Kaufmann, Angelica

Kaufmann, Angelica, eine ausgezeichnete Künstlerin mit dem Beinamen der Grazienmalerin, wurde zu Chur in Graubündten im October 1743 geb. Ihr Vater hatte nach langem Umherschweifen dort eine Anstellung als bischöflicher Hofmaler gefunden, und obgleicher selbst kein bedeutendes Talent besaß, so gebührt ihm doch die Ehre »als erster Lehrer seiner ausgezeichneten Tochter genannt zu werden. Diese zeigte gleiche Anlagen für Musik und Malerei, und erst, nachdem sie als elfjähriges Mädchen die ehrende Aufgabe, das Portrait des Bischofs von Como, Nevroni, zu malen, mit überraschendem Erfolge gelöst hatte, widmete sie sich gänzlich der Malerkunst. Wie geistvoll die junge Angelica überhaupt war, zeigt ein von ihr damals abgefaßtes Gedicht, worin sie den Streit schildert, den die beiden Lieblingskünste in ihr erregten, bis sie sich endlich für die entscheidet, welche ihr später so reiche Kränze des Ruhmes bot. Der Kardinal von Roth rief ihren Vater später nach Konstanz, dort unternahm Angelica das Portrait des Kardinals und mahlte es zu dessen großer Zufriedenheit. Ihr Ruf war nun entschieden, und als die fleißige Künstlerin abwechselnd in Mailand, Parma und Florenz verweilt hatte, ging sie 1763 nach Rom, wo ihr Genius die höchste Begeisterung erhielt und ihre Kunstfertigkeit zur Meisterschaft elangte. Kunstreisen mach Neapel trennten sie nur kurze Zeit von diesem Lieblingsorte, der Heimath ihres Geistes. Und als Angelica 1766, durch Lady Vervort nach London geleitet, den ehrenvollen Auftrag erhielt, die königliche Familie zu malen, schrieb sie doch, trotz allen Ehrenbezeigungen, mit denen sie überschüttet wurde, ganz treuherzig an die Ihren: »Man ist hier sehr gut gegen mich, doch werde ich mich nicht leicht binden lassen. Rom liegt mir immer im Sinn. Der heilige Geist möge mich leiten!« Das kindlich-fromme Gemüth Angelica's, das aus diesen Zeilen spricht, sollte indeß auf eine harte Probe gestellt werden, und der Schönheitssinn, der sie mit den Idealen der Kunst vertraut gemacht hatte, ihr schweren Kummer bereiten. Sir Josua Reynolds, einer der vorzüglichsten Maler Englands, der große Gunst am Hofe seines Monarchen genoß, faßte eine ernste Neigung zu der talentreichen, liebenswürdigen Fremden. Er bot ihr seine Hand, und fühlte sich nicht wenig beleidigt, als Angelica, der Schuld gegeben wird, sie habe das Aeußere des Freiers nicht schön genug gefunden, diese zurück wies. Auf das Empfindlichste gekränkt, schwur ihr der stolze Künstler Rache, und führte dieselbe auch auf eine höchst raffinirte Weise aus. Durch seinen Reichthum unterstützt erschien ein bildschöner, aus der Hefe des Volkes gewählter, junger Mann unter dem Namen eines schwedischen Grafen, Friedrich v. Horn, in der guten Gesellschaft Londons, wußte sich im Hause Angelica's einzuführen und diese so sehr für sich einzunehmen, daß sie ein Ehebündniß mit ihm schloß. Dieß hatte Reynolds gewollt und zog nun, ohne sich zu compromittiren, auf geschickte Art die niedre Herkunft des vermeintlichen Grafen an's Licht. Angelica, außerdem durch die im Häuslichen ausbrechende Rohheit desselben bereits bitter enttäuscht, ward klagbar wegen des ihr gespielten Betrugs und auch wirklich geschieden, doch mit der Bedingung, dem gewesenen Gemahle einen Jahrgehalt zu zahlen. Glücklicher Weise befreite ein früher Tod des Abenteurers sie bald von dieser Folge ihrer Schwachheit, und die immer höher steigende Anerkennung ihres Verdienstes als Malerin, entschädigte sie reich für die vergangene Widerwärtigkeit. Geßner und Klopstock priesen Angelica's Ruhm in ihren unsterblichen Dichtungen und die dankbare Künstlerin sandte dafür in's treue, deutsche Vaterland, wo man ihrer so wenig vergaß, manches Gemälde ihrer Meisterhand. Der Aufenthalt in England hatte mittlerweile ihre Vermögensumstände bedeutend gehoben, sie war zum Mitgliede der königlichen Akademie der Künste aufgenommen worden, und behielt, trotz der oben erwähnten trüben Erfahrung, immer eine wahre Erkenntlichkeit für das Land, das ihren Namen so berühmt gemacht hatte. Nach Italien 1782 zurückgekehrt, verheirathete sich A. zum andern Male mit einem venetianischen Maler, Zucchi, und fand in dieser, leider bald durch den Tod getrennten, Ehe, vollkommenen Ersatz für die Leiden der ersten. Verwitwet lebte sie fortan nur der Kunst und ihren Freunden, deren sie sich viele und getreue erworben. Ihre Gemälde und die Schriften unsers sächsischen Mengs trugen damals viel dazu bei, den durch die Naturalisten gesunkenen Kunstgeschmack für eine Zeit lang wieder in Italien zu heben, und unter den größern geschichtlichen Darstellungen, die Angelica damals ausführte, verdient vorzüglich die Rückkehr des siegreichen Arminius, die sie für Kaiser Joseph II. malte, genannt zu werden. Weder vor, noch nach ihr unternahm eine Frau so große Compositionen, und jetzt, wo selbst Männer so selten Historienmaler zu sein wagen, sollte das Andenken an Angelica Kaufmann, namentlich für Deutschland, dem sie der Geburt nach angehört, einen doppelten Werth haben. Am 5. November 1807 schied der Geist der liebenswürdigen Künstlerin von der Erde, die ihr einen ihrer denkwürdigsten, schönsten Orte, das klassische Rom, zum Asyl der letzten Lebensjahre geboten hatte, und Alles, was die alte Weltstadt zu ihrem Ausgezeichnetesten zählte, folgte dem Leichenzuge. Ein Jahr darauf ward Angelica's Büste im Pantheon aufgestellt und ihr dadurch nach dem Tode die höchste Ehre zu Theil. die Italien seinen berühmtesten Männern und Frauen dankbar zugesteht.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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