Licht

Licht. Es ist eine der Grundbedingungen des Lebens, die Seele der Schöpfung, welche der Herr durch sein majestätisches Wort: »Es werde!« flammend in's Dasein rief. Eine genügende Definition des Lichtes vermögen selbst die Physiker nicht zu geben; es ist die klare Emanation gewisser Körper, ein untheilbarer Stoff, dessen Wesenheit nur durch das Auge erfaßt werden kann. Es ist untrennbar vom Feuer und belebt zugleich wie dieses durch Wärme, in deren Gefolge es sich manifestirt, alle organischen Wesen; die Pflanze strebt empor zum Lichte und gedeiht nur durch dasselbe, Licht strahlt aus dem Menschenauge und leuchtet wieder in seinem göttlichen Spiegel, es reflectirt aus dem Thautropfen und dem Krystall, funkelt im Edelsteine, bildet durch seine Strahlenbrechung die Farben (s. d.), quillt unerschöpflich aus dem Born der Sonne und strahlt in schweigenden Nächten hernieder von dem Heere der ungezählten, Millionen Meilen entfernten Fixsterne! Was wäre die Welt – das Leben ohne Licht! »Sterben ist Nichts,« sagt ein Dichter, »doch leben und nicht sehen, das ist ein Unglück.« Der Blindgeborne, dessen ewige Nacht kein Strahl der Gottesgabe erhellt, lebt nicht, er vegetirt nur. Für ihn ist nicht die Pracht der Schöpfung, der Reiz der buntgeschmückten Erde, die Majestät des Himmelsdomes, kein Raum, keine Nähe, keine Entfernung vorhanden! – Es ist der Abglanz aus dem Auge Gottes, der alle Wesenheit, alles im Raum Erkennbare durchströmt. Vermählt mit der Flamme, steigt es aus den Kratern der Vulkane, aus den ewig lodernden Naphtaquellen, aus dem Holze des vermodernden Baumes, leuchtet als Irrlicht aus dem Sumpfe empor, blitzt in Millionen Funken der Meereswellen, erhellt die ewige Nacht des Polbewohners als Nordschein, glimmt tief im Schachte als Verderben bringendes Wetter, glänzt auf. dem Schilde des Glühwurms und bricht sich melodisch im Wasserdunste des Regenbogens! – Nach der Maßgabe, wie gewisse Körper das Licht aufnehmen, durchlassen oder zurückstoßen, nennt man sie durchsichtíge oder undurchsichtige. Ein Mittel zwischen Beiden sind die durchscheinenden. Hierzu gehören die meisten Halbedelsteine. Jeder Körper saugt Licht ein und reflectirt es mehr oder minder, darum gibt es keine absolute, nur eine relative Finsterniß für die Sehorgane. In das Gewand des Lichtes kleiden wir Alles, was wir als schön und herrlich bezeichnen wollen. Licht strahlt der Weltgeist aus in ewiger Fülle, den Menschen, der ruhmvoll oder segensreich über die Erde wandelt, nennen wir eine lichte Erscheinung, und die seligsten Stunden des Daseins lichte Augenblicke! – Die Emanation (Ausströmung) des L., das in seiner unwägbaren Substanz durchaus durch die Schwerkraft (Gravitation) nicht verändert oder gehemmt wird, übersteigt in ihrer Schnelligkeit jede Vorstellung. Um von der Sonne zur Erde einen Raum von 21 Mill. Meilen zu durchlaufen, bedarf der Lichtstrahl nur 8 Minuten und 7½ Sekunden. Seine Schnelligkeit übertrifft die des Schalles 975,000 Mal. Sie ist 10,310 Mal größer als die Geschwindigkeit der Massen, z. B. der Erde in ihrem Laufe um die Sonne. Während nämlich jene auf ihrer Bahn in einer Sekunde 4 Meilen zurücklegt, läuft das Licht 40,000 M. in derselben Zeit. Licht ist das männliche, Wärme das weibliche Element des Aethers. Licht ruft Wärme hervor. Durch die Erscheinungen der Elektricität hat man die Einsicht gewonnen, daß wie in allen chemischen Prozessen die Elektricität thätig ist, eben so auch als ihr bedingendes Princip das Licht und die Wärme. – Newton's Emanationstheorie, die lehrt, daß das Licht von leuchtenden und erleuchteten Körpern ausströme, und Euler's Vibrationssystem, welches das Licht als einen stets zitternden, durch das Weltall verbreiteten Aether voraussetzt, vereinigen sich neuerdings erst in Schottin's Aethertheorie oder der Lehre vom Magneto-elektro-Chemismus. – Der neugeborene Mensch öffnet sein Auge, wenn er das Dasein begrüßt, zuerst dem Lichte, und der sterbende, wenn er es schließt, nimmt Abschied vom Lichte! Nach dem Lichte aber streben und ringen wir Alle, nach ihm blicken wir sehnend, hoffend und vertrauend empor. Nach einem Lichtstrahle lechzt der Gefangene in tiefer Kerkernacht und zum Lichte kehrt der reuige Sünder sein thränenfeuchtes Auge; im Lichte hoffen wir dereinst Alle zu wandeln, wenn die Erdnacht hinter uns gesunken und das Morgenroth des Jenseits für uns emporgedämmert ist. – Wir schließen mit Schiller's Worten

»O eine edle Himmelsgabe ist

Das Licht –

Alle Wesen leben

Vom Lichte jedes glückliche Geschöpf –

Die Pflanze selbst, kehrt freudig sich zum Lichte!«

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http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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