Klencke, Karoline Luise von

Klencke, Karoline Luise von, Karoline Luise von, die Tochter der Karschin (s. d.), wurde 1751 zu Fraustadt in Polen geb., theilte alle die traurigen Schicksale ihrer Mutter bis an deren Tod, war aber auch Erbin ihres schönen Talentes geworden. Auf den Befehl ihrer Mutter vermählte sie sich, erst 15 Jahre alt, mit einem Stiefbruder derselben, Namens Hempel, einem ungebildeten Manne von rohen Sitten. Zehn Jahre brachte sie in dieser Verbindung unter dem härtesten Drucke, den bittersten Entsagungen zu. Eine Ehescheidung befreite sie zwar aus diesen Fesseln, aber eine neue Prüfung stand ihr bevor. Ein junger Mann von 22 Jahren, Karl Fr. von Klencke, faßte eine schwärmerische Neigung zu der 28jährigen reizlosen Frau, und so sehr auch Karoline einer neuen Verbindung widerstrebte, so willigte sie doch endlich ein. Doch fast eben so unglücklich wie die erste, war auch diese Ehe. Klencke's Mutter, adelstolz und nur aus Nothwendigkeit nachgiebig, hatte schon am Trauungstage die Auflösung dieser Verbindung beschlossen. Durch alle möglichen Kabalen und Intriguen suchte sie das gute Einverständniß der Neuvermählten zu stören. Ein Jahr darnach bewog sie ihren Sohn, seine Gattin, welche ihn kurz zuvor mit einer Tochter beschenkt hatte, böswillig zu verlassen. Obwohl der Reuige wieder zurückkehrte, so scheiterten doch alle seine Versöhnungsversuche an dem Stolze der Tiefgekränkten. Die Verwandten Klenckes, der später nach Dänemark ging, vereitelten hinterher neue Bemühungen zur Wiedervereinigung. So lebte die Unglückliche freudelos, ohne die Erinnerung an einstige schöne Jugendtage, im Hause ihrer Mutter, abhängig von dieser, leidend wie diese, einer ungewissen Zukunft Preis gegeben. Die unglückliche Verbindung ihrer 16jährigen Tochter Wilhelmine (s. Chezy) mit dem Freiherrn von Haftfer, welche bereits nach kaum einem Jahre wieder getrennt wurde, verkürzte ihr Leben. Sie starb am 21. September 1812. Karoline v. Klencke besaß ungewöhnliches Talent, die meisten ihrer Erzeugnisse, größtentheils lyrischer Gattung, fanden unter ihren Zeitgenossen zahlreiche Bewunderer. Ganz weiblich, sagt ihr Biograph, wäre sie ein Muster der Tugend geworden, und wenn nicht glücklich, doch friedlich geblieben. Mehrmals bot ihr die edle Prinzessin Amalie, Schwester Friedrich's II., ihren Schutz an, um sie den häuslichen Wirren zu entreißen; aber die wohlwollendste Gesinnung scheiterte an der Pietät Karolinens, welcher der Gehorsam gegen die Mutter über Alles ging. Ihre Schriften: lyrische, Briefe, pädagog. Aufsätze, Gelegenheitsgedichte etc. sind in verschiedenen Sammlungen erschienen. Als Merkwürdigkeit muß noch angeführt werden, daß sie ein Drama in zwei Akten, der ehrliche Schweizer, worin sie ihr unglückliches Eheverhältniß trefflich und naturgetreu schildert, verfaßt hat, welches in Berlin 27 Mal mit großem Beifalle aufgeführt wurde. Häusliches Glück konnte sie leider auf ihre Tochter zweiter Ehe (Helmina v. Chezy) nicht vererben, deren zweite Ehe auch keine glückliche war. Immer aber bleibt es eine merkwürdige Erscheinung in der Literatur, das Talent der Mutter auf Tochter und Enkelin übergehen zu sehen.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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