Schwanzlurche
Schwanzlurche
Grünlicher Wassermolch (Notophthalmus viridescens); subadult

Grünlicher Wassermolch (Notophthalmus viridescens); subadult

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Schwanzlurche
Wissenschaftlicher Name
Caudata
Fischer von Waldheim, 1813
Überfamilien
Weltweite Verbreitung der Schwanzlurche

Die Schwanzlurche (Caudata; auch: Urodela) sind eine von drei Ordnungen der Amphibien. Sie werden rein umgangssprachlich oft in Salamander und Molche gegliedert, je nachdem, ob sie stärker an das Landleben angepasst sind („Salamander“) oder eine größere Bindung an das Wasser als Lebensraum erkennen lassen, etwa durch Flossensäume am Schwanz („Molche“). Allerdings sind auch die sogenannten Salamander häufig auf Gewässer zur Eiablage bzw. Larvalentwicklung angewiesen. Umgekehrt verbringen viele Molche einen Teil ihres Lebens an Land. Aus dem Blickwinkel der Systematik sind diese beiden umgangssprachlichen Bezeichnungen daher eher ungeeignet. Schwanzlurche sind vor allem holarktisch, also in gemäßigt temperaten bis subtropischen Gefilden der nördlichen Hemisphäre verbreitet. Allein neun von zehn Familien sind dabei in den USA anzutreffen. Nur von den Lungenlosen Salamandern (Plethodontidae) erreichen einige in Lateinamerika auch die Tropen und überschreiten den Äquator. Im Einzelnen werden Nord-, Mittel- und das nordwestliche Südamerika, Europa, nur der äußerste Nordwesten Afrikas sowie Asien (unter anderem aber ohne die Arabische Halbinsel und den Indischen Subkontinent) besiedelt. In Australien gibt es keine Schwanzlurche.

Die Ordnung wird in drei Überfamilien eingeteilt. Die urtümlichsten sind die Cryptobranchoidea (Riesensalamander und Winkelzahnmolche), die in Ostasien sowie in Nordamerika vorkommen und teilweise 1,5 (1,8) Meter lang werden können sowie die ebenfalls aquatil lebenden Armmolche (Sirenoidea) aus dem Südosten der USA. In der bei weitem größten Überfamilie, den Salamanderverwandten (Salamandroidea), sind auch alle in Europa vorkommenden Salamander und Molche vertreten.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Alle Schwanzlurche haben einen langgestreckten Körper und besitzen einen Schwanz, der – je nach artsystematischer Zugehörigkeit oder auch der jahreszeitlichen Lebensphase – im Querschnitt rundlich oder seitlich abgeflacht und mit Hautsäumen versehen sein kann. Bis auf die Armmolche, die keine Hinterbeine haben, weisen alle Schwanzlurche vier in etwa gleichlange Gliedmaßen auf, auf denen die Tiere sich – sofern sie sich an Land befinden – laufend (nicht hüpfend oder springend wie Froschlurche) fortbewegen. Auch bestimmte Merkmale im übrigen Knochenbau (beispielsweise Aufbau und, mit 30 bis 100 Stück, viel größere Anzahl der Rückenwirbel) sowie bei der Ausprägung von Zähnen in den Kiefern sind allen gemeinsam beziehungsweise trennen sie von den Froschlurchen. Im Gegensatz zu den meisten Fröschen haben Schwanzlurche noch freie Rippen (Ausnahme: Riesensalamander); Schulter- und Beckengürtel sind bei ihnen überwiegend knorpelig und weniger fest mit der Wirbelsäule verbunden als bei den Anura. Trommelfell und Mittelohr fehlen den Molchen und Salamandern generell. Der Geruchssinn dürfte eine größere Rolle spielen als bei den Fröschen und Kröten. Die Spanne der Körperlängen reicht von kaum mehr als drei Zentimetern (einige Arten der mexikanischen Gattung Thorius, Lungenlose Salamander) bis hin zu den manchmal mehr als anderthalb Meter langen Riesensalamandern, die zugleich die größten Amphibien der Gegenwart darstellen.

