Sachsen

Sachsen. Der seit uralten Zeiten durch Mannhaftigkeit und Unabhängigkeitsgefühl ausgezeichnete deutsche Volksstamm dieses Namens, welcher, nach der abenteuerlichen Stiftung der 7 angelsächsischen Königreiche in Britannien (449) und nach einem 30jährigen Kampfe gegen Karl des Großen Uebermacht unter weisen und kriegerischen Fürsten an Ruhm und Macht immer zunehmend, in dem herrlichen Kranze der 6 damals zu Deutschland gehörenden Völkerschaften einer der kräftigsten Zweige war, blüht noch jetzt im gleichbenannten Königreiche, obwohl nun nach der Landestheilung von 1815 in engeren Grenzen, doch im reichsten Austausch seiner von hoher Intelligenz geleiteten Kräfte, inmitten des Herzens von Deutschland. Früher ein Theil des Königreichs Thüringen, dann eine sorbische Besitzung; später eine erbliche der Markgrafen von Meißen aus der Wettin'schen Regentenfamilie, und nach der 1485 erfolgten Trennung derselben in 2 Linien ein eigenes Herzogthum Sachsen im Besitz der Albertinischen Linie, nimmt dieser Landesstrich bei seiner dermaligen Ausdehnung von nur 271 Quadrat M. zwar dem Range nach unter den deutschen Bundesstaaten nur den vierten, allein nach Maßgabe des reichen, industriellen Lebens und Schaffens in seinen 145 Städten, 57 Markt- und Bergflecken und 3197 Dörfern unbedingt einen der ersten Plätze ein. Der reizende Wein- und Elbgarten des Meißner Kreises mit der herrlichen Residenzstadt Dresden (s. d.), dem zweiten Gibraltar: der Feste Königstein, den Stamm- und Musterheerden des deutschen Vließes, der Wiege der künstlichen Krystallbildung, der Porzellanfabrik zu Meißen (s. d.), und den Sandsteinhallen der sächs. Schweiz (s. d.), – das rauhe, aber gewerbfleißige Voigtland, die Frucht- und Basaltflächen der (Ober-) Lausitz (s. d.), mit ihren wichtigen Damast- und Leinwebereien und dem denkwürdigen Herrnhut, die reichen Getreidefluren des Leipziger Kreises, und endlich das wellenförmige Erzgebirge (s. d.) mit seinen Naturschätzen unter und seinen Kunst- und Industrieschätzen über der Erde, – dieß sind die fünf lauteren Perlen in der kleinen Sachsenkrone, die außerdem noch von glänzenden Juwelen strahlt, welche, wie die Kunstschätze von Dresden, die Weltmesse zu Leipzig, das deutsche Manchester: Chemnitz etc., auch dem größten Diademe zur Zierde gereichen würden. – Unter den mehr als 1½ Million Ew. sind nur 50,000 Katholiken: der lutherische Glaube ist demnach Landes-, aber nicht Hofreligion, denn nachdem die Kurfürsten Friedrich der Weise, der Beständige und der Großmüthige mit Eifer die Reformation begünstigt, und nach des Letzteren Sturze der erste Kurfürst der Albertinischen Linie, Moritz, und dessen Bruder, August I., der Stifter der noch bestehenden Fürstenschulen zu Meißen, Grimma und Pforte, sowie später auch die Johann-George während und nach dem 30 jährigen Kriege stets eifrige Schildhalter der evangelischen Glaubenslehre gewesen waren, trat Friedrich August I., mit dem Beinamen der Starke, um die polnische Krone zu erlangen, zur katholischen Kirche über. – Jetzt wird S. gegen Nord, Ost und West von Preußen und gen Westen zugleich vom Herzogthum Altenburg, dem Neustädter Kreise des Großherzogthums Weimar und den reußischen Ländern, gegen Süden aber von den rauhen Gebirgsketten Böhmens und den gesegneten Fluren Baierns begrenzt. Zwischen sanften Hügeln, oder den rauheren Höhen des Erzgebirges, ziehen sich fruchtbare Thäler hin, die, von der Elbe, Mulde, Elster, Pleiße, Flöhe, Neiße, Spree, Zschopau etc. trefflich bewässert, zum Theil der lebhafte Kampf- und Tummelplatz einer mit Albion auf Tod und Leben ringenden Industrie sind: denn die schon erwähnten Leinwandwebereien in der Lausitz, die Baumwollenfabriken und Kattundruckereien in Chemnitz und Plauen, die Band- und Spitzenfabrikation im Erzgebirge, die veredelte Schafzucht, die Kupfer-, Zinn- und Eisenhütten, die Blaufarbenwerke, Wachsbleichen, Papiermühlen, Schriftgießereien, Buchdruckereien etc. sind schon längst blühende Zweige an dem kräftigen Baume der deutschen Industrie, noch besonders unterstützt durch den lebhaften Handel, dessen Hauptsitz und zugleich der des gesammten deutschen Buchhandels, Leipzig ist. Und dahin brachte es nur der patriotische Fleiß der Sachsen, der von Natur thätig und industriös, in seinen Sitten mild, gefällig, ja fast galant, überhaupt friedlich, ein sorgsamer Familienvater und pflichtgetreuer Sohn seines Vaterlandes ist.., Durch gleiche Häuslichkeit und stillen Fleiß zeichnet sich auch bei aller Weltbildung das schöne Geschlecht aus, welches hier so reizend blüht, daß ein uraltes Sprichwort erzählt, in Sachsen wüchsen die schönen Mädchen auf den Bäumen. Die sächs. Frauen verbinden französische Leichtigkeit mit deutschem Gemüthe, körperliche Reize mit intellectueller Ausbildung, schaffende Häuslichkeit mit ästhetischem Sinne für alles Edle und Schöne in Natur wie in Kunst. So konnte es denn nicht fehlen, daß auch die Musen und Grazien ihre Herrschaft hier verbreiteten, zumal da eine tüchtige Volksbildung ihnen die Hände dazu bot. (Ueber die sächsischen Herzogthümer Ernestinischer Linie, siehe das Großherzogthum Weimar.)

P.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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