Amersfoort
Gemeinde Amersfoort
Flagge der Gemeinde Amersfoort
Flagge
Wappen der Gemeinde Amersfoort
Wappen
Provinz Utrecht Utrecht
Bürgermeister Lucas Bolsius
Sitz der Gemeinde Amersfoort
Fläche
 – Land
 – Wasser
63,85 km²
63,24 km²
61 ha
CBS-Code 0307
Einwohner 146.571 (31. Dez. 2010[1])
Bevölkerungsdichte 2.296 Einwohner/km²
Koordinaten 52° 9′ N, 5° 23′ O52.15255.3869444444445Koordinaten: 52° 9′ N, 5° 23′ O
Bedeutender Verkehrsweg A1, A28
Vorwahl 033
Postleitzahlen 3800-3830
Website www.amersfoort.nl
Lage von Amersfoort in den Niederlanden
Onze-Lieve-Vrouwetoren in Amersfoort
Brücke über eine Gracht in Amersfoort
Groot Tinnenburg war Teil der Stadtbefestigung
Blick vom „Turm unserer lieben Frau“ auf Amersfoort

Amersfoort ( anhören?/i) ist mit über 145.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der niederländischen Provinz Utrecht. Nördlich der eigentlichen Stadt liegt das alte Dorf Hoogland, das um 1974 gegen den Willen der damaligen Bevölkerung nach Amersfoort eingemeindet wurde. Es ist jetzt völlig von Neubauvierteln der Stadt umringt.

Inhaltsverzeichnis

Wirtschaft

Die Haupterwerbsquelle der Stadt liegt im Dienstleistungssektor, dementsprechend gibt es viele Bürogebäude. Unter anderem eine Versicherungsgesellschaft, mehrere Heilanstalten und eine Kette von Geschäften, die gebrauchte Bücher verkaufen, haben hier ihren Sitz. Es ist Sitz des Rijksdienst voor het Oudheidkundig Bodemonderzoek (ROB), der niederländischen Behörde für Bodendenkmalpflege.

Verkehr

Die Stadt ist ein sehr bedeutender Eisenbahn- und Autobahnknotenpunkt. Reisewege von Berlin/Hamburg über Bad Bentheim, Deventer und Apeldoorn, von Groningen/Leeuwarden über Zwolle, von Rotterdam/Den Haag über Utrecht, und von Amsterdam kommen hier zusammen. Seine frühere wirtschaftliche Bedeutung als Eisenbahnerstadt mit dem stadtbildprägenden großen Eisenbahngelände hat es zwar infolge Stilllegung des Ausbesserungswerkes und des Rangierbahnhofes verloren, es wurde jedoch ein neuer Abstellbahnhof für Reisezüge (Bokkeduinen) errichtet. Seit September 2007 verkehrt zwischen Amersfoort und den umliegenden Städten, der in der Dessauer Fahrzeugtechnik Dessau erbaute Regionalzug PROTOS.

Politik

siehe auch: Liste der Bürgermeister von Amersfoort

Sehenswürdigkeiten

  • Der Onze-Lieve-Vrouwetoren („Turm Unserer Lieben Frau“) ist einer der höchsten mittelalterlichen Kirchtürme des Landes. Die zugehörige Kirche wurde 1787 bei einer Explosion zerstört, der Turm blieb stehen.
  • Die sehenswerte Innenstadt ist mittelalterlich. Zu erwähnen sind die Sint-Joris Kirche, die Koppelpoort (kombinierte Land-Wassertore, vom Zug nach Apeldoorn aus sehr gut zu sehen), und die Muurhuizen („Mauerhäuser“), die an die älteste Stadtmauer gebaut sind.
  • 1998 wurde das Armando Museum eröffnet, welches im Oktober 2007 durch einen Brand zerstört wurde.
  • Im Geburtshaus von Pieter Cornelis Mondrian befindet sich ebenfalls ein kleines, diesem Maler gewidmetes Museum.
  • Zwei Kilometer westlich der Stadt befindet sich, in einem Wald, der Zoo „Dierenpark Amersfoort“.
  • Das Heimatmuseum „Flehite“ in der Innenstadt wurde 2009 nach einer Asbestsanierung wiedereröffnet und enthält eine Galerie niederländischer Meister, Gegenstände zur Stadtgeschichte und verschiedene Ausstellungen gegenwärtiger, lokaler Künstler.

