Technische Universität Berlin


Technische Universität Berlin
Technische Universität Berlin
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Gründung 1770/1799/1879
1946 (Neugründung)
Trägerschaft staatlich
Ort Berlin
Bundesland Berlin
Staat Deutschland
Präsident Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach[1]
Studenten 29.510 (WS 2010/11)[2]
Mitarbeiter 7810 (2011)[2]
davon Professoren 317 (2011)[2]
Jahresetat 409,8 Mio. € (2010)[2]
Netzwerke TU9, TIME, CESAER
Website www.tu-berlin.de
Telefunken-Gebäude am Ernst-Reuter-Platz

Die Technische Universität Berlin (kurz: TU Berlin; vor 1946: Technische Hochschule Berlin) ist eine der vier Universitäten Berlins und mit 29.000 Studierenden in 90 Studiengängen[3] eine der größten und mit ihren Vorläuferinstitutionen eine der ältesten Technischen Hochschulen Deutschlands. 1884 wurde das nach Plänen von Richard Lucae gebaute Hauptgebäude in Charlottenburg an der heutigen Straße des 17. Juni eröffnet. Die in Nähe des Berliner Tiergartens gelegene Technische Universität gehört zum Zusammenschluss der größten deutschen Technischen Hochschulen TU 9 und ist Gründungspartner des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie. Amtierender Präsident ist seit April 2010 der Prozesswissenschaftler Jörg Steinbach.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

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Technische Universität Berlin (Berlin)
Technische Universität Berlin
Technische Universität Berlin

Als Keimzelle der heutigen Universität wurde am 1. November 1770 auf Veranlassung von Friedrich II. das Berg- und hüttenmännische Lehrinstitut, später umbenannt in Bergakademie Berlin, nach Plänen des Bergrates Carl Abraham Gerhard (1738–1821) gegründet. Als zweiter Universitätsvorläufer entstand am 13. März 1799 durch königlichen Erlass die Bauakademie (Berliner Vorläuferin: École de génie et d’architecture). Zur dritten Vorläufereinrichtung wurde die am 1. November 1821 gegründete Technische Schule; 1827 umbenannt in Königliches Gewerbe-Institut. 1879 wurde die Königliche Technische Hochschule bzw. Technische Hochschule Charlottenburg gegründet.

Promotions- und Diplomrecht

Als erster Technischer Hochschule Deutschlands war ihr auf Betreiben von Adolf Slaby 1899 das Promotionsrecht verliehen worden. Außer dem Grad eines Diplom-Ingenieurs durfte die Hochschule fortan auch den eines Doktor-Ingenieurs verleihen[3].

Architektur

Das alte Hauptgebäude, um 1895
Das Hauptgebäude, 2006

1878 bis 1884 wurde das Hauptgebäude nach Entwürfen von Richard Lucae, Friedrich Hitzig und Julius Carl Raschdorff errichtet. Es war ein Monumentalbau im Stil der italienischen Hochrenaissance mit fünf Innenhöfen. Nach schweren Weltkriegsschäden wurden drei der Innenhöfe, die Seitenflügel und der rückwärtige Teil wiederaufgebaut, die Front mit dem Portikus dagegen Anfang der 1950er Jahre abgerissen.

Deutscher Faschismus

Der Ausbau der später gegründeten, sogenannten Wehrtechnischen Fakultät V war im Dritten Reich als einer der größten in Deutschland geplant, kam aber nach dem Selbstmord des designierten Fakultätsführers Becker nur ansatzweise zustande, obwohl die Grundstücke hinter dem heutigen Telefunken-Hochhaus an der Bismarckstraße und unter dem heutigen Teufelsberg, einer Ruinenaufschüttung, bereits beschafft waren.

Neugründung

Am 20. April 1945 wurde die Universität, noch unter dem Namen Technische Hochschule Berlin, geschlossen und am 9. April 1946 als Technische Universität Berlin mit humanistischer Neuausrichtung (vorgeschriebener humanistischer Studienanteil, Studium generale) neu gegründet. Die Humanistische Fakultät wurde am 7. März 1950 gegründet.

