Alfred Trzebinski

Alfred Trzebinski (* 29. August 1902 in Jutroschin; † 8. Oktober 1946 in Hameln) war ein deutscher Mediziner und als SS-Hauptsturmführer KZ-Arzt in den Konzentrationslagern Auschwitz, Majdanek und Neuengamme eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Trzebinski, dessen Vater Gymnasiallehrer war, studierte nach den Abschluss seiner Schullaufbahn Medizin an den Universitäten Breslau und Greifswald.[1] Mit der 1928 erschienenen Dissertation Facialislähmungen bei frischer unbehandelter Syphilis promovierte er zum Dr. med. Nach dem abgeschlossenen Medizinstudium war er zunächst als Landarzt in Sachsen tätig.[2] Trzebinski war Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 1.447.570) und der SS (Mitgliedsnr. 133.574). Bei der SS erreichte er 1943 den Rang eines Hauptsturmführers.

Ab Juli 1941 fungierte er als Lagerarzt im KZ Auschwitz und ab Oktober 1941 in gleicher Funktion im KZ Majdanek. Von dort wurde er im September 1943 in das KZ Neuengamme versetzt, wo er bis zur Auflösung des Lagers Ende April 1945 als Standortarzt tätig war.[2] Öffentliches Aufsehen erregte bereits kurz nach Kriegsende die Ermordung von 20 jüdischen Kindern im Keller der Schule Bullenhuser Damm in Hamburg-Rothenburgsort in der Nacht vom 20. zum 21. April 1945. Die Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren, je zur Hälfte Jungen und Mädchen, waren im November 1944 aus dem KZ Auschwitz ins KZ Neuengamme gebracht worden, angefordert von dem KZ-Arzt Kurt Heißmeyer. Die Kinder wurden, nachdem Heißmeyer bereits Menschenversuche an sowjetischen Kriegsgefangenen vorgenommen hatte, mit Tuberkulose infiziert. Es wurden ihnen dann Gewebeproben entnommen zur Entwicklung eines Impfstoffes. Um die Zeugen dieses Verbrechens zu beseitigen, wurde von SS-Obergruppenführer Oswald Pohl aus Berlin befohlen, die Abteilung Heißmeyer „aufzulösen“. Im Keller der Schule wurde den Kindern durch Trzebinski Morphium gespritzt und danach wurden sie – unter Mittäterschaft Arnold Strippels und Johann Frahms – an Heizungsrohren erhängt. Mit den Kindern wurden auch ihre vier Betreuer und über zwanzig sowjetische Kriegsgefangene umgebracht.[3] Trzebinski bezeichnete nach Kriegsende die Morphininjektionen als „barmherzige Tat“.[4]

Nach Kriegsende

Nach Kriegsende tauchte Trzebinski in Husum unter. Danach arbeitete er inkognito bei der britischen Armee als Militärarzt im Entlassungslager Neumünster und gelangte dann über die Tätigkeit in einem Hamburger Lazarett nach Hesedorf. Im Entlassungslager Hesedorf war er als Militärarzt beschäftigt und bezog dort mit seiner Frau und Tochter eine Wohnung. Am 1. Februar 1946 wurde er in Hesedorf verhaftet und in das Internierungslager Westertimke überstellt.[5] Während der Haft schrieb Trzebinski ein mit „Ich“ betiteltes Tagebuch, das unveröffentlicht ist.[1] Am 18. März 1946 wurde Trzebinsky im Neuengamme-Hauptprozess, auch wegen seiner Mittäterschaft bei dem Verbrechen im Bullenhuser Damm, angeklagt. Am 3. Mai 1946 wurde Trzebinski zum Tode durch den Strang verurteilt und am 8. Oktober 1946 in Hameln hingerichtet.[2]

Literatur

  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2. Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8. 
  • Günther Schwarberg: Der SS-Arzt und die Kinder. Bericht über den Mord vom Bullenhuser Damm Dokumentation: Daniel Haller. Hg. Henri Nannen Gruner und Jahr, Hamburg 1979, 1980 (2 Bände) Ausgezeichnet mit dem Anne-Frank-Preis 1988. Häufige Neuauflagen, auch unter dem Titel: Der SS-Arzt und die Kinder vom Bullenhuser Damm z.B. Steidl, Göttingen 1994 ISBN 388243306X - Zahlreiche Übersetzungen (Engl., Rumänisch, Polnisch)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Günther Schwarberg: Der SS-Arzt und die Kinder vom Bullenhuser Damm, Göttingen 1988, S. 157
  2. a b c Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 631
  3. Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer., Frankfurt am Main 1997, S. 172
  4. Günther Schwarberg: Der SS-Arzt und die Kinder vom Bullenhuser Damm, Göttingen 1988, S. 124
  5. Günther Schwarberg: Der SS-Arzt und die Kinder vom Bullenhuser Damm, Göttingen 1988, S. 77f

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