Seen

Seen, jene Wasserinseln inmitten des Meeres von Erdwogen, nicht frei, wie der Ocean (die See), der, jeder Fessel spottend, stolz auf- und abwallend in Ebb' und Fluth, mit seinen gewaltigen Armen die Erde mit allen ihren Seen umschlingt, – aber doch in süßer Gefangenschaft rings zwischen den anschmiegenden Ufern, welche sie dankbar mit ihren kühlenden Quellen tränken. Ost schwebt mit sanftem Fittig auf der wallenden Klarheit des friedlichen Sees die Ruhe; Schwäne gleiten still und melodisch über den Spiegel dahin, und mild wehen die Lüfte wie Hauche der Liebe durch der Reben bethautes Grün an seinem Gestade. Da steigt aus seinen krystallenen Wogen manch' liebliche Sage herauf, von der Liebe der Meerfräulein zu den Söhnen der Sterblichen, von den diamantenen Schlössern der Ondinen: da hört oft ein Klingen wie Flöten, wie herrliche Engelstimmen der am Blumensäume des Ufers schlummernde Knabe! – Man unterscheidet 4 besondere Gattungen von S.: solche, die weder Flüsse aufnehmen noch entlassen, wie viele Alpenseen, der Arendt in der Altmark, der Albano bei Rom; solche, welche zwar Flüsse aussenden, aber keine aufnehmen, und andere, die im Gegentheil deren aufnehmen, aber keine aussenden; – und endlich in solche, welche eben so viel Wasser einnehmen als ausgeben, wie der Bodensee, der Wettersee in Schweden etc. Die meisten und größten S. hat Asien und Nordamerika. Der Kaspisee (das kaspische Meer genannt) hat allein 8600, und der große Winipegsee in Nordamerika 2000 Quadrat M. Oberfläche. Die wenigsten S. besitzt Afrika, und darunter ist noch der größte und merkwürdigste der Tschadsee. In Europa ist vorzüglich der nördliche Theil der Länder reichlich damit begabt. Mitunter entstehen neue S., indem sich Krater mit Wasser füllen, wie der Alpensee des Toluca bei Mexico; oder durch Rücktritt des Meeres oder durch Einsenkung des Bodens, wie das todte Meer, wovon uns die Bibel die Kunde aufbewahrt hat Auch findet man unterirdische oder überwölbte S., welche zuweilen plötzlich abfließen, wie dieß 1813 im Waagthale in Ungarn statt hatte. Das Wasser der S. ist ebenso wenig rein wie das der Flüsse; am klarsten sind noch die Salzseen, und auch der Genfersee ist wegen seines hellen Wassers berühmt. Das Wasser der meisten S. ist süß, natürlich mit Ausnahme der Natronseen Aegyptens und der Salzseen Afrika's und Asiens; auch der Kaspisee schmeckt mehr salzig, und das Wasser des Asphaltsees in Palästina oder des todten Meeres, auf dessen Oberfläche oftmals Erdpech aufsteigt, ist bitter und so scharf, daß, an die Lippen gebracht, diese davon schwellen. Lough-Neagh in Irland theilt mit mehreren anderen die Eigenschaft, hineingeworfene Gegenstände schnell zu versteinern. Manche S. trockenen zu gewissen Zeiten aus und füllen sich dann wieder, z. B. der Cirknitzersee in Krain. Der Wettersee in Schweden tobt bei stillem Wetter und verhält sich bei Stürmen, wie ein friedliebender Kriegsheld, still. Dagegen toben und schäumen mehrere Schweizerseen, der Alemtejo in Portugal etc. einige Stunden zuvor, ehe das Ungewitter ausbricht.

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http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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