Ausstattung

1958 erhielt das Recheninstitut von Prof. Wolfgang Haack den ersten Zuse-Rechner Z22. Das Institut ging 1974 in der Zentraleinrichtung Rechenzentrum (ZRZ) der TU auf.

1965 wurde das heute von der Straße des 17. Juni aus sichtbare Hauptgebäude nach Entwürfen von Kurt Dübbers vor den Altbau gesetzt. Es ist ein zehngeschossiger aluminiumverkleideter Bau, der ein vorgelagertes Auditorium Maximum (Audimax) hat.

Neuausrichtung

1969 führte das Berliner Universitätsgesetz zur Ablösung der Ordinarien- durch die Gruppenuniversität. Im Zuge dessen wurden 1970 die bisherigen neun Fakultäten durch 21 Fachbereiche ersetzt, die – mit Ausnahme des Fachbereichs Mathematik – in Institute gegliedert waren. Der Fachbereich Mathematik organisierte sich in Arbeitsgruppen selbst. Am 1. April 2001 wurden die Fachbereiche wieder zugunsten von Fakultäten abgeschafft, die seitdem teilweise ihr Budget selbst verwalten. Begründet wurde dies mit der Absicht, die TU schlanker und effizienter zu organisieren.

Proteste an der TU Berlin gegen die Notstandsgesetze, Mai 1968

Neben Veranstaltungsorten an der Freien Universität Berlin war das Auditorium Maximum (Audimax, im oberen Foto links von Kastanienbäumen eingerahmt) der TU ein Hauptveranstaltungsort während der Auseinandersetzungen der Studentenbewegung: nur wenige Hundert Meter vom ehemaligen Telefunken-Hochhaus liegt die Deutsche Oper, der Ort, an dem der Student Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 erschossen wurde.

1980 wurden Teile der Pädagogischen Hochschule Berlin in die TU integriert.

Die Gegenwart der TU ist von massiven staatlichen Mittelkürzungen und Stellenreduzierung und den resultierenden Erscheinungen einer Massenuniversität (die TU Berlin ist die zweitgrößte technische Universität Deutschlands) gekennzeichnet. Durch regelmäßig hohe Einwerbung von Drittmitteln versucht die TU extreme Auswirkungen abzumildern.

Mit dem Erwerb des Telefunken-Hochhauses 1975 und den Neubauten des Mathematikgebäudes 1983 (Str. des 17. Juni 136), des neuen Instituts der Physik 1984 (Hadenberger Str. 36) und des Produktionstechnischen Zentrums 1986 (Pascalstr. 8-9) wird die TUB zur größten Technischen Universität der damaligen Bundesrepublik.

Internationalisierung

Im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen wurden der Technischen Universität im Jahr 2006 eine Graduiertenschule (Berlin Mathematical School) sowie 2007 ein Exzellenzcluster (Unifying Concepts in Catalysis) bewilligt.[4] Die TU Berlin ist mit ca. 6000 ausländischen Studierenden international aufgestellt; die meisten Studenten kommen aus China, der Türkei, Russland, Vietnam und Kamerun[3]. Das Europäisches Institut für Innovation und Technologie wählte zwei Wissens- und Innovationsgemeinschaften mit Beteiligung der TU-Berlin aus, die über eine Zeitraum von fünf Jahren jeweils 100 Millionen Euro Fördergelder erhalten. Als Ausgleich für schwindende öffentliche Mittel forcierte die Universität in jüngster Vergangenheit ihre Zusammenarbeit mit Unternehmen wie der Deutschen Telekom AG, den Deutsche Telekom Laboratories oder der Siemens AG.

