Solnhofen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Solnhofen
Solnhofen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Solnhofen hervorgehoben
48.89638888888910.993888888889410
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Weißenburg-Gunzenhausen
Höhe: 410 m ü. NN
Fläche: 13,5 km²
Einwohner:

1.678 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 124 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91807
Vorwahl: 09145
Kfz-Kennzeichen: WUG
Gemeindeschlüssel: 09 5 77 168
Gemeindegliederung: 3 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstr. 8
91807 Solnhofen
Webpräsenz: www.solnhofen.de
Bürgermeister: Manfred Schneider (SPD)
Lage der Gemeinde Solnhofen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
Gunzenhausen Absberg Alesheim Muhr am See Bergen (Mittelfranken) Burgsalach Dittenheim Ettenstatt Haundorf Heidenheim (Mittelfranken) Höttingen Langenaltheim Markt Berolzheim Meinheim Nennslingen Pappenheim Pfofeld Polsingen Solnhofen Theilenhofen Treuchtlingen Weißenburg in Bayern Westheim (Mittelfranken) Raitenbuch Pleinfeld Gnotzheim Ellingen Landkreis Donau-Ries Landkreis Roth Landkreis Ansbach Landkreis EichstättKarte
Über dieses Bild

Solnhofen ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und gilt als Fossillagerstätte von Weltrang. Nach dem Ort ist der Asteroid (3229) Solnhofen benannt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Die Gemeinde liegt im Tal der Altmühl, der durch den Ort fließt. Weißenburg in Bayern liegt knapp 12 Luftstreckenkilometer in nordwestlicher Richtung. Durch den Ort führen die Staatsstraßen 2217 und 2230, sowie der Altmühltalradweg. Solnhofen grenzt an den Regierungsbezirk Oberbayern.

Gemeindegliederung

Die politische Gemeinde Solnhofen hat 3 amtlich benannte Ortsteile[2]:

  • Eßlingen
  • Hochholz
  • Solnhofen

Nachbargemeinden

Die Nachbargemeinden sind im Norden die Stadt Pappenheim, im Westen die Gemeinde Langenaltheim und im Südosten das oberbayrische Schernfeld.


Der Solnhofener Plattenkalk

Hauptartikel: Solnhofener Plattenkalk

Berühmt ist Solnhofen vor allem wegen seiner Steinbrüche, die Fossilien aus dem etwa 150 Millionen Jahre alten Weißen Jura (Oberjura) enthalten. Die Überreste der in eine Lagune eingespülten Landlebewesen wie beispielsweise die des kleinen Dinosauriers Compsognathus, sechs Gattungen von Flugsauriern, verschiedenen Schildkröten und über 180 Insektenarten. Die bekanntesten und auch für die Evolutionsbiologie bedeutsamen Funde sind aber die bislang zehn Exemplare des „Urvogels“ Archaeopteryx aus Solnhofen und Umgebung. Das besterhaltene dieser Exemplare ist im Museum für Naturkunde (Berlin) zu bestaunen. Von hier kommen auch bis zu 30 cm große Fossilien von Ur-Garnelen. Der besonders feine Kalkstein („Lithografischer Schiefer”) aus den Steinbrüchen wurde vom Erfinder der Lithografie, Alois Senefelder, als Druckmaterial verwendet; heute noch gilt der Solnhofener Plattenkalk als das weltweit beste Material für lithografische Druckplatten.

Geschichte

Solnhofen wird in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts unter dem Namen „Husen“ urkundlich erstmals erwähnt. Im südlichen Sualafeld gehörte es zu den frühen religiösen Zentren, von denen aus Ostfranken erschlossen wurde. Der Hausmeier Karl Martell, 751 zum König der Franken gekrönt, beauftragte im Rahmen der kirchlichen Neuordnungsbewegung durch Winfried-Bonifatius 750/51 den angelsächsischen Mönch Sualo (Sola), den Ort Husen zu verwalten und die ansässige Bevölkerung kirchlich zu betreuen. Dieser errichtete mit Hilfe der angelsächsischen Mönche Willibald im nahen Eichstätt und dessen Buder Wynnebald (Wunibald) von Heidenheim ein Kloster aus Stein und erhielt von Karl dem Großen den Ort geschenkt.

