Al St. John
Al St. John (rechts) mit Buster Keaton und Roscoe 'Fatty' Arbuckle in Out West (1918)

Alfred „Al“ St. John (* 10. September 1893 in Santa Ana, Kalifornien, USA; † 21. Januar 1963 in Lyons, Georgia, USA) war ein populärer US-amerikanischer Schauspieler und Komiker. Schlank, jugendlich wirkend, mit rotblondem Haar und großem artistischen Talent, gab er sich vor der Kamera meist große Mühe, sein eigentlich gutes Aussehen zu verbergen. Obwohl er in den 1920er Jahren Star eigener kurzer Stummfilmkomödien war, wurde er besonders für seine Nebenrolle als Cowboy Fuzzy (voller Name: Fuzzy Q. Jones) in vielen B-Western bekannt. Zwischen 1912 und 1952 wirkte er in insgesamt 346 Filmen mit.

Inhaltsverzeichnis

Stummfilmkomiker

Mit seinen Eltern war Al St. John schon früh im kalifornischen Vaudeville aufgetreten, für das er sich auf eine akrobatische Fahrrad-Nummer spezialisiert hatte. Er war der Neffe des angehenden Stummfilm-Stars Fatty Arbuckle und folgte seinem nur sechs Jahre älteren Onkel 1912 ins Filmgeschäft. Ab 1913 arbeitete er als komödiantischer Nebendarsteller für Mack Sennetts Keystone Studios. In zahlreichen Kurzfilmen spielte er dort neben Arbuckle, Mabel Normand und Charlie Chaplin und war 1914 als Keystone Cop auch in der ersten abendfüllenden Filmkomödie Tillie's Punctured Romance mit dabei. Besonders effektiv waren seine grellen Schurkenkarikaturen in den Filmen seines Onkels, mit dem er meist um Mabel kämpfte.

Als Paramount Arbuckle 1917 ermöglichte, durch die eigens gegründete Comique Film Corporation seine Filme selbst zu produzieren, nahm er St. John mit und engagierte zusätzlich den Film-Neuling Buster Keaton. St. John gab weiterhin den Gegenspieler, der versuchte, Fatty seine Geliebte abspenstig zu machen, trat aber gegenüber Keaton mit der Zeit mehr und mehr in den Hintergrund. Gemeinsam spielte das Komikertrio, das sich gegenseitig zu Höchstleistungen anstachelte, zwischen 1917 und 1919 in einem Dutzend Kurzfilmen, von denen einer verschollen ist.

In Erinnerung von St. Johns Zeit mit Arbuckle bleiben unter anderem seine Darstellung des schändlichen Kellners in The Waiters' Ball (1916), sein Auftritt als äußerst hässliches „Mädchen“ in The Butcher Boy (1917), seine Verkörperung des übermenschlichen Western-Outlaws, der von Arbuckle und Keaton in Out West (1918) ausgekitzelt wird, und seine wilden Akrobatik-Einlagen in Filmen wie z.B. He Did and He Didn't (1916).

In den 1920er Jahren war St. John Star etlicher eigener Kurzfilmkomödien, für die er häufig auch Buch und Regie übernahm, unter anderem im Auftrag der Fox Film Corporation. Außerdem absolvierte er Kurzauftritte für Buster Keaton in den Kurzfilmen The Scarecrow (1920) und The 'High Sign' (1921) sowie dem Klassiker Der General (1926). Das bekannteste Werk dieser Dekade mit St. John in der Hauptrolle ist wahrscheinlich der Kurzfilm The Iron Mule (1925), in dem er den Lokführer des aus Keatons Verflixte Gastfreundschaft bekannten Zugs spielt. Die Regie führte Fatty Arbuckle unter dem Pseudonym William Goodrich, Keaton selbst hatte eine Nebenrolle als übelwollende Rothaut. Ähnlich gelungen war der ebenfalls im Western-Milieu angesiedelte Nachfolger Curses (1925).

Andere große Komiker, in deren Filmen St. John mitwirkte, waren Harold Lloyd in At the Old Stage Door (1919), Oliver Hardy und Stan Laurel in Love 'Em And Weep (1927) und Larry Semon in The Stunt Man (1927). In der Tonfilm-Zeit trat St. John jeweils noch ein letztes Mal an der Seite seiner beiden einstigen Partner auf, mit Arbuckle in Buzzin' Around (1933) und mit Keaton in Love Nest on Wheels (1937).

