Unitarismus


Unitarismus

Der Unitarismus (lat. unitasEinheit) entwickelte sich aus dem Antitrinitarismus der Radikalen Reformation, deren Anhänger das Dogma der Trinität ablehnten, da sie hierin Luthers reformatorisches Prinzip sola scriptura (Allein durch die Schrift) verletzt sahen.

Die Vertreter des Unitarismus lassen sich heute im Wesentlichen in zwei Gruppen einteilen:

Diese beiden Gruppen haben sich mehrheitlich im Internationalen Rat der Unitarier und Universalisten zusammengeschlossen.

Im weiteren Sinne lassen sich auch Vertreter eines biblizistischen Christentums, das die Trinität ablehnt, zu den Unitariern zählen. Hierzu zählen insbesondere die Christadelphians, die theologisch in vielen Punkten mit den früheren Sozianern übereinstimmen. Des Weiteren lassen sich die Bibelforscherbewegung sowie die Anhänger von William Branham und der Konkordanten Übersetzungsmethode nennen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Reformation

Frühe Vertreter des reformatorischen Antitrintarismus in Deutschland waren unter anderem die Heidelberger Theologen Johannes Sylvanus und Adam Neuser. Beide wurden vom calvinistisch geprägten Fürstenhaus in der Pfalz als Ketzer angesehen und deshalb verfolgt. Neuser konnte nach Siebenbürgen flüchten, wo er sich den dortigen Unitariern anschloss; Sylvanus dagegen wurde am 23. Dezember 1572 auf dem Heidelberger Rathausmarkt hingerichtet, nachdem sich ein Rechtsgutachten der lutherisch geprägten Universität in Wittenberg für die Hinrichtung ausgesprochen hatte. Auch im Umfeld der Täuferbewegung kam es zu antitrinitarischen Positionierungen. Zu nennen wären hier vor allem Ludwig Hätzer und Adam Pastor.

Zur Herausbildung des eigentlichen Unitarismus trugen vor allem antitrinitarische Intellektuelle wie Michael Servetus, Matteo Gribaldi, Lelio Sozzini, Fausto Sozzini und Petrus Gonesius bei. Bereits 1531 hatte der spanische Jurist Michel Servet in seiner theologischen Abhandlung De Trinitatis erroribus das Dogma der Trinität verworfen. Nach Servets Hinrichtung wurden seine Gedanken vor allem von italienischen Intellektuellen wie Matteo Gribaldi, Lelio Sozzini und Fausto Sozzini aufgegriffen und weiterentwickelt. Basierend auf Servets Ideen formulierte Gribaldi eine Theologie des subordinatianischen Tritheismus, die anschließend von seinem Schüler Petrus Gonesius in Polen und Litauen verbreitet wurde. Mit Gonesius fand so ein Transfer antitriniarischer Positionen von Italien nach Osteuropa statt, wo sich unter dem Schutz religiös toleranter Könige dauerhaft unitarische Kirchen bilden konnten. In Ländern wie Deutschland oder der Schweiz dagegen wurden Antitrinitarier weiter als Häretiker verfolgt und umgebracht. In Norditalien konnten sich antitrinitarische Gemeinde zeitweise noch als Untergrundbewegung halten.

Obwohl sich Servets Theologie in einigen Punkten wie der Präexistenz Christi noch deutlich von denen der späteren Unitarier in Polen und Siebenbürgen unterschied, wird Servet bis heute von den meisten christlichen wie auch humanistischen Unitarier als Pionier der unitarischen Idee angesehen.

Osteuropa

Größere unitarische Kirchen bildeten sich vor allem in Polen-Litauen sowie in Ungarn und Siebenbürgen. Die polnisch-litauischen Unitarier konstituierten sich bereits im Jahr 1565. Sie wurden auch unter dem Namen „Polnische Brüder“ bekannt. Eine große Rolle bei der Gründung der Polnischen Brüder spielte der polnisch-litauische Theologe Petrus Gonesius. Einen nicht unbedeutenen Einfluss bei der weiteren Entwicklung der polnischen Unitarier hatte auch der von Lelio Sozzini und seinem Neffen Fausto Sozzini begründete Sozinianismus. Anders als die siebenbürgischen Unitarer waren die Polnischen Brüder auch stark von der radikal-reformatorischen Täuferbewegung beeinflusst. Zentrum der Polnischen Brüder und des polnischen Sozinianismus war die polnische Stadt Raków. Mit der beginnenden Gegenreformation Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die Polnischen Brüder größtenteils vertrieben und fanden unter anderem in Siebenbürgen und den Niederlanden Aufnahme.