Anders als die Froschlurche, bei denen eine äußere Besamung des Laiches stattfindet, praktizieren Schwanzlurche eine indirekte innere Befruchtung (wiederum abgesehen von den Cryptobranchoidea, die noch weitere Eigenarten aufweisen). Dazu nimmt das Weibchen in der Regel ein zuvor vom Männchen abgesetztes Samenpaket (Spermatophore) mit seiner Kloake auf. Viele Schwanzlurche legen Eier in Gewässer und verbringen eine Larvenphase im Wasser; nur wenige sind lebendgebärend (ovovivipar). Die meisten Vertreter der artenreichsten Familie der Lungenlosen Salamander (Plethodontidae) deponieren ihre Eier allerdings an Land.

Molchlarve

Die im Wasser lebenden Larven (als „Kaulquappen“ werden nur die Larven der Froschlurche bezeichnet) haben in der Regel äußere Kiemenbüschel und entwickeln zunächst die vorderen Extremitäten. Sie ernähren sich – anders als Kaulquappen – ausschließlich carnivor. Eine besondere Erscheinung ist die Neotenie, bei der Larven nicht zur vollständigen Metamorphose zum Landtier gelangen, sondern zeitlebens Larvenmerkmale behalten. Die bekanntesten Beispiele dafür sind der Axolotl und der Grottenolm; ansonsten kommt dieses auch Pädomorphie ("Kindergestalt") genannte Phänomen ebenfalls nicht selten vor. Adulte Schwanzlurche atmen meist mit Lungen sowie durch die Haut; bei den lungenlosen Salamandern erfolgt der Gasaustausch allerdings nur über die Haut und die Schleimhäute der Mundhöhle.

Ein weiteres Merkmal vieler, auch adulter Schwanzlurche ist darüber hinaus die Fähigkeit zur Regeneration verlorengegangener Gliedmaßen oder des Schwanzes. Bei den Froschlurchen gelingt dies nur im Entwicklungsstadium der Kaulquappe.[1][2]

Taxonomie

Von einigen Autoren wird "Urodela" als der entsprechend der nomenklatorischen Bestimmungen gültige wissenschaftliche Name für die Schwanzlurche angesehen; im amerikanischen Sprachraum wird aber meist der Name "Caudata" verwendet. Derzeit sind etwa 580 Arten bekannt, wobei sich diese Zahl aufgrund von Phylogenese-Forschung ständig geringfügig ändern kann. Die folgende Tabelle zeigt eine Systematik der rezenten Schwanzlurche mit allen Gattungen und zusätzlich einer Auswahl von Arten (Europa mit rund 40 Arten möglichst vollständig; die Sortierung innerhalb der Überfamilien und Familien erfolgt alphabetisch nach den wissenschaftlichen Namen). Die in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorkommenden Taxa aus der Familie Salamandridae sind in Fettformatierung hervorgehoben.

Schlammteufel
(Cryptobranchus alleganiensis)
Großer Armmolch (Siren lacertina)
Axolotl (Ambystoma mexicanum)
Tigersalamander
(Ambystoma tigrinum)
Zweizehen-Aalmolch
(Amphiuma means)
Alligatorsalamander
(Aneides lugubris)
Bolitoglossa phalarosoma
Nototriton lignicola
Sopramonte-Höhlensalamander
(Speleomantes supramontis)
Grottenolm
(Proteus anguinus)
Lanzas Alpensalamander
(Salamandra lanzai)
Feuersalamander (Salamandra salamandra)
Bergmolch, Weibchen (Ichthyosaura alpestris)
Nördlicher Kammmolch, Männchen (Triturus cristatus)
Fadenmolch, Männchen (Lissotriton helveticus)
Teichmolch, Bauchseite Männchen (Lissotriton vulgaris)
Geknöpfter Birma-Krokodilmolch (Tylototriton verrucosus)


Siehe auch: Systematik der Amphibien

Einzelnachweise

  1. Ken Muneoka, Manjong Han & David M. Gardiner: Regeneration: Könnten menschliche Gliedmaßen nachwachsen? Spektrum der Wissenschaft (Online Ausgabe, 26. September 2008)
  2. A. Sánchez Alvarado: A cellular view of regeneration. Nature 460: 39-40. (2. Juli 2009) PMID 19571870

Weblinks


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