Sola-Basilika
Sola-Basilika, Grabungsbefund

Als Sualo, um dessen Leben sich viele Legenden ranken, am 3. Dezember 794 starb, vermachte er den Ort "Solaehofinum" (so 790 genannt), woraus sich die Bezeichnung Solenhofen/Solnhofen entwickelte, mitsamt der „cella Solnis/Suolonies“ dem Königskloster Fulda. Zu der nunmehr Fuldaischen Propstei Solnhofen, ab 836 als Benediktinerkloster nachweisbar, gehörten im 9. Jahrhundert 20 Höfe. 834 wurde durch den kaiserlichen Hofkaplan Gundram als Propst der Leichnam Solas in einem Hochgrab, einer aus Kalkstein gemauerten Tumba, neu beigesetzt. Anstelle der damals errichteten Kirche weihte der Eichstätter Bischof Gundekar II. (reg. 1057–75) eine neue Kirche, eine frühromanische Säulenbasilika, von der sich noch ein 21 m langes Seitenschiff mit vier Arkadenbögen und der (leeren) Tumba des hl. Solo erhalten hat.

Die Fuldaer Besitzungen unterstanden außerdem den Grafen von Truhendingen als Schutzvögte, die eine St. Veit-Pfarrkirche errichteten. Die Trennungslinie zwischen den beiden Herrschaftsbereichen war die heutige auf der Jurahöhe führende Senefelder Straße. Durch zunehmende Verschuldung gezwungen, verkauften die Grafen den Ort Mühlheim an der Gailach, der einst zu Solas Besitz gehörte, 1282 an Bischof Reinboto von Eichstätt. 1310 erbten die Burggrafen von Nürnberg, die späteren Markgrafen von Ansbach-Brandenburg, die restlich verbliebenen Rechte der Truhendinger. 1420 wurde der Ort durch den Bayernherzog Ludwig der Gebartete niedergebrannt. Vergeblich versuchten immer wieder Pröpste, sich vom Kloster Fulda zu lösen, 1478 gar durch einen Prozess in Rom.

Entscheidendes tat sich erst wieder im 16. Jahrhundert. 1525–34 wurde die Propstei unter Markgraf Kasimir von Brandenburg-Kulmbach säkularisiert; weltliche markgräfliche Amtmänner verwalteten die ehemaligen Klostergüter weiter. Die Klosterkirche wurde Pfarrkirche, während die bisherige, vogtische Pfarrkirche St. Veit von 1544 an noch zwei Jahrhunderte lang als Wohnhaus diente und dann abgerissen wurde. 1533 wurde die (evangelische) Nürnberg-Brandenburgische Kirchenordnung gegen den Widerstand sowohl des Propstes als auch des Pfarrers eingeführt. Im Dreißigjährigen Krieg hatte Solnhofen unter Einquartierungen und Ausplünderungen zu leiden; 1634–40 gab es keinen Pfarrer am Ort.

Für 1720 ist ein Flügelaltar mit Darstellungen von Wundern des h. Sola nachgewiesen, der 1734 bei einer Renovierung der Solabasilika entfernt wurde. 1782 wurde die baufällige Basilika größtenteils abgebrochen und die evangelische St. Veitskirche in unmittelbarer Nähe und teilweise auf Resten der Basilika im Markgrafenstil erbaut und 1785 eingeweiht. 1791 verkaufte der letzte Ansbacher Markgraf seine Besitzungen und Rechte und damit auch Solnhofen an Preußen, wo es bis 1803 verblieb, als der Ort durch Gebietstausch an das Kurfürstentum Bayern abgetreten wurde.

1649 bis ca. 1800 bestand in Solnhofen eine Glasindustrie, gegründet von Hans Greiner aus Konstein. In dieser Zeit kamen in mehreren Schüben Exil-Protestanten aus Österreich nach Solnhofen.