Die Unitarier in Ungarn und Siebenbürgen etablierten sich 1568. Einen großen Einfluss übten hierbei Giorgio Biandrata und Franz Davidis aus. Die unitarische Kirche in Siebenbürgen besteht bis heute. Anders als die Mehrzahl unitarischer Gemeinschaften sind die siebenbürgischen Unitarier nicht kongregationalistsch struktuiert und haben deshalb einen Superintendenten.

Großbritannien

Unitarische Kirche in Liverpool-Toxteth

Bereits im 16. Jahrhundert lassen sich antitrinitarische Positionen in Großbritannien feststellen. Zu nennen sind unter anderem die Theologen John Assheton und Bartholomew Legat. Im 17. Jahrhundert machte sich vor allem auf literarischem Gebiet der Sozianismus geltend. In London bestand zeitweise ein sozianischer Zirkel. Zu einer unitarischen Gemeindebildung kam es jedoch erst im Zuge der Aufklärung im Jahr 1774, als mit der Essex Street Chapel die erste englische Unitarierkirche gegründet wurde. Im Jahr 1813 wurde auch in Schottland ein unitarischer Gemeindeverband gegründet.

Im Jahr 1928 wurde schließlich die General Assembly of Unitarian and Free Christian Churches (GAUFCC) als Dachverband der britischen Unitarier und Freien Christen gegründet. Hierzu gehört auch die 1991 gegründete Unitarian Christian Association, die vor allem die christlichen Unitarier vertritt.

Vereinigte Staaten

Der Unitarismus in den Vereinigten Staaten entwickelte sich im Wesentlichen wie in England. Er durchlief die Stadien vom frühen Antitrinitarismus bis hin zum Rationalismus und Modernismus. Als Grundlage diente eine großzügige Aufnahme der Ergebnisse der vergleichenden Religionswissenschaft. Schwerpunkt des amerikanischen Unitarismus war im frühen 18. Jahrhundert vor allem Neu-England.

Bereits vor dem Unabhängigkeitskrieg zeigten sich vereinzelte Fälle des Arianismus, und auch der aus der französischen Aufklärung kommende Deismus verbreitete sich. Eine feste Organisationsstruktur gab es jedoch noch nicht.

Doch schon Mitte des 18. Jahrhunderts übernahmen zahlreiche Theologen in Neu-England eine im Wesentlichen antritrinitarisch-unitarische Poitionierung. Prominentester Vertreter war Jonathan Mayhew (1720–1766), der zwischen 1747 und 1766 als Pastor an der West Church in Boston wirkte. Er verkündete die strikte Einigkeit Gottes, die Subordination der Natur Christi und die Erlösung durch die Schrift.

Charles Chauncy (1705–1787), Pastor der First Church von 1727 bis zu seinem Tod und Hauptgegner Edwards im Great Awakening, war sowohl Unitarier als auch Universalist. Andere Unitarier waren Ebenezer Gay (1698–1787) in Hingham, Samuel West (1730–1807) in New-Bedford, Thomas Barnard (1748–1814) in Newbury, John Prince (1751–1836) und William Bentley (1758–1819) in Salem sowie Aaron Bancroft (1755–1836) in Worcester.

Die erste offizielle Aufnahme des unitarischen Glaubens in einer Kirchengemeinde erfolgte 1782 in der Kings Chapel in Boston unter James Freeman (1759–1835), der das Gebetbuch 1785 zu einer unitarischen Liturgie herabmilderte. William Hazlitt, der 1783–1785 die USA bereiste, berichtete von unitarischen Gemeinden unter anderem in Philadelphia, Boston, Charleston, Pittsburgh, Hallowell, und Cape Cod.

1792 wurden in Portland und Saco unitarische Gemeinden von Thomas Oxnard gegründet; 1800 konvertierte die First Church in Plymouth zum liberaleren Glauben. Der 1794 in die USA eingewanderte Joseph Priestley gründete im selben Jahr eine unitarische Kirche in Northumberland (Pennsylvania), und 1796 eine in Philadelphia. Seine Schriften waren von erheblicher Wirksamkeit.

