Quellen

Quellen, verbreiten überall, wo sie dem Schooße der Erde oder der Felswand des Gebirges entspringen, Fruchtbarkeit und Frische. Die Erdschichten, über welche ihr unterirdischer Lauf hineilt, theilen ihnen mineralische Zusätze mit, welche, wenn dieß in gewissen Graden der Fall war, heilkräftig auf die Gesundheit der Menschen wirken, und schon im Alterthume hielt man deßhalb die Q. für besonders werthvolle Gaben freundlicher Gottheiten. Der Naturforscher klassificirt die Q. in gleichförmige und periodische. Als Erklärung der Erstern wird namentlich in der Schweiz, wo dieselben sich vielfach zeigen, angenommen, daß die Berge verborgene Wasserbehälter oder Höhlen verschließen, welche von oben Zufluß erhalten und diesen, wenn sie überfüllt sind, durch heberförmige Canäle wieder ausströmen. Daß jedoch noch andere Ursachen zu diesem Naturwunder wirken, beweist der Umstand, daß 1755 die bekannte periodische Q. zu Colmar in der Provence, deren Wasserstrahl immer in der siebenten Minute aussetzt, durch das furchtbare Erdbeben, welches Lissabon zerstörte, in eine beständig fließende verwandelt wurde. Seit 1763 hat sie jedoch wieder angefangen auszusetzen sei. Haute combe in Savoyen gibt es eine Q., die zweimal in einer Stunde fließt und still steht. Die Q. von Frougauches bei Nismes thut dasselbe 4024 Stunden, und die sogenannten Bullerbaren bei Paderborn sollen 12 Stunden fließen und eben solange ruhen. Merkwürdiger noch als diese Unterbrechungen aber erscheint es, wenn die vulkanischen Gewalten, welche im Kerne unseres Erdballs toben, manchen Orten die Q. zu Verkündigern ihrer Nähe wählen und wie z. B. in Persien die kochende Naphta, anderwärts Erdpech und Schwefel (siehe Solsatara) emporquellen lassen, oder wie zu Booseley in Shropshire, das Feuer dem Wasser vermählen. Im Juni 1710 wurden die Landbewohner daselbst durch ein schweres, mit Orkan begleitetes Gewitter in Schrecken gesetzt. Ein donnerndes, unterirdisches Getöse weckte sie Nachts darauf und in einer sumpfigen Niederung zeigte sich ein bedeutendes Emporsteigen und Senken des Bodens, aus dem Wasser aufzuwallen schien. Ein herzhafter Mann grub an der Stelle nach und ward sogleich durch den hervorspringenden, starken Wasserstrahl umgeworfen. Zufällig an diese neuentdeckte Quelle gebrachtes Licht entzündete sie, und die Flamme des übrigens ganz kalten Wassers hatte, so lange man die Luft von ihr abhielt, eine solche Kraft, daß sie ganz grünes, ihr preisgegebenes Holz in starken Scheiten verzehrte. Um diese brennende Quelle, an welcher noch täglich das nämliche Experiment gemacht werden kann, zu sichern, umgab man sie mit einem Geländer und schloß sie mit einem Deckel. Unfern Velleja in Italien befindet sich eine ähnliche Quelle, die sich entzündet, wenn Licht an sie gebracht wird. Die wigansche Quelle in Lancashire hat ähnliche Eigenschaften. Ihr Wasser brennt jedoch wie Oel, da hingegen die flüchtigern Flammen der Ebenangeführten mehr denen des Weingeistes verglichen werden können. Wahrscheinlich ist ihre Existenz durch die großen Steinkohlenlager der Umgegend von Wigan, welche brennbare Luft entwickeln, bedingt, da die Gasarten der Tiefe es sind, die Veranlassung zu solchen Erscheinungen geben. Vor ungefähr 11 Jahren traf man zu Burkesville in Kentucky (Amerika) beim Bohren eines artesischen Brunnens auf eine Quelle reinen Oels, die anfänglich in der Minute fast 75 Gallonen desselben zu Tage förderte. Dieses Oel brennt so schön, wie das hellste Gas, sieht erst grün aus, wird aber später braun und riecht unangenehm eigenthümlich. Wegen seiner außerordentlichen Flüchtigkeit konnte es nur in luftdichten Gefäßen, die es nicht selten zersprengte, aufbewahrt werden. Leider scheint dieß wunderbare Naturprodukt, dem sogar medicinische Eigenschaften beigelegt wurden, nicht immer hervorquellen zu wollen, indem der fast 12 Fuß über die Oberfläche des Erdbodens spritzende Strahl in den letzten Jahren nur Soole, statt Oels enthielt. Ein dumpfes Geräusch, gleich unterirdischem Donner, begleitet jedesmal das Herauswerfen des Oels, welches vor zwei Jahren sechs Wochen lang erfolgte und dann neuerdings ausblieb. Ganz anderer Natur, doch nicht minder interessant, ist die versteinernde Tropf-Quelle zu Knaresborough, die am Fuße eines Kalksteinfelsens unsern des Flusses Nidd entspringt. Ihr Anblick ist höchst romantisch, weil sie sich nach kurzem Laufe über einen Felsgipfel verbreitet und von da als seltsame Cascade herabtröpfelt. Immergrün und Gebüsch schmücken den nur 30 Fuß hohen Felsen, und der Reiz dieses Quells, der auch der singende heißt, wird dadurch, daß jeder herabfallende Tropfen einen musikalischen Ton hervorbringt, unendlich erhöht. Nicht zu verwundern ist nach allem dem, daß in der Vorzeit so viele Mythen an die Anmuth, oder sonderbare Naturbildung mancher Quellen geknüpft wurden. Die Sage, ja die Geschichte selbst hat manche von ihnen geheiligt, und wenn das alte Griechenland uns von den fabelhaften Eigenschaften der Hippokrene, Aganippe, Acadine, Acidalie und des castalischen Quells in ehrwürdiger Ueberlieferung erzählt, so haben wir dafür aus dem Mittelalter die Quelle der Liebenden in Portugal und Vauclüses, durch Petrarea so berühmt gewordene Grotte mit der Sorgue lieblichen Quelle. Der koboldartige Geiser (s. d.) bietet noch immer dem ungelehrten Isländer seine regenbogenfarbigen Wasserstrahlen als zauberisches Geheimniß, und wie mancher Leidende, den die Heilquellen von langwierigen Qualen befreiten, möchte nicht ungern in die kindlich freundliche Idee des trefflichen Erzählers von Houwald eingehen, der in seinen Rübezahl-Mährchen z. B, Schlesiens Warmbrunn und Flinsberg als Eigenthum wohlthätiger Geisterfürstinnen schildert.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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