Fo, Foe (Mythologie)

Fo, Foe (Mythologie), Foe, der zum Gott erhobene Gründer einer weitverbreiteten Religionspartei, die sich über das ganze große chinesische Reich und die Nachbarländer erstreckt. Eine Traumsage ging von Konfutse: Im Westen werde man den wahren Gott finden. Da sandte der Kaiser Ming-ti zwei seiner Großen aus, den verkündeten Heiligen zu suchen und sein Gesetz zu lernen; diese zogen nach Indien und kamen nach Caschmir, wo die Wiege des Menschengeschlechtes stand. Dort lebte ein König, dessen Gemahlin träumte, sie habe einen weißen Elephanten verschlungen, ein heilbringendes Zeichen. Sie gebar den Schaka; neun Drachen stiegen vom Himmel nieder und die Sterne erblichen. So wie er zur Welt kam, stand er fest und aufrecht, that sieben Schritte vorwärts, zeigte mit einer Hand gen Himmel, mit der andern zur Erde und sprach: »Niemand ist außer mir anbetungswürdig, weder im Himmel noch auf Erden.« Er heirathete im siebzehnten Jahre drei Weiber, bekam einen Sohn und zog sich im neunzehnten Jahre in eine Wüste zurück, nur von vier Weisen begleitet, und alle übrige Habe hinter sich lassend. In einsamer tiefer Selbstbeschaulichkeit lebte er nun elf Jahre, da erfüllte ihn mit Einem Male in seinem dreißigsten Jahre das Wesen der Gottheit, er wurde Fo. Große Wunder zeugten nun von seiner Göttlichkeit, alles Volk verehrte ihn; so fanden ihn und seine Lehre die Abgesandten aus China. Achtzigtausend Schüler trugen seine Lehre nach allen Regionen, und seine Priester wurden bei den Chinesen Seng und Ho-schang, bei den tatarischen Völkerschaften Lama's, in Siam Talapoinen und von den Europäern Bonzen genannt; sie führen ein klösterliches Leben und überlassen sich beschaulichen Betrachtungen. Die Wunderthaten Fo's füllen fünftausend Bücher und auf zahllosen Gebetblättern ist er abgebildet. Er sitzt mit untergeschlagenen Beinen in sinnender Stellung. Die Lehre Fo's ist in zwei schroffe Gegensätze gespalten, in die äußerliche und innere. Die äußerliche lehrte er während seines Lebens, als er aber das Ende seiner irdischen Laufbahn nahe fühlte, sammelte er seine liebsten Schüler um sich, und offenbarte ihnen nun diejenigen Grundsätze, welche die innere Lehre seiner Religion bilden, die der äußern geradezu entgegen ist. »Wisset,« sprach er zu ihnen, »es ist kein anderes Element der Dinge, als das Nichts, die Leere. Aus dem Nichts sind alle Dinge geworden, in das Nichts, vernichtet, gehen alle Dinge zurück, im Nichts losen alle unsere Hoffnungen sich auf.« Da dieser Nihilismus nicht allen seinen Schülern zusagte, so blieben viele den zuerst empfangenen und allgemeinen Lehren treu, andere hingen der neuen an und wurden starre Gottesläugner, noch andere suchten aber unter dem Namen einer äußern und innern Lehre Beides zu vereinigen. Diese sogenannte innere Lehre wird als Geheimlehre bewahrt und fortgepflanzt, und spricht die auf Fo's letzte Worte gebauten Grundsatze aus, daß der Mensch, um zur größtmöglichen Vollkommenheit zu gelangen, dahin streben müsse, sich dem Nichts zu nähern, also nichts wünschen, hoffen, begehren, verlangen, nichts thun, nichts denken, sich ganz in das Nichts zu versenken, gleichgiltig gegen jede menschliche Empfindung und Regung zu sein, ja eine solche gar nicht zu haben. In diesen Ansichten erkennt man den indischen Ursprung des Fodienstes, brahmanische Büßungen, Läuterungen und im Anschauen des Uebersinnlichen versunkenes Selbstvergessen, welches auch in der Lehre Fo's seine vielfachen Grade hat.

–ch–


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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