Etwa 1725 bis 1825 entwickelte sich in Neu-England und darüber hinaus ein toleranterer und rationalerer Glaube. Erste sichtbare Spuren dieser Veränderung hinterließ 1805 die Ordination von Henry Ware (1764–1845) zum Professor of divinity am Harvard College.

Im gleichen Jahr erschienen unitarische Bücher von John Sherman (1772–1828) und Hosea Ballou (1771–1852); 1810 von Noah Worcester (1758–1837). Anfang des 19. Jahrhunderts waren – bis auf eine Ausnahme – alle Bostoner Predigtstellen von Unitariern besetzt und etliche unitarische Zeitschriften und Organisationen veröffentlichten dort ihre Ansichten. Zur selben Zeit entstanden unitarische Kirchen, darunter in New York City, Baltimore, Washington, D.C. und Charleston.

1800 wurde Joseph Stevens Buckminster Pfarrer der Brattle Street Church in Boston. Durch seine brillanten Predigten, seine literarische Tätigkeit und akademische Förderung des deutschen „New Criticism“ verhalf er in der Folgezeit dem Unitarismus in Neu-England zu weiterem Wachstum.

Buckminsters nächster Gefährte war William Ellery Channing (1780–1842), der 1803 nach Boston kam und bald zum Führer der unitarischen Bewegung avancierte. Zunächst eher mystisch als rationalistisch eingestellt, wandte er sich den „Catholic Christians“ – wie sie sich nannten – zu, die eine harmonische Vereinigung des Christentums mit dem Fortschritt der Zeit anstrebten. Seine Aufsätze Das System der Exklusion und der Denunziation in der Religion (1815) und Einwände gegen das unitarische Christentum – Unitarier. Kritisch betrachtet (1819), machten ihn zu einem Apologeten des Unitarismus. Seine Predigt über das „Unitarische Christentum “, gehalten 1819 in Baltimore anlässlich der Ordination von Jared Sparks und die Abhandlung 1821 in New York „Warum das unitarische Christentum am vorteilhaftesten für die Frömmigkeit ist“, machten ihn zu seinem führenden Interpreten.

Das Resultat war eine wachsende Aufteilung in kongregationalistische Kirchen, die 1825 durch die Anordnung der American Unitarian Association in Boston angeregt wurde. Dieser Schritt erfolgte, um „das Wissen und die Interessen des reinen Christentums zu verbreiten“ und zu fördern. Man veröffentlichte Traktate und Bücher, unterstützte bedürftige Gemeinden, entsandte Missionare in jeden Teil des Landes und gründete neue Kirchen in fast allen Bundesstaaten.

Im Wesentlichen nichtsektiererisch und ohne übertrieben missionarischen Eifer wuchs die unitarische Bewegung langsam an; aber ihr Einfluss wirkte wesentlich durch die allgemeine Kultur und Literatur des Landes. Viele ihrer Geistlichen entstammten anderen Denominationen; allerdings war die Harvard Divinity School 1816 bis 1870 erklärtermaßen und grundsätzlich unitarisch, bis sie 1870 eine integrierte Abteilung der Universität wurde. Die Meadville (Pa.) Theological School wurde 1844 gegründet; 1904 die Unitarian Theological School at Berkeley (Kalifornien).

Die Entwicklung des unitarischen Denkens in den USA umfasst drei Perioden. Die erste, von 1800 bis 1835, war im Wesentlichen beeinflusst durch die englische Philosophie, semi-supranaturalistisch, nicht vollständig rationalistisch, der Philanthropie und dem praktischen Christentum verpflichtet. Dr. Channing war ihr prominenter Vertreter.

Die zweite Phase (1835–1885) war wesentlich beeinflusst durch den deutschen Idealismus (siehe Transzendentalismus), in zunehmendem Maße rationalistisch, obwohl ihre Theologie reichlich Anteile on Mystizismus aufwies. Die 1865 gegründete National Unitarian Conference bestätigte klare christliche Grundsätze und formulierte, dass ihre Mitglieder „Jünger des Herrn Jesus Christus“ seien.