Geschichte

Siedlungen in der Gegend um Amersfoort stammen aus der Zeit 1000 v. Chr., der Name „Amersfoort“ (nach der „Furt am Amer“, heute Eem) stammt wohl aus dem 11. Jahrhundert. Die Stadtrechte wurden ihr 1259 durch Bischof Hendrik van Vianden verliehen. Amersfoort war ein wichtiger Markt- und Handelsort auf der Route zwischen Holland und den Hansestädten. Der in der Nähe von Amersfoort gelegene Hafen von Spakenburg an der Zuiderzee ermöglichte u.a. den Fischhandel.

Der Bau des Onze-Lieve-Vrouwetorens und der dazu gehörigen Kirche begann 1444. Die Kirche wurde 1787 bei einer Explosion zerstört, der Turm blieb verschont. Im Mittelalter war Amersfoort auch ein wichtiges Zentrum der Textilindustrie. Im 18. Jahrhundert erblühte die Stadt durch den Tabakhandel.

Amersfoort im Zweiten Weltkrieg

Am 18. August 1941 wurde in Amersfoort ein polizeiliches Durchgangslager von dem deutschen Besatzer eingerichtet, auch de Boskamp, das Waldlager, genannt. Es diente als Internierungslager für „Geiseln“ sowie als „Schutzhaftlager“, „Jugenddurchgangslager“ und als „Arbeitserziehungslager“ der SS. Die Häftlinge wurden zur Rodung des Waldes sowie zu Sägearbeiten im Umkreis des Lagers eingesetzt. Viele jüdische Gefangene wurden weiter in das KZ Mauthausen in Österreich, in die Arbeitserziehungslager nach Essen zu den Hermann-Göring-Werken und in anderen KZs nach Deutschland weiter transportiert. Amersfoort war zugleich auch Hinrichtungsort. Bis zur Übergabe des Lagers an das niederländische Rote Kreuz am 20. April 1945 wurden 32.500 Männer eingewiesen. Zeitweilig diente das Lager auch als „Auffanglager“ für inhaftierte Frauen und Kinder mit amerikanischer Staatsangehörigkeit. Nach dem Krieg wurde der Nationalsozialist Karl Friedrich Titho wegen der Erschießungen in Amersfoort in den Niederlanden zu sechs Jahren Haft verurteilt, sein Vorgesetzter Erich Deppner hingegen in Deutschland freigesprochen. Der „SS-Schutzhaftlagerführer“ Hans Stöver wurde 1948 zu lebenslanger Haft verurteilt. Der „SS-Schutzhaftlagerführer“ Karl Peter Berg wurde zum Tode verurteilt und 1949 hingerichtet. Der „SS-Unterschutzhaftlagerführer“ Josef Johann Kotälla wurde ebenfalls zum Tode verurteilt, jedoch wurde dieses Urteil später in „Lebenslang“ ungewandelt. Im Jahr 1953 wurde am Ende des SS-Schießstands, der auch als Ort zahlreicher Hinrichtungen diente, ein Nationales Denkmal eingeweiht. Der „Gefangene vor dem Erschießungskommando“ erinnert seitdem an die Häftlinge des PDA. Ein Besucherzentrum und ein Gedenkareal auf einem Teil des ehemaligen Lagergeländes ergänzen die Gedenkstätte.

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • Andreas Pflock: Auf vergessenen Spuren. Ein Wegweiser zu Gedenkstätten in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006.
  • Coenraad J. F. Stuldreher: Deutsche Konzentrationslager in den Niederlanden - Amersfoort, Westerbork, Herzogenbusch in Wolfgang Benz (Red.): „Dachauer Hefte 5 – Die vergessenen Lager“, München 1994, ISBN 3-423-04634-1

Weblinks

 Commons: Amersfoort – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsstatistik, 29. März 2011Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande

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