1870 wurde die durch Solnhofen führende Bahnstrecke Ingolstadt–Treuchtlingen eröffnet. Die Zunahme der katholischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert führte 1903–05 zum Bau der katholischen St. Solakirche. 1963 wurde diese zur Kuratie erhoben, die 2005 805 Katholiken umfasste.

1961–79 wurden im ehemaligen Klosterbereich archäologische Grabungen durchgeführt, die zeigten, dass schon vor Sola hier zwei Kirchen standen, zunächst ein kleiner Kirchenbau aus der Mitte des 7. Jahrhunderts, der dann durch Anbauten um 700 zu einer größeren Kirche wurde - eventuell bereits ein Kloster, da zwei getrennte Räume nachgewiesen wurden. Diese zweite Kirche fiel den Kriegszügen Karl Martells 725 und 728 gegen die Bayern zum Opfer. Sie wurde nach 794 als Saalkirche mit zwei Säulenreihen und erhöhtem Chorraum und Stollenkrypta wiedererrichtet und dürfte die wohl nach Umbauten oder nach endgültiger Fertigstellung von Gundekar II. geweihte Kirche sein. 1977 wurde zu der noch vorhandenen Säulenreihe eine zweite in Kopie errichtet; die originalen Rundsäulen mit Kapitellen sind in das Archäologische Museum München verbracht worden. Dort befindet sich auch das vermutlich zur Solabasilika gehörende, um 1065 entstandene „Solamedaillon“, ein Rundrelief mit der Darstellung eines Fackelträgers.

Politik

Gemeinderat

Bei den Kommunalwahlen am 2. März 2008 wurden die 12 Sitze im Gemeinderat wie folgt auf die Parteien verteilt:

Wappen

Die Wappenbeschreibung lautet: Geteilt; oben in Silber ein schwarzes Kreuz, unten dreimal geteilt von Rot und Gold.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Alois-Senefelder-Denkmal
Pfarrgarten St. Veit, Grabstein-Detail
Katholische St. Sola-Kirche
Archaeopteryx-Denkmal bei Solnhofen

Museum

Das modern gestaltete, mit viel Solnhofener Stein ausgebaute Bürgermeister-Müller-Museum im Rathaus zeigt eine einzigartige Sammlung von Fossilien aus dem Plattenkalk. Besonders reichhaltig vertreten ist die Welt der Fische. Wertvollste Stücke sind die Originale des 6. und 9. Urvogels (Archaeopteryx). Auch sind hier eine historische Lithografie-Presse (bei Voranmeldung mit Vorführung) und Lithografien zu sehen.

Bauwerke

  • Die Solnhofener Solabasilika zählt mit ihren Säulen aus karolingischer Zeit zu den ältesten Baudenkmälern Deutschlands. Bei Ausgrabungen dort entdeckten Wissenschaftler von der Universität Heidelberg bis in die Mittelsteinzeit zurückreichende Siedlungsspuren.
  • Die evangelisch-lutherische St. Veit-Pfarrkirche ist ein Bau im so genannten Markgrafenstil (Kanzel und Orgel sind über dem Altar angebracht) und wurde auf dem südlichen Seitenschiff der ehemaligen Solabasilika 1784 errichtet. Der 29 m hohe Turm mit seinem Spitzhelm hat im Untergeschoss noch Teile des Kirchturms aus dem 11. Jahrhundert. Im Innern der Kirche sind ältere Grabplatten angebracht. Im Pfarrgarten stehen eindrucksvolle Grabsteine des früheren Friedhofes.
  • Das ursprünglich 5,5 m hohe Senefelder-Denkmal befindet sich in der Ortsmitte auf einem kleinen Platz unweit der Sola-Basilika. Es wurde 1845 von Etienne Hippolyte Maindron (* 1801; † 1884) aus südfranzösischem Sablonière-Kalkstein für den Pariser Lithografen Alfred Léon Lemercier geschaffen. Sein ursprünglicher Standort war ein Pariser Salon, von wo aus es 1846 in den Privatpark Lemerciers verbracht wurde. Bei Auflösung von dessen Firma 1901 ersteigerte das Denkmal Hermann Weinmann, Direktor der Solenhofener-Aktien-Vereins. Am 9. Oktober 1904 wurde es neben einer 1871 gepflanzten Friedenslinde in Solnhofen eingeweiht. 1965 wurde es im Zuge einer Straßenverbreiterung wenige Meter entfernt an den heutigen Standort versetzt. Bei dieser Gelegenheit wurde ein neuer Sockel aus Juramarmor untergesetzt, so dass die Gesamthöhe nurmehr 3,5 m beträgt.
  • Die katholische Kirche St. Sola, Filialkirche von Pappenheim, wurde nach einem Entwurf von Friedrich Nierdermayer, Regensburg, 1905 in frühgotischem Stil aus Jura-Kalksteinen errichtet. Sie birgt links im Chorraum ein Sola-Reliquar. Spätgotische Plastiken stammen aus St. Lambertus in Treuchtlingen.