Daraufhin bildete die rationalistische Minderheit eine freireligiöse Verbindung (Free Religious Association), „um das wissenschaftliche Studium der Theologie anzuregen und die Gemeinschaft im Geist zu fördern“. Die Western Unitarian Association übernahm diese Position und gründete eine „Gemeinschaft ohne dogmatischen Prüfungen, doch mit dem aufrichtigen Wunsch, die „Wahrheit, Rechtschaffenheit und Liebe in der Welt zu verbreiten.“

Diese Periode der Kontroverse und der aktiven theologischen Gestaltung endete bald nach 1885; und ihr Ende wurde durch die Tätigkeit der nationalen Konferenz in Saratoga bestätigt, als nahezu einmütig beschlossen wurde: „Diese Kirchen halten sich an die Religion Jesu, in Übereinstimmung mit seinen Lehren, dass die praktische Religion sich in der Liebe zu Gott und dem Menschen äußert. Die Konferenz erkennt die Tatsache, dass ihre Verfassung auf die Gemeinde in Tradition und Gegenwart ist. Daher erklärt sie, dass nichts in dieser Verfassung als autoritärer Test gelten soll; und wir laden herzlich jene in unsere Gemeinschaft ein, die sich von uns im Glauben unterscheiden, oder eine allgemeine Sympathie zu unserem Sinn und unseren praktischen Zielen hegen.“ Die Führer dieser Periode waren Ralph Waldo Emerson mit seinem Idealismus und Theodore Parker mit seiner Sicht des Christentums als absolute Religion.

Die dritte Periode begann etwa 1885 als Periode des Rationalismus, der Anerkennung einer universalen Religion, und der breiten Akzeptanz wissenschaftlicher Methoden und Ideen sowie als ethischer Versuch, die höheren Ziele des Christentums zu verwirklichen. Sie war gekennzeichnet durch eine allgemeine Harmonie und Einheit, stetes Wachstum in der Zahl der Kirchen und eine wachsende Gemeinschaft mit anderen ähnlich gesinnten Bewegungen.

Diese Phase fand ihre Gestalt in der Gründung des internationalen Rates unitarischer und anderer freireligiöser Denker und Arbeiter in Boston am 25. Mai, „um eine Verbindung zu den Menschen aller Länder zu knüpfen, die sich mühen, die reine Religion mit der vollkommenen Freiheit zu vereinigen, und die Gemeinschaft und Zusammenarbeit zu fördern.“ Dieser Rat tagte im Zweijahresrhythmus in London, Amsterdam, Genf und Boston. Nach 1885, als der Einfluss Emersons wuchs, wurde der Unitarismus durch die wissenschaftlichere Predigt Minot J. Savages geprägt, und fand seine Führer in Darwin und Spencer.

Die Zahl unitarischer Kirchen in den USA betrug 1909 461, mit 541 Geistlichen bei einer Kirchenmitgliedschaft von rund 100.000. Die Zeitschriften waren: The Christian Register, wöchentlich, Boston; Unity, wöchentlich, Chicago; The Unitarian, monatlich, New York; Old and New, monatlich, Des Moines; Pacific Unitarian, San Francisco. Über die eigenen Grenzen hinaus erreichte die Gemeinschaft Anerkennung durch die Publikationen Henry Whitney Bellows, Edward Everett Hales, den einflussreichen James Freeman Clarke und die Popularität Robert Collyers.

1961 vereinigte sich die American Unitarian Association mit Universalist Church of America zur Unitarian Universalist Association of Congregations (UUA).

Die American Unitarian Conference (AUC) wurde 2000 gegründet mit dem Ziel der „Erneuerung des historischen unitarischen Glaubens“. Sie vertritt ein Bündel Gott-zentrierter religiöser Grundregeln, verzichtet aber – wie der unitarische Universalismus – auf ein verbindliches Glaubensbekenntnis der Mitglieder.

2004 wurde der Red River Unitarian Universalist Church Denison (Texas) die staatliche Steuerfreiheit verweigert, weil die Kirche angeblich „kein Glaubenssystem“ habe. Dieser in der Geschichte der Vereinigten Staaten wohl einmalige Fall, dass einer unitarischen Kirche dieser Status wegen Glaubensfragen verweigert wurde, wurde später wieder rückgängig gemacht.

