Wattenmeer

Als Wattenmeer bezeichnet man das Teilgebiet eines Meeres im Küstenbereich beziehungsweise die dortige Landschaft, die unter einem starken Einfluss der Gezeiten steht.

französisches Wattenmeer am Mont-Saint-Michel bei Niedrigwasser

Weite Flächen eines Wattenmeeres (sprachlich: „watend begehbares Meer“) sind regelmäßig zweimal täglich während der Hochwasserzeit überflutet und fallen während der Niedrigwasserzeit trocken. Die bei Niedrigwasser trocken fallenden Flächen bezeichnet man als Wattflächen. Die wasserführenden Strömungsrinnen werden Priel bzw. Seegatt genannt.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen

Wattenmeere findet man in vielen Teilen der Welt in den gemäßigten Zonen. In den tropischen Zonen sind derartige Küstengebiete zumeist mit Mangroven (Gezeitenwäldern) überwachsen.

Merkmale

Ein Priel bei Cuxhaven

Bei einem Wattenmeer verfügt der Boden nur über ein geringes Gefälle, wobei der Höhenunterschied im Allgemeinen weniger als einen Meter auf einer Länge von einem Kilometer aufweist. Gleichzeitig beträgt der Unterschied des Wasserstandes zwischen Hochwasser und Niedrigwasser mindestens zwei Meter, damit eine genügend große Fläche trockenfällt.

Im Bereich von Flussmündungen werden feinkörniges Material und Schwebstoffe, die zuvor in relativ niederschlagsreichen, flachen Gebieten vom Land in die Flüsse gespült wurden, durch die Strömung dem Meer zugeführt. Auch landseitige Winde führen dem Wattenmeer dieses Material zu, das dann Bestandteil des Wattsediments wird.

Das Wattenmeer verfügt über drei Zonen, die sich räumlich überschneiden können. Der sublitorale Bereich ist ständig unter Wasser, dabei kann es sich um Priele oder Ströme handeln, der supralitorale Bereich liegt oberhalb des normalen Hochwasserstandes und wird nur bei besonders hohen Fluten überspült. Sofern keine menschliche Bewirtschaftung vorliegt, entstehen hier normalerweise Salzwiesen. Das eigentliche Watt, das bei Hochwasser unter- und bei Niedrigwasser oberhalb des Wasserspiegels liegt, bildet den eulitoralen Bereich[1].

Oft bilden vorgelagerte Inseln und Sandbänke einen Schutz vor der Brandung des offenen Meeres und bremsen den seewärtigen Ebbstrom ab.

Flora und Fauna

Ein Wattenmeer bietet einen speziellen, in Teilen auch extremen Lebensraum. Viele Tiere und Pflanzen leben ausschließlich im jeweiligen Wattenmeer, in dem sie angesiedelt sind und haben sich den dort herrschenden Bedingungen angepasst. Zudem ist ein Wattenmeer oft ein wichtiges Rastgebiet für Zugvögel. Außerdem bietet das Wattenmeer den Lebensraum für Wattwürmer und viele Muschelarten. Auf sogenannten Wattbänken ruhen Robben. Auf den nur kurzzeitig (etwa bei Springtiden) trockenfallenden Flächen siedeln sich Seegräser, auf den nur zeitweise überfluteten Flächen Pflanzen wie der Queller an. Es gibt auch sehr viele einzigartige Pflanzen, die nur auf dem sandigen, lockeren Boden der Küstendünen wurzeln und diese stabilisieren.

Problematik

Blick über die Morecambe Bay

Der Lebensraum Wattenmeer ist sehr sensibel und empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen, die zum großen Teil menschlichen Ursprungs sind. Daher gibt es weltweit Initiativen zum Schutz der Wattenmeere, die schon heute Ansätze zu einer internationalen Zusammenarbeit zeigen. Um den Schutz des Wattenmeers der Nordsee besser zu koordinieren, wurde bereits 1978 von den Niederlanden, Deutschland und Dänemark das Common Wadden Sea Secretariat (CWSS) oder Wattenmeersekretariat gegründet.

Wattenmeere weltweit

The Wash von Heacham in Norfolk aus gesehen

Literatur

  • Klaus Janke, Bruno P. Kremer: Das Watt · Lebensraum, Tiere und Pflanzen. Franckh, Stuttgart 1990, ISBN 3-440-06035-7

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Petra Witez: "Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben MTK 0608 (03 KIS 3160): Programme zur langfristigen Erhaltung des Wattenmeers - Prowatt", Hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Laboe 2002 S. 6
  2. Niederländischer Wikipedia-Artikel Waddenzee
  3. Englischsprachige Wikipedia zur Bridgwater Bay
  4. Englischsprachige Wikipedia zum Minas Basin
  5. Bay of Fundy Ecosystem Partnership

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