Avalon (Mythologie)

Avalon (veraltet: Avilion; verwandt mit der indogermanischen Wortwurzel aballo für „Apfel“), auch Avalun genannt, ist ein mystischer Ort, der aus der Artussage bekannt ist.

König Arthurs Tod, im Hintergrund die Barke zur Überfahrt nach Avalon

Inhaltsverzeichnis

Etymologie und Mythologie

Geoffrey of Monmouth nennt Avalon in seiner Historia Regum Britanniae (1135) auf lateinisch Insula Avallonis. In seiner 1150 verfassten Vita Merlini wird der Ort Insula Pomorum „Apfelinsel“ genannt. Avalon kommt von kymrisch abal („Apfel“) oder aball („Apfelbaum“), mittelkymrisch afallach, neuwalisisch afal, auch afall. Weitere Schreibweisen sind Ynis Avalach und Ynys yr Afallon.

Anzunehmen ist auch ein Einfluss durch die irischen Legenden um Manannán mac Lir und Lugh, wo der Ort Emain Ablach (von ablach „Äpfel besitzend“) heißt, was gleichzeitig in der altirischen Mythologie ein Name für die Isle of Man war, siehe auch Immram Brain „Brans Seefahrt“. Die gallisch-indogermanische Wurzel ist *abal „Apfel“, siehe auch Avallon in Burgund.

Der Artussage, später dann der Gralsgeschichte nach war Avalon der Aufenthaltsort des Königs Artus nach seiner Verwundung.

Lokalisierungsversuche

Avalon wird als ein im „Nebel verborgener“ Ort in Britannien beschrieben. Die Ankunft auf Avalon sei nur Eingeweihten möglich, welche die Macht haben, die heilige Barke zu rufen, und den Weg durch die Nebel zu finden. Alle anderen erreichten die Abtei von Glastonbury. Als „Übergangspforte“ wird im Volksglauben oft auch der Glastonbury Tor angesehen. Der Ort Glastonbury in England erhebt daher den Anspruch, das sagenhafte Avalon zu sein. Man kann dort, sozusagen als Beweis, das angebliche Grab von König Artus und seiner Gattin Guinevere besichtigen, ebenso wie weitere Gräber anderer Heiliger.

In Kroatien nahe Split wurden Grabplatten eines Lucius Artorius Castus gefunden. Daraus ließen sich seine Taten und die Bezeichnung König von Britannien entziffern, was gewisse, aber nicht beweisbare, Ähnlichkeiten mit der Personalie von König Artus ergibt.

Für die Theorie, dass die Kelten der britischen Inseln und die Gallier glaubten, ihre Vorfahren stammten von einem Kontinent, der im westlichen Meer versunken sei, gibt es keine stichhaltigen Beweise in der schriftlichen Tradition. Die Waliser nennen einen Ort, der als Insel in einem See (Avallonia, Avallach)[1] oder als Bardsey Island (Ynys Enlli) in der Bucht von Pwllheli (Avallun)[2] beschrieben wird.

Versuche, Avalon mit dem versunkenen Atlantis in Verbindung zu bringen, das laut Platon „während eines einzigen schlimmen Tages und einer einzigen schlimmen Nacht“ im Meer versank, sind in esoterischen Kreisen sporadisch vorhanden.

Avalon, oder römisch Abalus, ein altes keltisch/germanisches Heiligtum in der Nordsee gelegen, bestehend aus einem roten und einem weißen Felsen, war den damaligen seefahrenden Völkern gut bekannt. So auch den Angeln und Sachsen, als diese zum Ende der römischen Herrschaft in England ihre Siedlungsgrenzen nach Westen ausdehnten. Es ist für jeden, der die Windverhältnisse in der Nordsee kennt, gut denkbar, dass Abalus manchmal Zwischenstation für die Angelsachsen auf ihrer Reise nach Britannien war. Im Laufe der Wanderbewegung der europäischen Völker, des Niederganges des römischen Reichs und der Christianisierung der Nordvölker ging viel Wissen verloren und Abalus mystifizierte sich bei den britischen Völkern zu Avalon.

Abalus, beschrieben bei Plinius d. Ä. und Pytheas von Massilia, war den seefahrenden mediterranen Völkern seit der Bronzezeit bekannt als Lieferant für Bernstein und Kupfer. Helgoland wird oft als Rest Abalus', welches wesentlich größer angenommen wird, angesehen.

Avalon in der Literatur

Eine der ältesten Versionen erzählt Sir Thomas Malory in seinem Le Morte d'Arthur von 1470, das die meisten späteren Erzähler beeinflusst hat.

Die bekannteste Nacherzählung der Neuzeit ist der Fantasy-Roman Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer Bradley.

Fantasy und Populärkultur

Pendragon Zyklus und Avalons Rückkehr von Stephen Lawhead. Thomas A. Barrons Trilogie The Great Tree of Avalon (Der Zauber von Avalon). Gunter Arentzens 2003 erschienenes Buch Der Kelch von Avalon mit der Avalon-Legende in die Neuzeit. Wolfgang Hohlbein in Das Avalon-Projekt oder auch Indiana Jones und das Erbe von Avalon und den Legenden von Camelot 1-3.

Im 2001 gedrehten japanischen Spielfilm Avalon – Spiel um dein Leben (Regie Mamoru Oshii) tragen die Spieler Kämpfe aus, um nach Avalon vordringen zu können.

1982 wurde das Album avalon von Roxy Music veröffentlicht, 1989 Avalon Sunset von Van Morrison, 2006 das Album In Every Waking Moment der Schweizer Band Lovebugs zusammen mit Lene Marlin. Die britische Heavy-Metal Gruppe Iron Maiden veröffentlicht 2010 das Lied Isle of Avalon auf ihrem Album The Final Frontier. Auch Juliane Werding sang 1991 das Lied Zeit, nach Avalon zu geh’n. M People hatte ebenfalls einen Song mit dem Titel Avalon. Der Song "To Sheila" der Smashing Pumpkins eröffnet mit der Textzeile "Twilight fades through blistered Avalon". Die Band Bad Religion veröffentlichte 2010 den Song "Avalon" auf ihrem Album The Dissent of Man.

Siehe auch

Literatur

  • Geoffrey Ashe: Avalon, in: Norris J. Lacy (Hg.), The new Arthurian encyclopedia, New York & London 1996, Seite 25-26, ISBN 0-8153-2303-4
  • Avalon, in: Christopher W. Bruce, The Arthurian name dictionary, New York & London 1999, Seite 50-51, ISBN 0-8153-2865-6
  • Norris J. Lacy, Geoffrey Ashe: The Arthurian handbook, (= Garland reference library of the humanities, Volume 1920), 2. Auflage New York und London 1997, ISBN 0-8153-2081-7
  • Helmut Birkhan Kelten, Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2.korrigierte und erweiterte Auflage, Wien 1997 ISBN 3-7001-2609-3

Einzelnachweise

  1. Helmut Birkhan Kelten, Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 523, 843, 920
  2. Helmut Birkhan Kelten, Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 489 f.

Weblinks


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