Deutschland

Die Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft entwickelte sich aus den seit 1876 existierenden freien protestantischen Gemeinden in Rheinhessen. Der damalige Pfarrer Rudolf Walbaum kam 1910 auf einem Kongress liberaler Theologen in Berlin in Kontakt mit amerikanischen Unitariern. Auf seine Initiative wurde dem Namen der Beiname „Deutsche Unitarier“ hinzugefügt, so dass die Religionsgemeinschaft nun Religionsgemeinschaft Freier Protestanten – Deutsche Unitarier hieß. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildeten sich zahlreiche neue Gemeinden aus Menschen, die keinem christlichen Bekenntnis angehörten. Hierzu trug vor allem die rege Tätigkeit Walbaums in Entnazifizierungs-, Gefangenen- und Flüchtlingslagern bei. Dadurch kamen auch ehemalige Mitglieder der im Dritten Reich entstandenen deutsch-völkischen Gruppen zu den Deutschen Unitariern. Der Zustrom vieler neuer Mitglieder aus unterschiedlichen Vorgängerorganisationen stärkte die Religionsgemeinschaft, führte aber auch zu Konflikten. Manche Mitglieder verließen die Deutschen Unitarier und traten freireligiösen Gemeinden bei. 1950 nahm die Religionsgesellschaft den Namen „Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft“ an. 1954 kam es zum Austritt der freiprotestantischen „Urgemeinden“ als „Unitarische Religionsgemeinschaft Freie Protestanten KdöR“. Weitere interne Konflikte führten 1987 zur Abspaltung der völkisch-pantheistischen „Arbeitsgemeinschaft Europas eigene Religion“, die sich später in „Bund Deutscher Unitarier, Religionsgemeinschaft europäischen Geistes“ umbenannte.

Die „Unitarische Freie Religionsgemeinde KdöR“ in Frankfurt/Main ging aus der Freireligiösen Bewegung hervor. 1845 wurde in Frankfurt die „Deutsch-Katholische Gemeinde“ gegründet. 1859 nahm diese zusätzlich den Namen „freie religiöse“ oder „freireligiöse“ Gemeinde an. In diesem Jahr wurden der Religionsgemeinschaft die Körperschaftsrechte (als Körperschaft des öffentlichen Rechts) verliehen, die 1930 in Preußen und 1984 durch das Hessische Kultusministerium bestätigt wurden. 1921 verkürzte sie ihren Namen in „Freireligiöse Gemeinde“. Seit 1926 nannte sie sich „Unitarische freireligiöse Gemeinde“. 1927 schloss sie sich mit den Deutschen Unitariern zum „Deutschen Unitarierbund“ zusammen, der 1935 verboten wurde. 1948 erfolgte die Umbenennung in „Unitarische Freie Religionsgemeinde“.

Verbreitung

Unitarische Glaubensgemeinschaften finden sich heute vor allem in Ungarn, Rumänien (Siebenbürgen), Großbritannien, Deutschland und Nordamerika. Im Jahr 1995 wurde der International Council of Unitarians and Universalists (ICUU, zu deutsch: Internationaler Rat der Unitarier und Universalisten) gegründet, der darum bemüht ist, sämtliche Richtungen der Unitarier und Universalisten zusammenzufassen. Deutsches Mitglied (und Gründungsmitglied) des ICUU ist die Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft.

In Deutschland bestehen unter anderem die Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft, die „Unitarische Freie Religionsgemeinde K. d. ö. R.“ in Frankfurt/Main, die „Unitarische Religionsgemeinschaft Freie Protestanten KdöR“ in Rheinland-Pfalz, die „Unitarische Kirche in Berlin“ sowie die „Unitarian Universalist Fellowship of Frankfurt“. Die meisten der heute in Deutschland vertrenen unitarischen Gemeinschaften vertreten heute einen humanistischen Unitarismus, der sich inzwischen von dem christlichen Unitarismus der Reformationszeit gelöst hat.

Eine Reihe von christlichen Gemeinschaften in Deutschland kann des Weiteren als „unitarisch“ im Sinne von „nicht-trinitarisch“ bezeichnet werden, wie die Christadelphians, die verschiedenen Gruppen der Bibelforscherbewegung, einige Adventisten des 7. Tages und Anhänger von Splittergruppen aus der ehemaligen Weltweiten Kirche Gottes (die inzwischen voll trinitarisch ist).

