Uttmann, Barbara

Uttmann, Barbara. Unter den Frauen früherer Jahrhunderte, die wir berühmt nennen, sind es gerade die Verdienstvollen, deren Andenken man die geringste Theilnahme widmet, deren Namen den Meisten unbekannt sind und von den Roman- und Novellenschreibern niemals zum Vergleich angewendet werden. Wie oft lesen wir, sie ist schön und klug wie Aspasia, hat Locken à la Ninon, Augen wie die La Vallière; aber wo hörte man je: sie war gut wie Octavia, fromm wie Elisabeth Fry, geschickt und fleißig wie Barbara Uttmann? Brachte der »Engel der Gefängnisse« Menschen vom Wege des Lasters zurück, so wurde hingegen das Talent der Letztern eine Quelle des Segens für die ärmste Gegend Sachsens und bewahrte Hunderte vor dem Elend, das zur Sünde führt. Gewöhnliche Arbeiten schützen die Frauen ja in üppigen Landstrichen kaum vor Noth, um so weniger daher im sächsischen Erzgebirge, wo die Mehrzahl des Volks aus armen Bergleuten besteht, die starke Familien haben. Unter sie sandte die Vorsehung ein helfendes Wesen, die nutzende Arbeit und dadurch Unterhalt bringen sollte – unsere Barbara. Sie wurde 1514 in dem Oertchen Elterlein geb., von dem ihr Vater, der aus Nürnberg dorthin gezogen war, sich Heinrich von Elterlein nannte. Von ihrem Jugendleben sind uns leider gar keine Nachrichten geblieben, doch muß sie ein vorzüglich gutes, liebenswürdiges Mädchen gewesen sein, da ein äußerst geachteter Mann, der reiche Bergherr Christoph Uttmann aus Annaberg, sie zur Gattin wählte. Damals schon soll Barbara das Spitzenklöppeln verstanden und den glücklichen Bräutigam mit einem kostbaren Kragen zum Vermählungstage erfreut haben. In jenen Zeiten standen die französischen und niederländischen Spitzen noch in ungeheuerem Werth (s. Spitzen), und vom größten Vortheil mußte es sein, wenn es möglich wurde ihnen ähnliche herzustellen. Barbara war dieß aufbehalten, sie erfand das Spitzenklöppeln und lehrte von 1561 an die neue, Wohlstand bringende Kunst im Gebirge. Die sächsischen Spitzen wurden bald bekannt, gesucht und brachten guten Verdienst an Orte, wo sonst bittere Armuth herrschte, und ihre Fabrikation beschäftigt noch jetzt unzählige Hände daselbst. Zwar gilt Barbara gewöhnlich für Erfinderin, doch scheint uns auch aus einem andern Gesichtspuncte betrachtet, die unverbürgte Sage »es habe eine um der protestantischen Religion willen aus den Niederlanden vertriebene Brabanterin, welche bei Elterleins gütige Aufnahme gefunden, sie mit dem Klöppeln bekannt gemacht,« ihrem Ruhme keinen Eintrag zu thun. Wie dem auch sei, Barbara unterrichtete mit Selbstaufopferung Andere, und wurde dadurch der schützende, segenbringende Engel Tausende ihrer Mitmenschen. Jedenfalls verdient Barbara ein dankbares Interesse, zumal da eine abweichende Angabe sie selbst, als schon Verheirathete, als Schützerin der armen Vertriebenen angibt. Sie war übrigens eine gute Mutter vieler Kinder und starb als Witwe 1575 zu Annaberg, auf dessen Friedhof unweit einer großen Linde ihre Gebeine ruhen. Der jetzige Postmeister zu Annaberg, Reiche-Eisenstuck, bewies durch Errichtung eines Denkmals für sie, daß unsere gegenwärtige Zeit doch noch nicht so gänzlich aller Pietät ermangelt, als es manchmal scheinen möchte.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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