Baiern

Baiern, das Königreich, besteht aus zwei von einander getrennten Theilen, wovon der kleinere (Rheinbaiern) jenseits des Rheinstroms liegt, hat 1083 Quadrat Meilen und 4,120,000 Einwohner. Baiern gehört zum süddeutschen Hochlande, ist von Strömen durchschnitten, hat an der Donau weite, fruchtbare Ebenen, im Süden Gletscher mit ewigem Schnee, im Osten große Waldgebirge (Böhmerwald), Alpenseen, und zwischen Main und Donau große Sandstrecken. Die vorzüglichsten Landesprodukte sind Rindvieh, Wild im Ueberfluß, darunter im Böhmerwald Bären und Luchse, in den Alpen Gemsen und Murmelthiere; Fische in den zahlreichen Seen und Flüssen; Getreide aller Art in Menge, Wein am Bodensee, viel Hopfen, Bauholz; reichhaltig Eisen und Salz, Quecksilber, Kupfer, Blei, Silber, Marmor, Alabaster, Edelsteine, viele Mineralquellen. In den bedeutenderen Städten befinden sich lebhafte Fabriken; doch hat die Industrie im Ganzen noch nicht die Höhe erreicht, wie in Sachsen und Preußen. Baiern hat 208 Städte, 410 Flecken, 23,462 Dörfer und Weiler, im Ganzen 670,000 Häuser. Drei Viertel der Einwohner bekennen sich zur katholischen, ein Viertel zur evangelischen Religion. Sie sind ein kräftiger Menschenschlag, deutschen Stammes, lieben, wie alle Süddeutschen, Wohlleben, Gemächlichkeit, Genuß mehr als die Bewohner des nördlichen Deutschlands; daher mehr Frohsinn und Heiterkeit, Neigung zu öffentlichem Vergnügen, als Trieb zur Speculation und ernsterem, wissenschaftlichem Streben. Sie sind ehrlich, derb und gutmüthig; die Frauen in der Regel schön, frisch, von runden, kräftigen Formen, dunklem Haar und feurigen Augen, lebenslustig, heiter und liebreich. Sie bilden den Uebergang von den blassen, blonden, schmachtenden Norddeutschen zu den braunen, feurigen Italienerinnen. Die schönen Künste haben sich bisher bei der Nation einer sorgfältigern Pflege erfreut als die Wissenschaften; doch haben in neuerer Zeit auch Letztere einen gewaltigern Aufschwung erhalten. Das Land hat 3 Universitäten (worunter München mit seinen Sammlungen von hoher Bedeutung), 60 gelehrte Schulen, 14 Seminarien. Die Kunstanstalten der Hauptstadt übertreffen die vieler Residenzen höhern Ranges. Ein Nationalfest ist das Octoberfest auf der Thersienwiese. Baierns Geschichte ist reich an Abwechselungen und großen Zügen. Schon zu Christi Zeiten war es von Bojern, Markomannen und andern germanischen Stämmen bewohnt, die einander nach der Reihe verdrängten. Nach 540 traten eigene Herzoge auf, die Agilolfinger; 1070 kam es an die Guelfen und 1180 an Otto von Wittelsbach, den Stammvater des königlichen Hauses. Im westphälischen Frieden erhielten die Herzoge die Oberpfalz und 1623 die Kurwürde. 1805 beim Preßburger Frieden wurde Baiern zu einem Königreich erhoben und bedeutend vergrößert, so auch 1810 und 1813. Baiern ist im Ganzen ein schönes, gesegnetes Land, reich an pitoresken, romantischen Partien, hat eine milde Lage, die verschiedenartigsten Charaktere der Landschaft, und wie in seinem Boden, so in seinem Volke eine nie versiegende Quelle von Reichthum, Kraft und Energie.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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