Ansprache Hitlers vor den Oberbefehlshabern am 22. August 1939

Die Ansprache Hitlers vor den Oberbefehlshabern am 22. August 1939 war eine Rede Adolf Hitlers vor etwa 50 Generälen und Offizieren in Hitlers Berghof auf dem Obersalzberg, in der er seine Absicht verkündete, das Nachbarland Polen anzugreifen.

Inhaltsverzeichnis

Ablauf

Hitler begann seine Rede um 12.00 Uhr in seinem Arbeitszimmer. Er stand dabei und hielt eine freie Rede. Die Anwesenden saßen in mehreren Reihen. Unterbrochen wurde die Rede von einem einstündigen Mittagessen. Um 15.00 Uhr fuhr Hitler mit seiner Rede fort.

Inhalt

Sein ursprünglicher Plan sei es gewesen, den Krieg im Westen zu entfesseln, er habe sich nun aber entschieden, zuerst Polen anzugreifen. Als Gründe für den jetzigen Kriegsbeginn nannte er die Unersetzlichkeit seiner Persönlichkeit und jener Mussolinis, die jederzeit Opfer eines Anschlags werden könnten. Die Gegenseite habe hingegen zurzeit keine Persönlichkeiten. Zudem zwinge die wirtschaftliche Lage zum Handeln. England und Frankreich würden nicht aktiv in die Kämpfe eingreifen. Außenminister Ribbentrop werde am nächsten Tag einen Nichtangriffspakt mit Russland schließen. Man brauche keine Angst vor einer Blockade haben, da Russland alles liefern würde. Ziel sei die Vernichtung Polens, seiner lebendigen Kraft. Hartes und rücksichtsloses Vorgehen sei dabei angebracht. Die Auslösung werde durch geeignete Propaganda erfolgen.

Zum Schluss gab Hitler als Grund für den Krieg, die Eroberung von Lebensraum im Osten an, mit den Worten:

„Wir müssen unser Herz verschließen und hart machen. Wer über diese Weltordnung nachgedacht hat, ist sich klar, daß ihr Sinn im kämpferischen Durchsetzen des Besten liegt. Das deutsche Volk aber gehört zu den besten Völkern der Erde. Uns hat die Vorsehung zu Führern dieses Volkes gemacht, wir haben damit die Aufgabe, dem deutschen Volke, das mit 140 Menschen auf den Quadratkilometer zusammengedrängt ist, den nötigen Lebensraum zu geben. Größte Härte kann bei Durchführung einer solchen Aufgabe größte Milde sein.“[1]

Überlieferungen der Rede

Zu dieser Rede sind im Wesentlichen zwei Aufzeichnungen überliefert, die sie vollständig wiedergeben. Keine stellt allerdings ein wortwörtliches Protokoll der Ansprache dar. Die beste Aufzeichnung stammt von Admiral Wilhelm Canaris, dem langjährigen Leiter des Amtes Ausland/Abwehr der Wehrmacht, die sich in OKW-Akten fand. (IMT-Dokumente PS-798 und PS-1014). Sie stellt die einzig bekannte, unmittelbare Mitschrift dar und hat damit den Vorrang vor allen anderen Versionen. Die zweite Niederschrift stammt von Admiral Hermann Boehm. Sie wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher von der Verteidigung eingebracht. (IMT-Dokument Rae-27).

Bei diesem Prozess kursierte eine weitere, offenkundig gefälschte Version der Rede, die sogenannte Dschingis-Khan-Rede (IMT-Dokument L-003). Sie enthält unglaubwürdige, besonders brutale und blutrünstige Redewendungen. Sie wurde in deutschen Widerstandskreisen erstellt, um die britische Regierung vor Hitler zu warnen. Diese Fälschung wurde auf Veranlassung von Generalstabschef Generaloberst Ludwig Beck an den britischen Journalisten Louis Lochner übergeben, der sie spätestens am 25. August 1939 an die Britische Botschaft in Berlin weiterleitete. Der Militärgerichtshof lehnte diese Version als Beweisstück ab.

Mit der Herausgabe des Kriegstagebuchs des OKW wurde noch eine dritte Aufzeichnung aufgefunden, die vom Führer des Kriegstagebuchs Helmuth Greiner angefertigt wurde. Sie basiert auf der Aufzeichnung von Admiral Canaris und der ausführlichen Rekapitulation des Offiziers Walter Warlimont am Abend nach der Rede.

Neben diesen ausführlichen Aufzeichnungen, gibt es noch eine Eintragung des Generalstabschefs Franz Halder in seinem Kriegstagebuch, der ebenfalls die Rede skizzierte. Außerdem existieren noch eine kurze Zusammenfassung des Generals Curt Liebmann, eine knappe private Aufzeichnung von Generaladmiral Conrad Albrecht und die Erinnerungen des Abwehroffiziers Oberst i.G. Helmuth Groscurth.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hier zitiert nach: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Deutsche Geschichte 1933 – 1945, Dokumente zur Innen- und Außenpolitik. Frankfurt am Main S. 169.; In der Aufzeichnung Greiners lautet diese Passage: „Daher dürfe es auch kein Mitleid, keine menschlichen Rührungen geben. Er sei dem deutschen Volke verpflichtet, das im bisherigen Raum nicht leben könne. 80 Millionen Menschen müßten ihr Recht bekommen, ihre Existenz müsse gesichert werden.“; Percy Ernst Schramm (Hrsg.): Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht. Bonn o.J., Band 1, Teilband 2, S. 948.

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