Fuzzy

Nach der Einführung des Tonfilms entwickelte sich St. John schnell zum Charakterdarsteller in Western. 1935 schuf er für eines der ersten Western-Serials, The Three Mesquiteers, den Charakter Stoney, der später, in den Jahren 1938/39, von John Wayne dargestellt wurde.

Die Figur des Fuzzy spielte St. John ab 1937, zunächst an der Seite des Darstellers Fred Scott und anschließend in verschiedenen Serials: Billy the Kid mit Hauptdarsteller Bob Steele, Lone Rider mit dem früheren Opernsänger George Houston und Billy the Kid (auch: Billy Carson) mit Buster Crabbe, der als erster Science-Fiction-Held Flash Gordon berühmt wurde. Schon bald war der „Sidekick“ für die Vermarktung dieser Serials (insbesondere in Europa) wichtiger als die eigentlichen Hauptdarsteller. In Deutschland kamen die Low-Budget-Filme, deren Herstellung selten mehr als eine Woche dauerte, gar nur unter dem Titel „Fuzzy“ in die Kinos. Bis 1952 drehte St. John mehr als 80 Fuzzy-Filme, zuletzt viele mit dem Pro-Forma-Hauptdarsteller Lash La Rue, der eigentlich Alfred LaRue hieß, aber wegen seines artistischen Umgangs mit der Peitsche den Spitznamen Lash bekam.

In den Filmen ist Fuzzy ein eigensinniger, alter Cowboy, eine Art Dorftrottel, der allen Klischees bis hin zur kratzigen Stimme gerecht wird; außerdem hat er immer einen guten Spruch auf Lager. Mit dieser Rolle wurde St. John zum Inbegriff des Comical Sidekick in den 1930er- bis 1950er-Jahren, der Blütezeit der Cowboy- und Western-Filme: dem coolen, maskulinen und – aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten mit dem Sechsschüsser – praktisch unbesiegbaren Helden wird ein etwas verschrobener, aber lustiger Partner zur Seite gestellt, der das Geschehen auflockert und für unvorhersehbare Wendungen sorgt.

Der Spitzname Fuzzy geht auf einen anderen Schauspieler zurück, John Forrest „Fuzzy“ Knight, der die Rolle des Cowboy Sidekick schon vor St. John gespielt hatte. Offenbar wollten die Produzenten für einen Western ursprünglich Knight anheuern, doch dann wurde die Rolle an St. John vergeben, der dafür den Spitznamen seines Rivalen übernahm.

Als sich Anfang der 1950er Jahre das Fernsehen durchzusetzen begann, ging die große Ära der Serienfilme und damit auch die Karriere von Fuzzy zu Ende. Die letzten zehn Jahre seines Lebens trat Al St. John auf Volksfesten und Rodeos auf und war gerade mit der Tommy Scott Wild West Show unterwegs, als er in seinem Hotelzimmer einen tödlichen Herzinfarkt erlitt.

In Deutschland wurde die Figur des Fuzzy durch die ZDF-Fernsehserie Western von gestern in den 1980er-Jahren auch einem jüngeren Publikum bekannt. Der eingedeutschte Begriff Fuzzi für einen nicht ganz ernst zu nehmenden Menschen fand Eingang in die Umgangssprache.

Filmtitel (Auswahl)

Keystone-Filme

  • 1913: Bangville Police (Normand)
  • 1914: Mabel's Strange Predicament (Normand/Chaplin)
  • 1914: Tango Tangles (Chaplin/Arbuckle)
  • 1914: The Star Boarder (Chaplin)
  • 1914: Caught in a Cabaret (Chaplin/Normand)
  • 1914: The Knockout (Arbuckle/Chaplin)
  • 1914: Mabel's Busy Day (Normand/Chaplin)
  • 1914: Mabel's Married Life (Normand/Chaplin)
  • 1914: The Rounders (Chaplin/Arbuckle)
  • 1914: The New Janitor (Chaplin)
  • 1914: Mabel’s Blunder (Normand)
  • 1914: Tillie's Punctured Romance (Dressler/Chaplin/Normand)
  • 1914: His Prehistoric Past (Chaplin)
  • 1915: Fatty and Mabel's Simple Life (Arbuckle/Normand)
  • 1915: Mabel, Fatty and the Law (Arbuckle/Normand)
  • 1915: Mabel and Fatty's Married Life (Arbuckle/Normand)
  • 1915: Fatty's Faithful Fido (Arbuckle)
  • 1915: Mabel's Wilful Way (Arbuckle/Normand)
  • 1915: Fatty's Plucky Pup (Arbuckle)
  • 1916: Fatty and Mabel Adrift (Arbuckle/Normand)
  • 1916: He Did and He Didn't (Arbuckle/Normand)
  • 1916: His Wife's Mistakes (Arbuckle)
  • 1916: The Waiters' Ball (Arbuckle)