Gliederung

Das Hauptgebäude von der Rückseite aus gesehen
Hochhaus der TU Berlin (ehemaliges Telefunken-Hochhaus) mit Ausblick-Cafeteria im 20. Stock
Lichthof
Briefmarke (1949) der Serie Berliner Bauten mit dem alten Hauptgebäude

Am 1. April 2001 erfolgte die kontroverse [5][6] (Rück-)gliederung in acht Fakultäten, zu der die 14 (ursprünglich 22) Fachbereiche verschmolzen wurden (siehe Gruppenuniversität). Die Fakultäten gliedern sich in weitere Institute:[7]

Geisteswissenschaften

  • Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte
  • Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik
  • Institut für Erziehungswissenschaft
  • Institut für Sprache und Kommunikation
  • Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre
  • Fakultätsunmittelbare Zentren
    • Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung
    • Zentrum für Metropolenforschung
    • Zentrum für Frankreichforschung
    • Zentrum für Antisemitismusforschung

Mathematik und Naturwissenschaften

  • Institut für Mathematik
  • Institut für Festkörperphysik
  • Institut für Theoretische Physik
  • Institut für Optik und Atomare Physik
  • Institut für Chemie
  • Fakultätsunmittelbares Fachgebiet

Prozesswissenschaften

  • Institut für Energietechnik
  • Institut für Prozess- und Verfahrenstechnik
  • Institut für Technischen Umweltschutz
  • Institut für Werkstoffwissenschaften und -technologien
  • Institut für Biotechnologie
  • Institut für Lebensmitteltechnologie und Lebensmittelchemie

Elektrotechnik und Informatik

  • Institut für Energie- und Automatisierungstechnik
  • Institut für Hochfrequenztechnik- und Halbleiter-Systemtechnologien
  • Institut für Telekommunikationssysteme
  • Institut für Technische Informatik und Mikroelektronik
  • Institut für Softwaretechnik und Theoretische Informatik
  • Institut für Wirtschaftsinformatik und Quantitative Methoden

Verkehrs- und Maschinensysteme

  • Institut für Mechanik
  • Institut für Strömungsmechanik und Technische Akustik
  • Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft
  • Institut für Land- und Seeverkehr
  • Institut für Luft- und Raumfahrt
  • Institut für Konstruktion, Mikro- und Medizintechnik
  • Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb

Planen Bauen Umwelt

  • Institut für Angewandte Geowissenschaften
  • Institut für Architektur
  • Institut für Bauingenieurwesen
  • Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik
  • Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung
  • Institut für Ökologie
  • Institut für Soziologie
  • Institut für Stadt- und Regionalplanung

Wirtschaft und Management

  • Institut für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht
  • Institut für Betriebswirtschaftslehre
  • Institut für Technologie und Management
  • Institut für Gesundheitswissenschaften

Seit dem 1. April 2005 sind die Fakultäten VI (Bauingenieurwesen und Angewandte Geowissenschaften) sowie VII (Architektur Umwelt Gesellschaft) zu einer Fakultät fusioniert.

Infrastruktur

Nächtliches Lichtspiel vor der Zentralbibliothek der TU und UdK

Universitätsbibliothek

Als zentrale Universitätsbibliothek dient die gemeinsame Zentralbibliothek der TU und UdK Berlin im Gebäude VOLKSWAGEN-Haus in der Fasanenstraße am westlichen Tiergartenrand als östlichste Begrenzung des Campus Charlottenburg.[8]

Rechenzentrum

Informations- und Telekommunikations-Services, darunter das europaweite Eduroam sowie WEB 2.0- und Social Media-Dienste, werden von der Nachfolgereinrichtung des traditionsreichen Rechenzentrums ZRZ unter dem heutigen Namen tubIT erbracht.[9]

An-Institute und Kooperationen

Rechts das Chemie-Gebäude am Landwehrkanal

Studiengänge

Angebotene Studiengänge mit Vertiefungsrichtungen:[12]

Absolventen und Lehrkräfte der Bildungseinrichtung, die später berühmt wurden

Wernher von Braun (1912–1977)
Raketenkonstrukteur
Gustav Hertz (1887–1975),
Nobelpreisträger Physik 1925
Konrad Zuse (1910–1995), entwickelte ersten modernen Computer und erste höhere Programmiersprache
Eugene Paul Wigner (1902–1995), Nobelpreisträger Physik 1963
Carl Bosch (1874–1940), Nobelpreisträger Chemie 1931
Bruno Taut (1880–1938), Städtebauer

Vom Nationalsozialismus vertriebene Wissenschaftler

Eine Auswahl der durch den Nationalsozialismus vertriebenen Wissenschaftler:

Großgeräte

Biographien

Standorte

Ein Großteil der Fachgebiete ist direkt auf dem Hauptcampus (auch Campus Charlottenburg) an der Straße des 17. Juni angesiedelt. Daneben gibt es weitere Standorte in der näheren Umgebung, zum Beispiel das Severingelände, Wilmersdorfer Straße. Das Gebäude an der Franklinstraße ist das flächenmäßig größte der TU und soll wegen der immensen Mietkosten auf Dauer aufgegeben werden. Zudem gibt es eine Ansammlung von Fachgebieten am Campus Wedding (in Gesundbrunnen). Weitere Standorte sind: Seestraße und Dahlem.[17]

Mitgliedschaften

Die Professoren Vockel und Gobrecht gründeten 1950 den Verein Studentische Darlehnskasse Berlin-Charlottenburg, der 1951 in Studentische Darlehnskasse e.V.[18] umbenannt worden ist.

Literatur

  • Josef Becker: Von der Bauakademie zur Technischen Universität. 150 Jahre technisches Unterrichtswesen in Berlin. Berlin 1949
  • Reinhard Rürup (Hrsg.): Wissenschaft und Gesellschaft. Beiträge zur Geschichte der Technischen Universität Berlin 1879–1979. 2 Bde., Berlin 1979
  • Karl Schwarz (Hrsg. im Auftrag des Präsidenten der TU Berlin): 1799–1999. Von der Bauakademie zur Technischen Universität Berlin. Geschichte und Zukunft. Eine Ausstellung der Technischen Universität Berlin aus Anlass des 200. Gründungstages der Bauakademie und des Jubiläums 100 Jahre Promotionsrecht der Technischen Hochschulen. Aufsätze. Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften, Berlin, 2000, ISBN 3-433-01735-2
  • Eberhard Knobloch (Hrsg.): „The shoulders on which we stand“ – Wegbereiter der Wissenschaft – 125 Jahre TU Berlin. Berlin, Heidelberg [u.a.]: Springer 2004.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Technische Universität Berlin – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b neuer TU-Präsident gewählt
  2. a b c d Technische Universität Berlin: Zahlen & Fakten. Technische Universität Berlin, abgerufen am 26. November 2010.
  3. a b c Prof. Dr. Ernst M. Schmachtenberg (Hrsg.): Glückwunsch, Dipl.-Ing.! Ein Gütesiegel made in Germany wird 111 Jahre alt', Reihe der TU9. Allianz der führenden Technischen Universitäten in Deutschland
  4. Vergleiche zur Geschichte der Technischen Universität Berlin folgenden Link: Geschichte, auf der offiziellen Seite der TU Berlin. Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2009
  5. Martin Winter: Fachbereiche und Fakultäten, Bestehende Organisationsstrukturen und aktuelle Reformprojekte an Universitäten (PDF, 224 kB) Abgerufen am 10. August 2010
  6. Clemens Knobloch: Wir sind doch nicht blöd!: Die unternehmerische Hochschule, Verlag Westfälisches Dampfboot, 2010, ISBN 978-3-89691-790-4
  7. TU Berlin: Fakultäten im Überblick Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2009
  8. ARGE Campus Charlottenburg, 2010: Campus Charlottenburg. The Art Of Ideas
  9. http://www.tubit.tu-berlin.de/menue/dienste/
  10. ARGUS Start
  11. About us - DCAITI - TU Berlin
  12. Eine offizielle Übersicht bietet: Studiengänge. Offizielle Homepage der Technischen Universität Berlin. Zuletzt aktualisiert: 5. Januar 2009
  13. Lageplan des Instituts für Energietechnik, ehemaliges Fachgebiet Energie-, Impuls- und Stofftransport
  14. Forschungsreaktoren in Deutschland, Stand Dezember 2008
  15. Wolf Pfannenstil: Der Parallelrechner T3E
  16. Roman Lechtchinsky, u.a.: CRAY T3E LimitingFactor (Link nicht mehr abrufbar). Stand: 7. März 1998
  17. tu-berlin.de: Standorte und Lagepläne, abgerufen im April 2009
  18. dakaberlin.de: Die Mitglieder der Studentischen Darlehnskasse e.V., letzter Aufruf im April 2009

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