Die Unitarische Kirche in Berlin (UKiB) wurde 1948 von Pfarrer Hansgeorg Remus gegründet und ist eine eigenständige Organisation.

Die Unitarian Universalist Fellowship of Frankfurt ist eine englischsprachige, internationale Laiengemeinschaft, die enge Beziehungen zur Unitarian Universalist Association (UUA) in den USA und zu den European Unitarian Universalists (EUU) unterhält.

Christliche/Theistische Unitarier

Der im 16. Jahrhundert vor allem in Polen-Litauen und Siebenbürgen entstandene christliche Unitarismus bildet heute nur noch eine Minderheit innerhalb des weltweiten Unitarismus. Heute noch bestehende christlich-unitarische Gemeinschaften sind beispielsweise die Unitarische Kirche in Siebenbürgen sowie die Unitarian Christian Association (UCA) in Großbritannien. Die christlichen Unitarier gehen im Wesentlichen auf den Antitrinitarismus der Radikalen Reformation zurück. Sie halten am Glauben an einen persönlichen Gott (Theismus) fest und teilen meist christlich-protestantische Glaubensprinzipien.

Humanistische Unitarier

Die humanistischen Unitarier verstehen unter Unitas vor allem die Einheit von Gott, Natur und Mensch. Zentrale Grundsätze sind der Glaube an die Einheit allen Seins, welches vom Wesen des Göttlichen durchdrungen ist, und der Glaube an die orientierende und sinnstiftende Kraft der menschlichen Vernunft. Hinzu kommt ein Verzicht auf religiöse Dogmen. Wie die christlichen Unitarier sehen sich auch die humanistischen Unitarier in einer historischen Linie mit den reformatorischen Antitrinitariern und den daraus entstandenen frühen unitarischen Kirchengemeinschaften. Der humanistisch geprägte Unitarismus sieht sich jedoch auch noch stärker in der Tradition der Aufklärung und des Deismus. Besonders der deutsche Unitarismus hat zudem starke historische Wurzeln in der Freireligiösen Bewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Die humanistischen Unitarier halten teilweise noch an ihren christlichen Wurzeln fest, allerdings sind diese für die meisten Unitarier nahezu bedeutungslos geworden. Die Unitarier in Deutschland z. B. haben sich seit langem vom Christentum gelöst.

Siehe auch

Literatur

  • Andrew M. Hill: Unitarier. In: Theologische Realenzyklopädie 34, 2002, S. 332–339
  • Mihály Balázs, Gizella Kezerű (Hrsg.): György Enyedi and Central European Unitarianism in the 16–17th Centuries. In: Studia humanitatis. Band 11, Balassi, Budapest 2000, ISBN 963-506-352-0 (englisch).
  • Wolfgang Deppert: Religion und Toleranz. Die Deutschen Unitarier in der öffentlichen Auseinandersetzung – eine Stellungnahme. In: Unitarische Hefte Nr. 5, Deutsche Unitarier, München 1992 (ohne ISBN).
  • Wolfgang Deppert, Werner Erdt, Aart de Groot (Hrsg.): Der Einfluß der Unitarier auf die europäisch-amerikanische Geistesgeschichte. Vorträge der ersten deutschen wissenschaftlichen Tagung zur Unitarismusforschung vom 13.–14. Juni 1985 in Hamburg. In: Unitarismusforschung, Band 1, Lang, Frankfurt am Main 1990, ISSN 0930-4118, ISBN 3-631-41859-0.
  • Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft (Hrsg.): Was glauben Sie eigentlich? Die Deutschen Unitarier – eine freie Religionsgemeinschaft. Deutsche Unitarier, Hamburg 2000, ISBN 3-922483-07-0
  • Kathryn Gleadle: The Early Feminists. Radical Unitarians and the Emergence of the Women's Rights Movements, 1831–51. Macmillan, Basingstoke 1995, ISBN 0-333-63382-2
  • Conrad Wright: The Unitarian Controversy. Essays on American Unitarian History. Skinner, Boston 1994, ISBN 1-55896-284-0 (englisch).
  • Friedrich Schrader: Robert College, in Nord und Süd, November 1919, S. 165–169 (beschreibt die Rolle der Unitarier und ihr gutes Verhältnis zu lokalen Derwischorden in Konstantinopel bei der Gründung des Robert College 1860).

Weblinks

 Commons: Unitarismus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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