Comique-Filme mit Arbuckle und Keaton

Komplett, verschollene Filme sind gekennzeichnet (*).

  • 1917: The Butcher Boy
  • 1917: A Reckless Romeo (ohne Keaton, da vor Butcher gedreht)
  • 1917: The Rough House
  • 1917: His Wedding Night
  • 1917: Oh Doctor!
  • 1917: Coney Island
  • 1917: A Country Hero*
  • 1918: A Scrap of Paper (ohne Keaton, Propaganda à la The Bond)
  • 1918: Out West
  • 1918: The Bell Boy
  • 1918: Moonshine
  • 1918: Good Night, Nurse!
  • 1918: The Cook
  • 1919: Camping Out (ohne Keaton, der seinen Militärdienst ableistete)
  • 1919: The Pullman Porter* (ohne Keaton)
  • 1919: Love (ohne Keaton)
  • 1919: A Desert Hero* (ohne Keaton)
  • 1919: Back Stage

Spätere Auftritte in Komödien

  • 1919: At the Old Stage Door (Harold Lloyd)
  • 1920: The Scarecrow (Keaton)
  • 1921: The 'High Sign' (Keaton)
  • 1925: The Iron Mule (St. John, Regie: Arbuckle)
  • 1925: Curses (St. John, Regie: Arbuckle)
  • 1926: Der General (Keaton)
  • 1927: Love 'Em And Weep (Laurel & Hardy)
  • 1927: The Stunt Man (Larry Semon)
  • 1931: Bridge Wives (St. John, Regie: Arbuckle)
  • 1933: Buzzin' Around (Arbuckle)
  • 1937: Love Nest on Wheels (Keaton)

Als Fuzzy

  • 1940: Fuzzy außer Rand und Band (Billy the Kid's Gun Justice)
  • 1941: Fuzzy der Meistercowboy (Billy the Kid Wanted)
  • 1941: Fuzzy der Unsterbliche (Billy the Kid in Santa Fe)
  • 1941: Fuzzy bricht den Terror (Billy the Kid's Fighting Pals)
  • 1941: Fuzzy bricht den Terror (Billy the Kid's Range War)
  • 1942: Fuzzy wird energisch (Border Roundup)
  • 1942: Fuzzy jagt sich selbst (Billy the Kid Trapped)
  • 1942: Fuzzy greift ein (The Lone Rider and the Bandit)
  • 1944: Fuzzy der Draufgänger (Valley of Vengeance)
  • 1944: Fuzzy lebt gefährlich (Oath of Vengeance)
  • 1946: Fuzzy schreckt vor nichts zurück (Gentlemen with Guns)
  • 1946: Fuzzy der Draufgänger (Ghost of Hidden Valley)
  • 1947: Fuzzy räumt auf (Ghost Town Renegades)
  • 1947: Fuzzy, Räuber und Banditen (Law of the Lash)
  • 1947: Fuzzy der Banditenkiller (Border Feud)
  • 1947: Fuzzy und das krumme Ding (Cheyenne Takes Over)
  • 1947: Fuzzy rechnet ab (The Fighting Vigilantes)
  • 1947: Fuzzy sieht Gespenster (Pioneer Justice)
  • 1947: Fuzzy gegen Tod und Teufel (Return of the Lash)
  • 1948: Fuzzy und die bösen Buben (Frontier Revenge)
  • 1949: Fuzzy und der Weisheitszahn (Son of a Badman)
  • 1950: Fuzzy und der Peitschenheini (King of the Bullwhip )
  • 1951: Fuzzy und der Kutschentrick (The Thundering Trail)

Literatur

  • David Rothel: Those Great Cowboy Sidekicks, WOY Publishing (1984, 2001) - ISBN 0-8108-1707-1

Weblinks


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