Tourismus

Solnhofen ist trotz einer langen touristischen Tradition nach wie vor ein recht beschaulicher und ruhiger Ort mit einer sehr überschaubaren Anzahl gastronomischer und touristischer Angebote. Touristische Kernangebote sind einerseits das bereits o.g,. Bürgermeister-Müller-Museum, zum anderen die sehr guten Möglichkeiten für Kanu- , Rad- und Wanderurlaube.

Literatur

  • Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Bayern. Stuttgart 1961, S. 700f.
  • W. Maier/Schauer: Solnhofen. 10-seitiges Faltblatt o. J.
  • Heimatbuch Solnhofen, Solnhofen: Gemeinde Solnhofen 1975
  • August Sieghardt und Wilhelm Malter: Altmühltal von Treuchtlingen bis Kelheim mit Eichstätt, Heroldsberg 1979, S. 142-148
  • Waltraut Schrickel (Red.): Solnhofen. Solabasilika und Propstei. Entstehung und Entwicklung eines kirchlichen Zentrums. Solnhofen: Gemeinde Solnhofen 1987
  • Leonhard Schauer: Die Glasindustrie in Solnhofen, Solnhofen: Gemeinde Solnhofen 1987
  • Leonhard Schauer: Kirchen, Friedhöfe, Grabdenkmäler und Gedenkstätten in Solnhofen, Solnhofen 1990
  • Festschrift zum Sola-Jahr 1994. 1200 Jahre Solnhofen. Solnhofen: Gemeinde Solnhofen 1994
  • Jutta Simone Schwaab: Wo Sola einst Wunder wirkte. In: Kirchenzeitung Bistum Eichstätt Nr. 32/33 vom 10./17. August 1997, S. 21f.
  • Stahl behütet karolingische Baukunst. Warmherziger Missionar und wundertätiger Einsiedler. In: Donaukurier Ingolstadt vom 5. Dezember 1997, S. 28
  • Gotthard Kießling: Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. (Denkmäler in Bayern, V 70/1), München 2000, ISBN 3-87490-581-0, S. 565-579
  • Marie Derra: Der Solnhofener Naturstein und die Erfindung des Flachdruckes durch Alois Senefelder, Solnhofen 2002
  • 100 Jahre katholische Kirche St. Sola Solnhofen 1905-2005. Festschrift, Solnhofen/Weißenburg 2005
  • Walter Greiner: Auf den Spuren der Glasmacher von der Neuzeit bis in die Antike, Sonthofen: Selbstverl., 2005, 198 S.
  • Die Kirche St. Sola in Solnhofen. In: Gästebrief 2007 Bistum Eichstätt, S. 4f.

Einzelnachweise

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Quartale (hier viertes Quartal, Stichtag zum Quartalsende) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111025/224258&attr=OBJ&val=1520

Weblinks

 Commons: Solnhofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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