Katharina von Aragonien

Katharina von Aragonien, die Tochter Ferdinand's V. von Aragonien und Isabelle's von Castilien, wurde 1483 geb. und in ihrem 19. Jahre mit dem damaligen Prinzen von Wales, Arthur, verlobt. Der Prinz aber starb schon im folgenden Jahre, ohne die Heirath vollzogen zu haben. Sein Vater, Heinrich VII., welcher das reiche Heirathsgut nicht wieder hergeben wollte, vermählte sie nun mit Heinrich, seinem zweiten Sohne, der damals erst 12 Jahr alt war. Heinrich (später als König H. VIII.) war dieser Verbindung durchaus abgeneigt und legte bereits in seinem 14. Jahre eine Protestation gegen dieselbe nieder. Später aber, da er die Prinzessin kennen gelernt, da ihn ihre noch immer strahlende Schönheit anzog, änderte er seine Gesinnung und vollzog 15096 Wochen nach seines Vaters Tode, die Heirath. Bis zum Jahre 1527 war diese Ehe friedlich, wenn auch gerade keine wahre und innige Neigung den König an seine Gemahlin kettete. Jetzt aber waren Katharina's Reize verwelkt (s. Heinrich VIII.) und der König lieh den Einflüsterungen des Kardinals Wolsey, der gegen die Königin, weil sie seinen unziemlichen Lebenswandel streng gerügt hatte, erbittert war, Gehör, und beschloß, unter dem Vorwande, die Ehe sei als eine mit der Witwe des Bruders geschlossene, verboten, sich von Katharina zu trennen. Heinrich war damals in glühender Leidenschaft für Anna Boleyn (s. d.) entbrannt und trug daher bei dem Papste auf Scheidung an. Die Königin aber weigerte sich durchaus, in eine solche zu willigen und wandte sich Hilfe flehend an den Kaiser, ihren nahen Verwandten. Der Papst sandte Legaten nach London, welche den schwierigen Fall untersuchen und darüber entscheiden sollten. Katharina, welche dieses geistliche Gericht Anfangs nicht anerkennen wollte, willigte endlich doch ein, vor demselben zu erscheinen, vertheidigte sich siegreich und protestirte gegen das Urtheil des geistlichen Gerichtshofes. Sie appellirte an den Papst und dieser weigerte sich, vom Kaiser eingeschüchtert, die Trennung zu vollziehen. Dieß hinderte aber Heinrich VIII. nicht, die Ehe eigenmächtig aufzulösen und sich mit Anna Boleyn zu verbinden. Die Folge davon war Heinrich's Uebertritt zum Protestantismus. Katharina's Charakterfestigkeit wurde aber trotz aller dieser Ereignisse nicht erschüttert, weder Vorstellungen noch Drohungen bewogen sie, den Titel als Königin aufzugeben. Sie lebte von nun an still und eingezogen, nur religiösen Uebungen und der Erziehung ihrer Tochter ergeben, zu Esthamsted und starb 1536 zu Kinsbolden. In ihren letztern Lebensjahren nahm ihr Gemüth eine düster-religiöse, finstre Stimmung an, und dieser Umstand mochte wohl von Einfluß auf den Charakter ihrer Tochter Maria (s. d.) gewesen sein, die später als Königin dem Fanatismus ihres falsch verstandenen Glaubens zahlreiche Blutgerüste errichtete

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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