfügt über natürlich belassene Vegetation. Die Tauchtiefe nördlich dieser Insel beträgt bis zu 16 m, ist aber für Gerätetaucher aufgrund dunklen Untergrundes wenig interessant. Wie am Heider Bergsee finden sich Greifvögel (Pandionidae), Haubentaucher (Podiceps cristatus), Wildgänse (Anseriformes), Eisvögel (Alcedo atthis) und Teichralle (Gallinula chloropus), die auf genannter Insel als Brutvögel geschützt sind.

Unter der Oberfläche hat sich im Laufe der Jahrzehnte auch das Verschiedenblättrige Tausendblatt (Myriophyllum heterophyllum) angesiedelt. Diese Art besiedelt bevorzugt stehende und langsam fließende Gewässer und bildet zum Teil dichte Bestände aus. Durch Spangehl & Scharrenberg (1985) wurde das Vorkommen in Nordrhein-Westfalen erstmals aus dem Heider Bergsee bei Brühl beschrieben, wo diese Art auch heute noch anzutreffen ist. Außerdem haben sich im Bleibtreusee westlich der Insel infolge der Ökotrophierung dicht unter der Oberfläche weite Unterwasserfarnflächen gebildet, die Wassersport mit Segeljollen oder Windsurfbrettern stark behindern würden und daher eingehegt sind.

In den Randbereichen der Gewässer findet man unter anderem: Kleiner Igelkolben (Sparganium minimum) - Gemeiner Wasserschlauch (Utricularia vulgaris) - Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine).

Des Weiteren soll durch die Entwicklung bzw. Förderung von Röhrichtzonen der Gewässer Lebensraum für zahlreiche ziehende Wasservögel im Herbst und Winter und andere Wassertiere wie Amphibien (Wechselkröte, Bufo viridis) und Wasserinsekten (z. B. Scharlachlibelle, Ceriagrion tenellum) erhalten bzw. ausgedehnt werden.

Nutzung

Teile des Geländes bleiben sich selbst überlassen und sind als Naturschutzgebiete deklariert. Ville, Kottenforst und die rekultivierten ehemaligen Braunkohle-Tagebaugebiete mit ihren Seen dienen auch den Menschen in der Region Köln/Bonn als Naherholungsgebiet. Auf freigegebenen Teilbereichen des Bleibtreusees sind Windsurfer und kleine Segeljollen zugelassen und am Nordende besteht seit Juli 2007 eine von Beginn an gut frequentierte Wasserskianlage mit angeschlossener Restauration, direkt neben dem flachen Sandbadestrand in der Nähe des inzwischen nicht mehr frei zugänglichen in einen Hochspannungsmasten integrierten Rundum-Aussichtsturmes. Parkplatzanlagen im östlichen Seebereich ergänzen die Erschließung. In den Frühlings- und Herbstmonaten sind rund um den See die Angelsportfreunde, Rundwegwanderer und gelegentliche Waldläufer unter sich. Eine See-Umrundung beträgt etwa 5 km und dauert etwa eine Stunde.

Literatur

  • Der Kottenforst - Eine rheinische Kultur- und Erholungslandschaft - Wienand-Verlag
  • Ulrich Siewers - Lust auf Natur Bd. 1 „Erlebniswandern beiderseits des Rheins” ISBN 3-933070-38-4
  • Bezirksregierung Köln - Juli 2006 - 8. Regionalplanänderung – Erweiterung des Allgemeinen Siedlungsbereiches für zweckgebundene Nutzungen Brühl - Anlage 2 – Umweltbericht

Einzelnachweise

  1. a b c d TU Cottbus: Braunkohlentagebauseen in Deutschland - Gegenwärtiger Kenntnisstand über wasserwirtschaftliche Belange von Braunkohlentagebaurestlöchern (abgerufen am 5. Oktober 2010)
  2. Walter Buschmann, Norbert Gilson, Barbara Rinn: Braunkohlenbergbau im Rheinland, hg. vom LVR und MBV-NRW, 2008, S. 51, 61 u. 295

Weblinks


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